Menschliche Versuchskaninchen dringend gesucht

Jürgen Brandt 04.11.2004 14:32 Themen: Biopolitik Repression Soziale Kämpfe
Es ist unglaublich, was der Staat manchmal den Arbeitslosen ("Kunden" genannt) zumutet. Der Beitrag handelt von einem solchen Beispiel aus Mannheim.
Was darf der Staat einem Arbeitslosen eigentlich zumuten? Herr M. aus Mannheim bekam kürzlich ein ungewöhnliches Stellenangebot von seinem Jobvermittler in der Arbeitsagentur: Er solle sich als Testperson bei einer Studie zum Hörvermögen melden. Einwirkung chemischer Substanzen und Blutentnahme inklusive! Aufwandsentschädigung: 500 Euro.

Der "Arbeitsagentur"-Brief endet mit der Aufforderung: "Vereinbaren Sie bitte umgehend einen Vorstellungstermin. Bitte teilen Sie mir umgehend das Ergebnis Ihrer Verhandlungen mit."

Müssen Arbeitslose also Jobs als Versuchskaninchen annehmen, selbst wenn dies möglicherweise mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden ist? Auf Nachfrage bei der Mannheimer Agentur für Arbeit gab diese kleinlaut Entwarnung: Verpflichtend sei das Jobangebot als Testperson keinesfalls. Eine Kürzung der Bezüge habe M. auch dann nicht zu befürchten, wenn er es ausschlage.

Doch warum dann die dringliche Aufforderung, sofort tätig zu werden? "Wir verschicken im Monat 60000 Schreiben, da können wir nicht mehr differenzieren", antwortet ein Sprecher der Agentur. Es müsse mit Standardformulierungen gearbeitet werden. Missverständnisse ließen sich aber in Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter ausräumen. Dass aber umgekehrt bei jedem winzigen Fehler seitens der "Kunden" das Arbeitsamt erbarmungslos zuschlägt, sagte er aber nicht.

M. schlug den Job im Versuchslabor aus und informierte statt dessen die Medien.
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Ergänzungen

Apropos Versuchskaninchen - eine Mahnung

flopserver 04.11.2004 - 15:56
Seit 2 Wochen läuft in der Gedenkstätte Ravensbrück (ehemaliges Frauenkonzentrationslager) eine Austellung zu den KZ-Wärterinnen in diesem Arbeits- und Vernichtungslager. Dabei wird aus ihren Lebensläufen deutlich, dass auch viele damals vom Arbeitsamt zu dieser Tätigkeit, die laut Arbeitsvertrag "gewissenhaft" ausführen sollten, zwangsverpflichtet wurden. So z.B. Anna Kopka, die 1943 ohne Berufsausbildung vom Arbeitsamt zur KZ-Aufseherin zwangsverplichtet wird. Oder Christine Holthöver, zu deren Lebenslauf unten auf einem Ausschnitt einer Stellwand der Ravensbrücker Ausstellung zu sehen ist.
Diese Oberaufseherinnen beaufsichitigten KZ-Insassinnen, die unter anderem als medizinische 'Versuchskaninchen', so wurden sie im KZ genannt, mißbraucht wurden.
Diese geschichtlichen Grausamkeiten mögen Herrn Clement (und Anderen) zur Mahnung dienen, wenn er Arbeitslose die unter Hartz IV fallen, zu "prinzipiell jeder legalen Arbeit" zwangsverpflichten will. So kann man/frau sich z.B. fragen, ob denn auch anerkannte Kriegsdienstverweigerer in Rüstungsbetriebe arbeiten sollen ... etc.

Zudem wird hier jedem ein Besuch der Ravensburger Ausstellung über die KZ-Aufseherinnen empfohlen.


 http://akw-abschalten.claranet.de/holthoever.jpg


Ausstellung hier:
 http://www.ravensbrueck.de/mgr/deutsch/ausstellung/index.htm

Eine Mahnung - Bildergänzung

flopserver 04.11.2004 - 16:17
Anscheinend wurden die Bilder im ersten Kommentar nicht geladen - hier der 2.Versuch, die Texttafeln zu den vom Arbeitsamt zwangsverpflichteten KZ-Aufseherinnen zu laden:

Strafanzeige bei Zwang

Bucharin 05.11.2004 - 10:05
Sollten die mal versuchen jemanden mit Mittelkürzung zu solch einer Arbeit zu zwingen, wäre das bestimmt ein interessanter Fall für die Staatsanwaltschaft und die Sozialgerichte (Versuchte Körperverseltzung?).

Ich werde das freiwillig machen!

Ulli 05.11.2004 - 13:34
Da ich bald keinerlei staatliche Unterstützung mehr bekommen werden, bleibt mir nicht anderes üblich als mich freiwillig für medizinische Versuche zu melden. Ich weiß auch aus Fernsehberichten dass sich Studies mit der Teilnahme an Versuchen ihr Geld aufbessern. Was wollt ihr denn? Wenn wir Erwerbslose bei den Protesten gegen Hartz IV mehr Unterstützung von den neunmalklugen Links"radikalen" und Studies bekommen hätten, sähe vielleicht alles anders aus. Außerdem werden lieber Studies eingestellt um Lohnkosten zun sparen. Was solen den da Erwerbslose machen? Es gibt auch Jobs als Statist bei Manövern der US-Armee wo man "Zivilisten" darstellt. Werde ich auch machen!

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lieber Ulli — xxx