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Antiquitätendemo - Protest gegen Hartz IV!

Berliner Kampagne gegen Hartz IV 15.09.2004 15:53
Peinlich genau und ziemlich kleinlich prüfen die Bundesagentur für Arbeit und die Sozialämter derzeit mit einem detaillierten Fragebogen die Lebensverhältnisse der Langzeitarbeitslosen, um zu entscheiden, ob sie denn auch bedürftig genug sind, das Arbeitslosengeld II zu erhalten!

Abschluss: Arbeitsamt Berlin-Wedding, Müllerstr.
Peinlich genau und ziemlich kleinlich prüfen die Bundesagentur für Arbeit und die Sozialämter derzeit mit einem detaillierten Fragebogen die Lebensverhältnisse der Langzeitarbeits-losen, um zu entscheiden, ob sie denn auch bedürftig genug sind, das Arbeitslosengeld II zu erhalten!
Die Fragen, die zu beantworten sind, erfordern teilweise einen erheblichen Aufwand, will man fehlerhafte Antworten vermeiden. Ein Hinweisblatt warnt uns sogar vor "unvollständigen bzw. falschen Angaben" und droht uns strafrechtliche Konsequenzen an!
Derart eingeschüchtert sollten wir uns natürlich beim Ausfüllen des Fragebogens um peinlichste Genauigkeit und größte Gewissenhaftigkeit bemühen!
Unvollständige und falsche Angaben könnten uns beispielsweise sehr leicht bei den in unserem Haushalt befindlichen Antiquitäten und Gemälden (s. Zusatzblatt 3, S.4) unterlaufen. Durchforsten wir also Wohnung, Keller und Dachboden: haben wir Omas Sammel-tassen nicht vergessen, unseren Teddy aus Kindertagen (antiquarisches Spielzeug!), die verstaubte DDR-Fahne auf dem Speicher, das Ölgemälde mit dem röhrenden Hirsch, unsere Schnäppchen vom Flohmarkt?
Alles wertloses Zeug!? Wissen wir's denn wirklich? Die kapitalistische Marktlogik ist auch hier unergründlich: so mancher Krempel, der vor 20 Jahren auf dem Sperrmüll gelandet war, ist inzwischen zu wertvollen Sammlerstücken avanciert. Also, gehen wir hier kein Risiko ein und geben alles an! Wie aber schätzen wir den Geldwert?

Kommt einfach mit Eurem Krempel
am Donnerstag, dem 16. September, um 13 Uhr
zum Leopoldplatz!

Dort wird eine Aktion zur Einschätzung des Wertes stattfinden. Sollten sich die hier Versammelten trotz aller Bemühungen des Kabarettisten Dr. Seltsam nicht auf einen Wert für die hier präsentierten Gegenstände einigen können, dann bleibt uns nichts anderes übrig als zum nahegelegenen Arbeitsamt Wedding (Müllerstr.) weiterzuziehen, und unsere potentiellen Wertstücke den Sachbearbeitern im Arbeitsamt zur Begutach-tung auf den Schreibtisch zu stellen! So können wir uns auf jeden Fall gegen den Vorwurf der betrügerischen Erschleichung von Sozialleistungen absichern (also Schubkarren, Handwagen, Wäschekörbe etc. als Transportmittel mitbringen !).

Achtung: man könnte uns hier vorhalten, daß wir diese Gegenstände auf dem letzten Arbeitslosenhilfeantrag nicht angegeben haben. Dies ist jedoch kein Problem, wenn wir sie erst kürzlich erworben oder geschenkt erhalten haben. Auch wollen wir ja vor allem sicherstellen, daß wir diesmal auch wirklich alles angeben, was in letzter Zeit eine Wertsteigerung erfahren haben könnte.

Wer wider Erwarten nicht zu einem Sachbearbeiter vorgelassen wird, sollte als gewissenhaf-ter Bürger vor dem Ausfüllen des Fragebogens ein Sachverständigengutachten in Auftrag geben! Doch Vorsicht! Das wird vermutlich so teuer werden, daß wir uns das als Arbeitslose nicht so ohne weiteres leisten können. Also stellen wir zuvor schriftlich einen "Antrag auf Kostenübernahme für ein Sachverständigengutachten" (Vordrucke gibt's auf der Demo).

Dieser Antrag muß von der Behörde bearbeitet werden. Übrigens: Wenn uns die Behörde in dieser Angelegen-heit lieber einen "Sozialdetektiv" an die Haustür schickt, dann muß er sich damit zufrieden geben, daß wir mit ihm einen Termin vereinbaren (Unverletzbarkeit der Wohnung, Artikel 13 Grundgesetz)!

Kontakt: Kampagne gegen Hartz IV, c/o "initiative anders arbeiten", Tel. 695 98 306,
 http://www.hartzkampagne.de

16.09.2004, 13:00 Uhr
Leopoldplatz im Wedding
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"Arbeitsloser" ist Nazi-Spam — ist ausgefüllt