Anti-Hartz-Demo in Berlin am 16. August 2000

Critical_Mass@ACT! alias Ernst Kadletz 17.08.2004 02:57 Themen: Antifa
Tausende protestierten am Montag gegen Hartz IV in Berlin. Nazis hatten einen schlechten Tag. Radikale Linke konnte eigene Akzente setzen. An dieser Stelle ein kurzer Bericht mit Fotos.
Berlin hat am Montag Abend die erste Großdemo gegen Hartz IV erlebt. Wer sich gegen 18:00 Uhr zum Alex begeben hat, konnte zunächst nicht abschätzen, auf welche Resonanz der mediale Hype der Vortage trifft.

Allerdings ist davon auszugehen, dass die Beteiligung von 20.000 bis 30.000 Menschen sicherlich für die meisten überraschend war.

Anders, als in den meisten ostdeutschen Städten spielte hier ein positiver Bezug zu den Wende-Demos im nationalen Taumel 89/90 eher keine Rolle, keine Spur von Standort-Nationalismus oder rassistischer Sündenbockpolitik. Das hatten die Veranstalterinnen und Veranstalter bereits im Vorfeld klar gemacht.

Nicht verwunderlich ist daher auch das militante Vorgehen gegen Nazis, die auch teilweise schon recht böse Verletzungen davongetragen haben sollen - begleitet vom Applaus der Demo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Ca. 200 bis 300 Antifas checkten rum und schickten Nazis am Rande mit Nachdruck nach Hause oder in die Notaufnahmen der umliegenden Krankenhäuser. Es bleibt dennoch abzuwarten, ob die suboptimalen Erlebnisberichte der Kameratten ihre pädagogische Wirkung im Kreise ihrer Angehörigen entfalten.

Von Beginn an hatten die Attacis den am besten organisierten Block, irgendwann formierte sich dann "Alles für Alle!" aus ACT!ivistinnen und ACT!ivisten vor dem Attac-Lauti. Die Parole "Alles für Alle!" wurde dankbar von den Attacis aufgenommen und pflanzte sich weit bis nach hinten in die Demo fort. Auch Gäste in den Straßencafés fanden die Losung gut, was der ein oder anderen Bedienung zunächst Schweißperlen auf die Stirn trieb.

Während die Demo-Spitze an der Polizei-Absperrung stehen blieb, versuchte der mittlerweile auf einige Hundert Menschen angewachsene "AfA"-Block, die SPD-Zentrale von der anderen Seite zu entern, es kam zu einigem Gerangel mit Team Green, das aber in diesem Bereich mit einer Hundestaffel am Start war. So ganz war da doch noch keine kritische Masse gewachsen, aber die Proteste gehen ja weiter.

Bilanz:
Alles in allem ist die Demo - auch in Ihrer inhaltlichen Ausrichtung - als Erfolg zu werten. Ob es, wie in anderen Indy-Berichten beschrieben, nur Kleinbürgerinnen und -bürger waren, darf durchaus bezweifelt werden. Die "Muttis" und "Vatis" waren richtig sauer (auch auf die Bullen). Berlin hat gecheckt, dass Hartz IV auch die trifft, die (noch) einen Job haben (Lohndumping durch Billigjobs etc.). Schröders und Merkels Hartz IV ist noch lange nicht durch. Auch die Nutznieser von Hartz IV sollten sich warm anziehen.

Agenda 2010 - Blockieren! Sabotieren!

PS: Ein eigener ACT!-Lauti hat bedauerlicherweise gefehlt.
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Ergänzungen

Berichte mit Fotos zur Demo in Berlin

Ver-Linker 17.08.2004 - 03:20
2 Artikel, die noch nettes Fotomaterial bieten (und die Demonstranten nicht wie frühere Postings arrogant als Kleinbürger abtun):

Montagsdemo in Berlin belagert SPD-Zentrale (Fotos/Video)
 http://de.indymedia.org/2004/08/89418.shtml

und

Bilder+Kommentar der 1. Berliner Montagsdemo
 http://de.indymedia.org/2004/08/89438.shtml

Vernetzung gegen Hartz Alles für Alle!

Umsonstlerin 17.08.2004 - 12:38
Berlin: Aneignungskampagne gegen Hartz
von Umsonstlerin - 16.08.2004 11:28

Beim letzten Treffen Von Berlin Umsonst (www.berlin-umsonst.tk.) haben sich verschiedene Gruppen und Einzelpersonen aus Berlin getroffen, um Vorbereitungen für eine Kampagne gegen Hartz und Prekarisierung zu treffen. Die Kampagne soll als Zusammenarbeit linksradikaler und anderer Gruppen in der aktuell entstehenden Bewegung gegen Hartz 4 eine antikapitalistische Perspektive eröffnen. Angeknüpft werden soll dabei an die unter dem Stichwort Aneignung geführten Diskussionen der letzten Monate und die Aktionen u.a. der Umsonst.Kampagnen. Die Kampagne soll außerdem zur Vernetzung und Bündelung linksradikaler Politik zu Hartz4, Prekarisierung, Aneignung beitragen und ist offen für die Beteiligung weiterer Gruppen und Einzelpersonen.

am 23.08.2004 um 19.30 Uhr
im Versammlungsraum in den Mehringhöfen
(Gneisenaustr. 2a)

Es tut sich was...

Die ersten Montagsdemos sind gelaufen, im Herbst sind zahlreiche bundesweite Aktionstage geplant. Eine soziale Bewegung zunächst gegen die Umsetzung des Hartz-IV-Pakets formiert sich. Auch ein kleiner Erfolg ist schon sichtbar: An einigen der auffälligsten Absurditäten der „Arbeitsmarktreform“ wird herumgebastelt.

Damit kann noch lange nicht Schluss sein!

Im Gegenteil: Unser Protest ist gerade mal am Anfang. Darüber herrscht auch Einigkeit. Aber wohin soll der Protest führen? Hierüber herrscht erwartungsgemäß weniger Einigkeit. Schließlich ist eine soziale Bewegung nicht von allein eine linke Bewegung.

Was wollen wir? – Das Ende der Bescheidenheit!

Durch Hartz IV entsteht ein massiver Arbeitszwang und die ohnehin grassierende Prekarisierung (Auflösung des alten Normalarbeitsverhältnisses und Erhöhung der sozialen Unsicherheit jedes einzelnen) wird beschleunigt.
Der geplanten Enteignung breiter Bevölkerungsschichten wollen wir eine Praxis der Aneignung entgegensetzen. Wir wollen keine Realpolitik betreiben, sondern ein Anspruchsdenken unter den Leuten wecken. Wir wollen nichts vom Staat, sondern wir nehmen uns, was uns gehört.
Wir wollen nicht zurück zum Sozialstaat. Wir wollen wirklich eigenverantwortlich handeln. Dass heißt, wir wollen nicht eigenverantwortlich unseren Marktwert steigern, sondern bestimmen, was gesellschaftlich notwendig ist und wo und wie es hergestellt wird.
Unser Kampf gilt Leistungsideologie und Opferbereitschaft. Wir werden den Gürtel nicht enger schnallen, sondern nehmen uns lieber Hosenträger. Wer behauptet, wir wären nur gegen eine Reform und nicht gegen das System, liegt falsch!
Wir sind Teil dieser sozialen Bewegung. Gemeinsam wollen wir den Widerstand gegen die Zumutungen des Klassenkampf von oben stärken. Dem Gefühl der Vereinzelung wollen wir eine solidarische Praxis entgegen stellen. Dafür ist eine Abgrenzung von jeder Form antisemitischer, nationalistischer, rassistischer und sexistischer Ideologie notwendig.



Zur Zeit formiert sich ein Bündnis, das sich ausdrücklich als antikapitalistisch versteht. Es will radikaler sein als andere Teile des Protestspektrums, aber nicht gegen diese arbeiten, sondern mit ihnen zusammen. Beim Kampagnentreffen geht es zum einen darum, den bis dahin diskutierten Standpunkt des Bündnisses vorzustellen und zu klären, wer noch interessiert ist, sich zu beteiligen. Und zum anderen geht es um die Vorbereitung gemeinsamer Aktionen in Berlin in den nächsten Wochen und Monaten.

Das Ende der Bescheidenheit!
Kapitalismus abschaffen!

Kommt zum Treffen!
am 23.08.2004 um 19.30 Uhr
im Versammlungsraum/Mehringhof
(Gneisenaustr. 2a)

Bisher beteiligte Gruppen (weitere Gruppen befinden sich in Diskussionen und werden sich evtl. beteiligen, andere sind eingeladen, sich zu beteiligen!):
Attac-AG Prekarisierung
Kritik & Praxis [kp] Berlin
PostpessimistIN
Einzelpersonen

www.berlin-umsonst.tk
www.postpessimist.net
wwww.kp-berlin.de

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Und das Volk?

Volker? 17.08.2004 - 11:05
Na klar ist es beachtlich, dass zur ersten Montagsdemo in Berlin so viele Menschen kamen. Und ob es nun KleinbürgerInnen sind oder nicht... Die Leute sind sauer, weil es ihnen an den Kragen geht. Es ist nur legitim, dass sie ihrem Unmut Gehör verschaffen! Aber doch nicht so!!! Da läuft ein volkstümelnder Mob "Wir sind das Volk"-kreischend durch die Strassen. Der MLPD-(nahe)-Lauti macht kräftig mit und alle fühlen sich wie '89. Dass aber vor ein paar Wochen 80 Nazis diesen Satz in Magdeburg anstimmten und die ganze Demo mitbrüllte, dass sich schon zur Wiedervereinigung '89/'90 Rechtsextreme im Fahrwasser des wiedervereinigten deutschen Volkes wohlfühlten, ist bei derlei idiotischen Parolen selbstverständlich. So kam es auch, dass sich vereinzelt Nazis unter's "Volk " mischten. Viele hatten dabei aber keine Freude. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich nicht beim nächsten Mal mehr Nazis trauen oder vielleicht gar versuchen, einen eigenen Block zu bilden. Kameradschftszene war bisher nämlich wenig vertreten.
Schön wäre es, würde ein antikapitalistischer Block mehr zulauf erhalten. Dann könnte mensch das berechtigte Anliegen der Demonstranten auch mit Inhalten füllen.
Alles für alle! STATT Wir sind das Volk!

Nicht vergessen:
28.08.: 12 Uhr: S-Bhf Berlin-Schöneweide: Linke Freiräume erkämpfen! Nazis stoppen!: Antifaschistische Demonstration zum Kontrollverluste-Festival:
28.08.: 14 Uhr: Kranbahnpark Berlin-Oberschöneweide: Köpenicker Kontrollverluste: unkommerzielles Festival:
:: www.kontrollverluste.tk ::

Alles für alle statt wir sind das Volk?

der auth. Volker 17.08.2004 - 12:00
Wann überwindet die radikale Linke in Berlin endlich ihre elitären Abgrenzungsrituale? Inhalte kann man nicht darüber transportieren dass man seinen eingenen "Heile-Linke-Welt"-Block macht. Das erlaubt nur die Spaltung der Bewegung - die erst am Anfang steht. Wichtig ist erst mal dass sie wächst. Auch beim 17. Juni sind natürlich Nazis mit im Fahrwasser mitgheschwommen. War es deshalb falsch, dass die Arbeiterklasse ihre legitimen Interessen gegen die stalinistische Bürokratie verteidigte? Es ist übrigens falsch und zeugt von einer eilitären und massenfeindlichen Einstellung wenn man die MOTIVE der Menschen von ´89 als nationalistisch interpretiert. Da ein Großteil der west-Linken die Widervereinigung nicht wollte, wußte sie nichts entgegenzusetzten als aus "Wir sind das Volk" "wir sind ein Volk" wurde. Ersterer Ruf bezeichnete "Wir da unten" gegen "die da oben" - und ist daher er auch nicht verwerflich, wenn er heute ertönt. Die Massen in der DDR wollten nicht nur Freiheit, sondern bessere Lebensverhältnisse. Nur ein Nihilist würde dieses Interesse nachträglich in Rassismus und Nationalismus umbewerten. Die Linke wollte die "übelriechenden DDR-Massen" nicht in ihrer BRD haben. Würde Nigeria die Vereinigung mit Deutschland in Aussicht gestellt, sähe man auch dort die Massen mit Deutschlandfahne herumlaufen. Denn die dritte Welt will nicht nur Freiheit, sondern auch Brot! Da die radikale Linke hierzulande schon immer ein Problem mit der Arbeiterklasse hatte konnte und kann sie nicht dem Chauvinismus ein eigenenes Linkes Programm gegenüberstellen, dass die Massen auch annehmen. Das überlässt sie dann solchen Kranken wie der MLPD. Jetzt kommt es erstmal darauf an immer mehr Menschen auf die Straße zu bekommen, statt ein Maximum an "Political Correctness" zu erlangen. Ist mir als Arbeitsloser ehrlich gesagt auch scheissegal! Ein echtes Problem ist die spalterische Politik der stalinistischen MLPD. Sie biedert sich volkstümelnd als Alternative an, um die Massen dann auch nur pseudorevolutionär einzuschläfern und sie in die Sackgasse lenkend abzubremsen. Wahrscheinlich sind die auch so was wie vom VS gelenkte "Kamreradschaften von links", oder sowas wie "Antideutsche für Arme", die die Aufgabe haben den Protest bestimmter Segmente der Bewegung fehlzuorientieren und zu spalten.

der auth. Volker ist Querfrontler

BITTE LÖSCHEN 17.08.2004 - 12:45
Es geht nicht um Rechts oder Links, sondern um "Unten" gegen "Oben" Gequatsche ist Querfront Rethorik. Bitte löschen.

"Bitte Löschen" = AANO Chefchen

XYZ 17.08.2004 - 13:05
Bei dieser Ergänzung handelt es sich um eine Diffamierung durch das AANO-Chefchen, mit dem ich am Rande der Montagsdemo ein kleines rencontre hatte. Das durchgedrehte AANO-Chefchen "checkte" gestern die Montagsdemo vom Rande aus mit einer Gruppe älterer, wohlgekleideter Bahamiten. Als er erkannt wurde, hielt er seine Hand vor´s Gesicht. Feigling! Es ging ihm und den Bahamiten wohl darum Ansätze zu finden um die Demo zu diffamieren. Kein Wunder wenn er hier jetzt mich als "Querfrontler" diffamiert. Difamierung, das ist der stillose Stil des Nordostantideutschen Chefchens. Schade dass man sich überhaupt gezwungen sieht, sich ständig mit diesem Pack zu beschäftigen. Diese deffamatorische Bande muß endlich raus aus linken Strukturen. Montags standen sie am Rande, außerhalb der Demo - da gehören sie auch hin!

@XYZ

BITTE LÖSCHEN 17.08.2004 - 13:44
Leider bin ich nicht das AANO Chefchen, dann wäre die AANO nähmlich nicht antideutsch. Das mit den Antideutschen sehe ich wie du: Raus aus linken Strukturen. Trotz meiner abneigung gegen dieses bewegungsfeindliche Pack fühle ich mich als Antifaschist dazu verpflichtet gegen rechte Strategien vorzugehen. Eine davon ist das Querfront Konzept, welches du wunderbar bedienst.

wichtige inhaltliche ergaenzung

schnabeltasse 17.08.2004 - 16:27
Hallo, merkt ihr es noch? der AANO-Chef bin ich. wahlweise bin ich aber auch chef jedes anderen vereins.

"XYZ" ist Sektierer...

Aufdecker 17.08.2004 - 20:51
der mit seinen dogmatischen Kommentaren die indymedia-Kommentarspalte zumüllt. Auch als "Frager" bekannt. Bitte ignorieren. Sind eh alles Lügen!