Aufstandsbekämpfung & Biopiraterie in Chiapas
EU und GTZ fördern nach Ansicht der lokalen Bevölkerung die Aufstandsbekämpfung gegen die Zapatistas und die Biopiraterie unter dem Deckmantel der "sozialen und nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit".
AN DIE PRESSE & ÖFFENTLICHKEIT
Zur Kenntnisnahme erhalten Sie unseren Brief an die zapatistische Bewegung in Chiapas, Mexiko.
Mit freundlichen Grüßen,
Ya Basta-Netz,
Deutschland, Dezember 2004
(Das Ya Basta-Netz ist ein bundesweiter Zusammenschluss unabhängiger Organisationen.)
--------------------------------------------------
An die zapatistischen Juntas de Buen Gobierno
An die EZLN
An die Gemeinden im Aufstand
An die mexikanische Zivilgesellschaft
Liebe Compañeras und Compañeros in Rebellion!
In Bezug auf den Konflikt in Montes Azules haben wir, das bundesdeutsche Ya Basta-Netz und eine Arbeitsgemeinschaft der „Kampagne gegen Biopiraterie“ der BUKO (Bundeskoordinierung Internationalismus), folgende Information beizusteuern. Unsere Informationen basieren auf eigenen Recherchen und auf den Einschätzungen verschiedener internationaler und chiapanekischer Organisationen:
Wir möchten euch über eine deutsche Organisation informieren, die an der Ausbeutung der Region und der Aufstandsbekämpfung in Chiapas seit Kurzem aktiv mitarbeitet.
Diese Regierungsorganisation nennt sich „Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“ (GTZ) und ist im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit weltweit tätig. Dafür erhält sie Geldmittel direkt von der Regierung und von der Europäischen Union. Im Namen von "Entwicklungshilfe" und "Armutsbekämpfung" betreibt die GTZ Wirtschaftsförderung für die westeuropäischen und insbesondere für deutsche Konzerne und vertritt die Interessen der Regierung und der Reichen im Ausland.
Ihre Tätigkeit in Chiapas ist im Rahmen des neoliberalen "Freihandelsabkommen" zu verstehen, das die Regierungen von Mexiko und der EU im Jahr 2000 abgeschlossen haben.
Die EU und die Regierung von Chiapas haben am 27.1.2004 ein Abkommen unterschrieben, das sich „Soziale und nachhaltige Entwicklung in der Selva Lacandona“ (PRODESIS - Proyecto Desarollo Social Integrado y Sostenible) nennt und von 2004-2007 durchgeführt werden soll. Dieses Projekt wird mit 15 Mio EUR der EU und 16 Mio EUR von Mexico finanziert, insgesamt also 31 Mio. EUR, d.h. rund 37 Mio. US-$.
Die GTZ hatte sich bemüht, dieses Projekt durchzuführen. Nun wird es allerdings von dem spanischen Unternehmen Eptisa Proyectos Internacionales S.A., umgesetzt. Fünf „Direktoren“ sind dafür eingestellt worden, die Durchführung dieses Projektes zu leiten und zu überwachen. Angeblich sollen 115.000 Bewohner in 16 Mikroregionen (830 Gemeinden) Nutznießer des Projektes werden. Diese Mikroregionen sind in den Verwaltungsbezirken Palenque, Ocosingo und Comitan konzentriert. Ihre Namen lauten: Francisco I. Madero, Fronteriza; Maravilla Tenejapa, Marques de Comillas; B. de las Americas, Comunidad Lacandona, Nuevo Francisco Leon, Valle Santo Domingo, Damasco, Naha, Agua Azul, Amador Hernandez, Betania, Patihuitz, Guadalupe Tepeyac, Rio Blanco
Die GTZ selbst führt ein von der deutschen Regierung finanziertes Projekt in Höhe von 2. Mio EUR durch, das sich auf drei Biosphärenreservate in Campeche, Quintana Roo und Chiapas konzentriert. Partner sind SEMARNAT (Umweltministerium) und CONANP (Nationale Kommission für Naturschutzgebiete). Das Projekt nennt sich „Naturressourcenmanagement und regionale Entwicklung im Südosten Mexikos“ und soll bis 2006 laufen.
Die offiziellen Ziele der beiden Projekte sind sehr ähnlich. Auf dem Papier wird vorgegeben die Anstrengungen der Regierung von Chiapas beim Kampf gegen die Armut zu unterstützen und zum Schutz der natürlichen Ressourcen im Lakandonischen Regenwald beizutragen.
Zu dem 37 Mio US-$ Projekt werden zur Zeit Scheinbefragungen in ausgewählten Gemeinden durchgeführt, die darauf abzielen, die Gemeinden sowie soziale Organisationen weiter zu spalten. Insgesamt scheint das Projekt die Prospektion und Katalogisierung von Pflanzen und Ressourcen der Region voranzutreiben – eine Vorstufe zur Biopiraterie. Ferner vermuten wir, dass mit den Projektgeldern die „Umsiedlungen“, d.h. Vertreibungen, aus den Montes Azules finanziert werden sollen.
Tatsächlich sind die geplanten Projekte gegen die zapatistischen Gemeinden gerichtet und sollen der Aufstandsbekämpfung dienen. Die Behauptung der GTZ und der EU, eine „nachhaltige und soziale Entwicklung“ in der Selva Lacandona fördern zu wollen, ist nur ein Vorwand. Die politischen Forderungen der Gemeinden im Aufstand - Umsetzung der Abkommen von San Andres, Wiedereinsetzung des Artikels 27 der mexikanischen Verfassung, Anerkennung der politischen Autonomie der indigenen Gemeinden, Landreform und Beendigung des Krieges niederer Intensität in Chiapas - werden von der GTZ und der EU völlig ignoriert.
Wir verurteilen die Tätigkeiten von GTZ und Eptisa Proyectos Internacionales entschieden. Als "Hilfe für die Armen" getarnt, werden die Interessen der Konzerne in Deutschland und EU auf Kosten der Indígenas und Campesinos in Chiapas durchgesetzt.
Wir verstehen die aktuellen Projekte als einen weiteren Schritt in der expansiven Neuorganisierung des Kapitalismus, als eine neue Ausdrucksform des nun seit mehr als 500 Jahren andauernden Kolonialismus.
Diese neue Ausdrucksform bezeichnen wir als "Biokolonialismus". Er zielt auf die Ausdehnung des Kapitalismus in jene Räume des Lebens, die bisher noch nicht der Maxime des Kommerzes unterworfen waren oder sind.
Er bewertet die menschlichen Körper, das Wissen, die Natur, das Land, den Boden, das Wasser, die Pflanzen, eben das Leben als solches rein nach dem Kriterium der Profitmaximierung, als Ware, die möglichst viel Geld einbringen soll. Der Biokolonialismus entwertet das menschlichen Leben in Würde und Selbstbestimmung immer weiter.
Wir hier in Deutschland werden das Treiben der GTZ nicht still hinnehmen, sondern versuchen, die wahren Interessen, die hinter diesem Unternehmen stehen, aufzudecken.
Von der GTZ fordern wir, das Projekt in den Montes Azules sofort zu beenden und sich aus Chiapas zurückzuziehen.
Wir senden eine herzliche Umarmung und solidarische Grüße an die rebellischen Frauen und Männer Mexikos,
Ya Basta-Netz
und
„Kampagne gegen Biopiraterie“ der BUKO (Bundeskoordinierung Internationalismus),
Deutschland
Dezember 2004
P.S.: Weitere Informationen folgen!
Zur Kenntnisnahme erhalten Sie unseren Brief an die zapatistische Bewegung in Chiapas, Mexiko.
Mit freundlichen Grüßen,
Ya Basta-Netz,
Deutschland, Dezember 2004
(Das Ya Basta-Netz ist ein bundesweiter Zusammenschluss unabhängiger Organisationen.)
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An die zapatistischen Juntas de Buen Gobierno
An die EZLN
An die Gemeinden im Aufstand
An die mexikanische Zivilgesellschaft
Liebe Compañeras und Compañeros in Rebellion!
In Bezug auf den Konflikt in Montes Azules haben wir, das bundesdeutsche Ya Basta-Netz und eine Arbeitsgemeinschaft der „Kampagne gegen Biopiraterie“ der BUKO (Bundeskoordinierung Internationalismus), folgende Information beizusteuern. Unsere Informationen basieren auf eigenen Recherchen und auf den Einschätzungen verschiedener internationaler und chiapanekischer Organisationen:
Wir möchten euch über eine deutsche Organisation informieren, die an der Ausbeutung der Region und der Aufstandsbekämpfung in Chiapas seit Kurzem aktiv mitarbeitet.
Diese Regierungsorganisation nennt sich „Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“ (GTZ) und ist im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit weltweit tätig. Dafür erhält sie Geldmittel direkt von der Regierung und von der Europäischen Union. Im Namen von "Entwicklungshilfe" und "Armutsbekämpfung" betreibt die GTZ Wirtschaftsförderung für die westeuropäischen und insbesondere für deutsche Konzerne und vertritt die Interessen der Regierung und der Reichen im Ausland.
Ihre Tätigkeit in Chiapas ist im Rahmen des neoliberalen "Freihandelsabkommen" zu verstehen, das die Regierungen von Mexiko und der EU im Jahr 2000 abgeschlossen haben.
Die EU und die Regierung von Chiapas haben am 27.1.2004 ein Abkommen unterschrieben, das sich „Soziale und nachhaltige Entwicklung in der Selva Lacandona“ (PRODESIS - Proyecto Desarollo Social Integrado y Sostenible) nennt und von 2004-2007 durchgeführt werden soll. Dieses Projekt wird mit 15 Mio EUR der EU und 16 Mio EUR von Mexico finanziert, insgesamt also 31 Mio. EUR, d.h. rund 37 Mio. US-$.
Die GTZ hatte sich bemüht, dieses Projekt durchzuführen. Nun wird es allerdings von dem spanischen Unternehmen Eptisa Proyectos Internacionales S.A., umgesetzt. Fünf „Direktoren“ sind dafür eingestellt worden, die Durchführung dieses Projektes zu leiten und zu überwachen. Angeblich sollen 115.000 Bewohner in 16 Mikroregionen (830 Gemeinden) Nutznießer des Projektes werden. Diese Mikroregionen sind in den Verwaltungsbezirken Palenque, Ocosingo und Comitan konzentriert. Ihre Namen lauten: Francisco I. Madero, Fronteriza; Maravilla Tenejapa, Marques de Comillas; B. de las Americas, Comunidad Lacandona, Nuevo Francisco Leon, Valle Santo Domingo, Damasco, Naha, Agua Azul, Amador Hernandez, Betania, Patihuitz, Guadalupe Tepeyac, Rio Blanco
Die GTZ selbst führt ein von der deutschen Regierung finanziertes Projekt in Höhe von 2. Mio EUR durch, das sich auf drei Biosphärenreservate in Campeche, Quintana Roo und Chiapas konzentriert. Partner sind SEMARNAT (Umweltministerium) und CONANP (Nationale Kommission für Naturschutzgebiete). Das Projekt nennt sich „Naturressourcenmanagement und regionale Entwicklung im Südosten Mexikos“ und soll bis 2006 laufen.
Die offiziellen Ziele der beiden Projekte sind sehr ähnlich. Auf dem Papier wird vorgegeben die Anstrengungen der Regierung von Chiapas beim Kampf gegen die Armut zu unterstützen und zum Schutz der natürlichen Ressourcen im Lakandonischen Regenwald beizutragen.
Zu dem 37 Mio US-$ Projekt werden zur Zeit Scheinbefragungen in ausgewählten Gemeinden durchgeführt, die darauf abzielen, die Gemeinden sowie soziale Organisationen weiter zu spalten. Insgesamt scheint das Projekt die Prospektion und Katalogisierung von Pflanzen und Ressourcen der Region voranzutreiben – eine Vorstufe zur Biopiraterie. Ferner vermuten wir, dass mit den Projektgeldern die „Umsiedlungen“, d.h. Vertreibungen, aus den Montes Azules finanziert werden sollen.
Tatsächlich sind die geplanten Projekte gegen die zapatistischen Gemeinden gerichtet und sollen der Aufstandsbekämpfung dienen. Die Behauptung der GTZ und der EU, eine „nachhaltige und soziale Entwicklung“ in der Selva Lacandona fördern zu wollen, ist nur ein Vorwand. Die politischen Forderungen der Gemeinden im Aufstand - Umsetzung der Abkommen von San Andres, Wiedereinsetzung des Artikels 27 der mexikanischen Verfassung, Anerkennung der politischen Autonomie der indigenen Gemeinden, Landreform und Beendigung des Krieges niederer Intensität in Chiapas - werden von der GTZ und der EU völlig ignoriert.
Wir verurteilen die Tätigkeiten von GTZ und Eptisa Proyectos Internacionales entschieden. Als "Hilfe für die Armen" getarnt, werden die Interessen der Konzerne in Deutschland und EU auf Kosten der Indígenas und Campesinos in Chiapas durchgesetzt.
Wir verstehen die aktuellen Projekte als einen weiteren Schritt in der expansiven Neuorganisierung des Kapitalismus, als eine neue Ausdrucksform des nun seit mehr als 500 Jahren andauernden Kolonialismus.
Diese neue Ausdrucksform bezeichnen wir als "Biokolonialismus". Er zielt auf die Ausdehnung des Kapitalismus in jene Räume des Lebens, die bisher noch nicht der Maxime des Kommerzes unterworfen waren oder sind.
Er bewertet die menschlichen Körper, das Wissen, die Natur, das Land, den Boden, das Wasser, die Pflanzen, eben das Leben als solches rein nach dem Kriterium der Profitmaximierung, als Ware, die möglichst viel Geld einbringen soll. Der Biokolonialismus entwertet das menschlichen Leben in Würde und Selbstbestimmung immer weiter.
Wir hier in Deutschland werden das Treiben der GTZ nicht still hinnehmen, sondern versuchen, die wahren Interessen, die hinter diesem Unternehmen stehen, aufzudecken.
Von der GTZ fordern wir, das Projekt in den Montes Azules sofort zu beenden und sich aus Chiapas zurückzuziehen.
Wir senden eine herzliche Umarmung und solidarische Grüße an die rebellischen Frauen und Männer Mexikos,
Ya Basta-Netz
und
„Kampagne gegen Biopiraterie“ der BUKO (Bundeskoordinierung Internationalismus),
Deutschland
Dezember 2004
P.S.: Weitere Informationen folgen!
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Ergänzungen
GTZ
Das die GTZ in vielen Bereichen nicht gerade das Gelbe vom Ei ist steht ausser Frage, allerdings verfügt gerade die GTZ über eine nicht unerhebliche Erfahrung in der Errichtung von Nationalparks und dem Einbinden der lokalen Bevölkerung in die Nutzung der Parks und der angrenzenden Pufferzonen.
Wenn also Umfragen zur Pflanzen- und Bodennutzung gemacht werden, so dient das wohl eher der Erfassung von Informationen, um zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit lokalen Strukturen, Betroffenen und Wissenschaftlern einen Nutzungsplan zu erwerfen.
Ich habe sowas selber für die CFD gemacht und die Daten gingen an die entsprechenden lokalen Gemeinden, Behörden und an beteiligte Universitäten, nicht an irgendwelche Firmen.
Die GTZ muss sicherlich noch viel lernen was den Umgang mit der lokalen Bevölkerung betrifft, sie hat aber gerade in den letzten 15 Jahren vieles geändert, auch aufgrund von Druck von anderen NGOs.
Eventuell könnte ja mal jemand von BUKO den Herrn
Peter Hauschnik
E-Mail:
Oficina de Representación de la GTZ en México
um mehr Informationen zu dem Projekt und um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen bitten, wäre ja mal interessant was da kommt.
es gibt halt
GTZ-Praxis...
1.) Infos zur Biopiraterie: www.biopiraterie.de
2.) Detaillierte Infos zu den Montes Azules:
www.chiapas.ch / www.gruppe-basta.de
3.) DOKUMENTATION - Pressemitteilung vom 23.08.1999 von Pro Regenwald
GTZ-Projekt setzt Ureinwohner unter Druck
Kampagne Landrecht - Ureinwohner beschweren sich - Drückerkolonne im Regenwald -
Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) betreibt das FOMISS-Forstprojekt in Sarawak, Malaysia, ohne der davon betroffenen Bevölkerung ein Mitspracherecht einzuräumen. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und im Projektgebiet lebende Penan, die als Ureinwohner Landrechtsansprüche geltend machen, beklagen sich über die drohende "Enteignung" und die Zerstörung der traditionellen Lebensweise, die überdies mit deutschen Steuergeldern finanziert wird. Die Münchner Organisation Pro REGENWALD fordert nun in einem Brief an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Projekt nur dann weiter zu fördern, wenn sich die GTZ an strenge Auflagen hält und erhebliche Verbesserungen zugunsten der Regenwaldbewohner einführt.
Eine routinemäßige interne Überprüfung des Projektes hat nun selbst erhebliche Mängel festgestellt, auf die NROen schon seit Monaten vergeblich hingewiesen hatten. "Die Leute im Projektgebiet sind nicht einmal richtig gefragt worden", bestätigt Herr Zimmer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) jetzt die Vorwürfe gegen das Projekt. "Ein Dialog mit den Leuten ist nicht richtig geführt worden." Das BMZ fördert das Projekt bisher mit mehreren Millionen Mark.
Doch auch die Verbesserungsvorschläge der GTZ-Experten ignorieren weiterhin die Interessen der im Gebiet lebenden Menschen. Die GTZ will wie geplant in Kooperation mit der sarawakischen Forstbehörde auf einer 170.000 Hektar großen Konzession des malaysischen Holzkonzerns Samling [1] schonendere Holzerntemethoden und Forstplanung erproben. Damit mißachtet sie die Tatsache, daß sich als rechtmäßige Besitzer der Region seit Jahrhunderten ansässige indigene Gruppen sehen, unter ihnen Kenyah, Kelabit und Penan. [2]
Internationales Aufsehen weckten insbesondere die Penan, die sich seit Beginn der 80-er Jahre vehement gegen den Holzeinschlag in ihrem Lebensraum gewehrt hatten. Um der Holzindustrie den Zugriff auf die Wälder zu ermöglichen, änderte die Regierung Sarawaks in den vergangenen Jahren das Gesetz zur Regelung der Landrechtsfrage: wer nicht binnen weniger Monate seine Ansprüche schriftlich hinterlegt hatte, verlor seinen Anspruch. Einige der betroffenen Dorfgemeinschaften wissen heute noch nicht von dieser umstrittenen Gesetzesänderung. Harrison Ngau, ein NRO-Vertreter aus der sarawakischen Stadt Miri, der Indigene bei Gerichtsverfahren unterstützt, kann bis heute nicht verstehen, warum die GTZ in dem umstrittenen Gebiet aktiv ist - zumal mehrere Verfahren anhängig sind, die die Samling-Konzession als verfassungswidrig erklären können.
Anstatt die traditionellen Landrechte der Bewohner entsprechend der BMZ-Grundsätze zu respektieren, ergreift die GTZ Partei für den Holzkonzern. Pro REGENWALD-Sprecher Laszlo Maraz: "Die GTZ verstößt damit nicht nur gegen BMZ-Richtlinien. Sie setzt sich dem Verdacht aus, daß deutsche Steuergelder dazu benutzt werden, die Landrechtsfrage zugunsten der Holzgeschäfte zu entscheiden."
Pro REGENWALD fordert vom BMZ, der Bevölkerung endlich angemessenes Mitspracherecht einzuräumen. Weitere Voraussetzung ist die Klärung der Landrechtsfrage. Zudem müssen für eine echte Partizipation im Rahmen des Projektes finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Die Betroffenen, örtliche Organisationen und Unterstützergruppen in Europa sind gezwungen, sich auf eigene Kosten in den Prozess einzubringen, oder - wie derzeit - gegen ein Projekt zu wehren, das die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung [3] und den Regenwald bedroht.
"Partizipation ist für die GTZ-Repräsentanten im FOMISS-Projekt offenbar ein Fremdwort. Die GTZ-Experten sind mit der Aufgabe, die Bevölkerung in ein solches Projekt einzubeziehen, völlig überfordert", so Maraz. Nach Aussagen von Betroffenen hat das Projektteam wiederholt versucht, die Bewohner durch Drohungen zur Zustimmung zum Projekt zu bewegen, indem sie die Menschen vor die Wahl stellte, nach dem Motto: "Entweder ihr macht mit, oder Samling holzt euren Wald sowieso ab." Erpressung statt Partizipation. Ein BMZ-Mitarbeiter sieht das anders: "Wir versuchen, den Penan eine Lebensgrundlage zu geben, denn Samling hat eine legale Lizenz für den Holzeinschlag. Die Fakten erpressen uns."
Die offensichtlichen Schwächen des Projektes sollen nun durch die Einstellung von zwei weiteren Mitarbeitern behoben werden. "Wir befürchten, daß diese wie eine Drückerkolonne durch die Dörfer ziehen sollen, um die Menschen umzustimmen," so Maraz.
Pro REGENWALD kritisiert in dem Brief an das BMZ darüber hinaus auch, daß sich das Projekt einseitig auf den Holzeinschlag im Urwald konzentriert, anstatt echte Entwicklungsmöglichkeiten mit und für die betroffenen Bevölkerungsgruppen zu suchen. "Wir sind entsetzt über die Vorgänge im Projektgebiet. Die FOMISS-Mitarbeiter müssen sich aufgeführt haben wie Kolonialherren vergangener Zeiten", sagt Maraz. Wollte man ein Projekt zugunsten der Waldbevölkerung durchführen, müßte man diese von Beginn in die Projektdiskussion einbinden. Stattdessen wurden bereits die Holzvorräte auf dem Land der Penan vermessen, ohne die Bewohner um Erlaubnis oder Kooperation zu fragen. Die Beschwerden der Menschen blieben ungehört. Sie fürchten weiterhin um ihre Zukunft.
Ergänzungen:
[1] Samling wurde Anfang der 60-er Jahre von Datuk Yaw Teck Seng gegründet, der heute noch gemeinsam mit seinem Sohn Che Ming die Samling-Gruppe kontrolliert. Samling kontrolliert in Sarawak 1,5 Mio. Hektar Wald, und war in vergangenen Jahren auch in Guyana (1,69 Mio. Hektar) und Kambodscha (800.000 ha) tätig. Die Firma ist für ihre Raubbau-Praktiken berüchtigt. Analysten bezeichnen die Samling-Gruppe als die größte und die aggressivste Holzindustrie in Sarawak. Mehrere Blockaden auf Samling-Konzessionen in Sarawak sind dokumentiert und diverse Klagen der Ureinwohner gegen die Firma und die sie unterstützende Polizeikräfte an Gerichten anhängig.
[2] Das bergige Projektgebiet ist eines der wichtigsten Wassereinzugsgebiete der Region, in dem nach Ansicht von Experten besser überhaupt kein Holzeinschlag stattfindet. Denn selbst bei schonenderen Einschlagsmethoden drohen Erdrutsche und die Verschmutzung der Flüsse. Folgen davon sind sowohl die Verunreinigung des Trinkwassers für Bewohner in der Region als auch der drastische Rückgang der Fischbestände als Nahrungsquelle für die Waldbewohner.
[3] Die Holzfirmen sind besonders interessiert an den Meranti-Bäumen in den Wäldern Sarawaks. Diese werden bevorzugt für den Bau von Fenstern eingesetzt. Allerdings stellen die Samen der Bäume die wichtigste Nahrungsquelle der Wildschweine dar, welche die Einheimischen neben Fisch als wichtige Eiweißquelle nutzen. Wer die dicksten Merantibäume abholzt, nimmt der Bevölkerung die wichtigsten Nahrungsmittel.
Quelle: