Hamburger Montagsdemo

Pan Tau 30.08.2004 23:42 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe
Heute demonstrierten knapp 400 Leute in Hamburg gegen die Hartz-Gesetze
Es war eine Demo der eher leisen Töne, die heute ihren Weg vom Georg-Hauptmann-Platz am Hauptbahnhof durch St. Georg zog. Aber nicht weniger eindringlich. Das offene Mikrophon wurde viel genutzt, und es kamen zum Teil sehr emotionale und reflektierte Beiträge. Dazwischen immer wieder Parolen und Live-Musik mit selbstgeschriebenen Texten „Agenda 10 muß weg“.
Viele der kleinen linken Parteien und Grüppchen hatten dieses Mal auf den Aufbau eines Infotisches verzichtet und bildeten auch einen kleineren Anteil innerhalb der Demo als noch in der letzten Woche.

Die Demoteilnehmer gaben sich Mühe, umstehende Passanten zum Mitlaufen einzuladen, was leider nur wenige annahmen. Dabei gaben sich die Redner in Ihren Beiträgen Mühe zu vermitteln, daß die Hartz-Gesetze sich nicht nur auf Arbeitslose, sondern durch das verursachte Lohndumping und den Konkurrenzdruck auf die Lebensverhältnisse jedes einzelnen auswirken werden. Ein Herr im Anzug machte aus dem Fenster seines VW-Busses seinen Unmut über die Demonstration deutlich, was zu artikuliertem Unmut von Seiten der Demonstranten führte.

In der Danziger Strasse gab es eine Zwischenkundgebung, auf der eine flüchtige Zählung 380 Teilnehmer ergab. Die Demo erreichte etwa eine Stunde, nachdem sie gestartet war, wieder ihren Ausgangspunkt, den Hachmannplatz, wo noch eine kurze Endkundgebung stattfand.

Als bereits die meisten gegangen und nur noch etwa 50 Personen anwesend waren, verlas eine Person die Resolution, die eines der beiden bundesweiten Koordinierungstreffen am Wochenende in Leipzig verabschiedet hatte, und bat um Annahme auch für Hamburg per Handzeichen. Daraufhin kam es zu Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten, weil ein Teil der Zuhörenden eine Abstimmung mit so wenig Leuten nicht für demokratisch legitimiert hielt.

Bereits im Vorfelde der Demonstration soll es zu erhöhtem Druck der Polizei auf die Anmelder gekommen sein. So soll die Polizei angeblich wenig kompromißbereit mit Gestaltungsvorschlägen der Demoorganisatoren umgegangen sein. Auf der Demonstration selber hielt sich die Polizei jedoch zurück, einige wenige Beamten in neuer blauer Uniform begleiteten den Zug und regelten lediglich den Verkehr.
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Ergänzungen

Handgreiflichkeiten zwischen den Abschlusskun

baerbel und werner 31.08.2004 - 11:39
Wie schon zu Beginn der Montagsdemo angekündigt, sollte auf der Abschlusskundgebung über die Resolution der Leipziger Konferenz diskutiert und abgestimmt werden. Wie auch schon am letzten Montag waren dort aber nur noch eine Bruchteil der Demonstranten anwesend, ein wirklicher demokratischer Prozess nicht gewährleistet. Dieses hätte sachlich kritisiert werden können und müssen. Die bekannten Freunde der FAU waren dazu aber offenbar nicht in der Lage. Stattdessen versuchten sie das Vortragen der Leiptziger Resolution zu verhindern, indem sie dem Redner das Mikro entreissen wollten, ihn körperlich bedrängten. Gegen dieses Verhalten gab es Proteste der Umstehenden.

Hamburger Abendblatt deckelt Hartz-Demo

Hartz-Produkt 31.08.2004 - 12:31
Die Berichterstattung im Hamburger Abendblatt vom 31.08.2004
ist doch recht manipulativ und selektiv.
Springer-Schreiberlinge übernehmen einfach eine *dpa-Meldung, statt sich selber mal vor Ort zu bequemen.

Hamburger Abendblatt vom 31.08.2004
Wieder Montagsdemo gegen Kürzungen
Rund 100 Arbeitslose haben am Montag in Hamburg gegen die geplanten Kürzungen sozialer Leistungen im Rahmen der Hartz-IV-Gesetze demonstriert. Sprecher der Demonstranten forderten die Rücknahme der Gesetze, da andernfalls die Verarmung der betroffenen Leistungsempfänger zu befürchten sei. "Heute wir - morgen ihr", war auf einem Transparent zu lesen. Zu der Demonstration hatte ein Bündnis sozial engagierter Aktionsgruppen aufgerufen. *dpa
 http://www.abendblatt.de/daten/2004/08/31/335469.html

Kommenar von "Hartz-Produkt":
Im übrigen finde ich es schade, dass in Hamburg die Hartz-Demo auf den ersten Blick (dieser wirkt übrigens nachhaltig...und hält viele Betroffene
doch lieber fern...) etwas zu ver.di und PDS lastig wirkt. Ein/e Demonstrant/in möchte schliesslich nicht unbedingt für ver.di und/oder PDS auf die Straße gehen sondern für die SACHE!!!
Würde mal sagen: "sand im getriebe" ...hausgemacht...
Eine riesiger Erfolg wird eine Hartz-Demo erst dann, wenn sich Organisationen und Veranstalter nicht so wichtig nehmen und sich durch Fahnen und Transparente in den Vordergrund stellen und "vorbelastete Hymnen" posaunen...
AUFWACHEN °^° - Dies geht alle etwas an und nicht nur eine exclusive linke (wohlfühl) Gemeinde...

Meiner Einsätzung nach waren am Gerhard-Hauptmann-Platz knapp 500 peoples,
welche sich in den Zug eingereiht haben...

Meinen Beobachtungen nach wären es sehr gerne mehr gewesen.
Ich wiederhole...gestreutes Sand im Getriebe...

"Nehmt die Sache wichtiger, als euch selbst und eure Organisationen" scheint eine erfolgsversprechende Parole zu sein.

Wie wollt ihr bitte schön "kritische Massen erreichen", wenn im Vorfelde schon gespalten wird ?

am schluss

David 31.08.2004 - 12:51

Zuerst mal: es ist wirklich fragwürdig, am Ende eine Resolution abstimmen zu lassen, wenn unklar ist, was diese bedeutet. Eine Resolution vom Leipziger MLPD-Sonderparteitag wid vermutlich dfarauf hinauslaufen, dass alle am 03.10. nach Berlin sollen - das breite Bündnis hat aber den 02.10. beschlossen. Unabhängig davon haben sich die Kritiker aber tatsächlich dadurch ausgezeichnet, dass sie kein Gegenrede halten wollten, sondern nur gebrüllt und Trillergepfiffen haben - auch auf das Angebot einer Gegenrede nicht. Ich glaube schon,dass es genug Argumente gegeben hätte, keine Abstimmung durchzuführen, und das die Leute das dann auch begriffen hätten.

Eine wirkliche Sauerei aber war, dass die Kritiker dann von der Polizei abgeführt worden sind. Wenn die Polizei kommt, muß jeder Linke denen klarmachen, dass wir solche Sachen selber regeln, und ein Wort vom Anmelder, dass wir die Polizei dazu nicht brauchen hätte gereicht, dass sie niemanden hätten einfahren können. Das ist echt das allerletzte.

Die Demo fand ich o.k., der Zwischenkundgebungsort an der Caritas war schlecht gewählt (kaum Laufpublikum). Unser kleiner SAV-Block hat mir Spass gemacht (nur um allen die Gelegenheit zu geben, mich als Sektenheini zu beschimpfen, statt inhaltlich zu reagieren). Man hat viele Interessierte Leute auf der Demo getroffen, die lange auf keiner oder noch nie auf einer Demo waren - natürlich nicht hunderte, es waren ja nur paar hundert abe eben doch auffällig anders als auf Bambule/Wendebecken etc (wundert ja wohl auch keinen)

bis Montag

nervig war, dass die mlpdoof akustisch

der nestscheißer 31.08.2004 - 13:13
gelungen ist, die demo zumindest partiell mittels lautsprecherwägelchen und blaskapelle zu dominieren. was sowohl das berliner wie das leipziger treffen angeht, bei beidem handlet es sich um ein in einem falle etwas breiteres (attac/rinksluck-jihad/wahlalternative/kimpel) im anderen falle etwas engeres bündnis (volkstümelnde mlpdoof nebst vorfeldorganisationen), welche sich beide zur bundesweiten führung ernennen möchten. aufgabe radikaler linker sollte aber sein, die autonomie von bewegungen, sowohl gegenüber dem bürgerlichen staat, wie auch gegenüber besitzergreifenden parteien, gewerkschafts- und verbandsbürokratien zu verteidigen.

von wegen Sauerei

Andreas 31.08.2004 - 23:44
Einiges hier stimmt wirklich nicht.
Z.B.:

>> der Zwischenkundgebungsort an der Caritas war
>> schlecht gewählt (kaum Laufpublikum)
Die AbsenderIn hat offenbar nicht mitbekommen, daß es an diesem
Ort nicht um das Laufpublikum, sondern um die Caritas als
Nutznieser von 1-Euro-Sklavenarbeit ging.
Eine Demonstration ist eben nicht nur ein Event für Laufpublikum.
(Das gab es einst in Brokdorf ja auch nicht :-)

>> Eine wirkliche Sauerei aber war, dass die (!) Kritiker
>> dann von der Polizei abgeführt worden sind
Unsinn! EIN - vorsichtig ausgedrückt - sehr erregter Typ
mit Trillerpfeife wurde, wirklich höflich ohne irgendwelche Handgreiflichkeiten von den Beamten zur Seite genommen,
die ansonsten den Kontakt zur Demoleitung hielten.
Ansonsten hätte die Demoleitung eine Schlägerei mit ihm
am Hals gehabt.

Dummes Zeux ist auch, der MLPD wäre es gelungen
>> die demo zumindest partiell mittels
>> lautsprecherwägelchen und blaskapelle zu dominieren.
Die "Blaskappelle" bestand aus einer Tuba und einer Gitarre.
Der Lautsprecherwagen war nicht von der MLPD.
Der ständig wiederholten Aufforderung durch die Demo-Leitung, selber
Beiträge im offenen Mikrophon zu machen, kamen gerade die Gruppen
nicht nach, die sich jetzt am lautesten über die "Dominanz" der MLPD auskotzen. Nur einer hatte selber Musik auf CD beigesteuert, und die
wurde abwechselnd zur Live-Gruppe gespielt.

Andreas
(Demoleitung)

@andreas

der nestscheißer 04.09.2004 - 10:11
kann sein (bin erst im laufe der demo dazugestoßen), dass ich da was verwechselt habe, jedenfalls schloss ich von den über den lautsprecherwagen verbreiteten, nicht gerade tiefsinnigen abzählreimen ("eins, zwei, drei und vier, ...") darauf, dass die mlpdoof über diesen agierte ...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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hallo siziales zentrum norderstedt

autonome bärlinarInnen 31.08.2004 - 17:21
Bewegung von unten, radikale Linke, Spontanität, etc...

das kommt aber nicht vom labern sondern von sich bewegen. z.B. hat dies in Berlin geklaptt von der Demo ausgehend, die du als "volkstümelndemlpdler" bezeichnest. Als Radikale Linke sollte man/frau dynamisch reagieren können, und nicht mit einem Attac-Brett vorm Kopf herumrennen :-)