Staatsanwaltschaft bestätigt die Blockierer
Die Version der Blockierergruppe, über die Vorfälle die zum Tod eines jungen französischen Atomkraftgegners führten, musste die Staatsanwaltschaft bestätigen. Demnach sei Sébastien Briat vom Luftwirbel des mit fast 100 Stundenkilometern schnellen Zugs erfasst worden und unter die Räder gekommen. Die Darstellung, der 21jährige sei an den Schienen angekettet gewesen und so habe der Zug ihm ein Bein abgetrennt, ist Geschichte. Verfassungsschutz nimmt Kontakt zu Blockiern auf.
Die Gruppe um Sébastien Briat hatte am Freitag das Schweigen über die Umstände die zum Tod des französischen Atomkraftgegners am vergangenen Sonntag in Lothringen führten gebrochen.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18799/1.html Gemeinsam hatten 13 Menschen versucht einen Atommülltransport zu stoppen, der sich auf dem Weg von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague ins deutsche Zwischenlager in Gorleben befand. Die bisherige Version, der junge Mann sei an die Schienen gekettet gewesen als ihm der Zug ein Bein abgetrennt hat, lässt sich nicht mehr halten.
Schon am vergangenen Freitag hatte die Gruppe, die mit dem 21jährigen den Zug blockieren wollte, diese Version dementiert. In ihrer Erklärung heißt es: „Wir waren nicht angekettet und hatten so die Möglichkeit schnell den Arm aus den Rohren zu ziehen“, die sie unter den Gleisen platziert hatten. Da sie in einer Kurve mit beschränkter Sicht lagen, sei ihnen klar gewesen, dass sie eventuell die Gleise schnell verlassen müssten. Die „gewaltfreie, überlegte und freiwillige“ Aktion sei „gemeinsam genauestens vorbereitet“ worden. „Sébastien wurde dabei erfasst, als er die Gleise verließ.“
Am Samstag musste die Staatsanwaltschaft diese Version bestätigen. Demnach sei er stehend vom Luftwirbel des mit fast 100 Stundenkilometer fahrenden Zug erfasst worden und unter die Räder gekommen. Die Erklärung der Blockierer zeigt aber auch, dass sie sich nicht an alle Sicherheitsvorkehrungen gehalten haben. Das Signal der Stoppergruppe, die in großem Abstand den Zug anhalten sollte, fehlte. Briat und drei weitere Personen verließen sich darauf, dass der vorausfliegende Hubschrauber das herannahen des Zugs signalisieren würde. Doch der war gerade auf dem Weg zum Tanken.
Nun stellt sich auch die Frage, ob die Öffentlichkeit bewusst falsch informiert wurde? Den Behörden müssen nach der Freigabe der Leiche für die Beerdigung am Mittwoch alle Details bekannt gewesen sein. Es ist zu hoffen, dass die Geheimniskrämerei nun beendet wird. Denn vieles ist noch zu klären: Wieso fährt ein so mit hochradioaktiven Abfällen beladener Zug mit fast 100 Stundenkilometern in eine Kurve, obwohl er zuvor schon blockiert wurde und über keine vorausschauende Luftüberwachung verfügte? Er wäre mit unabsehbaren Folgen auch gegen jedes andere Hindernis geprallt. Nach vorliegenden Informationen soll der Zug zum Teil auch die genehmigte Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern weit überschritten haben. Die Auswertung des Fahrtenschreibers werde dies belegen.
Die Gruppe übernimmt die Verantwortung für eigene Fehler, aber die Verantwortung aller müsse festgestellt werden. Ihre Aktion sein ein „Ergebnis tiefster Überzeugung“ gewesen, um auf die „Gefahren, welche die Atomkraft schon viel zu lange darstellt“, hinzuweisen. Zwar wurden in Frankreich auch Atomtransporte im letzten Jahr zum Militärgeheimnis deklariert, einen Schutz bedeutet das nicht vor möglichen Anschlägen. Die in drei Gruppen aufgeteilten Blockierer konnten ihre Aktion in Ruhe vorbereiten und blieben zehn Stunden neben den Gleisen unentdeckt.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen, drängt sich auch der Verdacht auf, die französische Regierung wolle den den Tod des Jugendlichen nutzen, um das geplante neue Atomprogramm voranzutreiben und die Gegner zu schwächen. Nach der Beerdigung am Mittwoch wurde bekannt, das Frankreich den Internationalen Experimentellen Fusionsreaktors (ITER) bauen will.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18776/1.html Auch das Programm für die 4. Generation neuer Atomreaktoren wurde gestartet. Weiterhin soll festgezurrt werden, dass beim Dorf Bure, aus der Nähe kam Sébastien Briat, ein Versuchslabor zu einem Endlager für hochradiaktiven Abfall wird.
Für Cécile Leconte müssen die Proteste gegen die Atomkraft auch nach dem tragischen Vorfall weiter gehen. Wie, das sei aber derzeit unklar, erklärte sie. Die junge Frau aus Toulouse hatte den Zug vor dem Unfall mit einer Ankettaktion für mehr als zwei Stunden blockiert. „Wir waren keinerlei Gefahr ausgesetzt“, weil alle Sicherheitsvorkehrungen funktionierten und eingehalten wurden. Der Zug hielt 300 Meter vor der Blockade. An die angebliche Sicherheit der Atomindustrie glaubt sie nicht. Sie hat in Toulouse erlebt, wie 2001 eine Chemiefabrik in die Luft geflogen ist. 30 Menschen kamen ums Leben, über 3.500 wurden schwer verletzt, Tausende Wohnungen und Unternehmen wurden zerstört oder beschädigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sowohl die junge Französin als auch andere Mitglieder ihrer Blockierergruppe Anrufe vom französischen Verfassungsschutz erhalten haben, der offenbar versucht eine emotional schwierige Situation für sich nutzbar zu machen.
© Ralf Streck 14.11.2004
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18799/1.html Gemeinsam hatten 13 Menschen versucht einen Atommülltransport zu stoppen, der sich auf dem Weg von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague ins deutsche Zwischenlager in Gorleben befand. Die bisherige Version, der junge Mann sei an die Schienen gekettet gewesen als ihm der Zug ein Bein abgetrennt hat, lässt sich nicht mehr halten. Schon am vergangenen Freitag hatte die Gruppe, die mit dem 21jährigen den Zug blockieren wollte, diese Version dementiert. In ihrer Erklärung heißt es: „Wir waren nicht angekettet und hatten so die Möglichkeit schnell den Arm aus den Rohren zu ziehen“, die sie unter den Gleisen platziert hatten. Da sie in einer Kurve mit beschränkter Sicht lagen, sei ihnen klar gewesen, dass sie eventuell die Gleise schnell verlassen müssten. Die „gewaltfreie, überlegte und freiwillige“ Aktion sei „gemeinsam genauestens vorbereitet“ worden. „Sébastien wurde dabei erfasst, als er die Gleise verließ.“
Am Samstag musste die Staatsanwaltschaft diese Version bestätigen. Demnach sei er stehend vom Luftwirbel des mit fast 100 Stundenkilometer fahrenden Zug erfasst worden und unter die Räder gekommen. Die Erklärung der Blockierer zeigt aber auch, dass sie sich nicht an alle Sicherheitsvorkehrungen gehalten haben. Das Signal der Stoppergruppe, die in großem Abstand den Zug anhalten sollte, fehlte. Briat und drei weitere Personen verließen sich darauf, dass der vorausfliegende Hubschrauber das herannahen des Zugs signalisieren würde. Doch der war gerade auf dem Weg zum Tanken.
Nun stellt sich auch die Frage, ob die Öffentlichkeit bewusst falsch informiert wurde? Den Behörden müssen nach der Freigabe der Leiche für die Beerdigung am Mittwoch alle Details bekannt gewesen sein. Es ist zu hoffen, dass die Geheimniskrämerei nun beendet wird. Denn vieles ist noch zu klären: Wieso fährt ein so mit hochradioaktiven Abfällen beladener Zug mit fast 100 Stundenkilometern in eine Kurve, obwohl er zuvor schon blockiert wurde und über keine vorausschauende Luftüberwachung verfügte? Er wäre mit unabsehbaren Folgen auch gegen jedes andere Hindernis geprallt. Nach vorliegenden Informationen soll der Zug zum Teil auch die genehmigte Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern weit überschritten haben. Die Auswertung des Fahrtenschreibers werde dies belegen.
Die Gruppe übernimmt die Verantwortung für eigene Fehler, aber die Verantwortung aller müsse festgestellt werden. Ihre Aktion sein ein „Ergebnis tiefster Überzeugung“ gewesen, um auf die „Gefahren, welche die Atomkraft schon viel zu lange darstellt“, hinzuweisen. Zwar wurden in Frankreich auch Atomtransporte im letzten Jahr zum Militärgeheimnis deklariert, einen Schutz bedeutet das nicht vor möglichen Anschlägen. Die in drei Gruppen aufgeteilten Blockierer konnten ihre Aktion in Ruhe vorbereiten und blieben zehn Stunden neben den Gleisen unentdeckt.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen, drängt sich auch der Verdacht auf, die französische Regierung wolle den den Tod des Jugendlichen nutzen, um das geplante neue Atomprogramm voranzutreiben und die Gegner zu schwächen. Nach der Beerdigung am Mittwoch wurde bekannt, das Frankreich den Internationalen Experimentellen Fusionsreaktors (ITER) bauen will.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18776/1.html Auch das Programm für die 4. Generation neuer Atomreaktoren wurde gestartet. Weiterhin soll festgezurrt werden, dass beim Dorf Bure, aus der Nähe kam Sébastien Briat, ein Versuchslabor zu einem Endlager für hochradiaktiven Abfall wird. Für Cécile Leconte müssen die Proteste gegen die Atomkraft auch nach dem tragischen Vorfall weiter gehen. Wie, das sei aber derzeit unklar, erklärte sie. Die junge Frau aus Toulouse hatte den Zug vor dem Unfall mit einer Ankettaktion für mehr als zwei Stunden blockiert. „Wir waren keinerlei Gefahr ausgesetzt“, weil alle Sicherheitsvorkehrungen funktionierten und eingehalten wurden. Der Zug hielt 300 Meter vor der Blockade. An die angebliche Sicherheit der Atomindustrie glaubt sie nicht. Sie hat in Toulouse erlebt, wie 2001 eine Chemiefabrik in die Luft geflogen ist. 30 Menschen kamen ums Leben, über 3.500 wurden schwer verletzt, Tausende Wohnungen und Unternehmen wurden zerstört oder beschädigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sowohl die junge Französin als auch andere Mitglieder ihrer Blockierergruppe Anrufe vom französischen Verfassungsschutz erhalten haben, der offenbar versucht eine emotional schwierige Situation für sich nutzbar zu machen.
© Ralf Streck 14.11.2004
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Ja, sie wussten es vor Mittwoch
Sicherheitsvorkehrungen
In der französischsprachigen Erklärung der BlockiererInnen, die in der Libération veröffentlich wurde, liest sich das folgendermaßen:
"Enfin, conformément à ce qui était convenu, les stoppeurs ont renoncé à arrêter le convoi car il était accompagné de véhicules de gendarmerie le précédent à vive allure sur le chemin les séparant de la voie."
Wenn mich meine Französischkenntnisse jetzt nicht gänzlich trügen, heißt "conformément à ce qui était convenu" "gemäß Absprache". Insofern ist es zwar sachlich richtig zu konstatieren, dass das Stoppsignal fehlte, und auch die Absprache als solche lässt sich kritisieren (müsste nicht unter allen Umständen sichergestellt werden, dass der Zug gewarnt wird?).
Ich finde deine Formulierung trotzdem ungenau/verkürzt, denn nachdem uns die Massenmedien mehr oder weniger direkt eintrichtern wollten, dass die Aktion ein leichtsinniges, selbstmörderisches Abenteuer von DilettantInnen gewesen wäre, ist es an uns die nötige Genauigkeit und Differenzierung aufzubringen.
(Was wie gesagt nicht dagegen spricht, die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für solche Aktionen zu diskutieren!)
Nachrichtensammlung zum Nichtangekettetsein
und gruezi an den verfassungsschutz -- ich weiss, wo dein haus wohnt! ;)
Nachtrag
Le Republicain Lorrain wiederum berichet am selben Tag: "le corps était projeté à plusieurs dizaines de mètres", d.h.: "Der Körper war Dutzende Meter weit geschleudert worden". ( Für die Haarspalter: im Original steht „Dizaines“ womit eine Menge von Zehn Einheiten bezeichnet wird. Wie es das aber so im Deutschen nicht gibt, steht in der Übersetzung nun „Dutzend“, was bekanntermaßen eine Menge von zwölf bezeichnet. Im Ergebnis aber kommt es aufs gleiche raus).
@ safty first
Weil: dürfte untstrittig sein.
Ohne positive Rückmeldung von SchienenvorbeobachterIn und "VorstopperIn / LokführerwarnerIn haben sich alle vom Gleis fernzuhalten und die Aktion hat halt auszufallen.
Wir halten die aktuelle Staatserklärung mit dem "gewaltigen Luftsog", gerade nach eigenen Erfahrungen neben dem Gleis, für hinterfragungsbedürtig.
@ Schienendaktivistin
Alle Staatsversionen hinterfragen ist in jedem Fall angesagt. Eine Möglichkeit gibt es aber doch, dass Sébastien der Luftsog packte. Die ganz ganz frühe Berichterstattung zitierte einige Male eine angebliche Aussage des Lokführers, eine Person sei zunächst "sitzen" geblieben. Jene Aussage verschwand genau dann aus den Medien, als die Falschinformation die Überhand nahm, Sébastien sei Angekettet gewesen. Das war er offenbar nicht. Was aber, wenn er, auf dem Gleis sitzend, beim Anbrausen des Zuges zunächst einfach vor Schreck erstarrte, oder wenn er wegen der Kälte, der er lange ausgesetzt war, steife oder eingeschlafene Glieder hatte und deswegen nicht sofort in die Gänge kam oder aber wenn er, die Bremsweglängen unterschätzend, zunächst gedacht hat, der Zug würde doch noch stoppen, wenn er sich erstmal nicht rührt? Dann wäre es möglich, dass er den Absprung von den Gleisen nur so knapp versucht hat, dass ihn wirklich der Luftsog erfasste. Eine solche Dynamik lässt auch das Abtrennen des Beins und das Schleudern seines Körpers durch die Luft als Folge zu. Das Ganze bleibt allerdings reine Spekulation, versteht sich. Nur seine Aktionsgenossen und die Ermittler und Rettungskräfte die vor Ort gewesen sind wissen, ob das stimmt, dass sein Körper wirklich durch die Luft geschleudert wurde und ob seine Freunde in der krassen Situation überhaupt wahrnehmen konnten, ob er, wie und warum auch immer, nicht so zügig wie die anderen vom Gleis wegkam, bleibt grundsätzlich fraglich. Das wird sich womöglich nie klären lassen.
Erklärung der Gruppe
Am 7. November 2004 starb Sébastien, als ihn die Lokomotive des
Atommüllzugs nach Gorleben erfasste. Einige Wochen zuvor hatte er sich
mit anderen von uns zum Handeln entschieden, um die Angreifbarkeit
dieser Transporte publik zu machen. Die Tatsache, dass er tot ist,
sollte nicht vergessen lassen, dass diese Aktion gewaltfrei, überlegt
und freiwillig war.
Auch wenn dieses Drama es so erscheinen lässt, war unsere Tat
keinesfalls unverantwortlich, bzw. ein Akt der Verzweiflung. Unser
Engagement ist das Ergebnis tiefster Überzeugung reeller und bestehender
Gefahren, welche die Atomkraft schon viel zu lange darstellt. Diese
Aktion war gemeinsam genauestens vorbereitet: genaue Ortskenntnisse und
die Berücksichtigung eines Notfallsstopps.
Wir hatten mehrfach die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass der Zug
nicht anhalten könnte. Da wir uns in einer langgezogenen Kurve mit
eingeschränkter Sicht befanden, war uns klar, dass wir notfalls die
Gleise sehr schnell verlassen müssten. Wir lagen zu viert neben den
Schienen, da wir zwei Rohre unter den Gleisen platziert hatten. Niemand
lag zwischen den Schienen, um notfalls schnell wegzukommen. Wir waren
nicht angekettet und hatten so die Möglichkeit schnell den Arm aus dem
Rohr zu ziehen.
Leider konnte die Gruppe, die den Zug 1500m vorher zum Bremsen bringen
sollte, nicht handeln. Der Hubschrauber, der ständig dem Zug voraus
fliegt, fehlte. Er war "Tanken"; aber die Gruppe rechnete damit, dass er
die Ankunft des Zuges signalisieren würde. Da neben dem Zug Fahrzeuge
der Gendarmerie mit hoher Geschwindigkeit fuhren, konnte die
Stoppergruppe nicht handeln. Der Transport konnte also weder vom
Hubschrauber, noch von den Stoppern gewarnt werden und kam so mit
100km/h auf uns zu. Diese Verkettung von Umständen brachte uns in
Gefahr. So hatten die Personen, die an den Gleisen lagen, sehr wenig
Zeit festzustellen, dass der Zug seine Geschwindigkeit nicht
verringerte. Wir hatten es geübt sekundenschnell wegzukommen.
Sébastien wurde dabei erfasst, als er die Gleise verließ. Sein Arm
steckte nicht in dem Rohr fest, wie die durchzuführenden Untersuchungen
beweisen werden. Es ging alles so schnell, dass wir ihm nicht helfen
konnten.
Wir waren in der Kälte zehn Stunden lang etwa 30 m von den Gleisen
entfernt am Waldrand versteckt. In dieser Zeit wurden weder wir, noch
die Vorposten zur Benachrichtigung (15 Kilometer entfernt vom Ort der
Aktion), noch die Gruppe von den Sicherheitskräften entdeckt, die den
Zug stoppen sollte. Wir wurden auch nicht entdeckt, als wir im Vorfeld
um fünf Uhr morgens die Rohre unter die Schienen legten. Es ist klar,
die Verantwortung jedes Beteiligten muss festgestellt werden, unsere
inbegriffen. Zur Stunde erleben wir einen der schlimmsten Augenblicke
unseres Lebens.
Neben vielen bekannten Gründen für die Aktion, ging es uns in erster
Linie der Schutz unseres Planeten, der Jahr für Jahr mehr zerstört wird.
Es ging uns aber auch um die Ablehnung jeder Infragestellung dieses
monolithischen Staats. Wir haben nicht aus Unreife oder Abenteuerlust
versucht den Zug zu stoppen, sondern weil die Atompolitik dieses Landes
nur so zu einer elementaren Frage werden kann. Sébastien ist durch einen
Unfall gestorben, er hat es sich nicht ausgesucht, niemand wollte es. Er
starb nicht nach einem Discobesuch betrunken am Steuer, sondern um
seiner Überzeugung Gehör zu verschaffen.
Sein Tod wird deshalb für uns nie ein beliebiges Vorkommnis sein. In der
Situation, in der wir derart verlassen und verloren waren, hätten wir
uns nie vorgestellt so viel Unterstützung zu bekommen. Wir danken vor
allem unseren Freunden und Eltern, vielen Initiativen, aber auch
Tausenden anonymen Deutschen und Franzosen, die in seinem Andenken
Demonstrationen und Andachten organisierten. Die Stärke der Solidarität
überwältigt und berührt uns. Das Wichtigste ist für uns, einen Bruder zu
beweinen und seine Familie zu unterstützen, nicht sein Bild zu
instrumentalisieren. "Bichon" war voller Lebensfreude und -energie,
nicht nur Atomkraftgegner. Dieser Text ist weder eine Beichte noch eine
Anschuldigung, wir wollen dadurch nur die Wahrheit dieser Ereignisse
wiedergeben.
Seine Weggefährtinnen und Weggefährten
Charakterisierung von Sébastien