gegenkundgebung zum "tag der heimat" in ffm

benecita 12.09.2004 19:29
70 menschen demonstrierten heute gegen den bdv und seinen "tag der heimat" in frankfurt
70 DemonstrantInnen gegen BdV in Frankfurt
Am 12. September haben im Frankfurter Stadtteil Bornheim gut 70 Menschen gegen die Politik des Bundes der Vertriebenen (BdV) und dessen Vorsitzende Erika Steinbach demonstriert. Anlaß war die Feier des "Tag der Heimat" im dortigen Bürgerhaus. In Redebeiträgen wurde die unrühmliche Geschichte des BdV dargestellt, die unverschämten und völkerrechtswidrigen "Rückerstattungsansprüche" der Vertrieben kritisiert und die Rolle Deutschlands in Europa angegriffen. Außerdem wurde sich mit den Betroffenen der Hausdurchsuchungen im Kontext des Mobilisierungs-Aufklebers für die Demonstration am 9. November solidarisiert.
Zu sehen waren neben einem riesigen transparent "ja zum potsdamer abkommen" die parolen "deutschland denken heißt auschwitz denken", "gegen geschichtsrevisionismus - sicherheitsdenken - sozialabbau - die reaktionäre formierung durchbrechen" sowie "benes - harris - oderflut, und auch stalingrad macht mut" und eine tschechien-fahne.
parolen waren aufgrund der zeitlichen gegebenheiten (sonntag morgen/nachmittag) kaum zu hören, und auch die "vertriebenen" ließen sich leider kaum zu unmutsäußerungen hinreißen. so endete die kundgebung nach knapp zwei stunden so friedlich wie sie begonnen hatte, abgesehen von den völlig unnnötigen und künstlich in die länge gezogenen vorkontrollen der bullen zu beginn.

anbei noch der redebeitrag der gruppe sinistra!:



Das aggressive Selbstmitleid der Täter stören!

In den letzten wochen war der sogenannte „bund der vertriebenen“ aufgrund der debatte um entschädigungen und rückgabeforderungen in den schlagzeilen. Wir möchten diesen anlass nutzen, um einen blick zurück zu werfen.

Die brd als rechtsnachfolgerin des „dritten reiches“ gründet wesentlich in den profiten, die den arisierungen und dem raubkrieg entstammen, sowie der durch den nationalsozialismus vorangetriebenen technischen modernisierung. Nach dem krieg verfügten die deutschen über ein verjüngtes und stärkeres industriepotential als zuvor, was das – zumindest unbewusst vorhandene – gefühl evozierte, für die vernichtung belohnt worden zu sein. So verlor konrad adenauer in seiner ersten regierungserklärung 1949 denn auch kein wort über die 6 millionen ausgelöschten juden, forderte jedoch eine revision der entnazifizierung und gedachte der ausge-bombten und ausgesiedelten deutschen. Von hochoffizieller seite wurde in der folge das „heimatrecht“ der umgesiedelten eingefordert und durch die staatliche finanzierung des größten zeitgeschicht-lichen forschungsprojekts der 50er jahre, der achtbändigen „dokumentation der vertreibung der deutschen aus ost-mitteleuropa“, zementiert. Bereits 1965 bescheinigte ein soziologe der literatur zu ebenjenem thema einen "außerordentlichen,kaum zu überblickenden umfang“. Die heute so weitverbreitete rede vom sprechverbot über das eigene leid dient also lediglich dem zweck des scheinbaren tabubruchs.

Zugleich war 1952 der lastenausgleich beschlossen worden, dessen leistungen wesentlich den aus osteuropa umgesiedelten zukamen. Bis 1991 wurden ihnen allein aufgrund dieser regelung 120 mrd. d-mark ausgezahlt. Zusätzlich wurden 400 mrd. dm als pensionen und leistungen an deutsche kriegsverbrecher und massenmörder überwiesen. Demgegenüber stehen insgesamt lediglich 100 mrd. dm an zahlungen für die überlebenden opfer der deutschen und an reparationen für die überfallenen staaten.

Stets wurde den opfern nur auf auslän-dischen druck und aufgrund strategischer überlegungen entschädigungen zuge-standen. der berechtigtenkreis wurde dabei so klein, die antragsfristen so kurz und die beträge so niedrig als möglich gehalten. Die meisten der mit dem verfahren betreuten beamten waren zuvor in der ns-bürokratie tätig gewesen, so dass die opfer oft ihren ehemaligen peinigerInnen oder zumindest deren gedankengut gegenüberstanden, was in vielen fällen zu einer retraumatisierung führte. Die definitionsmacht über den opferstatus blieb stets in den händen der täternation.

juden, sinti und roma, kommunistInnen und andere wurden in die rolle von bittstellern gedrängt, während sich die deutschen erneut als herrenmenschen inszenieren konnten, etwa festlegten, dass ein kz-aufenthalt unter 6 monaten nicht ausreichend für eine entschädigung sei.

Auch die vor wenigen jahren beschlossene auszahlung von 8 mrd. dm an ehemalige zwangsarbeiter kam nur auf internationalen druck zustande. Es handelt sich bei dem diktat, dessen entstehungsprozess kaum mit dem wort verhandlungen bezeichnet werden kann, um ein almosen, stehen ihm doch immer noch 230 mrd. d-mark allein an vorenthaltenem lohn aus der sklavenarbeit gegenüber. Mittlerweile sind 90% der opfer gestorben, die meisten wurden nie mit einer finanziellen zuwendung bedacht. Für die übrigen reichen die nun überwiesenen raten oft gerade noch zum kauf eines sarges. Der verband der tschechischen zwangsarbeiter etwa musste kürzlich seine arbeit wegen überalterung der mitgliedschaft einstellen, obwohl nur ein zehntel der 600.000 von ihm vertretenen ehemaligen arbeitssklaven geld aus der brd erhielt.

Demgegenüber stehen die mitgliedsstarken verbände des bdv, deren anliegen seit einigen jahren dank günter grass, guido knopp, otto schily und anderen walsern wieder in aller munde ist. Uneinigkeit besteht allerdings über den zu beschreitenden weg bei der umsetzung der revanchistischen zielsetzung: während initiativen wie die „preußische treuhand“ lautsprecherisch auftreten und für die rückgabe ihres angeblichen vermögens bis vor den europäischen gerichtshof zu ziehen drohen, befürchtet der deutsche mainstream in form von gerhard schröder und erika steinbach dadurch gerade angesichts des geplanten „zentrums gegen vertreibungen“ einen imageverlust und bietet den nachbarstaaten großzügig eine „materielle nullösung“ an. Die scheinbar liberale haltung entpuppt sich als heuchelei eingedenk nicht nur des auf der massen-vernichtung basierenden bundesrepubli-kanischen wohlstands, sondern auch der seit 1989 intensiv vorangetriebenen regermanisierung osteuropas via kapital-expansion und volksgruppenrecht. Angesichts der ideologischen und personellen kontinuitäten zwischen ns-regime und brd, angesichts des auf der asche der ermordeten errichteten „sozialstaates“, angesichts der
fortwährenden exklusion und erniedrigung der opfer bei gleichzeitiger protegierung von täterrepräsentationen wie dem bdv sagen wir: der bdv ist der bund den es nicht mehr geben dürfte, deutschland ist das land das es nicht mehr geben dürfte.

sinistra!
www.copyriot.com/sinistra
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Ergänzungen

7 Fotos

[´solid]ffm 12.09.2004 - 19:58

benes 10-punkte-plan von 1944

teil des flyers 12.09.2004 - 21:18
6
Gleich in den ersten Monaten nach Deutschlands Fall werden (soweit sie nicht zwecks Bestrafung in der Republik festgehalten werden) bestimmte Kategorien von Bürgern deutscher Nationalität, die es wegen ihres Verhaltens und Vorgehens verdienen, aus der Republik ausgewiesen werden:

a
alle ehemaligen Bürger der CSR, die Mitglieder der Gestapo, der SS-Formationen, der deutschen Polizei waren, und alle Beamten deutscher Nationalität, die nach München [September 1998] oder nach dem 15. Mai 1939 ernannt wurden und diejenigen Beamten, die sich offensichtlich auf die Seite des neuen Regimes schlugen.

b
Henlein-Funktionäre in der ganzen Republik, Ordner, Hitlerjugend, führende Funktionäre aller Organisationen der Partei (Turner usw.).

c
Diejenigen, die in uniformierten Verbänden an den Fronten und auch im Hinterland während des Krieges Deutschland dienten, falls sie nicht eine REVOLUTIONÄRE ANTIDEUTSCHE TÄTIGKEIT nachweisen oder nachweisen, daß sie tschechischer, slowakischer oder karpatorussischer Nationalität sind.

d
Lehrer, Professoren, Mitglieder nazistischer Studentenorganisationen, Juristen, Ingenieure – Teilnehmer am Vereins- und politischen Leben nazistischer Fachorganisationen.

e
Alle Deutschen, die aus der Besetzung der Tschechoslowakei wirtschaftlich und finanziell für sich einen Nutzen gezogen haben oder dies versucht haben.

auch in Karlsruhe

Tag der Heimat 12.09.2004 - 22:01




Am nächsten Samstag 18.9. wird in Karlsruhe eine Gegenkundgebung zum Tag der Heimat stattfinden.

Treffpunkt 13:00 Uhr Festplatz (Strassenbahnhaltestelle Kongresszentrum)

Am Freitag den 17.9. findet um 20:00 Uhr eine Infoveranstaltung zum Thema Vertriebene in der Ex-Steffi statt.

Deutschland abschaffen!
Deutsche Täter sind keine Opfer!
Vertriebene vertreiben!



Das sagt die FR dazu...

Presse 13.09.2004 - 22:47
"TAG DER HEIMAT"

Gegendemonstration mit Pfiffen und Buhrufen


Frankfurt · 12.September · big · Rund 50 Gegendemonstranten haben am Sonntag vor dem Bürgerhaus Bornheim versucht, eine Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) zu stören. Mit Plakaten, Pfiffen und lauter Musik protestierten die überwiegend jungen Demonstranten gegen die Vorsitzende des BdV, die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, die am Nachmittag vor rund 200 geladenen Zuhörern beim "Tag der Heimat" im Bürgerhaus eine Festansprache hielt. Die Polizei riegelte das Bürgerhaus in der Arnsburger Straße weitgehend ab.

Organisiert hatte die Gegendemonstration die Frankfurter Anti-Nazi-Koordination, deren Aufruf die Demonstranten gefolgt waren. Während drinnen der Frankfurter Kreisverband des BdV den "Tag der Heimat" mit Festansprachen, Chorgesängen und abschließender Nationalhymne feierte, forderten sie vor der Tür des Bürgerhauses einen Abbruch der Veranstaltung und buhten Steinbach aus.

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wie oft noch!? — gesichter