Hannover: Linden vs. Nordstadt Gemüseschlacht

freunde der AAH 19.08.2004 16:03 Themen: Kultur
Am 4. September ist es soweit: Die "unversöhnlichen" Stadtteile Linden und Nordtstadt treten auf der Dornröschenbrücke gegeneinander an. Entsprechende Argumente werden in Form von faulem Obst, Gemüse und sonstigen vergammelten Naturalien ausgetauscht. Ziel dabei ist, die Gegenseite von der Brücke zu vertreiben....Ein Vorgeplänkel:
Am 4. September ist es soweit: Die "unversöhnlichen" Stadtteile Linden und Nordtstadt treten auf der Dornröschenbrücke gegeneinander an. Entsprechende Argumente werden in Form von faulem Obst, Gemüse und sonstigen vergammelten Naturalien ausgetauscht. Ziel dabei ist, die Gegenseite von der Brücke zu vertreiben.

Schon vor einem Jahr fand die Gemüseschlacht statt. Damals waren ca. 70 Leute an der Schlacht beteiligt. Wer damals gewonnen hatte, ist eher nebensächlich und wird von beiden Seiten unterschiedlich kommentiert. Fest steht aber, dass die Gemüseschlacht vornehmlich ein Spassprojekt zwischen den als "alternativ" geltenen Stadtteilen ist. Politisch gesehen kann man (muss aber nicht) jedoch auch einiges ableiten; so ist die Gemüseschlacht auch ein Argument gegen die Kommerzialisierung der öffentlichen Plätze und "Freizeitbestimmung". Verdientes Geld soll möglichst in der Freizeit ("Nicht- Arbeitszeit") für sog. Freizeitparks, Ferienorte, Discotheken etc. ausgegeben werden, um geleistete entfremdete Arbeit zu absorbieren zu können.

Auf zwei Webseiten wird seit längerer Zeit kräftig für das Ereignis geworben. Bei www.kommando-chaos.de.vu kommt das "Rote Linden" zu Wort. Leider fallen die Information auf der Lindenseite etwas spärlich aus. Abhilfe gibt es aber bei www.redlinden.de, dort gibt es aktuelle politische und kulturelle Informationen von Linden über Linden.

Geschichtlich gesehen, ist Hannover-Linden schon seit den zwanziger Jahren ein linker Stadtteil mit dem damals höhsten KPD WählerInnen-Stimmen Anteil. Heute läßt sich dies auch an den DKP, PDS und Grünen Wähler-Stimmen ableiten, sofern man an den Wahlen als Linksradikale/r teilnimmt. Als Anfang der 30 ´er Jahren die NSDAP immer mehr an Stimmen und Einfluss bekamm, hielt das proletarische Linden auch militant den braunen Horden stand. Als 1932 die SA durch Linden maschieren wollte, wurde sie durch massiven Protest daran gehindert und die Nazis mußten schon nach kurzer Zeit das Weite suchen. Auch während der Nazi-Zeit gab es in Linden viele Widerstandszellen, die aktiv gegen den Faschismus kämpften.

In den 70´er Jahren ging die "Rote- Punkt- Aktion" als Protest gegen die Fahrpreiserhöhung der öffentlichen Verkehrsmittel aus Linden hervor. Damals wurden die Schienen der Üstra blockiert und die Fahrt mit den Verkehrsmitteln boykottiert. Leute, die an der Aktion teilnahmen, machten an ihrem Auto einen roten Punkt und signalisierten, dass sie Andere, die auf die Verkehrsmittel angewiesen waren, kostenlos mitnahmen. Die Proteste führten damals zu einer Rücknahme der überhöhten Fahrpreise.

Bei www.kpml-nordstadt.tk gibt es hingegen schon mehr Informationen. Plakate, Bilder und aktuelle Informationen über die Gemüseschlacht werden einem dort häbchenweise zu Gemüte geführt. Denn die Nordstadt hat eben auch eine (neuere) linke Geschichte zu bieten. So existiert in der Nordstadt das älteste autonome Jugendzentrum, das UJZ KORN, in der BRD. In den 70ér Jahren entstanden, ist das UJZ KORN bis heute ein Treffpunkt für linksradikale Jugendliche und jung gebliebene. Nicht zu vergessen sind auch die ehemals besetzten Häuser "Sprengel" und "Putti", die ebenfalls auf eine jahrzehnte lange "Tradition" verweisen können. Ja und da war doch was; die Chaostage in den Jahren 82 und 83 sowie 94 und 95, die Hannover über alle Grenzen hinweg, als "Punkhochburg" bekannt machten. Die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen den Punks und der Polizei fanden eben in der Nordstadt statt.

Es wird also spannend, welche dieser beiden Stadtteile nun am 4. September die Schlacht um die Dornröschenbrücke gewinnen wird. Empfehlenswert ist es, sich entsprechend zu kleiden und genügend faules Obst und Gemüse mitzubringen. Der Gemüsehändler um die Ecke hat immer etwas übrig gebliebenes und nicht mehr verkaufbares Obst, welches man kostenlos erwerben kann. Nach der Gemüseschlacht soll im übrigen getrunken und gegrillt werden.

Über eine vorliegende Anmeldung bzw. Genehmigung der Gemüseschlacht bei der Stadt Hannover kann gestritten werden. Aber wir befinden uns eben nicht mehr in den Hochzeiten linker Bewegungen, wo Anmeldungen verpönnt und verspottet wurden. Deshalb wird von beiden Seiten dazu aufgefordert, die Brücke nach dem Event zu säubern, damit eine die hinterlegte Kaution von 250 Euro zurück erstattet wird. Aber das soll nicht weiter stören; deshalb: Auf zur Gemüseschlacht, Kein Obst für Oel am 6. September, Dornröschenbrücke um 16.00 Uhr!
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Ergänzungen

oberbaumbrückenschlacht

tod dem staat friedrichshain 19.08.2004 - 23:28
ist am 29.08. laut diversen plakaten.
keine gewähr, seht euch selbst nach plakaten um.

FÜR DEN KREUZBERGISMUS!!!!!1

datum

könig 20.08.2004 - 05:57
die gemüseschlacht ist am 4.september (!) und nicht wie im artikel geschrieben am 6. sind eigentlich extremdeutsche anti-d´s auch eingeladen? kleiner scherz...

Die Seiten zur Schlacht

lauten 20.08.2004 - 11:06
 http://www.kommando.chaos.de.vu
 http://www.kpml-nordstadt.tk

Und die Schlacht findet am 4. September statt!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Oberbaumbrücke — Berliner

Oberbaumbrücke — nieder mit unterfhain aka xberg

LINDEN! — Lindsdale

ALLES FÜR ALLE — rico van de heugen