Südthüringen: Antifa Action auf Montagsdemo

Bernd Auto Nom 18.08.2004 17:40 Themen: Antifa Soziale Kämpfe
Montagsdemo in Suhl, 300 Leute - davon mehr als 50 Antifas; Die "andere Seite" von Heinz Roth (Info über Anmelder); Nazis versuchen in die Demo zu gelangen; Antifa schmeisst braunes Pack von der Demo; Mehrheit der Bürger erfreut über Protest gegen Sozialabbau, Faschismus und Rassismus
Am Montag dem 16.08.2004 fand zum dritten Mal eine sogenannte "Montagsdemonstration" in dem südthüringer Ort Suhl statt, bei der diesmal etwa 300 Teilnehmer kamen. Bereits am vergangenen Montag wurde zu Protesten gegen Harz IV und Agenda 2010 aufgerufen, bei denen neben 500 Bürgern auch ca. 20 Aktivisten der neofaschistischen Organisation "Thüringer Heimatschutz" kamen. Sie übernahmen kurzzeitig die Demospitze mit ihrem eigenen Transpi, wurden dann jedoch von einigen AntifaschistInnen abgedrängt. Der Veranstalter Heinz Roth sah jedoch keinen Anlass, das braune Pack aus der Demo zu werfen. Der Versuch, die Nasen von der Demo zu spalten misslang und sie durften ungestört in der Mitte der Demo weitermarschieren.

Die "andere Seite" von Heinz Roth
Vielleicht liegt es ganz zufälliger weise daran, dass der Anmelder und Organisator der Suhler Montagsdemos zusammen mit bekannten Neo-Naziaktivisten wie Christian Worch, Ivonne Mädel, & Co. Zusammen vor genau 10 Monaten selbst als Redner auf einer Demonstration des Nationalen Widerstandes in Erfurt auftrat. Und nicht nur das: Vor einer Woche noch, denunzierte Roth selbst Flüchtlinge und MigrantInnen als Verursacher der Erwerbslosigkeit und sagte, dass es nicht sein kann, das gerade diese Menschen mehr Sozialhilfe bekommen würden als Arbeitslose. Nach dem Roth öffentlich mit seinen "anderen Aktivitäten" konfrontiert wurde, versuchte er sich in der Presse vergeblich von "Rechtsextremisten" zu distanzieren. Spricht man ihn auf die Nazidemo in Erfurt an, so will er von all dem nichts gewusst haben und verstrickt sich permanent in Widersprüche. Nur Pech für Heinzi: Seine Anwesenheit wurde damals schon ausführlich dokumentiert, siehe Archiv-Bild.

So sieht also unsere sogenannte "Wahlalternative" oder "soziale Gerechtigkeit" aus. Roth, der einst die erste Montagsdemo vor 3 Wochen angemeldet hatte, befindet sich mittlerweile sogar in einem Bündnis mit -man glaubt es kaum- PDS und DGB! Die Krone wurde dem ganzen aufgesetzt, als man vor wenigen Tagen nach Gründung dieses "Suhler Sozialbündnisses" Auszüge einer Erklärung der Mitglieder in der Tageszeitung "Freies Wort" lesen konnte, in der sie klarstellten, das sie weder etwas mit extremen Rechten, noch etwas mit extremen Linken zu tun haben möchten. Paradox auf der einen Seite, absolut lächerlich und dazu unterhaltsam auf der anderen Seite. Eine weitere Portion Schwachsinn gab Heinz Roth, bei der letzten Kundgebung zum besten. Als sich schon zu Begin der Demo, mehrere AntifaschistInnen mit Transparenten hinter ihm aufstellen, war er so sprachlos, das er anscheinend selbst nicht verstanden hatte, was er daraufhin stammelte. Wenn ich richtig mitgehört habe, bezeichnete er den Anarchismus als "abartige Ideologie" und verkündete, das er nichts mit solchen "Linksradikalen und Anarchisten, die ihren Nationalismus zur schau stellen wollen", zu tun haben möchte. Ja, natürlich...wir verstehen den Heinzi schon. Von der einen zur anderen Sekunde wird man vom Antifaschisten zum "nationalen Anarchisten" - roth'schen Denklogik eben. Man könnte hier schon an der Zurechnungsfähigkeit zweifeln, aber es kamen noch bessere von seiner Sorte.

Mehr als 50 AntifaschistInnen auf Kundgebung präsent
Vor allem viele Leute aus der Umgebung kamen zusammen, um sowohl gegen den Sozialabbau als auch gegen Rassismus, Faschismus und Antisemitismus zu demonstrieren. Wir wollten zu verstehen geben, dass Nazis und deren Sympathisanten, ganz gleich welche Einstellung sie gegenüber Sozialabbau haben, auf der Demo und anderswo unerwünscht sind! Die Teilnehmer ließen sich nicht vom kurzzeitig herbeigeeilten Regen verärgern, eine gute Stimmung herrschte unter den Leuten die meisten der Bürger waren sehr zufrieden damit, das diesmal viele linksorientierte Demonstranten anwesend waren.

Während die Kundgebung begann, stellten sich ca. 35 Antifas oberhalb der Treppenstufen am Platz der Einheit auf und entrollten mehrere Transparente, wobei guter Sichtkontakt mit den anderen Demonstranten bestand.

"RAG" und "Wir können auch Anders! Gemeinsam gegen Antisemitismus, Rassismus und soziale Ausgrenzung"

"Bis hierhin und nicht weiter! Gegen staatlichen Rassismus, Nationalismus und Faschismus"

"Sozialraub stoppen - Alles für Alle"

Viele Demonstranten äußerten ihre Zustimmung mit den Forderungen der Antifa

Einige Nazis versuchen sich unter die Menge zu mischen
Es dauerte gar nicht allzu lange, bis auch schon die ersten besoffenen Nazis vor Ort waren und anfingen rumzupöbeln. Man konnte den Zorn vieler Demonstranten hören, welche den Rausschmiss der Rechtsextremisten forderten. Da die umherstehende Polizei nicht dazu in der Lage war, die braunen Störenfriede fachgerecht von der Kundgebung zu entsorgen, übernahmen einige AntifaschistInnen diese Aufgabe mit aller Freude...

Am Rande der Demo tauchten plötzlich einige lustigen Gestalten mit einem Transparent auf, wobei der Kerl im weißen Hemd bereits als Nazi-Schläger Names Christian Koch in Suhl bekannt ist. Ein halbes duzend Antifas standen unterhalb von der Treppe und begaben sich zu den Leutchen um mal eben "Hallo" zu sagen. Eines der Antifa-Transpis wurde mitgenommen um es unten den braven Kameraden zu präsentieren. 10 Sekunden strenges Begutachten und dann fällt das nationale Urteil: "Waas habt'n ihr da für 'a Scheissdreck!". Einer der Antifas fragt zurück: "Wieso gefällt dir das Transparent denn nicht, du bist doch wohl nicht etwa ein Nazi - oder?". Nach kurzem überlegen die Antwortet: "Aber natürlisch und isch bin au stolz drauf!" (ein paar Bier zuviel). Ich klinke mich in die Diskussion ein und erkläre der Gestalt unmissverständlich und direkt, das ich seine hässliche Visage gerne auf Indymedia veröffentlichen würde, das fand er allerdings nicht so toll und versuchte mich anzugreifen. Ich ging ein paar Schritte nach hinten und dachte jetzt wird's lustig, aber Nein - der Alkoholpegel von Kamerad Koch war leider schon so hoch, dass er nach 5 Metern schlapp machte. Aber so etwas ist man ja von Thüringer Fascho-Prolls bereits gewohnt.

Es kamen noch zwei Antifa-Fotografen und ein Videoreporter hinzu, so das er dann von vier Seiten abgelichtet wurde. Er griff den Videoreporter an und es kam zu einem kleinen Gerangel. Da wir es bei unserer Forderung "Nazis aus der Demo schmeißen", nicht nur bei bloßen Worten belassen, haben wird das ganze auch in die Tat umgesetzt und ihn vom Platz gedrängt. Er lief zu einer kleinen Gruppe von Menschen, mitten drin seine Freundin, mit "CONSDAPLE"-Pullover, dann zu ein paar anderen Leuten, die - wie konnte es auch anders sein- keine Haare auf dem Kopf hatten, anscheinend hat einer seiner Kumpels mit etwas mehr Grips erkannt, dass sie hier so oder so den kürzeren ziehen und das Nazi-Gesocks hat sich daraufhin schnell aus der Umgebung verpisst.

Christian Koch gehörte auch zu der Gruppe Neo-Nazis, die sich am 30.6.2004 betrunken in die Innenstadt begeben hatte, um auf "Ausländer- und Zeckenjagd" zu gehen. Am gleichen Abend trafen sie neben dem Platz der Einheit auf einen Migranten, in dessen Richtung er und seine Nazikumpanen "Ausländer Raus" grölten. Es kam zu einer Schlägerei und nach dem die Nazis mit ihrem Opfer "fertig" waren, wurde er in den Herrenteich geworfen. Couragierte Passanten, die helfen wollten, wurden ebenfalls angegriffen und mit einem Messer bedroht.

Hin und wieder versuchten kleine Grüppchen von Nazis zur Kundgebung zu gelangen, einige wurden daran gehindert oder aus der Kundgebung getrieben, andere wiederum sind kurz vorher wieder umgedreht und haben schnell das weite gesucht.

In direkten Gesprächen mit den Bürgern, erklärten wir, weshalb wir heute hier sind und die Menschen waren positiv überrascht, denn nach den Ereignissen bei der letzten Demo waren einige enttäuscht, das es überhaupt soweit kommen konnte, das Faschisten ein Fronttransparent stellen konnten. Viele waren dankbar für unsere Anwesenheit und freuten sich besonders darüber, das diesmal dem braunen Spuck schon vorher ein Ende bereitet wurde.

Fazit:

- Besoffene Nazis haben erneut gezeigt, auf welchem Niveau sie sich bewegen
- AntifaschistInnen haben dafür gesorgt, dass die Kundgebung diesmal nicht von Rechtsextremisten vereinnahmt wird
- Die meisten Bürger haben den Antifa-Protest unterstützt und waren zufrieden
- Gute Stimmung, gemeinsam gegen Sozialabbau, Faschismus und Rassismus

NAZIS AUS ALLEN MONTAGSDEMOS SCHMEISSEN!

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Ergänzungen

Nazis verpisst euch!

MAO MORE THAN EVER 18.08.2004 - 23:49
Waren am Start und können den Artikel nur bestätigen.

deutschland angreifen...

...und nicht deutschland verbessern 19.08.2004 - 23:13
wieso denn ernst thälmann löschen? er hat es genau getroffen. wer sich (revolutionärer antikapitalistischer) antifaschist nennt sollte nicht mit irgendwelchen bürgern für ein besseres deutschland kämpfen, sondern deutschland angreifen!! und das tut man nicht indem man faschisten von solch ein veranstaltung schmeißt, auf der der nationalismus der bürger gleich dem nationalismus der faschisten ist und die die faschisten nur von der demo werfen um ihre kundgebung nicht in den dreck ziehen zu lassen und ein "ordentliches deutschland" zu zeigen.

auch wenn ihr bei euern bürgern vielleicht zuspruch bekommen habt: habt ihr denen mal gesagt dass arbeit scheisse ist? habt ihr denen mal gesagt dass ihr (hoffentlich) den kapitalismus abschaffen wollt? ich glaube dann hätten die eher euch von der kundgebung geworfen und hätten gerne die unterstützung der volksfront durch faschisten behalten.

in einer anderen stadt in thüringen wo ich herkomme gab es diesen montag die erste montagsdemo mit 1000 leuten. dort mischten sich auch 20 faschisten drunter. als die redner von dgb und pds darauf hinwiesen, hat der großteil der bürgers gemotzt, dass sie mit dieser scheisse aufhören sollten. "alle sind willkommen wenn es nur gemeinsam mit möglichst vielen gegen hartz 4 geht". und ehrlich gesagt glaube ich nicht dass es bei euch viel anders ist.


deutschland halt`s maul!!

faschisten sollten nicht geduldet werden!

egal 20.08.2004 - 11:06
deutschland angreifen? das ist ok, aber wenn dann doch bitte von links! denn wir wollen deutschland nicht angreifen um ein 4. reich zu errichten und nach dem angriff homosexuelle, behinderte, alternative, "nicht-deutschstämmige" etc. anzugreifen. außerdem ist es anmaßend von dir die bürgelichen mit faschisten zu vergleichen! also unterschiede gibt es da schon noch...
faschisten sollte man möglichst überall runterschmeißen, wo es nur möglich ist! du denkst doch nicht wirklich, dass sie zu ner dgb-pds-veranstaltung gehen, weil sie die unterstützen wollen (sie würden die am liebsten in irgendnen lager verfrachten)! jetzt wo die "bürgerliche mitte" anscheinend auseinanderbricht, versuchen die faschos nur soviele wie möglich auf ihre seite zu zerren! so eine ähnliche situation hatten wir vor über 60 jahren schon mal in diesem land... und ich hoffe, dass du mir wenigstens recht gibst, dass wir diese entwicklung nicht noch einmal wollen...
und ich glaube auch nicht, dass die faschos auf deiner veranstaltung gesagt haben was sie wollen... denn sonst wären sie sicher gleich rausgekantet worden!

deutschland angreifen...

und nicht deutschland verbessern teil 2 21.08.2004 - 23:25
@egal:

naja, ich war nicht persönlich auf der veranstaltung bei uns, habe alles nur durch bekannte und presse erfahren. aber die nazis haben dort flugblätter verteilt und transparente gehabt (auf einem stand z.b: dieses system ist asozial! uns sozialismus national!). dadurch haben sie glaube ich schon genug gesagt. und trotzdem wollten außer vielleicht 10% der demo (der großteil davon der veranstalter) die faschisten auf der demo behalten, damit möglichst viele gegen hartz 4 demonstrieren. hauptsache eine große volksfront.

und faschisten sollten sicherlich von allen unseren veranstaltungen runter geschmissen werden, aber dazu zähle ich die sogenannten montagsdemos leider nicht. ich gehe ja auch nicht auf ne cdu - veranstaltung und schmeiße nazis dort raus und ehrlich gesagt hoffe ich das du es auch nicht machst.


@jeep:

sicherlich sind nicht alle montagsdemonstranten nationalisten, aber aus meiner sicht zumindest in den kleinstädten in thüringen stellen sie die absolute mehrheit. sicherlich mag das in berlin, münchen, jena, erfurt oder anderen großstädten anders sein, weil es dort ein viel größeres spektrum gibt.

und dass auf der kundgebung auch migrantInnen waren spielt ja überhaupt keine rolle. auch migrantInnen können rassistisch sein (was nicht heißt das die, die bei euch waren das sind). aber die alleinige tatsache das migrantInnen anwesend waren sagt nichts über die inhalte aus.

aber soweit können die antiimps leider nicht denken...




@takka-tukka:

erstmal stammel ich hier gar nichts nach. desweiteren habe ich meine nur eine "parole" genutzt und zwar ganz am ende. damit wollte ich nur nochmal meinen text verdeutlichen, um was es eigentlich gehen sollte. aber nun gut.

du schreibst du setzt dich zur wehr gegen die faschisten und alle die für diese zustände verantwortlich sind. sicherlich sind gewisse leute rassistisch, sexistisch, was auch immer und man muss ihnen klar machen "dass das scheisse ist". trotzdem sollten wir nicht vergessen dass wir im kapitalismus leben, ein system das nicht an leuten festgemacht werden kann. auch wenn es schon wieder eine parole ist und das meine dummheit noch mehr untermauert, aber: das system ist der fehler!!

dann hast du geschrieben (zitat): "deine logik, das alle bürger, die bei den montagsdemos teilnehmen ihren eigenen nationalismus hegen, ist für mich in keinster weise nachvollziehbar. nur weil sie sich vielleicht als "deutsche" sehen, sind es doch nicht gleich nazis."

> ich habe auch nicht geschrieben das es alles nazis sind, aber wenn sie sich als deutsche sehen reicht das für mich als nationalismus und um das abzulehnen. müsstest du eigentlich auch, wenn du dich antinational nennst?


und vorschläge habe ich eigentlich nur einen: sich nicht an aktionen beteiligen wo "wir sind das volk" gerufen wird. das sollte für dich als "antinationalen" eigentlich klar sein!?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

super aktion! — löwine

@deutschland halt's maul — takka-tukka

Toll gemacht! — Suhler

seit kooperativer! — Freed