Montagsdemo in Augsburg

kafuni 31.08.2004 18:11 Themen: Soziale Kämpfe
Gestern fand zum zweiten Mal eine Montagsdemo in Augsburg statt. Auch diesmal verteilte die "Bürgerechtsbewgung Solidarität ungehindert ihren rechtsradikalen Müll.
Wieder lud das vorwiegend von der MLPD beherrschte "Bündnis gegen Sozialkahlschlag" zu einer "Kundgebung mit offenem Mikrofon und anschließender Demo" zum Königsplatz. Diesem Aufruf folgten meiner Schätzung nach etwa 100 bis 130 Menschen, darunter auch ca.10 Autonome, bestückt mit je einer Anarchosyndikalismus- und einer Antifafahnen. Auch diesmal konnte mensch wieder auf zwei Mitglieder der Politsekte "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" treffen, die eifrig ihre Flugblätter unters "Volk" brachten. Nach den Erlebnissen auf der letzten Kundgebung wurde diesmal ein Flugblatt verteilt, das über die Hintergründe und die wahren Absichten der BüSo informierte. Dieser kam meiner Einschätzung nach gut an, im späteren Verlauf konnte mensch mehrer BüSo Flyer auf dem Boden sehen. Aber das Thema war noch nicht erledigt. Eine Antifaschistin trat an das Mikrofon, und klärte kurz über die Machenschaften und Hintergründe der ehemaligen "Patrioten für Deutschland" auf. Daraufhin ergriff der Wortführer des "Bündnis gegen Sozialkahlschlag" und Demoleiter das Wort und begann auf eine so plumpe Art sich ob der Anwesenheit BüSo zu rechtfertigen, dass es fast schon wie Werbung klang. Er erklärte, es gäbe zwar den auf der letzten Demo gefassten Beschluss, dass "Faschisten hier nicht geduldet seien" aber das treffe ja wohl nicht auf die BüSo zu. So habe er keinen Grund, etwas gegen sie zu unternehmen, schließlich hielten sie sich ja an die Regeln und wer das tue sei hier auch geduldet. Schließlich würde er ja auch nicht jeder Hausfrau die sagte, „Ausländer gehörten raus“, "aufs Maul hauen", sondern würde er vielmehr mit ihr diskutieren, und versuchen sie zu überzeuge, auch wenn ihm das nicht gelinge. Schließlich müssten auch andere Meinungen zugelassen werden, das sei schließlich demokratisch. Das alles trug er so ungeschickt vor, dass eine Frau vor mir sich laut fragte, ob "der denn selbst bei der BüSo sei". Es ging also weiter wie bisher, es traten verschiedene Leute aus dem Publikum ans Mikrofon, klagten überwiegend ihr Leid und erklärten, Hartz IV müsse weg. Glücklicherweise kam es zu keine unschönen "Wir sind das Volk" Bekundungen, nur die von der MLPD vorgegeben Parole "Weg mit Hartz IV - Das Volk sind wir!" tauchte in einigen Beiträgen auf. Nach etwas mehr als einer halben Stunde verkündete der Demoleiter, dass es nun im Rahmen einer "kämpferischen Demo"(zu diesem Zeitpunkt waren noch circa neunzig, schon überwiegend ältere Menschen mit sichtbar wenig bis gar keiner "Demoerfahrung" anwesend) zum Rathausplatz gehe. Jetzt kam es zu einem kleinen Eklat. Die Autonomen (mittlerweile hatte sich deren Zahl auf ca. 20 gesteigert) entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Uni umsonst - gegen Ausgrenzung, Arbeitshetze und Strandortlogik - BAsta" und postierten sich an der Spitze der Demo. Der Leiter kam, besah das Transparent, befand es für gut und erlaubte, dass die Die Autonomen die Spitze bilden dürften, weil sonst kein anderes Transparent zugegen war. Sofort regte sich Protest, eine Frau ging schimpfend an mir vorbei und meinte, dass sie "hinter so einem Dreck nicht herlaufen würde". Ein Mann ergriff das Mikrofon und begann: "Hier geht es nicht um Uni, hier geht es auch nicht um rechts oder links(warum das?), hier geht es um Hartz IV und darum, wie die da oben uns verarschen. Deshalb bin ich dagegen, hinter so einem Transparent herzulaufen“. Kurz darauf verkündete der Demoleiter, es sei beschlossen worden (Wie? Sonst wurde jede Kleinigkeit mit Handmeldung abgestimmt, nur hier blieb jede Frage aus), das das BAsta Transparent nicht an der Spitze laufen dürfe, es sollten sich ein paar Menschen davorstellen. Aus mir unerfindlichen Gründen setzte sich das Transparent und die es Haltenden in Bewegung. Die Parole "Alles für alle und zwar umsonst" wurde angestimmt. Das ließ sich der Rest natürlich nicht gefallen, blieb stehen und der Demoleiter meinte lachend (wohl über diese doch äußerst lustige Bemerkung): "Kommt ihr euch nicht ein bisschen doof vor" .Also wartete die Gruppe auf den Rest dieser doch arg kleinen Demo (zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch 75 Menschen), ließen ein paar Leute vor und zogen dann geschlossen weiter. Die Parole "Das Volk sind wir" verpackt in einen munteren Zählreim, der mir leider entfallen, ist wurde skandiert, worauf die kleine Gruppe "Querulanten"(O-Ton eines Demoteilnehmers) mit "Kampf auf der Strasse, Streik in der Fabrik - Da ist unsere Antwort auf ihre Politik" zurückbrüllte. An diesem Punkt ausgelassenen Feierns musste ich die Demo leider verlassen, daher kann ich nicht über die sicher spannenden Ereignisse auf dem Rathausplatz berichten. Vielleicht kann das ja einE TeilnehemrIn der Demo für mich nachholen.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

mensch maier

Ka-pu Tse 31.08.2004 - 19:53
Kriegt ihr denn in Augsburg kein größeres Bündnis auf die Reihe?

Wieso überlassen die Augsburger linken Gruppen die Organisation der mlpd und der verwirrten büso und treten selbst kaum auf? Was ist los mit dem Augsburger Sozialforum?
Es existiert in Augsburg doch auch eine gut funktionierende Attac-Gruppe. Ich glaube auch an der Uni? Die haben es schließlich sogar geschafft die Privatisierung der Augsburger Wasserversorgung zu verhindern, dann werden die doch auch ne Montagsdemo zusammenbringen.
Oder die PDS-Augsburg?
Da muss doch ein bißchen mehr auf die Beine zu stellen sein. Is das nicht machbar?

An die Autonomen: verschreckt die wenigen Bürgers die sich wenigstens zur Demo aufraffen nicht allzusehr mit destruktiver kritik. Vielleicht ein bissel konstruktiver? aber gut dass ihr mitmischt...!

Zur Situation in Augsburg

boodi 01.09.2004 - 01:36


An einer größeren Bündnis ist die MLPD wie es mir scheint nicht interessirt. Es gab meines wissens keine Einladungen an andere Organisationen in Augsburg.
Die Attacis haben sich ne Sommerpause verordnet und vom Sozialforum hört man schon seit Monaten nix mehr.
Die Büsos sind meiner Ansicht nach ein echtes Problem da sie eigentlich die einzige Organisation waren die massiv mit Flugis aufgekreutz sind und daher nach wenigen Minuten jeder Bürgi ihren Müll in den Händen hielt.

Büso:

der nachdenker 01.09.2004 - 11:24
Die Büso ist echt eine Plage: diese verwirrte Sekte trtt auf vielen Montagsdemos in Erscheinung. Auch in Leipzig war sie präsent.
Die Linke muss sich diesem Problem stellen und eine Lösung finden, denn die Büso ist eindeutig rechtsorientiert und antisemitisch. Sie betrreibt sogar einen weltweiten geheimdienstähnlichen privaten nachrichtendienst.
Kann man die Demoveranstalter nicht überall in D. über die Büso aufklären und sie zu einem Ausschluss bewegen? Linke und Antifa-Materialien gibt es eigentlich genug über die Büso.

@ Ka-pu tse

arbeitsloser 01.09.2004 - 21:30
das mit dem breiten buendnis ist so eine sache. Wie boodi bereits sagte ist attac im sommerschlaf, pds eher klein (aber auch anwesend), und die buerger auf den plenas des buendnises gegen sozialkahlschlag sehr sehr eklig. Durchschnittlich rassistisch eben.

Zum thema buerger nicht abschrecken:
Es kamen keine "antideutschen" parolen wie "deutschland verrecke", "nie wieder deutschland" o.ä. , nichtmal nach einem doch sehr rechten "betroffenenberichts" am offenen mikro, welcher aber gut ausgebuht wurde. Es kamen lediglich kaempferischere parolen, als die der buerger. Die parole "kampf auf der strasse..." war uebrigens auf dem vom buendnis verteilten parolenzettel abgedruckt.


Desweiteren sehen einige die montagsdemos sowieso etwas skeptisch.



anybody

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige den folgenden Kommentar an

Wo ist das Problem ? — Manfred