Leute zählen! Beispiel: Frankfurt am Main

küsschen 31.08.2004 14:24 Themen: Globalisierung Medien Soziale Kämpfe
Viele Presseorgane versuchen, die sozialen Proteste kleinzureden. Da hilft nur Gegeninformation in Form aussagekräftiger Bilder.
Bei Spiegel Online wird der Eindruck erweckt, Demonstrationen gäbe es nur im Osten. Die Frankfurter Rundschau, die kürzlich von der SPD übernommen wurde, berichtet irgendwo unter ferner liefen im Lokalteil über die Proteste in Frankfurt. Sie behauptet, dass 'an die 400 Menschen' daran teilgenommen hätten.
Dieser Entmutigungs- und Kleinredpolitik sollten wir klare Information entgegensetzen.

Von Balkon der Kaufhof-Kneipe im obersten Stockwerk hat man einen prima Überblick über die Hauptwache. Die dort (leider mit einer eher gering auflösenden Digikam) geschossenen Bilder lassen sich in einem Grafikprogramm, z. B. gimp, anzeigen. Dann kann man eine neue Ebene erstellen und jeden Kopf mit einem transparenten Farbpunkt versehen. So vermeidet man Doppelzählungen. Außerdem kann man noch einen Punkt setzen, wenn ein Schild einen Kopf verdeckt, zu dem aber Beine gehören.
Schwierig wird es, wenn Gegenstände, z. B. Bäume im Weg sind. Hier kann man seriöserweise nur Punkte setzen, wo eindeutig Körperteile erkennbar sind.

Wenn dann eine Zahl ermittelt ist, muss man noch überlegen, wieviel man draufschlagen kann für verdeckte Personen. Bei den Beispielbildern fände ich gefühlsmäßig mehr als 5 % übertrieben.

So kommt man größenordnungsmäßig auf eine Zahl, die zu einem bestimmten Zeitpunkt anwesend war. Da es aber immer ein Kommen und Gehen gibt, kann man auch hier noch etwas aufschlagen, wenn es um die Ermittlung der GesamtteilnehmerInnenzahl geht. Bei der Demo in Frankfurt würde ich von meinem Empfinden her auch nicht mehr als 5 % aufschlagen. Die Kundgebung/Demo schien mir zum Zeitpunkt der Aufnahme halbwegs vollständig zu sein.

Es wäre eine gute Idee, wenn Belegfotos öfter kämen, falls es die Möglichkeit für solche Aufnahmen gibt. Für den Mainstream scheinen Tagesschau-Zahlen immer noch glaubwürdiger zu sein, als Indymedia-Zahlen.

Ein Ergebnis meiner Zählung liefere ich nicht - aber ich denke, anhand des Materials lässt sich die Einschätzung der Frankfurter Rundschau klar widerlegen.
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Ergänzungen

Erbsenzähler

saul 31.08.2004 - 15:25
Sicher versuchen die staatstragenden Medien die Demos kleinzureden, nur bringts nix sich um Zahlen in Größenordnungen von 50 - 200 zu streiten. Entscheidend ist, das die Masse auf die Gass kommt und die lässt sich dann nicht mehr kleinreden.

@saul

küsschen 31.08.2004 - 15:42
50 - 200 Differenz von was? Teilnehmerinnen? Prozent?

Deine Angabe von ca. 1000 Teilnehmern und die von der FR mit knapp 400 unterscheiden sich schon ganz schön.

Beides ist nicht "die Masse", das ist richtig. Aber es ist ganz ordentlich für Frankfurt und es sind auch nicht nur wie sonst die üblichen Verdächtigen.

Und das Entscheidende ist: Es wächst. Die Mainstream-Medien behaupten, dass es schrumpft. Und diese Lüge zu widerlegen, ist nicht unwichtig, wenn es eine Massenbewegung werden soll.

Dafür zähle ich dann in der Tat auch gerne mal Erbsen :-)

Gute Idee

sowhat 31.08.2004 - 15:46
Ich finde die Darstellung sehr gut.
Auch wenn es hier nicht um den großen Unterschied geht, solche Aktionen gerade bei den größeren Demos wie Leipzig oder Berlin halte ich für wirklich wichtig.

warum regst du dich auf

fau 31.08.2004 - 15:49
ist doch klar das jede gruppe versucht die zahl ihrer gegner klein zu reden. wären das auf dem bild neonazis oder antifas würde die jeweilig andere gruppe auch behaupten das wären maximal 200 leute. ich selbst halte von schönfärberei eigener zahlen und vom herunterreden des gegners garnichts. das verzerrt die realität und macht antifa arbeit in den meisten fällen nur noch schwerer. ich war zum beispiel mit 8 anderen antifas in wunsiedel davon waren 2 noch ganz jung dabei die waren erst 12 jahre diese fragten mich nun warum auf antifaseiten die zahl der faschos in wunsiedel heruntergelogen wurde und die eigenen zahlen übertrieben wurden. ich habe ihnen genau das erklärt das ende vom lied war das einer der beiden jetzt von der antifa garnichts mehr wissen will weil er sie für einen lügenverein hält. ich denke man sollte schon bei der wahrheit bleiben dann steht man vor den eigenen leuten nicht blöd da gerade wir als antifas sollten uns der wahrheit verschreiben und zahlenangaben nicht für uns schönen wie es die faschos und die staatsmedien machen.

@fau - leute gezählt in wunsiedel

antifa 31.08.2004 - 16:25
Selten blödes Beispiel gewählt mit Wunsiedel ---
Gerade Antifas zählen doch schon seit Jahren genauestens die Demos aus. In Wunsiedel kamen unabhängige Zähler auf 4400 bis 4600 Nazis.
Die Zahl der Antifas war natürlich nicht so genau zu zählen, weil sie überall herumliefen. Sie waren damit sehr agil, da darf man sie schon mal doppelt zählen ;-)

Politische Mathematik

Norbert 31.08.2004 - 18:57
Die selbsternannte "Demoleitung" gab bekannt, daß es sich in Frankfurt um 1000 Leute gehandelt habe. Tatsächlich dürften es aber 600, oder höchstens 700 Leute gewesen sein.

Die Fotos und die Erläuterungen vermitteln einen guten Eindruck davon. Die Frankfurter Rundschau spricht von 400, die "Demoleitung" von 1000 Leuten, d.h. beide lügen. Dem Ergänzer "fau" kann ich nur zustimmen.

Von einer von der SPD aufgekauften Zeitung ist aber ebenowenig anderes zu erwarten, wie von den meisten an der Demo beteiligten Gruppen. Ansprüche auf "realistische und wahrheitsgemäße" Darstellungen kann man sich abschminken. Das Verarschen von Leuten gehört für alle zum Konzept, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hinzukommt, daß eine fantastische Quantität die mangelnde Qualität dieser Demos verdecken soll. Zwar ist die Teilnehmerzahl in Frankfurt innerhalb von drei Wochen von 200 auf 700 gestiegen, die Qualität der beteiligten Gruppen, der Transparente, Flugblätter, Reden und der unsäglichen "musikalischen Beiträge" (dieser elende Sänger!) ist aber weiterhin so mies, wie zu Anfang. Sozialpartnerschaftlich, "revolutionär-völkisch" (das Deppen-Volk), sozialdemokratisch und staatsgeil (die Obereren sollen es richten).

Um eben diesen inhaltlichen Müll und die damit zusammenhängende Perspektivlosigkeit zu kaschieren, werden Zahlen/Massen aufgebauscht.

Klasse statt Masse an Volk.

Norbert

es waren ca. 500 Leute

Roland 31.08.2004 - 20:28
Ich war auf der Veranstaltung und habe ca. 18:45 gezählt und bin auf 500 Leute gekommen. Um 10 mehr oder weniger will ich mich da nicht streiten, aber um 100 mehr oder weniger schon :)

Die Bilder finde ich gut, sie sind offenbar vom benachbarten Kaufhaus aus aufgenommen worden.

Demozahl

saul 31.08.2004 - 21:11
In der Tat, das ausgerechnet die Rundschau ne Zahl von 400 angibt scheint deren neune Besitzer der SPD geschuldet zu sein. Trotzdem macht Zeitunglesen gelegentlich Laune. Die beste Meldung dazu heut in der Frankfurter Neuen Presse.

"Bei der mittlerweile dritten Frankfurter Montagsdemonstration gegen Hartz IV zogen gestern Abend xxx Teilnehmer von der Hauptwache zur Arbeitsagentur in der Fischerfeldstraße."

Kein Witz, so stehts drin. *ggg*

HR-Online

Watcher 01.09.2004 - 18:56
Die Rundschau war ja noch zurückhaltend im Zahlen drücken: Am Abend des 30.8. war in HR-Online zu lesen, daß auf der Demo (ich war auch da)nur 60 !! Demonstranten gewesen seien. Leider konnte ich den Artikel gestern nicht mehr aufrufen, da er bereits herausgenommen worden war. Statt dessen war von irgendwelchen Montagsdemos kein Wort mehr zu lesen...

Auffällig ist bei den meisten Mainstream-Medien, daß in letzter Zeit die übliche Doppelmeldung der Teilnehmerzahlen a) von den Veranstaltern und b) von der Polizei inzwischen unterbleibt. Das scheint mir ein wichtiger Hinweis darauf zu sein, daß hier Zahlen (vielleicht sogar vorauseilend) gehorsamst getuned werden.

Daß besonders über die Demos im Westen kaum bzw. falsch berichtet wird, scheint mir gerade der Spaltung zwischen Ost und West zu dienen, vor der uns die scheinheiligen Politiker besorgt warnen.

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sprachlos

krikelkrakel 01.09.2004 - 03:08
Wie kann mensch jetzt behaupten, es seinen nur 500Leute da gewesen??? Zählt doch mal Erbsen! Man kommt ziemlich genau auf 1000!!! UNGLAUBLICH die behauptungen...

Des weiteren ist Qualität wichtig, aber die Masse machts halt auch aus. Schließlich wird es die Regierung bei einer Milionen Motags demonstrierenden (auch wenn in der FAZ nur 600.000 steht) schwer haben ihren Kurs beizubehalten.

apropos zahlen ...

trance-x 12.09.2004 - 07:03
wenn schon, dann muessten bei demos zudem neugierige passanten, mitgeschleifte freunde ohne echten thematischen bezug, zweckinstrumentalisierte kinder und dergleichen mehr rausgerechnet werden. demonstrationszahlen etwas nach unten zu verlegen, ist in den meisten faellen serioeser.

was hartz-gegner ansonsten betrifft: nazis, pds, attac, vorwiegend ideologische mitlaeufer unterschiedlichster garnitur, tja, das who-is-who ausgewiesener kompetenz bei wirtschaft und sozialem:) - ich faende es gut, wenn sie ein jahr lang nach ihren ideen ein bundesland zu demonstrationszwecken ihrer ideen fuehren duerften - aber bitte nicht berlin. (tatsaechlich gibts da ja im kleinen. die junge welt beispielsweise. kraeht rum, bezahlt schlechter als jede sonstige firma bei keineswegs besserer lebensqualitaet oder menschlichem umgang). realitaeten ...