Frankreich interveniert in der Elfenbeinküste

Monsineur 08.11.2004 02:27 Themen: Weltweit
Nachdem neun französische Soldaten durch Regierungstruppen der des ehemaligen Kolonialstaates getötet worden sind, hat Frankreich die gesamte Luftwaffe des Landes ausgelöscht und weitere Truppen und Mirage-Flugzeuge in das Land verlegt. Der UN-Sicherheitsrat tagt
Frankreichs Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie kündigt Verstärkung der Truppen an.
Nach dem Tod von mindestens neun Franzosen in der Elfenbeinküste greift Frankreich als ehemalige Kolonialmacht massiv in den neu aufgeflammten Bürgerkrieg ein. Französische Truppen zerstörten am Wochenende die gesamte Luftwaffe des westafrikanischen Staates. Am Sonntag trafen 250 französische Soldaten aus Gabun in der Elfenbeinküste ein. Außerdem wurden drei Mirage-Kampfflugzeuge in das Land verlegt.


Französische Truppen zerstörten am Samstag zwei in Russland hergestellte Kampfflugzeuge und fünf Kampfhubschrauber. Diese waren bei den Luftangriffen auf Stellungen der Rebellen im Norden eingesetzt worden, mit denen der Bürgerkrieg nach einjähriger gespannter Ruhe in der vergangenen Woche von neuem begonnen hat. Bei dem letzten Luftangriff der Regierungsstreitkräfte kamen am Samstag mindestens neun französische Soldaten und ein Amerikaner ums Leben. Französische Soldaten hielten den internationalen Flughafen von Abidjan besetzt.


Empört über die Intervention Frankreichs und angeheizt von nationalistischen Parolen bewaffneten sich mehrere tausend Einwohner von Abidjan mit Macheten, Äxten und Knüppeln und setzten mindestens zwei französische Schulen in Brand. Eine große Menschenmenge belagerte am Sonntag den größten Militärstützpunkt der Franzosen in Abidjan. Soldaten gaben Warnschüsse ab. Parlamentspräsident Mamadou Coulibaly forderte in einem Interview des Rundfunksenders „France Inter“ den „Abzug der Besatzungsarmee“ und warf Frankreich vor, die Rebellen zu unterstützen.


Die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie machte den Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, persönlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in Abidjan verantwortlich. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte nach einer Dringlichkeitssitzung die Einstellung aller militärischen Aktionen und betonte, dass die französischen Truppen autorisiert seien, alle erforderlichen Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens einzusetzen. In dem Land sind rund 4.000 französische Soldaten und 6.000 Mann einer UN-Friedenstruppe stationiert.

Die französische Armee hat rund hundert in Elfenbeinküste lebende Ausländer vor wütenden Einheimischen in Sicherheit gebracht. Die von Plünderungen und Gewalt bedrohten Ausländer verschiedener Nationalität seien im Quartier des Marineinfanterie-Bataillons in der Küstenstadt Abidjan untergebracht worden, sagte am Sonntag ein französischer Armeesprecher in Abidjan. Vor dem Quartier in der Nähe des Flughafens versammelten sich demnach einheimische Demonstranten. Die französischen Soldaten versuchten, sie mit Tränengas auseinanderzutreiben.


Die Elfenbeinküste, weltgrößter Produzent von Kakao, ist seit einem Putschversuch im September 2002 de facto geteilt. Im Norden herrschen die Rebellen, die Regierung hat nur noch den Süden mit der Wirtschaftsmetropole Abidjan unter Kontrolle. Das Friedensabkommen von 2003 scheiterte vor allem daran, dass die vereinbarte Allparteienregierung nicht zustande kam.
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