Diskussionspapier der Roten Flora

Hans Peter 01.08.2004 19:10
Veröffentlichung aus Hamburg
Die Hamburger Rote Flora hat in einem gründlichen und intensiven Diskussionsprozeß ein Diskussionspapier zum Antisemitismus erarbeitet. Dieses Papier ist an verschiedenen Orten ausgelegt und kann im Netz eingesehen und runtergeladen werden.
 http://www.nadir.org/nadir/initiativ/roteflora/texte/antisemitismus.html
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Ergänzungen

Ich hoffe mal,

HH 01.08.2004 - 20:45
dass sich nicht allzu viele Leute an eurem bodenlosen Statement beteiligt haben. Da marschieren die Bahamiten gegen "Multikulti-Terror" und "ausländische Streetgangs" und ihr habt anstatt Eure Solidarität mit den angegriffenen linken und migrantischen Projekten in Berlin zum Ausdruck zu bringen, nichts besseres zu tun, als das Geschwafel der Bahamiten von vor 2 Jahren 1 zu 1 zu übernehmen. Wohin deren Einstellung von damals führt, wissen wir heute zur genüge: im Krieg gegen den Irak wurde jede Araberleiche bejubelt, die Folter und der sexuelle Mißbrauch an Kriegsgefangenen gerechtfertigt und heute ist der Kampf gegen die fremdländischen "Schläfer", "Terroristen" und "Kanacken" im innern Deutschlands angesagt. In der Bahamas kann man auch schon mal von Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte träumen, ohne dass sich auch nur Kritik von links regen würde. Nicht einmal dass die Rote Flora von den Bahamiten als "Vorfeldorganisationen des Jihads gegen Juden und Zionistenfreunde", oder dass gegen Euch "Nationalsozialisten" demonstriert wurde, hat euch entschlossen handeln lassen. Statt den rechtsextremen Kulturkämpfern endlich die Tür zu weisen, versucht ihr euch durch kuschen lieb Kind zu machen - dabei zeigt doch die Entwicklung der letzten beiden Jahre, dass ihr noch so viele Kniefälle hinlegen könnt, den Vernichtungswahn der Bahamiten könnt ihr damit nicht besänftigen. Ganz im Gegenteil: jede Abbitte von linker Seite hat die ex-linken Kriegstreiber nur noch radikaler werden lassen. Solange die Rote Flora ihren (kapitalismus)kritischen Ansatz nicht aufgibt, wird sie Zielscheibe reaktionärer Angriffe bleiben. Also hört auf euer Handeln an dem Geschrei der neuen Rechten zu orintieren und werdet so endlich wieder handlungsfähig!

solidarische Grüsse!

"Hamburger Erklärung gegen Antisemitismus"

m. 01.08.2004 - 22:00
Eine weitere aktuelle hamburger Erklärung zum Thema:

 http://www.hega.de.tf

So isses

justus 01.08.2004 - 22:19
Das Unheil, das von der Flora ausgeht, ist ihr ganzer Stolz: Die Selbstverwaltung. Die ist von den vielbeschworenen subkulturellen und radikaloppositionellen Lebensentwürfen nicht zu trennen. Die Selbstverwaltung deutscher Linker in ihren sogenannten Freiräumen reproduziert unablässig das, wogegen wir mit dieser Demonstration protestieren: Die Hamburger Verhältnisse, den latenten und immer häufiger offen propagierten linken Antisemitismus.

(Redebeitrag v. J.Wertmüller/Bahamas auf der Demonstration "Flagge zeigen: Für Israel!")

Opfer des Antisemitismus sind und bleiben die Juden in Deutschland und weltweit. Ihre Feinde nennen sich allesamt Antiimperialisten, da nehmen sich die Fatah oder die Hamas, die NPD oder die AIK (Antiimperialistische Koordination), die Junge Welt oder die Nationalzeitung und die Veganen in der Hamburger Roten Flora nichts.

Auch ohne die kiezmäßig vollintegrierten Antiimp- bzw. Antirahochburgen Brigittenstraße 5, Rote Flora und anderen Vorfeldorganisationen des Jihads gegen Juden und Zionistenfreunde stinkt Eure linke Hamburger Schule zum Himmel.

(Gegen den antinationalen Konsens in der Hamburger Linken, Bahamas)

Warum auf Indy?

Frager 01.08.2004 - 22:28
Hat den die linksradikale Dogmatensezene keine eigenen Kommunikationsstrukturen, so daß das auf Indy breitgetreten werden muss? Ist auf alle Fälle ne Bankrotterklärung, was da grad in HH abläuft...

gehetzt

antifa 02.08.2004 - 02:41
Die Rote Flora hat dieses "Diskussionspapier" ja nur als Reaktion auf die anti-linken Attacken der letzten Zeit (Demo der Bahamiten u.a. gegen die Rote Flora, Hetzkampagnen in der Bahamas, dümmliche Denunziationen auf rechten websites, etc.) formuliert. Statt sich weiter von den Kulturkämpfern vor sich her treiben zu lassen und sich mit unsinnigstem Mist (ist es antisemitisch gegen Lohnkürzungen zu sein?) zu beschäftigen, sollten sich selbsternannte Linke vielleicht mit dem größten Angriff auf die Lebensverhältnisse der arbeitenden Klasse seit Gründung der BRD beschäftigen, dem EU-Militarismus die Stirn bieten, das Morden deutscher Landser in Afghanistan thematisieren oder auf die Internierung von Flüchtlingen in Lagern hinweisen. Statt dessen gibts anti-linke Selbstzerfleischungsorgien. Übrigens: sechs Millionen JüdInnen wurden nicht von verkürzter Kapitalismuskritik umgebracht, wie uns das Geschichtsrevisionisten, Fascho-Freunde und Deutschen-Schützer seit neuestem verkaufen wollen, sondern von deutschen Nazis!

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Was tun wenns brennt? Ruhe bewahren!

auchfloristabanichtvomplenum 02.08.2004 - 15:10
Ich würde das Antisemitismus Papier des Flora Plenums durchaus als kritische Auseinandersetzung sowohl mit antideutschem, wie auch antimp Mist verstehen. Das Ganze hysterische Gekeife alla Bahamas oder Djihad ist also unnötig und geht vorbei. Den Text als Link hier zu veröffentlichen finde ich durchaus OK, denn die Veröffentlichung einer Position die zumindest versucht sich jenseits identitärer Zuordnungen einzuordnen, besitzt in Zeiten rassistischer postlinker Aufmärsche in Kreuzberg und Messerstechereien unter (wieauchimmer)Linken durchaus Nachrichtenwert.

Die inhaltliche Form (verkürtzte Kritik, Tobin Steuer böse) teile ich dabei teilweise gar nicht, und finde sie doch sehr am zeitgeist Diskurs orientiert.Dies wird vor allem darin deutlich das keine Praxis sichtbar wird.

Weder wie nichtverkürzte Kapitalismuskritik jenseits abstrakter Theoriegebäude aussehen soll und wo Grenzen der Verkürzungskritik sind, noch wie politische Kritik an der israelischen Regierungspolitik aussehen soll wird deutlich. Beides wird zwar im text aufgemacht aber weder beantwortet noch diskutiert.

Zudem verwundert das kein Wort der Distanzierung von Bahamas vor der Tür auftaucht, aber das mag daran liegen diese rassistischen Schwachköpfe nicht weiter aufwerten zu wollen.

Wichtig ist das Papier aber als Versuch sich innerhalb der zugespitzen Hegemoniebestrebungen von antideutschen und antimps sich überhapt mal mit eigenen Positionen zu Wort zu melden. Inhaltlich muß nicht alles unbedingt geteilt werden um es als Wortmeldung dennoch gut, richtig und sinnvoll zu finden. Je mehr von vielen Leuten (durchaus mit unterschiedlichen Ansätzen) folgen desto besser!

Allemal bringt der Text inhaltlich mehr auf den Punkt, als die sogenannte "Hamburger Erklärung", die sich als antideutsche Kampfschrift darstellt und den Konflikt im Freund/Feind Modus weiterführt.

Für die Praxis und die Theorie, aber vor allem dafür beides zusammenzubringen und dies nicht als Widerspruch zu verstehen!

2) "Antisemitismus in der deutschen Linken"

schwarz.rot 02.08.2004 - 20:52
Im Diskussionspapier ist unter Punkt 2 "Antisemitismus in der deutschen Linken" zu lesen:

"Aber auch wenn Deutsche eine
unkritische und absolute Identifizierung mit der israelischen
Staatspolitik und dem israelischen Militär
praktizieren, dient dies wahrscheinlich der eigenen
Schuldabwehr. Denn dabei setzen sich NachfahrInnen
des TäterInnenkollektivs in die Position, für die Opfer der
Shoah sprechen zu können oder identifizieren sich sogar
mit ihnen, z.B. wenn sie sich selbst als
Opfer von Antisemitismus begreifen. Dies
alles sind Versuche, sich selbst als
nachgeborene Deutsche oder nachgeborener
Deutscher aus der gesellschaftlichen
Kontinuität des TäterInnenkollektivs
herauszudefinieren."

Diese Schlußfolgerung halte ich für falsch.
Nicht nur , weil einige dieser "Deutschen" selbst Juden sind(sich somit nicht als "nachgeborene(r)
Deutscher aus der gesellschaftlichen
Kontinuität des TäterInnenkollektivs
herauszudefinieren" haben, sondern auch weil dem eine falsche Schlussfolgerung zu Grunde liegt:
Wenn eben diese "Deutschen", die sich, wie gefordert, (vermutlich entschieden länger als die rote flora) mit dem Antisemitismus in Deutschland, in der deutschen Linken, der Kontinuität von Antisemitismus in der BRD/DDR , der geopolitischen Verlagerung von Antisimitismus (Antizionismus) etc auseinandergesetzt haben , ziehen genau daraus den Schluß den Staat Israel in der deutschen Debatte zu verteidigen und symbolisieren dies mit dem Tragen der israelischen Flagge.
Die Vorangegangenen Ausführungen (im Diskussionspapier) wurden doch nicht so monokausal hergeleitet- warum dann diese?
Wenn die deutsche Linke und die restliche Gesellschaft im Großteil nicht so israelfeindlich wäre, wäre die Notwendigkeit, die Israelfahne auf entsprechend vielen Veranstaltungen mit sich zu führen nicht gegeben.
Und ich kann für meinen Teil nur noch anfügen, dass ich mich mit Sicherheit nicht einer Schuldabweisung strafbar mache.
Die Vorraussetzungen sind in meiner Familie nicht gegeben. (Meine Großeltern mussten vor den Deutschen fliehen, ein Familienangehöriger wurde im KZ ermordet, ein Familienangehöriger war im "Widerstand")
Und wenn ich die Israelfahne trage (ich betone es nochmals) dient dies nicht der Schuldabweisung, sondern (allerdings nicht ausschließlich) der Vorführung der deutschen Schuld .

@schwarz-rote schuld

sühne 05.08.2004 - 15:05
Dein Antagonismus ist ganz lustig:
Zitat: "Die Vorraussetzungen sind in meiner Familie nicht gegeben. [..]
Und wenn ich die Israelfahne trage (ich betone es nochmals) dient dies nicht der Schuldabweisung, sondern (allerdings nicht ausschließlich) der Vorführung der deutschen Schuld ."

Ergo: Du stellst die deutsche Schuld dar, aus der Du Dich selbst aber herausdefinierst. Ist ziemlich genau ein Paradebeispiel für sog. "Schuldabwehr".

@schwarz.rot

fluten 06.08.2004 - 01:30
noch was:

erstens ergibt sich doch aus dem kontext der von dir zitierten textstelle, dass dabei NICHT-JÜDISCHE deutsche gemeint sind, was deinen ersten einwand als ziemlich aus der luft geholt erscheinen lässt.

zweitens scheint mir der satz
"Und ich kann für meinen Teil nur noch anfügen, dass ich mich mit Sicherheit nicht einer Schuldabweisung strafbar mache."
ein typischer schuldabwehr-satz zu sein. allerdings weiss ich zuwenig über deine familienverhältnisse um das genauer beurteilen zu können. die argumentation: ich hab da doch auch wen in meinem verwandten-kreis der im kz war, hat mich nicht so richtig überzeugt.

drittens finde ich deine argumentation für das fahnen-tragen eher monokausal - im gegensatz zur argumentation des flora-plenums. bei dir wird aus der notwendigkeit eines israelischen staates und dem in deutschland virulenten antisemitismus direkt die notwendigkeit des fahnen-schwenkens abgeleitet.
die argumentation des flora-plenums war da doch viel differnzierter, wenn sie die widersprüchlichkeiten zwischen der notwendigkeit einer kritik an nationalstaaten im allgemeinen und der notwendigkeit eines israelischen nationalstaates im besonderen betont hat und in erinnerung gerufen hat, dass das tragen von israel-fahnen nicht die einzige möglichkeit ist, eine solidarität mit dem staat israel öffentlich zu dokumentieren.

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schade... — micha

@micha — wasistdeinProblem?