Berlin: Antikoloniale Demonstration 12.11.04
"Hallo allerseits,
hier in der Mohrenstraße (und am gleichnamigen U-Bahnhof) ist diekoloniale Gegenwart und Vergangenheit Deutschlands besondersspürbar. Es wird geradezu städtebaulich nachvollziehbar wiesehr rassistisches und koloniales Denken den Blick auf afrikanischeMenschen und den Afrikanischen Kontinent prägen.
Um zu verstehen, das der Begriff "Mohr", nach dem diese Straßebenannt wurde, alles andere als eine wertneutrale, antiquierteBezeichnung für AfrikanerInnen ist, möchte ich auf seineEntstehungsgeschichte eingehen.
Der Begriff "Mohr" wurde aus dem Lateinischen Maurus abgeleitet undmacht als solches keine Aussage über die Hautfarbe, wohl aberüber die Herkunft eines Menschen. Mauren waren im 7 Jh. dieBewohner Mauretaniens, ein nomadisch lebendes Volk, das den Islam nachNordafrika brachte.
Unabhängig von ihrer Herkunft, wurde diese Bezeichnungspäter von EuropäerInnen undifferenziert für alleAfrikanerInnen benutzt. Sie war auf stigmatisierende Weise mitden Attributen Schwarz, dunkel, afrikanisch und "nicht christlich"verbunden.
In der Folgezeit wurde der rassistische Begriff "Mohr" zunehmend vondem ebenso rassistischen Begriff "Neger" ersetzt. Dieser geht auf dielateinische Bezeichnung niger, spanisch und portugiesisch negro sowiefranzösisch nègre zurück. Als Millionen vonAfrikanerInnen versklavt wurden, ist diese Bezeichnung von spanischenund portugiesischen Sklavenhändlern für die Benennung vonAfrikanerInnen benutzt worden. In Deutschland taucht er parallel zumBegriff Rasse auf und setzte sich im 18. Jh. als sich der Rassismusformierte fest.
Sein Gebrauch im Deutschen ist nach wie vor diskriminierend undrassistisch. Bis heute reproduziert er ungebrochen, rassistisches undneokoloniales Gedankengut.
Die Benennungsgeschichte der Mohrenstraße ist, wie heute nurallzu gerne vergessen wird, mit der erstenbrandenburgisch-preußischen Kolonie und damit mit derVersklavung und Verschleppung von 10.000 - 30.000 AfrikanerInnenverbunden.
Sie erhielt ihren Namen Ende des 17. Jh.. Sie wurde nach einerAbordnung von afrikanischen RepräsentantInnen, der damalsfrisch erworbenen Kolonie Großfriedrichsburg benannt, die dortlogierte und dem brandenburgischen Kurfürsten ihre Aufwartungmachte. Die viermonatige Anwesenheit der AfrikanerInnen, löste bei der Berliner Bevölkerung damals sovielAufmerksamkeit aus, dass die Straße in der dieAfrikanerInnen wohnten "Mohrenstraße" genannt wurde.Später wurde das der bis heute gültige offizielleStraßenname.
Die Festschreibung rassistischen Sprachgebrauches ist einBeispiel dafür, dass nach wie vor keine Verantwortung für dasgeschichtliche Erbe der Kolonialzeit übernommen wird. Dieses Beispiel möchte ich anhand der wechselhaftenNamensgebungsgeschichte des U-Bahnhofes vor dem wir hier stehenweiterführen.
Dieser wurde in der wilhelminischen Zeit, nach einem gleichnamigenHotel "Kaiserhof" benannt. Nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg war dann das seiner Zeit in der unmittelbaren Nachbarschaftzur Reichskanzlei gelegene Hotel "Kaiserhof" untrennbar mitder NS-Zeit verbunden, weil dort hohe Entscheidungsträger derNS-Diktatur verkehrten und tagten.
Die 1950 stattfindende Widereröffnung des U-Bahnhofes unterdem Namen Thälmannplatz war ein Akt des bekennendenAntifaschismus in der neugegründeten DDR. 1986, immer noch zuDDR-Zeiten, wurde die U-Bahn-Station auf den NamenOtto-Grotewohl-Straße umbenannt.
In den 90er Jahren, nach der "Wende" sollten alle Spuren dersozialistischen DDR-Vergangenheit ausgelöscht werden. Gleichzeitigerschien es aufgrund der NS-Geschichte des Hotels Kaiserhof politischwenig salonfähig den ursprünglichen Namen neu zu beleben. DerU-Bahnhof erhielt den Namen Mohrenstraße.
Die Tatsache das eine an die Kolonialzeit anknüpfende vonRassismus geprägte Benennung, zugunsten der Benennung eines mitder NS-Zeit in Verbindung stehenden Namens ausgespielt wird, istzynisch und grotesk. Sie spiegelt das Unvermögen, ja denUnwillen einer kritischen Geschichtsaufarbeitung wider.
Wir fordern die Aufarbeitung rassistischer und kolonialerMentalitäten, die u.a. in der Sprache und der Benennung vonStraßen und U-Bahnhöfen ihren Ausdruck finden!
Wir fordern, dass für die Kolonialzeit gesellschaftlicheVerantwortung übernommen wird! Entschädigung undEntschuldigung für alle begangenen Verbrechen!
Die Umbenennungsgeschichte des U-Bahnhofes geht weiter! Wennrassistische und ignorante PolitikerInnen
Die Definitionsmacht über gesellschaftliche Realität haben,haben wir diese erst recht!
So hat gestern eine Gruppe von AktivistInnen, May Ayim ein Denkmalgesetzt, indem sie ihn zum May Ayim Bahnhof umbenannt hat.
Als afrodeutsche Feministin, Lyrikerin und Aktivistin, hat sich MayAyim zeit ihres Lebens, mit ihren Arbeiten dem rassistischenNormalzustand in dieser Gesellschaft entgegengestellt. Wir freuen unsüber diese Initiative sehr und hoffen ausdrücklich, dass sieder Auftakt für weitere Auseinandersetzung wird!"
Redebeitrag BUndesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeitund Entwicklung
"Dear ladies and gentlemen
I greet you in the name of the anticolonial africa conference! When wekeep standing here in front of this building, then we do that todenounce a certain developmentpolitics, which is hidden behind theconcept partnership. The concept partnership is nowadays in fashion todescribe the relation between the poor and the rich.
When it is about Africa, the european governments often fall back in the dicourse of development. Be it north or south, everyone wants todevelop itself. Unfortunately, there is not a definition nor does amagic formula exist which can be assigned to development. The until nowused reference is the modernisation, with its hights and depts
That’s why it is time to ask ourselves: who is helping who andwho is developing who? Almost all resources the so-called developedcountries come from the socalled undeveloped countries, respectivelyfrom african countries. Because of a colonial system which isbased on exploitation and pillaging, africa is the poorest and mostlyindebted continent the world.
Its natural recources, they are being called “raw materials” in thewest, are being plundered and exploited by european multinationalcompanies with the help of the western governments.
When the African continent was under occupation these governmentssigned illegal treaties with African chiefs to later share the Africancontinent like a pie, as it was done at the Berlin conference.
In our days, the exploitation and plunder of the African resources isbeing continued thanks to the still intact colonial structures, and bysupporting civil wars or trading in the resources for extreme lowprices and all this in the name of aid to development.
The CNUCED, a UN body on trade and economic development, says thatbetween 1970 and 2002 Africa received a sum of 540 billion US dollar,and at the same time paid back 550 billion dollars, interests included.
And still the depts were as high as 295 billion in 2002, whereby 210billion refer to Africa south of the Sahara, even though by then it hadpaid back 91 per cent of the sum which had been borrowed.
Only this money was used for the construction of a few airports and seaports to make the trade easier, trading resources as gold, diamonds,copper, coltan, uranium or oil. This money was also used for thebuilding up the military regimes of those dictators who sign contractswith the west, so that they become the new colonizers.
The concept of development aid has to be reviewed from a perspective ofa sustained and durable development. Aid has to meet up to itsdefinition, also in terms of the socio-economic and cultural situationof the countries. And the concept of aid has to include the terms ofdemocracy and freedom. No to concepts of development that only monitorthe upkeep of colonial structures by some regime or other.
For us, the Lagos Plan, the NEPAD, and the so-called aid to developmentor development cooperation, the world bank , the imf and all theseinstitutions are nothing but an ironic conjugation of westernideologists who try to further destabilize the African continent.
This destabilization can also be seen in the Structural DevelopmentPlan of the early 90s, this programme was full of incoherent anddrastic measures to haphazardly privatize the African industries, itwas a social plan in disguise, a shameless exploitation of theworkforce, ridiculous prices for natural resources and fraud anddisadvantage in trading. And so on.
The anticolonial Africa conference denounces these forms ofexploitation, of plunder and fraud on the hands of the so-calleddeveloped countries and demands that Germany and its accomplices in theG8 unconditonally release Africa from its so-called debts.
We demand the transfer back to Africa of all the money which isdeposited in European banks by the new colonizers, the Africandictators.
And finally we call on Europe and Germany in particular to take ontheir responsibility, as they proclaimed at the 1884 Berlin Conference,to apologize for the committed crimes and to pay reparations.
Thank you."
Derselbe Beitrag auf deutsch:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich begrüße Sie im Namen der Anticolonial Africa Conference.
Wenn wir vor diesem Gebäude stehen bleiben, dann geschieht dieshier, um eine gewisse Entwicklungspolitik anzuprangern, die sich hinterdem Begriff der Partnerschaft verbirgt. Der Begriff der Partnerschaftist zurzeit in Mode um das Verhältnis zwischen Reichen und Armenzu beschreiben.
Wenn es um Afrika geht, verfallen die europäischen politischverantwortlichen häufig in den Diskurs der Entwicklung. Ob Nord,ob Süd, jeder möchte sich entwickeln. Leider gibt es wedereine Definition noch eine magische Formel, die der Entwicklungzugeordnet werden kann. Der bislang angewendete Bezug ist dieModernisierung. Mit ihren Höhen und Tiefen.
Deshalb ist es Zeit sich zu fragen: wer hilft wem und wer entwickeltwen?
Nahezu sämtliche Rohstoffe der sogenannten "entwickelten"Länder kommen aus sogenannten "unterentwickelten" Länder bzw.aus Afrika.
Dank eines Kolonialsystems das auf Ausbeutung und Plünderungbasiert, Afrika der Ärmste und am höchsten verschuldeteKontinent der Welt.
Seine natürlichen Ressourcen, "Rohstoffe", wie sie in derwestlichen Welt heißen, werden von europäischenmultinationalen Konzernen mit Hilfe der westlichen Regierunggeplündert und ausgebeutet. Während der Zeit der Besetzungdes Afrikanischen Kontinents unterzeichneten diese Regierungen illegaleVerträge mit Stammes führen um wenig später Afrika, hierin Berlin, aufzuteilen wie einen einfachen Kuchen.
Heute setzen sie diese Ausbeutung und Plünderung der RessourcenAfrikas dank der überdauernden kolonialen Strukturen fort, indemBürgerkriege geschürt werden oder indem natürlicheRessourcen einfach für einen Apfel und ein Ei (super billig) undunter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe erworben werden.
Nach Angaben der (CNUCED) Konferenz der Vereinten Nation zu Handel undEntwicklung hat Afrika zwischen 1970 und 2002 eine Summe von 540Milliarden US-Dollar bekommen und inklusive Zinsen auch 550 MilliardenUS-Dollar zurückgezahlt. Und Ende 2002 beliefen sich die Schuldennoch auf 295 Milliarden US-Dollar.
Auf das Afrika südlich der Sahara allein fällt eine Summe von210 Milliarden Dollar, obwohl es 91% der ursprünglich entliehenenSumme zurückgezahlt hat. Dieses Geld diente lediglich zum Baueiniger Flughäfen und Seehäfen um den Handel mit Rohstoffenwie Gold, Diamanten, Kupfer, Coltan Uran Erdöl etc... Zuerleichtern.
Dieses Geld diente auch zur Ausrüstung des Militärsdiktatorischer Regime, die Verträge mit dem Westen unterzeichnetenum neue Kolonisatoren zu werden.
Im Prinzip müsste die Philosophie der Hilfe völlig neu unterdem Blickwinkel einer dauerhaften Entwicklung betrachtet werden. DieHilfe müsste ihrer Definition gerecht werden, auch in Bezug aufdie sozioökonomische und kulturelle Lage der betroffenenLänder. Im Übrigen müsste das Konzept die "Entwicklung"die Begriffe Demokratie und Freiheit mit einschließen. Nein zuKonzepten von "Entwicklung", bei denen die Regime nur kolonialeStrukturen überwachen sollen.
Für uns sind der Lagos-Plan, NEPAD, diesog."Entwicklungszusammenarbeit", die "Entwicklungshilfe", dieWeltbank, der IWF und alle diese Institutionen nicht als eine ironischeKonjugation westlicher Denker, die ihre Versuche zur Destabilisierungdes afrikanischen Kontinents aufrecht erhalten wollen.
Diese Destabilisierung zeigt sich z.B in Anfang der 90es Jahrerealisierten Strukturanpassungsprogrammen. Diese Programme beinhalteten:
Inkohärente und drastische Maßnahmen, ein wildePrivatisierung der afrikanischen Industrien, einen verkapptenSozialplan, eine schamlose Ausbeutung der Arbeitskraft,lächerliche Preise für Rohstoffe und Betrug, Benachteiligungim Handel, und so weiter.
Die Anticolonial Africa Conference prangert diese Form der Ausbeutung,der Plünderung und des Betruges seitens der so genannten"Entwickelten" Länder an und verlangt von Deutschland und seinenKomplizen im G8 schlicht und einfach (ergreife) die Annulation der sogenannten afrikanischen Schulden.
Wir fordern die Rückführung aller auf europäische Bankengelagerten Gelder, die von den neuen Kolonisatoren, den afrikanischenDiktatoren, dort hinterlegt wurden.
Wir fordern schließlich von Europa und besonders von Deutschland,das es seine Verantwortung übernehme, wie es sie anlässlichder 1884 in Berlin einberufen Konferenz übernommen hat, dass es umEntschuldigung für die begangenen Verbrechen bitte und dass eseine Entschädigung zahle.
Ich danke Ihnen."
Redebeitrag vor Kaufhaus 'Dussmann' in der Friedrichstrasse
"HalloPeter Dussmann!
Wirgratulieren dir zu deinem Engagement in „TeamArbeit fürDeutschland“!
In„TeamArbeit für Deutschland“ engagieren sich mit demBundesministerium für Wirtschaft unter der Leitung desSupergauministers Clement die „Profis der Nation für mehrArbeit und Ausbildung“.
JaPeter, und du bist wirklich ein Profi! Jetzt hast duein neues, lukratives Geschäft entdeckt:
DiePflegeheime! Zum Jahresende übernimmst du, will sagen deineTochterGesellschaft, KursanaGmbH , den Konkurrenten Hospitalia.
DerBedarf nach qualifizierter Betreuung von Senioren nimmt stetig zu,freut sich dein Geschäftsführer Thomas Greiner.
Marktforscherprophezeien das Marktvolumen für stationäre Pflege werdebis 2050 von derzeit 17 Milliarden € auf dann 115 Milliarden €ansteigen.
Peter,das wirst du dann leider nicht mehr erleben dürfen!
Aberdu kannst dich darauf verlassen, dass deine Geschäftsführeräußerst kostenbewusstwirtschaften.
Soagiert man zwar als Betreiber der Seniorenhäuser, ist jedochnicht Besitzer der Immobilien.
Erstam Anfang dieses Jahres hatte das Unternehmen Kursana die Gehälterder meisten Angestellten eingefroren und sich damit vom Bundes-Angestellten - Tarif gelöst.
Dubist auch der Meinung, dass „sich Unternehmen in die Politikeinmischen müssen“, so deine Rede bei der „BundesvereinigungLiberaler Mittelstand“. (Wieso gehörst du eigentlich nur zumMittelstand?)
Dumischt dich ein, vor allem wenn es darum geht, „Kultur zuverkaufen“! Exquisitmachst du das!
Exquisitauch die Variante des Lohndumpings im sog. Kulturkaufhaus hier in derBerliner Friedrichstraße:
Ganzaußergewöhnliche Tarifverträge gibt es hier:
BuchhändlerInnenarbeiten für 1.500 € brutto monatlich, aber eben nichtoffiziell als Buchhändlerinnen, sondern als Prokuristinnen. UndProkuristinnen gelten als leitende Angestellte. Und die dürfenÜberstunden leisten und so bis 22.00 Uhr mit Umsatzbeteiligungverkaufen. Damit lässt sich, übrigens ganz exquisit, derLadenschluss kostengünstig umgehen.
Soarbeitet rund ein Drittel der Beschäftigten als„Führungskraft“,und das teilweise für 8 € brutto pro Stunde!
Gewusstwie Peterle!
"Großzügigkonnte ich noch vor 15 Jahren sein, da haben wir immer überTarif bezahlt, aber heute ist der Wettbewerb so hart, brutal, dassman nicht mehr großzügig sein kann, der Kunde bestimmt denPreis". (Zitat Ende)
Ja,Peter, roh ist diese Republik geworden!
Undnoch eine Kostprobe deiner Unternehmerphilosophie:
Dienstleistungkommt von dienen. Wir müssen unseren Kunden dienen. Der Kundeist König. Und wenn wir gut dienen, dann haben wir Kunden fürimmer und haben auch unser Einkommen für immer!“ Das sagst du,als der „Papst“ der Dienstleistungsbranche!
Vonwelchem Einkommen sprichst du eigentlich? Von deinem oder vondem Einkommen der Küchenhilfe in Berlin mit einem Stundenlohnvon 6,93 € brutto, oder dem der Reinigungskraft mit 8 € brutto?
600bis 900 Euro bringen die dienenden Dienstleisterinnen in etwamonatlich nach Hause!
Siebrauchen einen Zweitjob, um noch mehr dienen zu können, willsagen, überleben zu können.
Abergenug jetzt, wir wissen ja dass „Gleichheit das wirtschaftlicheWachstum hemmt“ und wir wollen dein persönliches Wachstumnicht hemmen,
1,2 Milliarden € Umsatz letztes Jahr, Kompliment, so muss man erstmal wachsen können.
Abermit viel „Eigenverantwortung“, „Eigeninitiative“ und„Freiheit“ und ganz vielen 1-Euro Jobs werden auch wir esschaffen! Als Kunden und Kundinnen beim Arbeitsamt, denn der Kundeist ja König, oder haben wir da etwas falsch verstanden und sinddoch nur Menschen,also Kosten auf zwei Beinen“?"
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Zum BMZ Redebeitrag
Die Weltbank und der IWF sind Finanzinstitutionen, Gewinnorientiert und gemanaged von denen die das Geld einzahlen, also mehr oder weniger den G7 Ländern. Denen ihre schlechte Ideologie vorzuwerfen wäre gleichbedeutend mit dem Vorwurf an die örtliche Sparkasse sich nicht genügend um die Armen der Gemeinde zu kümmern, das ist nicht deren Ziel, wenns es auch löblich wäre wenn sie es täten.
Anders stellt sich die Situtation bei der sog. Entwicklungszusammenarbeit dar, die sich eben nicht nur auf das Bauen von Seehäfen für den Export von Cash-Crops und Mineralen beschränkt (Was in diesem Zusammenhang die Aussage mit den Flughäfen soll ist mir schleierhaft). Es ist sogar oftmals so, dass die großen Profiteure der Afrikanischen Bodenschätze eigene Häfen für den Export bauen (müssen), da die meisten lokalen Häfen dafür gar nicht ausgelegt sind oder einfach an der "falschen" Ecke des Landes liegen.
Wer immer noch glaubt, Europa hätte ein Interesse an instabilen Ländern in Afrika der kann sich ja mal fragen, wieso gerade in solchen Ländern wie dem Congo oder Liberia die meisten Minen geschlossen sind und die Investoren eben gerade nichts verdienen bzw. sogar ihre Kohle abschreiben können?! Es läßt sich eben nicht alles auf das relativ einfach abzubauende Mineral Coltan oder auf Diamanten reduzieren, die auch nicht von den Fliegern der Weltbank herausgeschaft werden sondern von meist eher der Mafia zuzurechnenden Leuten.
Wenn der Congo "stabil" wäre, würden Firmen wie H.C. Starck liebend gerne eigene Bergwerke errichten anstatt aus Australien kaufen zu müssen um weiterer Kritik zu entgehen.
Die Lösungen die Afrika "benötigt" sind so vielfälltig wie die Länder, allerdings kann mensch sich auf allgemeingültige Punkte konzentrieren:
1. Komplette Entschuldung der 50 ärmsten Länder der Welt, wovon ca. 35 in Afrika liegen dürften.
2. Abbau der Subventionen und der Handelsbeschränkungen in Europa und den USA (Gewerkschaften ich hör euch schon heulen)
3. Einrichtung einer internationalen und wirklich unabhängigen Kommission die über die Vergabe von Schürfrechten wacht und die kontrolliert, dass die Einnahmen nicht nur den Abachas und Musevenis in die Taschen fließen.
4. Verpflichtung der Industrieländer, 5% der Lehr- und Studienplätze für Menschen aus der sog. "Dritten Welt" bereitzustellen. Denn was bringt es, wenn wir hier zum Ärzte ausbilden, es aber in manchen Ländern keinen einzigen Techniker gibt der in der Lage ist ein Röntgengerät zu reparieren.
BMZ-redebeitrag @ sandankoro
Der Verweis auf die EZ (Entwicklungszusammenarbeit), den sandankoro leider nicht weiter ausführt, ist sehr berechtigt: Neben den professionellen Ausplünderungsinstitutionen der G8, deren "Hilfe"-Rhethorik jedeR durchschauen kann, gibt es eben das was früher "Entwicklungshilfe" hieß und heute nicht mehr so genannt wird, obwohl der Geist sich kaum geändert hat: Kirchliche Almosen oder paternalistische "Hilfe-zur-Selbsthilfe" (nämlich: Hilfe dabei, nach und nach so zu werden wie die EntwicklungshelferInnen es von zuhause kennen) prägen weiterhin die EZ, trotz aller schönen Neusprech-Wörter. Im Gegenteil, nach dem kritischen Internationalismus der späten 80er/frühen 90er Jahre gibt es derzeit auch unter der (relativ) linken SPD-Ministerin Wieczorek-Zeul einen Rückschritt, vermehrt wird nicht mit NGOs, sondern mit staatlichen Institutionen zusammengearbeitet; Haushaltsplan und Finanzkonzept sind wichtiger als gesellschaftliche (Basis-)Projekte.
Das ist zwar auch eine Konsequenz aus der Erkenntnis, dass die beliebte "Public-Private-Partnership", also die finanzielle Förderung von Organisationen vor Ort, auch zum Entstehen einer Betrugsmafia geführt hat, wo örtliche Kapitalisten die EZ-Gelder abschöpfen. Aber anstatt daraus die Lehre zu ziehen, dass Basisverankerung und emanzipative gesellschaftliche Vorstellungen der NGOs und Neugier, Sachkompetenz und Respekt der GeldgeberInnen mehr beachtet werden müssten, wird das EZ Geld lieber in scheinbar sicherere staatliche Kassen umgeleitet. Welcome back in the 60s! Der Entwicklungshelfer von heute ist Aktionär, der auf den shareholder value achtet - auch so läßt sich die (an sich gut gemeinte) Werbekampagne der Welthungerhilfe verstehen: "Ihr Geld wird sich gut entwickeln!"