Lüdenscheider Montagsdemo mit Neonazis

Lüdenscheider Antifaschist 30.08.2004 21:44 Themen: Antifa Soziale Kämpfe
Zum dritten mal fand heute auch in Lüdenscheid eine Montagsdemonstration statt.
Ca. 100 Personen nahmen Teil. Der Veranstalter duldete NPD-Nazis mit Transparent und verspottete Teilnehmer.
Die Teilnehmerzahl, die bei den ersten Kundgebungen mit 150 Personen für unsere kleinstädtischen Verhältnisse recht hoch war, schrumpfte diesmal unter die 100er-Grenze.
Initiator und Hauptredner Peter Oettinghaus von der Lokalwahl-Liste “Alternative für Lüdenscheid” (AfL) ist hieran wohl nicht ganz unschuldig.

Denn was als hoffnungsvoller Versuch, den allwöchentlichen Anti-Hartz-Protest in einer eher für ihre Nazis und enorme Steuerverschwendung bekannten Stadt zu etablieren begann, kann spätestens nach 3 Wochen als gescheitert angesehen werden – jedenfalls solange Oettinghaus den Ton angibt.

Bei der ersten Kundgebung vor 3 Wochen war die Teilnahme des NPD-Landesvorsitzenden Stefan Haase noch die größte Überraschung, dieser blieb allerdings nur als stiller Zuschauer am Rand. Durch das offene Mikrofon fühlten sich viele Teilnehmer angesprochen und einige gingen nach vorne und schilderten der Menge ihr persönliches Schicksal. Für eine erste Kundgebung, die noch auf spontanes Engagement angewiesen ist, wirkte das durchaus akzeptabel.

Doch die zweite Kundgebung brachte leider nicht viel neues und es wirkte auch nicht so, als wäre die “AfL” damit unzufrieden gewesen. Agitator Peter Oettinghaus machte jedenfalls keine Anstalten die Leute aufzufordern sich aktiv einzubringen – im Gegenteil, er rief immer nur wieder dazu auf, die eigene Leidensgeschichte zu verkünden, die Schlussfolgerungen und Aufrufe kamen dann von ihm. Auch vermehrt hatte sich die Neonazi-Präsenz. Noch trauten sie sich zwar nicht offensiv aufzutreten, aber die versammelte Lokalspitze war anwesend: Timo Pradel, Kreisvorsitzender der NPD, wohl extra aus Iserlohn angereist und Stefan Haase, Landesvorsitzender der NPD waren nur die bekanntesten unter ihnen. Eine Traube aus weiteren Kadern und Anhängseln, die immer wieder mit herzlichem Handschlag begrüßt wurden, hatte sich längst um sie versammelt.

Etwas verwunderlich, dass folgendes in der nächsten Woche scheinbar bei den meisten nicht mehr in Erinnerung gerufen werden konnte: Herr Oettinghaus hielt es hierbei noch für nötig, der NPD das Rederecht zu versagen und lautstark durch das Mikro “Nazis raus” Sprechchöre anzustimmen.
Heute waren die gleichen Nasen nicht mehr so schüchtern. Einmal hatten sie gespürt, dass sie zwar schief angeguckt und von manchen angebrüllt worden waren, letztendlich aber friedlich geduldet wurden und entrollten nach dieser für Nazis scheinbar motivierenden Erfahrung heute ein großes Transparent mit einem Anti-Hartz Spruch und NPD-Logo. Jetzt kam es zur Auseinandersetzung, denn, für viele unfaßbar, Herr Oettinghaus war plötzlich sehr tolerant geworden. Er verkündete, dass solange wie von ihnen keine Gewalt ausginge, die Nazis ruhig stehen bleiben könnten. Prompt sicherte Lokalführer Haase ihnen das zu, worauf Oettinghaus ernsthaft durchs Mikro von “der anderen Seite” das gleiche forderte.

Scheinbar war er um den Demofrieden besorgt, und wollte sich keinesfalls diese veralteten “Rechts-Links-Konflikte” antun – mit gutem Grund, denn schließlich möchte er gern am 26. September in den Lüdenscheider Stadtrat gewählt werden, genau wie übrigens Stefan Haase auch. Da kann er sich solche Auseinandersetzungen natürlich nicht leisten...

Ein anderes Ereignis verdicht dann auch den Verdacht, dass diese Montagsdemo nur Wahlkampf und Oettinghaus nur ein Populist ist: Auf der zweiten Montagsdemo waren inhaltliche Fortschritte oder steigende Anziehungskraft für Unentschlossen nicht erkennbar, weshalb sich die Mitglieder des “Lüdenscheider Aktionsbündnis gegen die Agenda 2010” dazu entschlossen die “AfL” zu einem Treffen einzuladen um vielleicht durch eine Zusammenarbeit mehr erreichen zu können. Schließlich werden die Montagsdemos bundesweit in Bündnissen organisiert und meistens profitieren sie davon (Berlin war ja schon immer etwas anders..). Doch zum Erstaunen der versammelten Politikinteressierten weigerte sich Oettinghaus als Vorsitzender der “AfL” beharrlich “seine” Aktion in irgendeiner Form für eine demokratische Zusammenarbeit zu öffnen. Die Argumente, die er hierbei vorbrachte waren komischerweise immer die gleichen: “Ihr seid doch alle Linksextremisten” “Das kann ich doch nicht machen, nicht 4 Wochen vor der Wahl”. Scheinbar ist er entweder sehr unwissend oder interessiert sich auch eigentlich gar nicht so sehr für die Proteste, denn sind es nicht diese “Linksextremisten”, die seit langem öffentliche Proteste organisieren, mehr Demokratie einfordern und sich gegen die menschenverachtenden Nazis stellen?
Ganz im Gegensatz ist sein Interesse an seinen zukünftigen Wahl-Ergebnissen wohl aber um so höher!

Zur heutigen Montagskundgebung bleibt noch zu sagen, dass sich nach der Auseinandersetzung um die Nazis das Ganze in eine große Diskussion verwandelte, bei der viele nicht mehr auf Oettinghaus sehr emotional-reißerische Reden achteten. Schließlich ging er sogar so weit einen Teilnehmer, der bei einer seiner Bemerkungen einen Zwischenruf wagte persönlich übers Mikro anzufeinden, nachdem sein “Heinz, wir schaffen das, das versprech ich Dir” keine Wirkung gezeigt hatte.
Daraufhin verließ eine große Gruppe von Menschen die Kundgebung als Zeichen des Protests.
Unbeeindruckt keifte der “alternative” Populist weiter ins Mikro, auch wenn ihm immer weniger zuhörten.

Bleibt zu hoffen, dass genug Leute jetzt bereit sind, die Montagsdemos in die eigene Hand zu nehmen und Oettinghaus und den Nazis die rote Karte zeigen.
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Ergänzungen

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anonym 21.09.2004 - 03:59
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