23.10. Madrid : Antifa vs Polizei

blue 26.10.2004 19:52 Themen: Antifa
Auch in Madrid gibt es Naziaufmärsche - so zum Beispiel einer am 23. Oktober 2004. Zum Aufmarsch hat die faschistische Partei "La Falange" aufgerufen, um auf die angeblich zu ausländerfreundliche Politik der derzeitigen PSOE-Regierung (entspricht ungefähr der SPD) zu protestieren.
Wer das (Wunsch-)Bild von den allzeit militanten (linken) SpanierInnen im Kopf hat (z.B. bei Streiks) dürfte hier etwas enttäuscht sein - der Naziaufmarsch konnte ohne Probleme stattfinden, Auseinandersetzung gab es nur mit der Polizei.
Der Naziaufmarsch fand an der PSOE-Zentrale statt, wo sich um ca. 20 Uhr ca. 300-400 Neonazis, kaum Polizei (zwei Wagen vorneweg) und keine GegendemonstrantInnen versammelt hatten (Andere Quellen sprechen von bis zu 1500 Nazis im Verlaufe des Abends). Per Lautsprecher wurden den FaschistInnen die Parolen ("basta de pateras, cierre de fronteras" (ca. "Schluss mit Flüchtlingsboten, schließt die Grenzen") , "la inmigración destruye la nación" ("Die Immigration zerstört die Nation") und "Rodríguez Zapatero engaña al obrero" ("Zapatero (Regierungspräsident Spanien) betrügt die Arbeiter) etc.) vorgesagt, was diese dann ein- bis zweimal nachbrüllten.

Antifaschistische Gruppen hatten ab 19 Uhr zu einer Kundgebung am Plaza de España, der sich im Zentrum Madrids (am Ende der Gran Via) und ca. 1-2 Kilometer vom Naziaufmarsch befand, aufgerufen, wo sich dann bis 19.30 ca. 700-1000 Antifaschisten versammelt hatten. Die Polizei war auch hier kaum vor Ort - höchstens 20 BeamtInnen und die hauptsächlich nur Verkehrspolizisten. Dafür hatten sie zwei Hubschrauber im Einsatz, die um den Plaza de España kreisten.

Die Einstatzhundertschaften der Policia nacional befanden sich zwischen den beiden Orten - alle 100 Meter fand mensch zwei bis drei Polizeiwannen inklusive Besatzung.

Bis 20 Uhr passiert reichlich wenig - es gibt Berichte, dass Antifas einzelne Nazis in den Cercanias (den Nahverkehrszügen zwischen Madrid und den Nachbarstädten) abgefangen haben.
Nach Aussage der Ofensiva Antifascista, den Veranstaltern der Antinazikundgebung, hat die Polizei bis dahin alles unter Kontrolle und hatte so z.B. einige Nazis, die zum Plaza de España vordringen wollten, abgefangen.
("la policía lo tiene todo bastante controlado. Nos han informado unos compañeros que un grupo de fascistas ha intentado acercarse a Plaza de España y la policía les ha obligado a darse la vuelta")

Um 20.30 wird die Antifa-Kundgebung aufgelöst, ein Teil der Gruppe (ca. 300-600) versucht zu den Nazis vorzustoßen. Die Polizei stoppt die Antifas und es gibt die ersten Auseinandersetzungen - am Plaza de España fliegen Steine und Böller auf die Polizisten, ein Polizeiwagen (mit den Polizisten drinnen) wird beschädigt (aber nicht allzu sehr - es gibt hier keine Verletzen). Die Polizei versucht die Antifas anzugreifen und abzudrängen, es werden Barrikaden gebaut und angezündet. Eine Bankfiliale wird ebensfalls angegriffen.
Die Polizei schickt jetzt weitere Polizeiwannen voll mit Demopolizisten ("antidisturbios"), welche mit Tränengas-werfern und Schlagstöcken vorrücken. (Meines wissens wurde das Tränengas aber nicht eingesetzt). Auf der Grán Vía, DER großen Café- und Kinostraße Madrids sammeln sich die Schaulustigen, um der Polizei und den Antifas zuzuschauen. Die GafferInnen wirken zwar wegen der martialisch auftretenden Polizei und dem Böllergeknalle und den Flaschenwürfen der Antifas alle etwas verängstigt, wollen es sich aber nicht nehmen lassen, alles live vor Ort mitanzusehen, einzelne (Turisten) machen Fotos von sich vor den Barrikaden - die Antifas verteilen sich unter der Menge, so dass die Polizei sich hier vorerst darauf beschränken muss, mit Blaulicht auf und abzufahren, den Verkehr zu regeln und die Glasscherben und Steine von der Straße zu räumen (bisher gibt es anscheinend noch keine Festnahme).

Ingesamt verhaftet die Polizei nach "El País" ( http://elmundo.es/elmundo/2004/10/23/madrid/1098561265.html, größte Tageszeitung Spaniens) in der nächsten halben Stunde um die 4 Antifas.

Im weiteren Verlauf der Nacht gibt es in Madrid weitere Auseinandersetzungen mit der Polizei - diese setzt nach AugenzeugInnenberichten auch Gummigeschosse gegen die Antifas ein, geht gewaltsam gegen Unbeteiligte vor und klaut Kameras. Es gibt weitere Verhaftungen (Zahl steigt auf 36) und Verletzte - die Polizei geht sehr gewaltsam vor, schlägt z.B. auf Festgenommene ein (nach Presseberichten mussten 1 Polizist und eine Passantin ins Krankenhaus gebracht werden).

Die Nazidemonstration konnte übrigens ohne Probleme durchgeführt werden. Die Nazis waren gut organisiert und hatten rund um die Demo "Späher" mit Handys postiert, um vor einem möglichen Angriff gewarnt zu werden. Die Polizei begründete ihren Einsatz später damit, dass sie die rechtmäßig angemeldete Nazidemo vor den Antifas schützen musste, deren Kundgebung ohnehin nicht angemeldet sei.

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Presse (freie Übersetzungen):


El País: ( http://www.elpais.es) eine der größten Tageszeitung Spaniens

Die Polizei nahm bei den Krawallen vom Samstag im Zentrum (Madrids) 36 Personen fest
Die schweren Krawalle, an denen am vergangenen Samstag am Plaza de España und in der Umgebung der Gran Vía ca. 200 jugendliche Antifaschisten teilnahmen, endeten mit der Festnahme von 36 Demonstranten, von denen 24 minderjährig waren. Ein Sprecher der Regierung informierte gestern, dass die Volljährigen nach dem Verhör in der Nacht einem Gericht überstellt wurden.
Die Ausschreitungen geschahen nach 20.30 Uhr am Samstag, als die Jugendlichen versuchten zu einer faschistischen Demonstration, veranstaltet von Falange Spanien gegen die Immigrationspolitik der Regierung, welche sich in der "calle de Ferraz" befand, zu gelangen.
Die Polizei, verteilt im Bereich um den Plaza de España, verhinderten dies, woraufhin die Unruhen mit zerstörten Schaufensterscheiben, umgekippten Kontainern und brennenden Mülleimern auf den Straßen entbrannten. Viele der Anwohner wurden überrascht. Ihr Viertel hatte sich auf einen Schlag in ein Schlachtfeld verwandelt.

Die meisten vermummt
Die Polizei verstreute sich im Viertel und nahm 36 Jugendliche, die Mehrheit davon vermummt, um von den Beamten nicht erkannt zu werden, fest. Alle Volljährigen wurden auf die Polizeiwache, die Minderjährigen, nach der Informierung der Jugendstaatsanwaltschaft und dem Verhör, zu ihren Eltern gebracht.
In den letzten Stunden war abzusehen, dass die Volljährigen dem Gericht überstellt würden, mit den Vorwürfen von groben Unfug und der Widerstand gegen und Angriff auf die Staatsbediensteten und anderen Delikten. Einige von ihnen hatten bereits an ähnlichen antifaschistischen Demonstrationen teilgenommen.



Originaltext:
La policia detuvo a 36 personas en los disturbios del sábado en Centro

Los graves disturbios en los que participaron alrededor de 200 jóvenes antifascistas la noche del pasado sábado en la plaza de España y en las aledaños de Gran Vía terminaron con la detención de 36 de los manifestantes, 24 de los cuales eran menores de edad. Según informó ayer un portavoz de la Delegación del Gobierno, los mayores de 18 años pasaron anoche a disposición judicial tras tomarles declaración en la Brigada Provincial de Información.
Los hechos ocurrieron pasadas las 20.30 horas del sábado, cuando los jóvenes intentaron llegar a una manifestración fascista convocada por Falange Española en contra de la política de inmigración del Gobierno que se desarrollaba en la calle de Ferraz.
Los policías antidisturbios desplegados en la zona de plaza de España les impidieron el paso, por lo que se desencadenaron disturbios con rotura de lunas de escaparates, vuelco de contenedores y diversas papeleras quemadas en las calles del Pez, de los Reyes y de Manuela Malasaña. Muchos de los vecinos de la zona se vieron sorprendidos de repente. Su barra se había convertido, de golpe, en un campo de batalla.

La mayoría, encapuchados
La policía se dispersó por la zona y detuvo 36 jóvenes, que en su mayoría iban encapuchados para no ser identificados por los agentes. Todos los arrestados mayores de edad fueron trasladados a la Brigada de Información. Los menores, por su parte, fueron devueltos a sus padres tras ser informada la Fiscalía de Menores y ser tomado declaración en el Grupo de Menores (Grume) de la Jefatura Superior de Policia de Madrid.
A última hora de anoche estaba previsto que los mayores de edad pasaran a disposición del juzgado de guardia acusados de desordenes públicos y de resistencia y atentado contra agente de la autoridad, entre otros delitos, según informo la Delegación del Gobierno. Algunos de ellos ya habían participado en manifestaciones antifascistas similares.


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20 minutos ( http://www.20minutos.es) - kostenlose Tageszeitung
25.10.2004
12 Jugendliche blieben in Haft wegen der antifaschistischen Demonstration

12 Personen, die am vergangenen Samstag wegen der nichtangemeldeten antifaschistischen Demonstration festgenommen worden waren, verblieben in gestern in Haft.
Die Versammlung endete mit 36 festgenommenen Personen, 24 davon minderjährig, und einem großen Sachschaden im Zentrum Madrids. Die Polizei infomierte gestern, dass einige der 24 festgenommenen Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren nach dem Verhör wieder freigelassen wurden.
Die anderen 12 verhafteten Volljährigen verblieben - bis zum Redaktionsschluss - in Haft um einem Gericht überstellt zu werden.
Den Verhafteten werden "Grober Unfug" (Langenscheidt) , Körperverletzung und Sachbeschädigung zur Last gelegt. In den Auseinandersetzungen wurden ein Polizist und eine Passantin verletzt.

Originaltext:
Doce jóvenes segían detenidos por la manifestación antifascista

Por desórdenes publicos
Doce personas permanecían ayer detenidas por la manifestación antifascista no autorizada del pasado sábado.
La concentración se saldó con 36 personas arrestadas, 24 de ellas menores y numerosos daños materiales en el centro de Madrid. La Jefatura Superior de Policía informó ayer de que "algunos de los 24 jóvenes de tnre 16 y 17 años detenidos fueron puestos en libertad tras prestar declaración. Los otros 12 arrestados, mayores de edad, permanecían, al cierre de esta edición, a la espera de pasar a disposición judicial.
A los detenidos se les imputan "desórdenes públicos, antentado, daños y lesiones". En los altercados resultaron heridos un policía y una transeúnte.

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Bilder:
 http://www.lahaine.org/b2/articulo.php?p=4627&more=1&c=1

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Quellen/weitere Informationen in Spanisch:
www.la-falange.com/nacional/noticias/23-o.htm (Faschistenpartei - Aufruf zum Aufmarsch)
 http://elmundo.es/elmundo/2004/10/23/madrid/1098561265.html
 http://www.lahaine.org/b2/articulo.php?p=4623&more=1&c=1 (La Haine - Minutengenaue Auflistung der Ereignisse)
 http://madrid.indymedia.org (Indymedia Madrid)
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Ergänzungen

@...naja..

(muss ausgefüllt werden) 26.10.2004 - 22:03
Aber besser ? Der Naziaufmarsch konnte ungehindert marschieren, da schaffen wir in Deutschland oftmals mehr Wirkung mit weniger eingesetzer Militanz. Aber kompliziertes Thema, für eine Diskussion ist eine Nachrichtenplattform wie Indymedia nicht wirklich geeignet.

@(muss ausgefüllt werden)

... 26.10.2004 - 23:03
aber bei uns würde die polizei bei solchen ausschreitungen die nazi-demo auf der stelle beenden und die faschos auf den heimweg schicken. gefährdung der öffentlichen sicherheit und so, hat am 1.mai in berlin wunderbar geklappt - die nazis kamen keine 500 meter weit...

Das Problem der Linken

abc 26.10.2004 - 23:13
ist ethnozentrisches Denken. Nicht jede linke Bewegung ist antinationalistisch, nicht jede linke Bewegung möchte den Kapitalismus abschaffen, nicht jede linke Bewegung ist pro- oder antiamerikanisch, nicht jede linke Bewegung setzt auf Militanz und so manche linke Bewegung im Ausland würde in Deutschland noch nicht mal das Prädikat links bekommen.

links oder rechts? 1, 2 oder 3 ?

moritz 27.10.2004 - 12:39
@abc
du meinst es doch umgekehrt, oder?
so manche linke Bewegung in Deutschland würde im Ausland noch nicht mal das Prädikat links bekommen
Das Problem der Deutschen ist ethnozentrisches Denken.

-"nicht jede linke Bewegung ist pro- oder antiamerikanisch"
manche linke Bewegung ist sogar us- oder latinamerikanisch

Übrigens ist abc eine spanische Faschozeitung. passt zum Beitrag?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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...naja..

hmm.. 26.10.2004 - 21:45
..irgendwo doch schon militanter als so manche antifa aktion hier zu lande, ¿oder?

@ moritz

jogo 27.10.2004 - 18:49
sososo, mein lieber moritz, also nur die deutschen sind ethnozentristisch, aha.
bollocks, wie man in england so schoen sagt, dumpfmeier findest du in afrika, asien oder halt in D, aber eben ueberall..... finde dich damit ab. danke

@jojo

moritz 28.10.2004 - 14:56
genau das wollte ich sagen als Reaktion auf "abc"
Idioten und Arschlöcher findeste überall.
Größenwahn und Klugscheißerei sind allerdings deutsche Tugenden und da spielt es keine Rolle ob Rechts oder Links.

Links-Rechts - Oder Wörter ohne Inhalt

nachdenklich 30.10.2004 - 23:17
Es mag zwar sein, dass hier etwas links genannt wird, was wo anders nicht als links angesehen wird und das gleiche dann auch nochmal andersrum.. Und wenn man mal ganz weiter geht, so sieht doch jeder in den Schlagwörtern Links und Rechts was anderes oder? Wir sollten es endlich schaffen uns von diesen Begriffen zu trennen...
So lange "Links" immer noch sowohl für autoritären Stalinismus und antiautoritäre Bewegungen stehen kann, müssen wir uns von diesem Begriff trennen. Er sagt einfach nichts aus und wir sperren uns damit selber ein. Gerade wir, die wir auf unsere Emanzipation so stolz sind, sollten erstmal versuchen uns von diesem Begriff zu emanzipieren.. Warum müssen wir zu solchen nichts sagenden Schlagwörtern greifen, um billige Propaganda zu streuen? Schlagwörter dienen nur der Manipulation großer Massen, da sich jeder halt reininterpretieren kann, was er will und genau deshalb widerspricht es jeglichen emanzipatorischen Ansprüchen, wenn wir uns auf ein solches Nievau herablassen.. Natürlich ist es leichter über eine "linke Bewegung" zu sprechen, als sich klar von Stalinisten und Faschisten abzugrenzen und von "antiautoritären Bewegungen" zu sprechen, aber ist der einfache Weg immer dir richtige?