Arnstadt: Antifa-Protest und Eskalation

Antifaschistischer Widerstand Arnstadt [AWA] 21.11.2004 01:41 Themen: Antifa Antirassismus
Etwa 30, teilweise militante, Neo-Nazis aus Thüringen veranstalteten am Samstag eine Kundgebung auf dem Markt in Arnstadt. Ca. 150 Demonstranten protestieren erfolgreich dagegen. Die Polizei ging brutal gegen die AntifaschistInnen vor. Als BFE-Polizisten auf Demonstranten einschlugen eskalierte die Situation, es kam zu Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz. 80-90 Leute wurden eingekesselt, unter ihnen auch viele Kinder und Personen die nicht beteiligt waren, sie wurden durchsucht und gefesselt. Umstehende Leute wurden durch die Cops teilweise gejagt und ebenfalls in Gewahrsam genommen. Einer bewusstlosen Person im Kessel wurde jegliche medizinische Hilfe verwehrt. Der Kessel wurde gegen Ende der Nazikundgebung mit Linienbussen und Polizeikonvois abtransportiert, alle Leute wurden noch mal abfotografiert, viele ED-Behandelt und massenhaft Anzeigen gegen Sie erstattet.
Anmelder der Nazikundgebung: Parick Wieschke und Sven Geyer
Es begann ironischer Weise schon am Donnerstag, als sich in Arnstadt mehrere duzend Leute trafen um aufgrund der zunehmenden Naziaktivitäten eine Antifa-Gruppe in Arnstadt zu bilden. Nach dem ein Vortrag über rechtsextreme Strukturen und Aktivitäten gehalten wurde, kam jemand dazu und verkündete, das sich am Samstag mehrere Faschisten auf dem Markt versammeln werden. Der Kundgebungstermin wurde eine Woche lang durch die Stadt verschwiegen, um vermutlich Gegenaktivitäten vorzubeugen. Dennoch erfolgte eine sofortige Mobilisierung und so kamen am 20. November mehr ca. 150 Demonstranten um die vom Arnstädter Nazikader Sven Geyer und Eisenacher Kameradschaftsführer Patrick Wieschke angemeldete Kundgebung am Samstag zu stören. Das Thema der Nazis drehte sich überwiegend um Sozialabbau und das der Nationalsozialismus doch die bessere Alternative wäre...

Spontandemo zur Naziveranstaltung
Als gegen Nachmittag eine Gruppe von mehreren duzend Antifas Richtung Markt eine Spontandemo mit mehreren Transpis durchführte, war die Polizei noch sehr überrascht. Auch die wenigen Nazis, die erst eingetroffen waren, hatten anscheinend nicht mit Protest gerechnet. Die Polizei versuchte die Demonstranten abzudrängen, es kam zu kleineren Auseinandersetzungen, danach rannten die Antifas in eine Seitenstraße und gelangten zur anderen Marktseite, von dort aus wurde weiter lautstark gestört, obwohl die Naziveranstaltung noch gar nicht offiziell begonnnen hatte, Grund war wahrscheinlich die geringe Teilnehmerzahl. Die Kundgebung wurde auf 50-70 angemeldet, später sogar noch auf 120 erhöht. Von den Kameraden im Stich gelassen, froren also nur 30 Faschisten auf dem Marktplatz. Währenddessen wuchs der antifaschistische Protest inzwischen auf beiden Marktseiten. Polizeiliche Mittel wie Sichtschutz durch eine ganze Palette an Sixpacks halfen relativ wenig um die Störungen zu unterbinden, statt dessen besuchte ein Großteil über andere Seitenstraßen direkt die Nazikundgebung. Nur wenige Meter trennten Nazis und Demonstranten.

Farbeier, Wasserbomben, Tomaten, Obst, Konfetti, ...
Dumm für die Nazis: Einige ihrer –unübersehbaren- Autos parkten dort, wo sich mehrere Antifas aufhielten. Als sich etliche Leute um eine Nazikarre (mit entsprechenden Aufklebern) stellten und lautstark über die Landser-CDs im Fahrzeuginneren jubelten, während viele Polizisten in der Nähe standen, rasstete der Kfz-Besitzer auf der Nazikundgebung aus und wollte auf die Antifas losstürmen. Seine Gesinnungsgenossen hielten ihn zurück und er fuhr seine Karre zu anderen Kameradenautos. Als die Kundgebung der Nazis begann, traf auch schon eine Knüppelbrigade der Bullerei ein, um die Demonstranten abzuschirmen. Diese hatten allerdings keine Lust schon so früh zu gehen und so wurden die Thüringer Kameraden, überwiegend aus Gotha, Arnstadt, Erfurt, Eisenach und Apolda angereist, noch mit lustigen Mitbringseln überrascht. Es flogen Farbeier, Wasserbomben, Tomaten, Obst und einige andere Sachen. Die ein oder andere Frontscheibe der Six-Packs die im Wege standen, strahlte danach in einem knalligen Gelb. Auf Team-Green, das sich inzwischen mit seiner Football-Ausrüstung vor den Demonstranten aufstellte, rieselten nicht nur Schneeflocken sondern auch schöner Konfettiregen.

Polizei setzt auf Eskalation, Knüppeleinsatz, Reizgas und Kessel
Neben lauter Musik (die Anlage im Auto stand nur wenige Meter neben den Nasen) gab es gute Stimmung und noch viel lautere Sprechchöre. Die Cops begannen dann jedoch massiv auf die Demonstranten einzuprügeln, was die braune Fraktion im Hintergrund erfreute. Anfangs waren es nur Tritte und Faustschläge ins Gesicht, dann folgte jedoch Knüppeleinsatz. Die Polizei scheute auch nicht davor, in die Menge der Demonstranten, unter denen auch viele Kinder waren, Reizgas zu sprühen. Einige Opfer der staatlichen Peffersprayattacke, hatten auch noch Stunden später Schmerzen in Atemwegen und Augen. Team-Green begann anschließend einen Kessel zu bilden, in dem etwa Hundert Leute festgehalten wurden. Der Megafonsprecher und Mitanmelder der Nazikundgebung Patrick Wieschke lieferte sich derweilen eine verbale Entgleisung nach der Anderen. Wieschke, der wegen mehreren Fällen von Körperverletzung und einem Sprengstoffanschlag in Eisenach bereits zwei Jahre im Gefängnis saß, nannte nicht nur die Namen politischer Gegner, die sich an den Protesten beteiligten, er grölte während der Kundgebung auch „Sieg dem nationalen Widerstand! Heil der nationalen Opposition!“. Während die Leute im Kessel von der Polizei mehrfach attackiert wurden und laut Aussagen von Zeugen eine Person, bewusstlos am Boden lag, kam es auch in der Umgebung zu einigen Vorfällen. Als Antifas sich auf der Straße „An der Weise“ befanden und ein Polizeiauto entgegenkam, sprang einer der Beamten mit gezücktem Schlagstock grundlos auf die Leute zu und brüllte unverständlich umher. In der Region um dem Markt begannen inzwischen Greiftrupps der BFE-Schlägereinheit verschiedene Leutezu jagen und in Gewahrsam zu nehmen. Während der gesamten Prozedur wurde die Redebeiträge der Faschisten durch Sprechchöre, Pfeifkonzerten und Megafon gestört. Nach dem Schwenken von diversen Fähnchen, blamierten sich die Nazis noch mal richtig vor allen anwesenden, als verschiedene Lieder völlig schief und unerträglich gesungen wurden. Als die Kundgebung beendet wurde, gingen die Nazis enttäuscht zu ihren Autos zurück, an denen teilweise ganz amüsante Aufschriften klebten „Murder Squat“, „Odins Erben“ und „Söhne Germaniens“ waren nur einige davon. Angeblich haben irgendwelche Leute auch diverse „Veränderungen“ im Verlaufe der Kundgebung daran vorgenommen.

Stadtlinienbusse als Gefangenentransporter inkl. Polizeikonvoi
>Als einige der Nasen bereits abreisten, folgte über Lautsprecher eine Durchsage der Polizei, das alle im Kessel befindlichen Personen zunächst durchsucht, dann gefesselt und anschließend mitgenommen werden. Antifas, die aus dem Kessel flüchten konnten oder noch nicht in Gewahrsam waren, sammelten sich in der Nähe und verkündeten im gleichen Stil über Megafon, dass „die politischen Gefangenen unverzüglich freigelassen werden sollen und das bei Zuwiderhandlung die Polizei eingekesselt wird“. Es folgte ein mehrfaches Katz & Mausspiel mit den Greiftrupps und anschließend machte Team Green die Ankündigung mit Festnahme & Abtransport wahr. Auch kleine Kinder wurden dieser Maßnahme unterzogen, worauf es Protest von umherstehenden Passanten hagelte. Mädchen und Frauen durften nicht auf Toilette, wenn dann nur nach langem Warten in Begleitung zweier männlicher Beamter. Die ersten Gefangenen wurden in Gefangentransporter mitgenommen, da die Polizei jedoch vorhatte, bis zu 90 Menschen in Gewahrsam zu nehmen, reichten diese nicht aus.

Die Einsatzleitung traf die Entscheidung, die Linienbusse der Stadt Arnstadt für den heutigen Abend als Gefangenentransporter zu nutzen. Am ersten Bus wurde die Technik sabotiert, beim nächsten die Straße blockiert, was jedoch die Ab- bzw. Weiterfahrt nicht wesentlich lange verzögerte. Der letzte Bus erreichte in einem Konvoi aus vielen Six-Packs die Polizeistation, dort wurden die Personalien aller Leute kontrolliert, Fotos von ihnen gemacht und bei vielen ED-Behandlungen vollzogen. Es hagelte einen ganzen Haufen an Anzeigen, viele davon wegen angeblicher Sachbeschädigung und Beamtenbeleidigung.

Fazit:
- Nazikundgebung ist mehr oder weniger ins Wasser gefallen, sie konnten auch keine Flugblätter verteilen
- Die Thüringer Polizei hat erneut gezeigt, das sie mit allen Mitteln Faschisten schützt und deren Gegner brutal attackiert. Was jedoch eine neue Dimension darstellt, ist dass auch bewusst Kinder und umherstehende Passanten die gleichen Repressionen zu spüren bekommen
- Proteste gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus haben Wirkung gezeigt, wir werden auch weiterhin gegen neofaschistische Agitationen ankämpfen

Bilder folgen noch.
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Ergänzungen

In Gewahrsam

[umbruch] antifa 21.11.2004 - 10:03
Um noch eine kleine Ergänzung zu machen. Die Festnahme verlief sehr brutal und unmenschlich. Gefesselte Leute wurden verprügelt, weil sie sich weigerten mit zu kommen oder weil sie nicht auf Toilette durften. Bei vielen DemonstrantInnen wurden die Kabelbinder so fest gezogen, das es die Hände abschnürrte. Im Bus musste man sehr lange warten bevor man mit der Feststellung der Personalien begann. Auf Leute die auf die Toilette mussten wurde keine Rücksicht genommen und wie auch im obrigen Text steht musste Mädchen bzw. Frauen in begleitung männlicher Polizisten auf die Toilette.

Ergänzung

Antifa Erfurt 21.11.2004 - 10:21
Wie Wieschke während der Kundgebung mitteilte, war die Kundgebung in Arnstadt Teil einer antikapitalistischen Kaffeefahrt die vorher mehrere andere Stationen in Thüringen hatte.
Wer weiß mehr über andere Stationen?

stationen der braunen kaffeefahrt

infoladen SLF 21.11.2004 - 12:52
die braune horde machte vor arnstadt in mehreren thüringischen und sächsischen städten halt. es liegen bestätigte berichte über kundgebungen bzw. stationen in gera, naumburg, altenburg, zwickau, plauen, saalfeld, rudolstadt, schleiz, greiz und arnstadt vor. auch kann nicht ausgeschlossen werden das es weitere stationen gab bzw. das arnstadt nicht die letzte an besagtem tage war.
unklar sind weiterhin organisatoren, start- und zielort der fahrt. auch konnte erst im laufe des späten nachmittags festgestellt werden das der bus mit ca. 60 faschos voll besetzt war, er wurde am hermsdorfer kreuz gesichtet als sich dort die faschos recht kollegial mit team green unterhielten und wohl gemeinsam die weitere taktik absprachen.

vllt. kann jemand weitere infos beisteuern denn nur so können wir demnächst weitere nazi-kaffeefahrten o.ä. verhindern.

Nazi-Polizeikomplizenschaft in Arnstadt...

war auch da 21.11.2004 - 13:06
Kann das heftige Vorgehen der Polizei nur bestätigen, sicherlich war das im Punkto Polizeirepression ein neuer Höhepunkt in Arnstadt, allerdings gab es bereits vor einigen Jahren einen Fall, der ebenfalls zeigte, wie menschenverachtend Arnstädter Polizisten mit Neo-Nazis kooperieren.

Polizei und Nazis - Hand in Hand, Neonazi-Überfall auf Asylbewerber in Arnstadt - Polizei ergriff Partei für die Nazis
 http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2000/11/13/1512.html

Presse berichtet:

C/P 21.11.2004 - 13:26
Sonntag 21. November 2004, 09:55 Uhr
Ausschreitungen bei Aufmarsch von Rechtsextremen in Thüringen

Arnstadt (AP) Bei einem Aufmarsch von rund 60 Neonazis im thüringischen Arnstadt ist es am Wochenende zu Ausschreitungen von Gegendemonstranten gekommen. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wollten die Mitglieder des so genannten Nationalen Widerstandes am Samstag nachmittag gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV protestieren. Auf dem Marktplatz wurden sie den Angaben zufolge von einer spontanen Gegendemonstration aus dem linken Spektrum mit Sprechchören und lauter Musik daran gehindert.

Als Autonome Bierflaschen, Farbbeutel und mit Wasser gefüllte Luftballons auf die Neonazis geworfen hätten, habe die Polizei einschreiten müssen, sagte ein Polizeisprecher. Von rund 100 Menschen seien die Personalien aufgenommen worden. Sechs von ihnen seien vorläufig festgenommen worden; sie befänden sich aber wieder auf freiem Fuß. Der Aufmarsch von Mitgliedern der rechtsextremen Szene sei von einer Privatperson angemeldet worden. Rund 70 Beamte hätten sich im Einsatz befunden.

 http://de.news.yahoo.com/041121/12/4ay0h.html

team green hat die situation dominiert

tut nix zur sache 21.11.2004 - 14:00
meines erachtens lief die aktion so lange gut, wie wir uns in unserer aktion auf die nazis konzentriert haben: die kundgebung wurde mit musik, sprechchören und auch durch unsere pure anwesenheit in unmittelbarer nähe der nasen massiv gestört.
als dann die thüringer beammtenwillkür wegen eines (EINES!) flaschenwurfes, der niemanden getroffen hat die kundgebung eingekesselt hatte, haben wir den fehler gemacht, uns vollends auf die auseinandersetzung mit den bullen zu konzentrieren.
ab da konnten die nasen ziemlich ungestört agieren.
das sollte beim näxten mal anders werden.

mdr: Sohn von Abgeordneten festgehalten

C/P 21.11.2004 - 16:29
Im MDR-Videotext gefunden.

Erste Bilder

[umbruch]antifa 22.11.2004 - 20:51
Es sind erste Bilder da! Es werden weitere folgen...

Die Nasen melden sich

Japs Jena 22.11.2004 - 22:15
Einen Bericht + Bilder der Nasen findet Ihr unter www.n-w-j.de/?ID=29&seite=news

Überzogener Polizeieinsatz in Arnstadt

verlinker 25.11.2004 - 16:41
Überzogener Polizeieinsatz in Arnstadt
 http://de.indymedia.org/2004/11/99869.shtml

Bilder...

jobst 27.11.2004 - 13:49
Arnstadt: Protest gegen Nazikundgebung (Bilder)  http://de.indymedia.org/2004/11/100073.shtml

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

haha — abgeordnetenkind

@ Anwesender — kick you

@ kick you 22.11.2004 00:53 — Kick you back

Ja — kick math

Komentar zu "kick you" — Antifa Weimar