Mediale Nebelkerzentaktik zum Castorunglück
Der Artikel "Staatsanwaltschaft bestätigt die Blockierer", abrufbar unter
http://germany.indymedia.org/2004/11/98981.shtml , weist auf mögliche bewusste Verwirrung der Öffentlichkeit hin. Hier eine Zusammenfassung der regionalen Bericherstattung in Lothringen am 9.11., zwei Tage nach dem Unglück, bei dem der Castorgegner Sébastien Briat ums Leben kam.
http://germany.indymedia.org/2004/11/98981.shtml , weist auf mögliche bewusste Verwirrung der Öffentlichkeit hin. Hier eine Zusammenfassung der regionalen Bericherstattung in Lothringen am 9.11., zwei Tage nach dem Unglück, bei dem der Castorgegner Sébastien Briat ums Leben kam.
Es war für den normalsterblichen Bürger in den ersten Tagen nach dem Castor-Unglück tatsächlich alles andere als einfach herauszufinden, welche Erkenntnisse zu den Todesumständen von Sébastien Briat vorlagen. Am ausführlichsten berichtete die lothringische Zeitung „L´Est Républicain“, je einen weiteren Artikel in Zusammenhang mit Sebastiens Tod veröffentlichten am 9.11 "Le Republicain Lorrain", ebenfalls aus der Region und das Pariser Blatt "L´Humanité". "L´Humanité" gab allerdings mehr die Einschätzung von einigen Organisationen wieder, während die Regionalblätter den Schwerpunkt auf die Umstände des Unglücks legten. Zahlreiche Angaben wurden dabei immer widersprüchlicher.
Der Eklatanteste Widerspruch war sicher der zwischen der hartnäckigen und mehrere Tage anhaltenden Behauptung, Sébastien sei angekettet gewesen und der Tatsache, dass der Republicain Lorrain eben bereits am 9.11 berichtete, Sebastiens Körper sei "mehrere Dutzend Meter durch die Luft geschleudert" worden und dass laut L´Est Republicain das Vorhängeschloss in geöffnetem Zustand wiederaufgefunden worden war.
Weitere erhebliche, sehr auffallende Widersprüche ließen sich im Übrigen vor allem in Zusammenhang mit der Frage nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens feststellen, der allgemein aufallend viel Raum gegeben wurde: Mal wurde behauptet, er sei Mitglied des Netzwerks "Sortir du nucléaire" gewesen, Mal sollte er überhaupt nicht organisiert gewesen sein, Mal sollte er einer lokalen, selbstorganisierten Gruppe angehört haben. Es war für den aufmerksamen Leser unübersehbar, dass offenbar Versuche stattfanden, die Frage nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens in den Vordergrund zu Rücken, während die Dimension der fahrlässigen, ja billigenden in Kauf Nahme von Unfällen durch Behörden und Transportbetreiber so gut wie gar nicht zum Thema gemacht wurde.
Das Netzwerk Sortir du nucléaire hatte ausdrücklich migeteilt, dass "die Transporte radioaktiven Materials die Bürger dazu bringen, erhebliche Risiken in Kauf zu nehmen, um ihrer Oppsition gegen jene Transporte Ausdruck zu verleihen", gleiches taten viele andere Gruppen. Dies wurde in der Medienberichterstattung aber deutlich vernachlässigt.
Die Informationen, die am 9.11. zu bekommen waren, drehten sich um Folgendes:
2.200 Tonnen, auf mehreren Hundert Metern Länge, bei einer Geschwindigkeit, die laut L´Est Républicain "zwischen" 80 und 100 Stundenkilometern beziffert wurde, während der Republicain Lorrain bereits auf staatsanwaktschaftlich festgestellte 98 Kmh hinwies - in einer Kurve, wie bekannt - hätten den Castorgegner erfasst, weil da keine Vollbremsung mehr helfen konnte. Das Vorhängeschloss, mit dem die Kette befestigt gewesen sei, werde untersucht. Der Staatsanwalt gehe von 800 Metern Bremsweg aus und betone offenbar, eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern sei "Vorschriftsgemäß" für ein solches "Ensemble". Zwei von den Castorgegnern, die wenige Stunden vor Sébastien Briats Tod bei Laneuville-Devant-Nancy den Zug blockierten wolle die Justiz offenbar „Verkehrsstörung“ vorwerfen.
Die Zuggeschwindigkeit wurde also nach Kräften relativiert, vom Ausfallen des zum tanken geflogenen Hubschraubers war gar nicht die Rede, zumindest berichteten die lothringischen Tageszeitung am 9.11. nichts mehr davon. Vielmehr ließ sich aus den dort veröffentlichen Informationen ableiten, dass die Staatsanwaltschaft - in auffallendem Einklang mit Stellungnahmen des Transportbetreibers COGEMA - die Schuld offenbar zuerst bei jenen suchte, die solche Aktionen überhaupt durchführen.
"Im Internet zu kaufen" lautete die Schlagzeile, mit der dann jener Abschnitt eines Artikels zum Stand der Ermittlungen betitelt war. Es wurde darin hervorgehoben, die Blockierer bei Laneuville-Devant-Nancy hätten sich auf gerader Strecke positioniert, während die in Avricourt, wo Sébastien starb, hinter einer Kurve waren, bevor erneut der Antiatom-Aktivist Poirot zitiert wurde, der am Sonntag die Unglücksstelle besichtigt hatte. Poirot habe dort erklärt, die gewählte Stelle sei gefährlich gewesen. Offenbar wollte der langjährige Veranstalter von Blockadetrainings damit die Vermutung äußern, dass die Blockierer womöglich nicht über die nötige Erfahrung verfügten, da seine Aussage mit dem Hinweis einher ging, dass sich erfahrene Aktivisten streng an gewisse Regeln halten. Vermutlich lag ihm, als langjährigen Aktivisten und Blockadetraining-Veranstalter viel daran, dass sich die grundsätzlich immer willkommenen Unterstützer der Proteste mit den von solchen Transporten und deren Durchführungsweise ausgehenden Gefahren bewusst auseinandersetzen. Die mediale Verflechtung von Poirots Aussage mit denen des Staatsanwalts hinterließt dem aufmerksamen Leser daher einen bitteren Nachgeschmack.
Die Staatsanwaltschaft wurde nämlich als nächstes zitiert. Poirot hatte auf den standardmäßigen Gebrauch von Rauchkerzen ("fumigènes") hingewiesen. Laut L´Est Republicain werden diese Rauchsignale "Von den Behörden berücksichtigt, um den Zug zu stoppen". Mit Sicherheit wurden sich sehr viele erst in jenen Tagen und Stunden gewahr, dass eine solche Praxis existiert und von gro´ter Bedeutung ist. Den Wunsch, einen Atomülltransport zu stoppen, kann aber jeder haben und die Mittel, die gesamte Bevölkerung zu Informieren haben nur die Behörden, nicht die vielen Initiativen, die sich gegen diese Transporte organisieren.
Viel- und nichtssagend zugleich lautete dann ein Zitat des Staatsanwalts Michel Senthille direkt nach dem Hinweis, dass die Behörden solche Signale "berücksichtigen": "Es ist genau in diesem Augenblick [d.h., wenn die Rauchkerzensignale erfolgen, d.R.], dass sich die Aktivisten auf den Schienen positionieren und das Schloss ihrer [Blockade-, d.R.] Vorrichtung verschließen".
Daraufhin folgte eine Beschreibung der Prozedur am Gleis, nach der ein Stahlrohr unter den Schienen platziert wird, in dessen beiden Öffnungen je ein Blockierer seinen Arm steckt. Das Handgelenk sei mit einem Kabel verbunden, das mit einer "Achse" im Inneren des Rohres verbunden und mit Vorhängeschloss befestigt werde, woraufhin nur "ein Eingriff der mit dem nötigen Equipment versehenen Ordnungskräfte" die Protestierer befreien könne. Vielsagend schloss der Absatz mit dem Hinweis ab, es werde hierfür ein Set verwendet, das deutscher Herkunft und im Internet zu kaufen sei und dass es heiße, die Gruppe in Avricourt habe die Informationen über den Fahrplan des Zuges einer einschlägigen, "spezialisierten" Internetseite entnommen.
Im nächsten Abschnitt des Artikels – mit Zwischenschlagzeile "Das Vorhängeschloss wurde in geöffnetem Zustand aufgefunden" wurde versucht, erste ermittlerische Vermutungen zum Ablauf der Aktion wiederzugeben. Die Rohre seien vermutlich am Vormittag gelegt worden. Vier von den acht Aktivisten hätten sich nach dem Passieren der Gendarmen, die dem Konvoi vorausfuhren, sich an den Schienen positioniert während die anderen vier sich der Abgabe von Signalen um den Zug zu stoppen angenommen hätten. Ganz dem beschriebenen Aktionsstandard entsprechend, soweit. Kein Wort aber dazu, unter welchen Umständen Signale abgegeben wurden oder auch nicht und auch keine Frage daach. Von rasenden Polizeifahrzeugen, durch die eine Abgabe von Signalen anscheinend auf entscheidende Weise verunmöglicht wurde, erfuhr die Öffentlichkeit erst Tage später durch eine Erklärung der Gruppe um Sébastien.
Der Eklatanteste Widerspruch war sicher der zwischen der hartnäckigen und mehrere Tage anhaltenden Behauptung, Sébastien sei angekettet gewesen und der Tatsache, dass der Republicain Lorrain eben bereits am 9.11 berichtete, Sebastiens Körper sei "mehrere Dutzend Meter durch die Luft geschleudert" worden und dass laut L´Est Republicain das Vorhängeschloss in geöffnetem Zustand wiederaufgefunden worden war.
Weitere erhebliche, sehr auffallende Widersprüche ließen sich im Übrigen vor allem in Zusammenhang mit der Frage nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens feststellen, der allgemein aufallend viel Raum gegeben wurde: Mal wurde behauptet, er sei Mitglied des Netzwerks "Sortir du nucléaire" gewesen, Mal sollte er überhaupt nicht organisiert gewesen sein, Mal sollte er einer lokalen, selbstorganisierten Gruppe angehört haben. Es war für den aufmerksamen Leser unübersehbar, dass offenbar Versuche stattfanden, die Frage nach dem "Organisationsgrad" Sébastiens in den Vordergrund zu Rücken, während die Dimension der fahrlässigen, ja billigenden in Kauf Nahme von Unfällen durch Behörden und Transportbetreiber so gut wie gar nicht zum Thema gemacht wurde.
Das Netzwerk Sortir du nucléaire hatte ausdrücklich migeteilt, dass "die Transporte radioaktiven Materials die Bürger dazu bringen, erhebliche Risiken in Kauf zu nehmen, um ihrer Oppsition gegen jene Transporte Ausdruck zu verleihen", gleiches taten viele andere Gruppen. Dies wurde in der Medienberichterstattung aber deutlich vernachlässigt.
Die Informationen, die am 9.11. zu bekommen waren, drehten sich um Folgendes:
2.200 Tonnen, auf mehreren Hundert Metern Länge, bei einer Geschwindigkeit, die laut L´Est Républicain "zwischen" 80 und 100 Stundenkilometern beziffert wurde, während der Republicain Lorrain bereits auf staatsanwaktschaftlich festgestellte 98 Kmh hinwies - in einer Kurve, wie bekannt - hätten den Castorgegner erfasst, weil da keine Vollbremsung mehr helfen konnte. Das Vorhängeschloss, mit dem die Kette befestigt gewesen sei, werde untersucht. Der Staatsanwalt gehe von 800 Metern Bremsweg aus und betone offenbar, eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern sei "Vorschriftsgemäß" für ein solches "Ensemble". Zwei von den Castorgegnern, die wenige Stunden vor Sébastien Briats Tod bei Laneuville-Devant-Nancy den Zug blockierten wolle die Justiz offenbar „Verkehrsstörung“ vorwerfen.
Die Zuggeschwindigkeit wurde also nach Kräften relativiert, vom Ausfallen des zum tanken geflogenen Hubschraubers war gar nicht die Rede, zumindest berichteten die lothringischen Tageszeitung am 9.11. nichts mehr davon. Vielmehr ließ sich aus den dort veröffentlichen Informationen ableiten, dass die Staatsanwaltschaft - in auffallendem Einklang mit Stellungnahmen des Transportbetreibers COGEMA - die Schuld offenbar zuerst bei jenen suchte, die solche Aktionen überhaupt durchführen.
"Im Internet zu kaufen" lautete die Schlagzeile, mit der dann jener Abschnitt eines Artikels zum Stand der Ermittlungen betitelt war. Es wurde darin hervorgehoben, die Blockierer bei Laneuville-Devant-Nancy hätten sich auf gerader Strecke positioniert, während die in Avricourt, wo Sébastien starb, hinter einer Kurve waren, bevor erneut der Antiatom-Aktivist Poirot zitiert wurde, der am Sonntag die Unglücksstelle besichtigt hatte. Poirot habe dort erklärt, die gewählte Stelle sei gefährlich gewesen. Offenbar wollte der langjährige Veranstalter von Blockadetrainings damit die Vermutung äußern, dass die Blockierer womöglich nicht über die nötige Erfahrung verfügten, da seine Aussage mit dem Hinweis einher ging, dass sich erfahrene Aktivisten streng an gewisse Regeln halten. Vermutlich lag ihm, als langjährigen Aktivisten und Blockadetraining-Veranstalter viel daran, dass sich die grundsätzlich immer willkommenen Unterstützer der Proteste mit den von solchen Transporten und deren Durchführungsweise ausgehenden Gefahren bewusst auseinandersetzen. Die mediale Verflechtung von Poirots Aussage mit denen des Staatsanwalts hinterließt dem aufmerksamen Leser daher einen bitteren Nachgeschmack.
Die Staatsanwaltschaft wurde nämlich als nächstes zitiert. Poirot hatte auf den standardmäßigen Gebrauch von Rauchkerzen ("fumigènes") hingewiesen. Laut L´Est Republicain werden diese Rauchsignale "Von den Behörden berücksichtigt, um den Zug zu stoppen". Mit Sicherheit wurden sich sehr viele erst in jenen Tagen und Stunden gewahr, dass eine solche Praxis existiert und von gro´ter Bedeutung ist. Den Wunsch, einen Atomülltransport zu stoppen, kann aber jeder haben und die Mittel, die gesamte Bevölkerung zu Informieren haben nur die Behörden, nicht die vielen Initiativen, die sich gegen diese Transporte organisieren.
Viel- und nichtssagend zugleich lautete dann ein Zitat des Staatsanwalts Michel Senthille direkt nach dem Hinweis, dass die Behörden solche Signale "berücksichtigen": "Es ist genau in diesem Augenblick [d.h., wenn die Rauchkerzensignale erfolgen, d.R.], dass sich die Aktivisten auf den Schienen positionieren und das Schloss ihrer [Blockade-, d.R.] Vorrichtung verschließen".
Daraufhin folgte eine Beschreibung der Prozedur am Gleis, nach der ein Stahlrohr unter den Schienen platziert wird, in dessen beiden Öffnungen je ein Blockierer seinen Arm steckt. Das Handgelenk sei mit einem Kabel verbunden, das mit einer "Achse" im Inneren des Rohres verbunden und mit Vorhängeschloss befestigt werde, woraufhin nur "ein Eingriff der mit dem nötigen Equipment versehenen Ordnungskräfte" die Protestierer befreien könne. Vielsagend schloss der Absatz mit dem Hinweis ab, es werde hierfür ein Set verwendet, das deutscher Herkunft und im Internet zu kaufen sei und dass es heiße, die Gruppe in Avricourt habe die Informationen über den Fahrplan des Zuges einer einschlägigen, "spezialisierten" Internetseite entnommen.
Im nächsten Abschnitt des Artikels – mit Zwischenschlagzeile "Das Vorhängeschloss wurde in geöffnetem Zustand aufgefunden" wurde versucht, erste ermittlerische Vermutungen zum Ablauf der Aktion wiederzugeben. Die Rohre seien vermutlich am Vormittag gelegt worden. Vier von den acht Aktivisten hätten sich nach dem Passieren der Gendarmen, die dem Konvoi vorausfuhren, sich an den Schienen positioniert während die anderen vier sich der Abgabe von Signalen um den Zug zu stoppen angenommen hätten. Ganz dem beschriebenen Aktionsstandard entsprechend, soweit. Kein Wort aber dazu, unter welchen Umständen Signale abgegeben wurden oder auch nicht und auch keine Frage daach. Von rasenden Polizeifahrzeugen, durch die eine Abgabe von Signalen anscheinend auf entscheidende Weise verunmöglicht wurde, erfuhr die Öffentlichkeit erst Tage später durch eine Erklärung der Gruppe um Sébastien.
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Ergänzungen
Der Hubschrauber wurde erwähnt