Berlin: Das Volk sind wir (Bilder, Bericht)

The great GATSby 16.08.2004 23:49 Themen: Antifa Antirassismus Globalisierung Medien Soziale Kämpfe Weltweit
"Gegen Hartz IV - Das Volk sind wir" lautete der Hauptslogan der Montgsdemo in Berlin. "Radikalere" Gruppen wie Attac oder Berlin Umsonst konnten Akzente setzen aber nicht viel mehr. Vermeintliche Nazis wurden verjagt aber...
Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ die Berliner Montagsdemo. Hohe Beteiligung, einige Tausend waren es sicher, 15 000 villeicht, Zehntausende wohl nicht, unterschiedliche Beteiligte, wenig Organisationen, viele Normalbürger - geradezu "Spießer", selbstgemachte Transparente, aber Megaphon-schwingende Anführer, Spaziergang-Mentalität fast ohne Sprechchöre (bis auf die vom Lautsprecher-Menschen vorgemachten), wenig Linke, selbst die sonst sehr aktive FAU spärlich vertreten, daher auch wenig radikale Forderungen, so daß sogar Attac radikal auffiel und unter Anderem vom Lausprecherwagen wiederholt dazu aufrief Nazis zu outen, doch zu denen später am Ende mehr.
Kinder, Familien, Behinderte, wohlgenährte Kleinbürger waren viele dabei, alle Altersstufen. Alle Medien samt ARD, ZDF und Reuters waren auch da. Die Polizei war angesichts der Normalbürger doch sehr präsent und blockierte die Demo an der SPD-Zentrale. Sie wurde jedoch nicht gebraucht bis um 20 Uhr 30 (Beginn 18 Uhr) als ich die Demo verließ, denn dort konnte der Anführer die laut werdenden Leute beschwichtigen und weiteren Protest in geordnete Bahnen lenken. Diese waren dann auch brechend voll. Das Volk fuhr mit der U-Bahn gen Osten.
Zu den Nazis: Ich beobachtete einen plötzlichen Tumult bei dem zwei wie gealterte BWL-Studenten gekleidete Männer mit Schlägen, Tritten und "Nazis Raus"-Rufen blitzschnell aus dem Demozug entfernt wurden. Die Polizei griff nicht ein obwohl ein Streifenwagen direkt daneben stand. Dorthin flüchteten die Verdächtigen. Für die Umstehenden war nicht erkennbar ob es sich um Nazis handelte (es gab Protest-Rufe). Die Aktion verlief sehr efizient, offenbar waren sehr entschlossene Antifaschsiten vor Ort. Was weniger auffiel: zum Beispiel eine fettleibige, sehr fertig aussehende Frau die beim Anblick einer Inderin schrie "die da bekommt dreimal soviel wie ich" und weiter von "Türken" auf dem Sozialamt schwadronierte. Sie wurde von anderen etwas halbherzig ermahnt und wehrte sich sie sei keine Rassistin. Ich beobachtete ein Paar wie Skinheads gekleidete Mittzwanziger, konnte jedoch nicht erkennen ob es linke oder rechte waren.

Fazit: Die Proteste gegen Hartz 4 sind noch zaghaft, werden aber vom "Volk" getragen und vermehren/verstärken sich. Wachsamkeit ist aber zu empfehlen, ohne Linke Einflüsse könnten diese zum Zustand der späten Proteste gegen den Irak-Krieg kippen. Denn, die "Alles für Alle"-Rufe der wenigen Linken konnten sich nur kurzzeitig gegen die Megaphon-Sprüche des "Gegen Hartz 4 - das Volk sind wir"-Menschen durchsetzen. So ist der Verweis auf 89 durchaus auch als Nostalgie zu verstehen, nicht unbedingt auf eine neue samtene Revolution.
PDS und Christian Ströbele zeigten mit Ihrer Anwesenheit am Rande genauso wie autoritäre Linke mit Wünschen nach neuen Polikern und Parteien den gemütlichen Charakter dieser Demo.
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Ergänzungen

der veranstalter

name 17.08.2004 - 03:19
war echt super toll. Der Anmelder "Fred Schirrmacher" bediente sich der Polizei um eine Gruppe von linken, die mit einem Fronttranspi die Spitze der Demo, die nicht durch ein Transpi zu erkennen war entfernen zu lassen.
Wir haben die MLPD satt! Nächsten Montag: Treffen für einen linksradikalen Block 17:45 Uhr an der Weltzeituhr!

Volksmob?

nunca mas 17.08.2004 - 14:43
Was ist denn bitte der "Volksmob"?

Der Begriff des Volkes wurde schon immer dem der herrschenden Oligarchie entgegengesetzt. Von ethnischen Elementen ist der Begriff in dieser Verwendungsweise frei. " Wir sind das Volk" hat eine revolutinäre Dimension. Die Souveränität des Volkes (= der Massen, des Pöbels) verträgt sich nicht mit einer Ordnung, in der einige wenige die Gesetze für die herrschende Klasse machen.

Anti-Kriegs Demos

Schund 19.08.2004 - 13:52
Guter Text, allerdings habe ich eine Frage bezüglich dieser Aussage: "Wenn wir keine linken Aktzente setzten können, ist die Situation ähnlich wie am Ende bei den Anti-Kriegs Demos '03"

Wie war denn am ende die Situation bei den Anti-Kriegs demos?

Ich weiß nur von ein paar leuten, dass auch Nazis mitgelaufen sind, war selber aber nie auf einer Demo, da ich mich 2003 im Ausland befand.

Man hätte damals die Nazis aus der Demo schmeißen sollen, aber dominiert haben die Faschos die besagten Demos doch zu keiner Zeit, oder? Mir ist zumindest nicht dergleichen bekannt.

Drink,Fight,Fuck

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Ihgitt

Gegen Volk 17.08.2004 - 00:04
Danke, ich zähle mich aber nicht zu diesem Volk(smob).

Das "Volk" abschaffen!

fette=assis=rassisten?!

mia 17.08.2004 - 19:47
was tut es zur sache, wie "fettleibig" oder "fertig" jemand aussieht? gegen rassistisches gelaber nützen klare antworten, keine beleidigungen.

@mia

The great GATSby 17.08.2004 - 20:40
Es ist deswegen relevant weil in Berlin zum Beipiel Alkoholkranke auf der Straße öfters dazu neigen gegen Ausländer zu hetzen und dies auch mit deren Opfer-Mentalität erklärt werden kann. Fettleibig ist eine neutrale Beschreibung, keine Beleidigung. Außerdem sah die Frau fertig aus nicht etwa krank oder erschöpft. Ich kann ja ein Bild posten wenn unbedingt gewünscht.