Professor Dr. Michael Wolffsohn: J'accuse!
einige Dokumente aus der Debatte um Professor Dr. Michael Wolffsohn
Folter, Antisemitismus, deutsch jüdischen Patriotismus...
Folter, Antisemitismus, deutsch jüdischen Patriotismus...
Judentum Warum diese Angst?
Ein neues Misstrauen prägt die deutsch-jüdischen Debatten der vergangenen Wochen
Von Jörg Lau
http://www.zeit.de/2004/29/Wolfsohn
http://zeus.zeit.de/text/2004/29/Wolfsohn
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Folterdebatte J'accuse! Von Professor Dr. Michael Wolffsohn
http://www.wolffsohn.de/
http://www.wolffsohn.de/MW/mw.html
28. Juni 2004 Nie wieder Täter - ein deutsches Credo. Nie wieder Opfer - so lautet die Lehre der Juden aus der Geschichte. Man ist damit so weit auseinander wie je. Auch heute gilt: Die Juden können, selbst wenn sie es wollten, dem Jüdisch-Sein nicht entfliehen - denn die anderen lassen sie nicht. Herzls Einsicht spiegelt sich in der aktuellen Debatte über Israels Sicherheitspolitik und über das Für der Folter wider. Eine analytische und persönliche Rückschau.
Es war einmal ein total assimilierter Jude, der 1860 in Budapest geboren wurde, erstmals 1897 keinen Weihnachtsbaum aufstellte, sondern Kerzen des neunarmigen Chanukka-Leuchters anzündete, deutsch-österreichischer Patriot war und Zionist wurde - der Zionist: Theodor Herzl. Seines hundertsten Todestages gedenken wir in diesen Tagen.
Es war einmal ein 1947 in Israel geborener deutsch-jüdischer Patriot, der trotzdem Zionist im Sinne fester Israel-Verbundenheit war und es in jüngster Zeit noch mehr wurde: ich. Nicht aus Unbescheidenheit sei hier von mir die Rede. Meine persönlichen Erfahrungen der jüngsten Zeit verdeutlichen, wie mir scheint, die Gegenwärtigkeit und Wirksamkeit Herzls.
"Wir sind ein Volk, ein Volk." In der Einleitung seines 1896 erschienenen Klassikers "Der Judenstaat" finden wir diesen zeitlos gültigen Satz. Nicht alle Juden haben die gleiche Staatsbürgerschaft, und nur etwa ein Drittel aller Juden lebt heute im "Judenstaat" Israel. Dennoch: "Wir sind ein Volk, ein Volk." Was immer "es" ausmacht: Religion, Tradition, Geschichte, Verfolgung, Verbundenheit, großfamiliäre "Blutsbande", Alltagsgemeinschaft - unser Wir-Gefühl ist ebenso unbestreitbar wie die hieraus abgeleitete Wir-Ihr-Abgrenzung. Ob religiös oder nicht, zionistisch oder nicht, jüdisch engagiert, distanziert oder indifferent - wir sind und bleiben Juden, ob wir es wollen oder nicht.
Beispiele aus der Gegenwart: Wohlwollende deutsche Nichtjuden - und die meisten deutschen Nichtjuden sind heute durchaus wohlwollend - sagen, wie wir in Deutschland lebende Juden (oder deutsche Juden oder jüdische Deutsche oder, oder, oder), über den jeweiligen Bundeskanzler: "Das ist unser Kanzler." Zugleich aber sagen sie uns Juden: "euer Ministerpräsident Scharon" oder "euer Präsident Katzav".
Fluchtweg abgeschnitten
Die meisten wohlwollenden Nichtjuden betrachten uns gerne als Deutsche, doch Israel nennen viele von ihnen "eure Heimat", und die vermeintlich allmächtige "US-jüdische Lobby" ist auch in den Augen der Wohlwollenden "eure Lobby", die (so die Wahrnehmung) die Politik von Bush und Scharon vorbehaltlos unterstützt. Schon diese Beispiele zeigen: Auch heute ist für Juden jeglicher jüdischer Färbung und nationalstaatlich kultureller Prägung eine Flucht aus der nationaljüdisch-weltjüdisch-israelischen Gemengelage unmöglich.
Zunächst wollte auch Herzl dem Jüdisch-Sein entfliehen, sogar Massentaufen von Juden im Wiener Stephansdom hatte er als "Lösung der Judenfrage" zunächst vorgeschlagen. Bald erkannte er die Aussichts- und Ausweglosigkeit jeglicher Flucht oder Assimilation - Assimilation als nicht nur äußerliche, sondern auch verinnerlichte Totaldistanzierung von Juden und Judentum. Das assimilierte deutsche und westeuropäische Judentum erlitt diese Erfahrung im Holocaust.
Abgesehen von der Unmöglichkeit einer Flucht - sie wäre töricht. Weshalb sollten wir Juden freiwillig auf eine der Hochkulturen dieser Welt verzichten: auf unsere? Weshalb sollten wir Juden auf unsere Religion zugunsten des Christentums oder des Islams verzichten, die beide auf dem Judentum basieren? Weshalb sollten wir Juden in die Welt des Abendlands fliehen, die entscheidend jüdisch geprägt ist, auch wenn sie es nicht mehr weiß?
Ein Volk, ein Volk
Die anderen Völker, auch das deutsche Volk (das sich, politisch korrektelnd, lieber als "Deutsche Bevölkerung" bezeichnet), auch das "Deutsche Volk" ist heute mehr oder weniger bereit, uns zu akzeptieren und zu integrieren. Aber dennoch bleiben wir für Deutsche und andere Nichtjuden "die Juden", also doch Die-irgendwie-Anderen. Und wir selbst? Auch wir, seien wir noch so "deutsch" oder "englisch" oder "amerikanisch" oder "französisch", auch wir verstehen uns nicht zuletzt als Juden, als "Juden in Deutschland" oder "deutsche Juden" oder "deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens".
Unser Irgendwie-Anderssein wollen wir selbst nicht ablegen, selbst wenn es die anderen zuließen. Doch sie lassen es nicht zu, auch unsere besten Freunde nicht, die wirklichen ebenso wie die vermeintlichen Freunde. Wir sind wie die anderen und sind doch anders. Wir wollen das, und die wollen das.
Fazit: 1896 war Herzls Satz "Wir sind ein Volk, ein Volk" gerade innerjüdisch höchst umstritten. Die Geschichte hat Herzl recht gegeben, und deshalb gilt dieser Grundsatz Herzls für uns Juden der Diaspora ebenso wie für die Juden Israels.
Für sein Volk, unser Volk, wollte Herzl ein Land. Nicht irgendein Land, sondern Eretz Israel, das Land Israel. Herzl dachte auch an Argentinien, später an den Raum um El-Arisch auf der Sinai-Halbinsel, dann auch an Uganda, weshalb manche von Herzls innerzionistischen Kritikern seine Gegner und teilweise sogar Feinde wurden. Dennoch: Uganda und alle anderen Regionen waren taktische Varianten und nicht das strategische Ziel. Strategisches Ziel blieb Eretz Israel.
Volk und Land waren also die zentralen Kategorien der Herzlschen Gedanken und Taten. Damals wurde Herzl auch innerjüdisch dafür und deswegen bekämpft, heute sind Volk und Land Israel für den Großteil der jüdischen Gemeinschaft außerhalb und innerhalb Israels von geradezu axiomatischer Zentralität. Sie bilden die Grundlage des jüdischen heutigen Seins und Bewußtseins; auch für die Diasporajuden, die nicht in Israel leben wollen, es jedoch als Lebensversicherung betrachten und dafür ihren materiellen oder ideellen oder materiellen und ideellen Beitrag leisten. Sie wollen ihn leisten, weil allein diese Grundlage ihnen existentielle Sicherheit als Juden gibt, sowohl ideell als auch materiell. Herzl lebt, weil sich seine Sichtweise der jüdischen Welt in der jüdischen Welt und durch die Weltgeschichte durchgesetzt hat.
Für Franz Rosenzweig, neben Martin Buber der wohl bedeutendste jüdische Religionsphilosoph des 20. Jahrhunderts, war (in seinem Schlüsselwerk "Der Stern der Erlösung", Erstausgabe 1921) jüdisches Sein und Überleben nicht vom Land abhängig, sondern vom Zusammenhalt des Volkes. Die Begriffe des großen Menschenfreundes Rosenzweig klingen heute für Unwissende wie Vokabeln aus dem Wörterbuch nationalsozialistischer Unmenschen. Das ist ganz und gar falsch, erklärt aber auf einen Schlag, daß und weshalb der Abgrund zwischen Juden und Nichtjuden "nach Auschwitz" und trotz Auschwitz auch unter wechselseitig wohlgemeinten Vorzeichen groß ist.
„Ewigkeit der Blutgemeinschaft“
Rosenzweig: "Nur das Blut gibt der Hoffnung auf die Zukunft eine Gewähr in der Gegenwart. Jede andre, jede nicht blutmäßig sich fortpflanzende Gemeinschaft kann, wenn sie ihr Wir für die Ewigkeit festsetzen will, es nur so tun, daß sie ihm einen Platz in der Zukunft sichert; alle blutlose Ewigkeit gründet sich auf den Willen und die Hoffnung." Allein die "Blutgemeinschaft", also das Volk als blutsverwandte, biologisch nationale Gemeinschaft, so Rosenzweig, gewähre "Ewigkeit".
Der Philosoph weiter: Eine solche "Blutsgemeinschaft" brauche "den Geist nicht zu bemühen; in der natürlichen Fortpflanzung des Leibes hat sie die Gewähr ihrer Ewigkeit". Blut ohne Geist, Blut statt Geist, also jüdisches Dasein rein biologisch und ohne inhaltliches Sein? Sollte Rosenzweig das wirklich gemeint haben? Nur so viel: Das allein wäre an inhaltlich Jüdischem zu wenig, weil biologistisch. Bei der Person Rosenzweig fehlten diese Inhalte gewiß nicht, für das jüdische Kollektiv reicht die "Stimme des Blutes" nicht. Sie formuliert keine Inhalte und wirkt deshalb blutleer.
Für heutige Köpfe und Herzen, jüdisch oder nicht, sind solche ums Blut kreisenden Worte und Gedanken eine Ungeheuerlichkeit, sie klingen nach "Blut und Boden", also nach Nationalsozialismus. Irrtum! Erstens meint Rosenzweig mit "Blut" nichts anderes als den Umstand, daß wir Juden mehr als nur gedanklich eine Art Großfamilie sind. Wenn und wo "Blut" verbindet, ist man miteinander verwandt, und weil verwandt, auch miteinander verbunden, ob man will oder nicht. Zweitens meint Rosenzweig nicht "Blut und Boden". Ganz im Gegenteil. Er meint, daß die Verwandtschaft der Juden auch ohne Boden, ohne Land, Verwandtschaft bleibt. Für die anderen "Völker der Welt" gelte, so Rosenzweig wörtlich: "Am Boden und seiner Herrschaft, dem Gebiet, klammert sich ihr Wille zur Ewigkeit fest. Um die Erde der Heimat fließt das Blut ihrer Söhne; denn sie trauen nicht der Gemeinschaft des Bluts, die nicht verankert wäre in dem festen Grund der Erde." Anders die Juden, nach Rosenzweig: "Wir allein vertrauen dem Blut und ließen das Land."
„Ohne jüdisches Land kein jüdisches Volk“
Und das Land Israel, Eretz Israel? Rosenzweig antwortet: Es sei "im tiefsten Sinn" nur als "Land der Sehnsucht", als - "heiliges Land" zu verstehen. Und wenn Juden im Heiligen Land leben, so sei es doch Gottes Land, das dem "unbefangenen Zugriff" aller Menschen einschließlich der Juden verwehrt bleibe. Das alles ist klarer, als es klingt. Rosenzweig wollte folgendes sagen: Wir Juden sind eine große Familie, "wir Juden sind ein Volk, ein Volk", doch wir brauchen kein Land, um Juden zu sein, zu bleiben, zu überleben.
Nein, hatte Herzl früher gesagt und bis heute nicht nur wegen des Holocaust recht behalten: Ohne jüdisches Land kein jüdisches Volk, kein jüdisches Überleben, weil ohne jüdisches Land jüdisches Blut ungehindert, unbehindert, ungesühnt und ungestraft vergossen wird.
Schon vor dem millionenfachen Judenmord hat Herzl "Nie wieder!" gesagt. Nie wieder Opfer! Die meisten Juden haben seit 1896, seit dem Erscheinen von Herzls "Judenstaat", trotz Franz Rosenzweig und "nach Auschwitz" aus der Geschichte eines gelernt: Nur als Volk und mit Land für unser Volk können wir als Juden überleben, in Israel und in der Diaspora. Noch einmal: "Der Judenstaat", Israel, ist unsere Lebensversicherung. Herzl sei Dank. Vor allem deshalb gilt: Herzl lebt. Er lebt in uns, und er lebte für uns.
Die Gewaltkomponente
"Die Notlage der Juden wird niemand leugnen." So beginnt das Kapitel "Die Judenfrage" in Herzls "Judenstaat", eines Buches, das in einer Zeit wilder und brutaler Judenverfolgungen und -diskriminierungen entstand. Diese Antisemitismen waren auch zu Herzls Zeit nicht auf Österreich, Deutschland, Rumänien, Rußland und Frankreich begrenzt, wo Herzl 1894/95 den Prozeß gegen Alfred Dreyfus miterlebte und miterlitt. "Man wird uns nicht in Ruhe lassen", so Herzl im "Judenstaat". Die Not war damals groß, sie wurde von 1933 bis 1945 unendlich größer. Doch selbst "durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu vertilgen", hatte Herzl in der Einleitung des Judenstaates vorhergesagt. Vor seinem Kampf hätte es Hitler lesen sollen. Er hätte uns Juden, den Deutschen, der Welt, auch sich selbst Höllisches erspart.
Schon vor der Schoa hatte Herzl, ebenfalls in seinem prophetischen und (anders als "Altneuland") auch heute gut lesbaren Buch "Der Judenstaat", geschrieben: "Die lange Verfolgung hat unsere Nerven überreizt." Nach Auschwitz sind unsere Nerven, auch die Nerven der jüdischen Nach-Holocaust-Generationen, "überreizt", in Israel und in der Diaspora. Deshalb haben die meisten heutigen Juden Herzls "Nie wieder!", das er allein politisch und diplomatisch und somit gewaltlos sichern wollte, um die militärische Komponente erweitert.
Sie haben Herzl nicht verändert, sondern dem Fortgang der inzwischen noch mehr blutgetränkten jüdischen und israelischen Geschichte angepaßt. Der neujüdische Konsens billigt daher die Gewaltkomponente nicht nur reaktiv, sondern notfalls auch präventiv, also vorwegnehmend. Für den politischen Zweck unseres Überlebens, in Notwehr, befürworten wir die Androhung und notfalls, notfalls, notfalls die Anwendung von Gewalt, also auch Krieg. Und die Gewalt des Terrors beantworten wir mit Gegengewalt, was wir für legitim halten; legitim, also "gerechtfertigt" beziehungsweise "vertretbar oder "befürwortbar".
Was legitim beziehungsweise vertretbar ist, ist denkbar, muß oder darf aber nicht unbedingt machbar oder erlaubt sein. Anders formuliert: Was legitim ist, ist weder automatisch legal, also Rechtens und dem geltenen Recht entsprechend. Und was eine Gesellschaft oder ein Staat möglicherweise rechtfertigt, ist noch lange kein geltendes Recht. Das ist vereinfacht, der neujüdische, Nach-Herzlsche Konsens, die Mehrheitsmeinung.
Dieser heutigen jüdischen Mehrheitsmeinung widerspricht die gegenwärtige Mehrheitsmeinung der Nichtjuden fundamental, besonders in Deutschland. Ich habe das während der zurückliegenden Wochen hautnah und geradezu unter die Haut gehend erfahren müssen, nachdem ich im Zusammenhang mit der Bekämpfung des internationalen Terrors jene neujüdische Mehrheitsmeinung zumindest zu bedenken gab.
„Die Deutschen" verstehn unsere jüdische Welt nicht mehr“
"Die Deutschen", jawohl, die meisten Deutschen, also "die" Deutschen, sagen nach dem Holocaust auch "Nie wieder!". Doch sie meinen: "Nie wieder Täter!". Deshalb lehnen sie Gewalt als Mittel der Politik kategorisch ab. Das ist ebenso verständlich wie sympathisch und bringt sie uns näher. Meinen sie, hoffen sie. Das Gegenteil ist der Fall.
Wie die Deutschen aus ihrer Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein. Wieder, doch unter ganz anderen Vorzeichen, verstehen "die Deutschen" unsere jüdische Welt nicht mehr - und wir nicht die Welt der Deutschen. Jede Seite hat aus ihrer Geschichte die Schlußfolgerungen gezogen - und wieder sind wir so weit voneinander entfernt wie zuvor, wie zu Herzls Zeiten. Nein, einen neuen Holocaust müssen wir nicht befürchten; Kritik, Entfremdung, Verärgerung, Haß aber durchaus. Sicher ist sicher, und daher ist Israel für uns als Juden sicher, wenngleich nicht als Staat, der nach wie vor existentiell gefährdet ist und tödlich bedroht wird.
Ob Gewalt, nur Volk oder Volk und Land, diese drei Kategorien des Herzlschen sowie des neujüdischen Seins und Bewußtseins entfernen und entfremden uns von den meisten Nichtjuden, besonders in Deutschland. Die meisten nichtjüdischen Deutschen haben nämlich aus derselben Geschichte, doch natürlich aus ganz anderer Perspektive über "Volk und Land" und Gewalt dies gelernt: Volk und Land und Gewalt als zentrale Kategorien garantieren nicht das Überleben, sondern die Vernichtung von Völkern.
Daß wir die Welt anders sehen und fest daran glauben, unser und der Welt Überleben anders als sie zu sichern, empört immer mehr Nichtjuden in der westlichen Welt, besonders in Deutschland. Das ist in ihren Augen bestenfalls verständlich, doch im Kern verwerflich. Noch verwerflicher ist in ihren Augen die Tatsache, daß für Israelis und Diasporajuden die Vereinigten Staaten der einzige verläßliche Partner in unserem Überlebenskampf sind. Ob Truman oder Kennedy, Nixon, Clinton, Bush senior oder Bush junior, amerikanische Präsidenten kommen und gehen, auch die von ihnen gelösten oder verursachten Probleme - unsere unumstößliche Verbundenheit bleibt. Auch deswegen sind wir in einem bestenfalls gaullistischen, schröderisch-fast-wilhelminisch antiamerikanischen Westeuropa mit unserer Weltsicht Fremdkörper.
Haß jenseits analytischer Kritik
Nicht nur Empörung, auch Haß ernten wir dafür. Israel und Scharon gegenüber ist der Haß, jenseits legitimer Kritik, offen, gegenüber deutschen Juden, die Israels Haltung wenigstens analytisch erklären, ist der Haß verdeckt, doch vorhanden. Ich habe es in den vergangenen Wochen erlebt.
Herr Westerwelle nimmt mir übel, daß ich im Jahre 2002 den Juden empfohlen hatte, nicht die FDP zu wählen. Warum? Wegen ihres antijüdischen Neuzugangs Karsli und wegen der antisemitischen Anti-Friedman-Anti-Scharon-Kampagne von Jürgen Möllemann, bei der Westerwelle zunächst bedenklich passiv geblieben war.
Die PDS hat mein Buch "Die Deutschland-Akte" und Forschungsergebnisse meiner Doktoranden nicht vergessen, die erstmals und systematisch die antisemitische Juden- und Israel-Politik der DDR dokumentierten und analysierten.
Die SPD verübelte mir besonders, daß ich öffentlich die Frage gestellt habe, warum die Bundesregierung am Vorabend des Irak-Krieges 2003 trotz gegenteiliger Analysen des Budesnachrichtendienstes so sicher war, Saddam hätte keine Massenvernichtungswaffen. Woher wußte die Bundesregierung mehr als ihr Nachrichtendienst? Oder urteilte sie, möglicherweise nicht einmal falsch, aus dem Bauch heraus, gegen den eigenen BND, den man gegenwärtig für teures Geld von Pullach nach Berlin umziehen läßt?
Ein Jahr nach dem Irak-Krieg hatte ich, Hans Magnus Enzensberger ähnlich (bekanntlich ein Nichtjude), den Waffengang positiv bilanziert: Saddam, der blutrünstige Diktator verjagt; Libyen rüstet atomar, biologisch und chemisch ab; der Iran läßt über nukleare Abrüstung, wie Nordkorea, erstmals mit sich reden.
Daß sich Bundesaußenminister Joseph ("Joschka") Fischer wie sonst kaum jemand in Deutschland für Israel engagiert, weiß ich, schätze ich, schätzen wir Juden. Trotzdem darf, ja muß man auch darauf hinweisen, daß jemand, der vor rund dreißig Jahren auf einen am Boden liegenden Polizisten brutal einschlug, heute als Personifizierung von Recht, Moral und polizeilich staatlicher Bekämpfung rechtsextremistischer und anderer Gewalttäter nicht sonderlich überzeugend ist. Weshalb? Weil die Botschaft an die gegenwärtigen Nazis lautet: heute Gewalttäter, morgen oder übermorgen Bundesminister. Gerade als deutscher Jude darf man auch erwähnen und, wie ich, herausfinden, daß derselbe Joseph Fischer 1969 bei der PLO in Algier Jassir Arafats Vernichtungsaufruf gegen Israel bejubelt hatte und nun, gut und schön, Wiedergutmachung leistet. Unter grünen Vorzeichen kopiert Joseph Fischer den einst braunen Staatssekretär der Adenauer-Ära, Hans Globke: projüdische und proisraelische Politik als Wiedergutmachung des vorangegangenen Kontrastprogramms.
Man hatte also gute Gründe, gegen mich als Ruhestörer, jüdisch oder nicht (wenngleich vor allem jüdisch motiviert), vorzugehen und meinen Kopf zu fordern, meine beamtete Professur einzufordern, also meine und meiner Familie Existenzgrundlage zu zerstören.
Lob und Morddrohungen
Wie befruchtend Juden als Ruhestörer in Deutschland für Deutschland wirkten, wird in der deutschen Wiedergutmachungslitanei stets besungen. Dieses Hohelied wird aber nur toten Juden gesungen. Lebende Ruhestörer, Juden oder Nichtjuden, stören eben und müssen mundtot gemacht werden, gegebenenfalls indem ein oder zwei Sätze manipulativ aus dem Zusammenhang gerissen und der Bevölkerung eingehämmert werden. Eine Hetzjagd begann, und dabei waren die Jäger bereit, sich sogar über Artikel 5 des Grundgesetzes hinwegzusetzen, der die Meinungsfreiheit sowie die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert. Diese gilt für Professoren an Universitäten der Bundeswehr wie für jeden anderen Professor. Für Ewige Nazis und Islamisten war jene letztlich gesetzeswidrige Treibjagd in den erwünschten existentiellen Abgrund eine willkommene Gelegenheit, mich mit Liebesbekundungen einschließlich zahlreicher Morddrohungen und vulgärer Antisemitismen zu beglücken. Die besorgten Sicherheitsorgane kontaktierten mich von sich aus. Sie löffelten pflichtbewußt die Suppe aus, die ihnen pflichtvergessen, gedankenlos, doch gezielt die Spitzen des deutschen Staates aufgetischt hatten.
Anders als zu Herzls Zeiten oder gar im "Dritten Reich" strömte mir aus der nichtjüdischen Bevölkerung trotz und wegen der manipulativen Treibjagd eine große Welle der Sympathie entgegen. Von Bekannten und Unbekannten erhielt ich mehr als tausend Zuschriften, Anrufe, Danksagungen. Umfragen, neue wie ältere, dokumentieren breite Zustimmung in der Bevölkerung. Ich habe, wir Juden haben es heute besser als Herzl. Den neuen Deutschen, dem neuen Deutschland sei dafür Dank.
Aber - und das war bislang einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte: Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, regelrecht zum Abschuß frei. Einen jüdischen Bürger, der 1970, im Anschluß an seinen freiwilligen Wehrdienst in Israel, aus dem "Judenstaat" nach Deutschland zurückkehrte. Dieser jüdische Rückwanderer, der sich mehrfach und öffentlich als deutschjüdischer Patriot bezeichnet hatte, dürfte er sich zudem als deutscher Beamter auf die Fürsorgepflicht seines Dienstherrn, in diesem Falle des Bundesverteidigungsministers, verlassen können? Nichts davon war zu spüren. Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt. Das habe er nicht ahnen können, erklärte mir Bundesverteidigungsminister Struck in unserem Gespräch, zu dem er mich eingeladen und nicht, wie von ihm und den Medien verbreitet, "einbestellt" hatte. Er hätte es wissen müssen, entgegnete ich, weil er als Politiker seine Gesellschaft kennen und steuern müsse. Auch er erhalte ständig Morddrohungen, wiegelte Struck ab.
Nein, Struck und die meisten meiner Kritiker sind keine Antisemiten. Sie meinen es wirklich gut mit uns Juden im allgemeinen und dem "Judenstaat" im besonderen. Peter Struck oder Joschka Fischer sind Freunde Israels und Judenfreunde. Sie organisieren mit oder ohne die OSZE eine Demonstration und Konferenz nach der anderen gegen Antisemitismus, über und für uns Juden. Aber sie verstehen uns und unsere Gefährdung offenbar trotzdem nicht. Sie "wissen nicht, was sie tun".
Angesichts dieses seltsamen, wohlgemeinten, doch wie ein Bumerang wirkenden Schutzes wurde mir klarer denn je: Nur Israel verleiht uns Juden Sicherheit als Juden. Gewiß, in Israel können wir Opfer von Terror und Krieg werden. Aber dort kennt jede Regierung, mit und ohne Scharon, wenigstens die Geister, die uns gefährlich sind und werden können.
Das galt dem Juden
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag bilanzierte die "Folterdebatte" über meine Person und sprach von einer Verleumdungskampagne, die immer deutlicher antisemitische Züge trage. Man kann die bittere Einschätzung Jerzy Montags mühelos belegen: Von der Legitimität der Folter gegen, ich vereinfache, einen Terroristen mit "tickender Bombe" hatte schon der bedeutende deutsche Soziologe Niklas Luhmann 1992 in seiner berühmten "Heidelberger Vorlesung" gesprochen. Die wichtigste Kommentierung des Grundgesetzes ist der sogenannte "Maunz-Dürig-Herzog". In der neuesten Auflage aus dem Jahre 2004 wird sogar Artikel 1 des Grundgesetzes, der unantastbaren Würde des Menschen geltend, für Notsituationen relativiert. Folter als Notwehr wird nicht nur legitimiert, sondern quasi legalisiert. Bundesinnenminister Otto Schily ist sogar bereit, die Todessehnsucht von Terroristen zu erfüllen: Wenn sie den Tod wollten, könnten sie ihn haben.
Die meisten meiner Jäger haben am 18. Juni 2004 (zu Recht und dankenswerterweise) das "Luftsicherheitsgesetz" und das Gesetz zur nächträglichen Sicherungsverwahrung im Bundestag verabschiedet. Das alles betrifft Legalität und geht erheblich weiter als mein Nachdenken über die Legitimität der Folter in Notwehrsituationen. Mein Nachdenken steht in der ethischen Tradition des Abendlands. Ich nenne die Stichworte: Tyrannenmord, Widerstandsrecht (Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz), finaler Rettungsschuß. Gibt es Denkverbote in Deutschland?
Mein Nachdenken wird auch von der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, gestützt. Auch deshalb standen in den vergangenen Wochen zahlreiche in- und ausländische Rabbiner an meiner Seite, auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie weite Teile der diasporajüdischen und israelischjüdischen Gemeinschaft. Erwähnen und danken möchte ich auch zahlreichen christlichen Geistlichen und Theologen, allen voran dem Katholiken Eugen Biser und dem Protestanten Richard Schröder, die meine Gedanken zur Folter bei extremer Notwehr verstanden und auch christlich zu- oder einordnen konnten.
Kaum jemand hat sich über jene Gedanken und Handlungen der erwähnten Nichtjuden aufgeregt. Nur mein Nachdenken löste eine Haupt- und Staatsaktion aus. Warum? Wenn ich nur als Jude und weil Jude jene Kampagne überstehen konnte, wie sehr ernst zu nehmende Persönlichkeiten schrieben, gibt es nur einen Grund: Die Kampagne zielte auf den Juden, einen Juden, der grundsätzlich und eindeutig proisraelisch ist, wenngleich durchaus punktuell Israel-kritisch; einen Juden, der grundsätzlich ein Freund und nur punktuell ein Kritiker der Vereinigten Staaten ist. Jeder Nichtjude konnte unbehelligt Thesen vertreten und sogar Gesetze beschließen die meinen nur nachdenkenden Gedanken entsprachen. Keinem der erwähnten Nichtjuden, der sie vortrug, wurde ein Haar gekrümmt, kein Hahn krähte, die Sache wurde diskutiert, nicht die Person als Person attackiert, ich wurde verfolgt. Das kann nur dem Juden gegolten haben.
Anklage
Mein deutschjüdischer Patriotismus? Über den vergeblichen Patriotismus der Juden in nichtjüdischen Staaten hatte Herzl einleitend im "Judenstaat" geschrieben: "Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwengliche Patrioten . . . vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaft, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrieen."
Für Herzl war die "Judenfrage" weder eine soziale noch religiöse, sondern eine "nationale Frage". Man wird in seine Nation hineingeboren, lateinisch "natus". Die Judenfrage betrifft unser jüdisches Dasein, den Alltag, unser erlebtes Wir-Gefühl. Unser jüdisches Sein, unser lebendiges, selbstbestimmt inhaltliches Wir-Gefühl, werden wir ohne unsere Religion, jüdische Kultur, Philosophie und Tradition nicht ausfüllen, weil die Stimme des Blutes und negative Fremdbestimmung durch Verfolgung substantiell blutleer bleiben.
Mit oder ohne selbstbestimmte jüdische Inhalte: Die Flucht von Juden aus Judentum und jüdischer Gemeinschaft bleibt im jüdischen Dasein, wie Herzl zu Recht sah und sagte, ausgeschlossen, und lebende jüdische Ruhestörer sind auszuschließen, so die Sicht der nichtantisemitischen nichtjüdischen Entscheidungsträger, oder gar abzuschießen, so die ewige Sicht der Ewigen Antisemiten.
Daran hat sich seit Herzl nichts geändert. Das beklagen wir, das beklage ich, und deshalb klage ich an, wie Herzls Zeitgenosse Émile Zola am 13. Januar 1898 im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre. "J'accuse . . . !" Ich klage an.
* Der Verfasser lehrt Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004, Nr. 145 / Seite 6
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EF07617095A304D34BC0E177E54B3BC02~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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Folter-Debatte
Wolffsohn wehrt sich gegen „Hetzjagd"
28. Juni 2004 Der Historiker Michael Wolffsohn erhebt in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schwere Vorwürfe gegen seine Kritiker. Gastbeitrag von Michael Wolffsohn zur Folterdebatte
„Das kann nur dem Juden gegolten haben", äußert Wolffsohn rückblickend auf die öffentliche Verhandlung seiner Äußerungen über die Anwendung von Folter in Extremsituationen.
„Zum Abschuß freigegeben"
Einzelne Sätze seien „manipulativ aus dem Zusammenhang gerissen und der Bevölkerung eingehämmert" worden. Der Hochschullehrer von der Bundeswehr-Universität München machte auch Mitglieder der Bundesregierung für die "Hetzjagd" auf ihn verantwortlich. Unter Bezugnahme auf seine Äußerungen über eine mögliche Angemessenheit der Folter schrieb Wolffsohn: „Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, regelrecht zum Abschuß frei."
Wolffsohn führt unterschiedliche Standpunkte in der Folterdebatte auf unterschiedliche historische Erfahrungen zurück. „Wie die Deutschen aus der Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein."
Westerwelle: „Nicht länger tragbar“
Der FDP-Vorsitzende Westerwelle hat daraufhin Wolffsohn abermals heftig kritisiert. Westerwelle äußerte sich nach der Veröffentlichung des Gastbeitrages von Wolffsohn in der F.A.Z.: „Es bleibt Professor Wolffsohn unbenommen, im Rahmen der Meinungsfreiheit Folter als legitimes Mittel zu bezeichnen, aber als Lehrer junger Soldaten ist er damit nicht länger tragbar."
Wolffsohn hatte mit Blick auf Verteidigungsminister Struck zuvor geäußert, von der „Fürsorgepflicht seines Dienstherrn" sei in der zurückliegenden Debatte nichts zu spüren gewesen. „Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt." Westerwelle sagte dazu: „Es ist für einen Bundesminister nicht akzeptabel, daß einer seiner Beamten die Politik seines Dienstherrn als Ermutigung für Terroristen bezeichnet." Wer Folter zu einem rechtsstaatlichen Mittel machen wolle, werde von der FDP kritisiert und müsse im Interesse des Schutzes der freiheitlich-demokratischen Grundordnung kritisiert werden.
Keine rechtliche Handhabe
Von seiten des Verteidigungsministeriums soll nach Angaben eines Sprechers keine Stellungnahme zu dem Text abgegeben werden. Schon nach der Debatte über die früheren Äußerungen Wolffsohns habe sich ergeben, daß es für das Verteidigungsministerium keine rechtliche Handhabe gegen Wolffsohn gebe.
Zum Internationalen Tag zur Unterstützung von Folteropfern an vergangenen Samstag bekräftigten Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul (SPD) und Menschenrechtspolitiker die strikte Ablehnung von Folter.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E11F38FDC8061462BB9AA2661C833E28E~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E0BDDD8A767BB4B41A2B2BB1F71EB57CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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FAZ:
Briefe an die Herausgeber
Auf dem Kopf
Zum Artikel von Professor Dr. Michael Wolffsohn "J'accuse!" (F.A.Z. vom 25. Juni): Wolffsohn verbindet Herzls Aufruf "Nie wieder!", dem kaum jemand wird widersprechen wollen, mit dem "neujüdischen Konsens", die "Gewaltkomponente ...
25. Juni 2004 Preis 1,50 € Überflüssige Schärfe
V.Z. Westerwelle schießt zurück: Michael Wolffsohn, Professor an der Münchener Bundeswehruniversität, sei dort nicht mehr "tragbar". Damit nimmt der FDP-Vorsitzende die Forderungen nach der Entlassung des Professors wieder auf, die ...
http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E88D8088684864242B0072AD2166E26A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html
25. Juni 2004 Preis 1,50 € Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar
F.A.Z. BERLIN, 25. Juni. Der FDP-Vorsitzende Westerwelle hat Michael Wolffsohn, Professor an der Universität der Bundeswehr in München, heftig kritisiert. Westerwelle äußerte am Freitag: "Es bleibt Professor Wolffsohn unbenommen, ...
17. Juni 2004 Preis 1,50 € Schlägerschatten
In der Folter-Diskussion der Bundesrepublik gab es eine Unbekannte - oder besser, eine Unbenannte: die Innenpolitik Israels. In den Vereinigten Staaten ist sie nun zum Thema geworden.
18. Mai 2004 Preis 1,50 € Das Für der Folter Von Volker Zastrow
Die Aufregung über die "Folter-Fotos" aus dem Gefängnis in Bagdad verdeckt, daß schon seit längerem über das Für und Wider von Folter gesprochen wird - in der westlichen Welt, auch in Deutschland. Da ist der Fall Daschner, des Frankfurter ...
18. Mai 2004 Preis 1,50 € Keine Konsequenzen für Wolffsohn
Gegen den Bundeswehr-Professor, der Folter als legitimes Mittel im Kampf gegen Terroristen bezeichnet hatte, gebe es keine rechtliche Handhabe. Das sagte Verteidigungsminister Peter Struck.
13. Mai 2004 Preis 1,50 € „Folter ist illegal, illegal, illegal"
Kritik am Hochschullehrer nimmt trotz Distanzierungen nicht ab
Auch wenn sich der Münchener Historiker Wolffsohn abermals von seinen Äußerungen zum Thema Folter distanziert hat, gibt es weiter Forderungen, er solle seinen Lehrauftrag an der Universität der Bundeswehr aufgeben.
12. Mai 2004 Preis 1,50 € „Schlimmer als der 11. September"
Der Mißbrauch irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten hat für die Vereinigten Staaten nach Ansicht des Vatikans gravierendere Folgen als die Anschläge im Jahre 2001.
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J´accuse
Nie wieder Täter - ein deutsches Credo.
Von Professor Dr. Michael Wolffsohn
Frankfurter Allgemeine Zeitung
25. Juni 2004
http://deutschland.naya.org.il/J.accuse.php
Tage des Terrors, Tage der Folter: Ein neuer Dreyfus?
Michael Wolffsohns öffentliche Verwandlung vom deutschjüdischen Patrioten zum Zionisten
Von Richard Chaim Schneider Süddeutsche Zeitung v. 28.6.04
Der deutsch-jüdische Patriot Michael Wolffsohn ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Er musste feststellen, wie er in seinem symbolträchtig betitelten Aufsatz "J'accuse" in der FAZ schreibt, dass es in Deutschland Antisemiten gibt. Ausgerechnet ihm, dem Juden, der so intensiv um die Gunst der Deutschen buhlte, der sich deutschnationaler gab als so mancher nichtjüdische Deutsche, ausgerechnet ihm musste es jetzt widerfahren, dass ein "antisemitisches Komplott" beinahe seine Existenz ruinierte. Das Komplott: die massive Kritik an seiner theoretischen Befürwortung der Folter als Mittel im Kampf gegen den Terrorismus.
Durfte er solche Äußerungen machen? Ganz ohne Zweifel. Noch ist die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik ein Gut, das auch Michael Wolffsohn für sich in Anspruch nehmen darf. Ist Kritik an seinen Äußerungen erlaubt? Und dürfen seine Gegner laut darüber nachdenken, ob ein Professor der Bundeswehrhochschule nach solchen Äußerungen noch geeignet ist, junge Soldaten auszubilden? Auch dies ist legitim. Doch Wolffsohn sieht nun in den Attacken eine antisemitische Hetze gegen ihn, den Juden. Was dazu führt, dass er, der einstige deutschjüdische Patriot, schlagartig wieder zum glühenden Zionisten wird. Im reifsten Mannesalter begreift Wolffsohn nun, dass nur ein jüdischer Staat und jüdische Wehrhaftigkeit ihm das Überleben in Deutschland garantiert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Einsicht und willkommen in der Realität, möchte man Wolffsohn ironisch entgegenrufen. Der Mann, der sich in der Vergangenheit nicht scheute, zusammen mit ultrarechten deutschtümelnden Geistern in einem gemeinsamen Buch zu veröffentlichen, stellt auf einmal fest, dass es in Deutschland Antisemiten gibt. Diese Erkenntnis hat er jetzt endlich mit allen Juden gemein, auch wenn sie einen deutschen Patrioten sicherlich mehr schmerzen muss als uns Juden mit deutschem Pass, die wir noch nie so ganz sicher waren, dass uns die Deutschen lieben.
Unerträglich an Wolffsohns "J'accuse " ist allerdings nicht seine Verschwörungstheorie. Es besteht kein Zweifel, dass viele Kritiker von Wolffsohns Befürwortung der Folter auch von antisemitischen Gefühlen geleitet sind. Nur: Was ist so neu daran in Deutschland? Wer von uns Juden, die sich öffentlich äußern, hat noch nicht antisemitische Reaktionen erleben müssen? Nein, unerträglicher als Wolffsohns Paranoia ist die Hybris seines Artikels, in dem er sich obendrein zum Sprecher aller Juden macht - die Hybris, sich zu Albert Dreyfus und Emile Zola in Personalunion zu stilisieren.
Zur Erinnerung: Der Jude Albert Dreyfus, Hauptmann der französischen Armee, wurde 1894 mit Hilfe gefälschter Dokumente wegen Spionage zu lebenslänglicher Haft auf der Teufelsinsel verurteilt. Bei seiner öffentlichen Degradierung hatte der Pöbel den Tod "des Juden" gefordert. Obgleich sich herausstellte, dass Dreyfus unschuldig war, blieb er in Haft. Gegen den Antisemitismus seiner Zeit erhob Emile Zola mit seinem Artikel "J'accuse" Anklage. Ist Wolffsohn Zola? Als Ankläger in eigener Sache ist diese Identifizierung geradezu peinlich. Ist Wolffsohn ein neuer Dreyfus? Nun, weder wurde er auf die Teufelsinsel verfrachtet, noch musste er seinen Lehrstuhl an der Bundeswehrhochschule aufgeben. Allerdings ist Wolffsohn in der Tat mit Dreyfus zu vergleichen, doch ganz anders als ihm lieb sein kann. Ein Blick in Hannah Arendts epochales Werk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" macht dies deutlich. Arendt schreibt zur Gemütsverfassung assimilierter Juden wie der Familie Dreyfus: "Die Dreyfus gehörten in der Tat zu jener jüdischen Gruppe, die versuchte, sich an den Antisemitismus zu assimilieren. Dass Juden selbst in solch einer Assimilation nicht verschwinden und weder für sich noch für andere aufhören, Juden zu sein, dies hat der letzte der großen französischen Romanciers, Marcel Proust, meisterhaft dargestellt. Die Zerrissenheit der betreffenden Seele ließ denn auch nichts zu wünschen übrig. Nichts anderes als dies leere Zerrissensein ist die angeborene Prädisponiertheit", von der Proust spricht, das die natürliche Treue und die selbstverständliche Solidarität mit dem Volke ersetzt hatte und das assimilierte Juden kennzeichnet."
Wolffsohns Zerrissenheit wird in seinem "J'accuse" überdeutlich. Er ist persönlich beleidigt, dass sein Bemühen, der bessere Deutsche zu werden, nichts genutzt zu haben scheint. Es ist bezeichnend, dass Wolffsohn in der Aufzählung seiner aktuellen Feinde diese nur bei PDS, FDP und der aktuellen Regierung findet, aber offensichtlich bei CDU und CSU keinen einzigen Antisemiten ausfindig machen kann, nicht einmal Herrn Hohmann. So wird Wolffsohn auf seinem Weg der Erkenntnis noch merken müssen, dass es noch mehr Antisemiten in Deutschland gibt als er dies jetzt schon zu wissen meint. Und sollte seine neugewonnene Einsicht ihn dazu verleiten, in Herzls Judenstaat zurückzukehren - wovon nicht auszugehen ist -, so wird er feststellen, dass die zum Teil unsinnige Gewalt der israelischen Armee von mindestens der Hälfte der Israelis als "unjüdisch" und ungerecht eingeschätzt wird. Die Frage, ob eine Demokratie unter größter existenzieller Bedrohung foltern darf, wird auch in Israel heiß diskutiert, selbst wenn dort Folter unter gewissen Auflagen des Obersten Gerichtshofes genehmigt ist. Denn jenseits aller Opferstilisierung des Michael Wolffsohn bleibt die Gretchenfrage ungelöst: Darf ein demokratischer Staat einen Gefangenen foltern, der verraten kann, wo der nächste Anschlag stattfinden soll, der viele Zivilisten das Leben kosten wird?
hagalil.com 30-06-2004
http://www.hagalil.com/archiv/2004/06/wolffsohn.htm
http://deutschland.naya.org.il/Tage.des.Terrors.Tage.der.Folter-Ein.neuer.Dreyfus.php
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Wir danken www.honestly.concerned.de für die Veröffentlichung des Artikels von Prof. Michael Wolffsohn in der FAZ vom 25.06.2004.
„J'accuse!“
Artikel von Professor Dr. Michael Wolffsohn in der FAZ vom 25.06.2004
http://www.digberlin.de/SEITE/wolffsohn.php
Der DIG-Präsident Deutschland, Prof. Manfred Lahnstein antwortet Prof. Michael Wolffsohn auf seinen Artikel "J'accuse!" in der FAZ vom 25.06.2004
IRRITATIONEN
- Eine Nachbetrachtung zum „Fall“ Wolffsohn –
http://www.digberlin.de/SEITE/lahnstein:wolffsohn.php
http://www.digberlin.de/
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IRRITATIONEN
- Eine Nachbetrachtung zum "Fall" Wolffsohn -
http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/news_aktuelles/irritationen.htm
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COMPASS
Infodienst für christlich-jüdische und deutsch-israelische Tagesthemen im Web
www.compass-infodienst.de Dienstag, 29. Juni 2004
Viel war gestern über Michael Wolffsohns Vorwurf zu lesen, die an ihm wegen seiner Folteräußerungen vorgetragene Kritik sei antisemitisch motiviert. [Siehe COMPASS 28. Juni 04]. Wolffsohn erhob diese Vorwürfe in einem Vortrag und erneuerte sie in einem Interview mit der WELT. Heute nun hat die FAZ seinen Vortrag mit dem bezeichnenden Titel "J'accuse" online gestellt. Der Link zur Rede in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
http://www.compass-infodienst.de/Compass/compass_04_06_29.htm
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http://www.genfer-initiative.de/gi_kontexte604.htm
http://www.genfer-initiative.de/Genfer_Initiative-Kontexte.rtf
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http://www.politikforum.de/forum/archive/6/2004/07/1/67668
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28.6.2004
Zu große Schuhe?
Der Historiker Michael Wolffsohn in den Fußstapfen von Emile Zolas "J'accuse"
Von Wolfgang Stenke
Michael Wolffsohn (Foto: privat)
Wenn ein Kaufmann Umsatz und Einkommen verwechselt, geht er pleite. Wenn ein deutscher Professor sich mit dem französischen Schriftsteller Emile Zola verwechselt, bekommt er eine ganze Zeitungsseite zum Vollschreiben. So geschehen im Falle des Historikers Michael Wolffsohn, der am vergangenen Freitag wie weiland Zola in der Dreyfus-Affäre dem Publikum der Frankfurter Allgemeinen ein zorniges "J'accuse" entgegenschleuderte. Nur vertrat der Ankläger diesmal nicht den Hauptmann Dreyfus als unschuldiges Opfer einer politisierten und antisemitischen Justiz, sondern sich selbst. Er sei, so erklärte der an der Münchner Bundeswehrhochschule lehrende Professor, Gegenstand einer "Hetzjagd" geworden, "einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte". - Zitat: "Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, zum Abschuss frei. Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt." - Was bewog Wolffsohn dazu, sich derart in Positur zu werfen?
In der Talkshow von Sandra Maischberger hatte Wolffsohn Anfang Mai eine steile These gewagt - Zitat: "Als eines der Mittel gegen Terrorismus halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim." Ein klares Wort, gelassen ausgesprochen, das hernach einige Wellen schlug. Sein Dienstherr, Verteidigungsminister Struck, verlangte dem Hochschullehrer anschließend ein paar Erläuterungen ab. Zu dienstrechtlichen Schritten, die den Historiker in seiner Lehrtätigkeit beschränkt hätten, hat dieses Gespräch nicht geführt. Der mittlerweile verstorbene hannoversche Professor Peter Brückner hatte seinerzeit als angeblicher Sympathisant der Roten Armee Fraktion deutlich mehr Probleme - er wurde ganz einfach entlassen. Wolffsohn hingegen erfreut sich nach wie vor aller Rechte, die Art. 5 des Grundgesetzes einräumt: Freiheit der Meinungsäußerung, Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre. Auch die Einlassungen des Freidemokraten Guido Westerwelle, der als geborener Verfechter genuin liberaler Traditionen mal eben Wolffsohns beamtenrechtlichen Kopf forderte, haben daran nichts geändert. Wolffsohn sitzt weiterhin auf seinem Lehrstuhl in der Münchner Bundeswehrhochschule. Dass man ihn wie einst den Hauptmann Dreyfus auf die Teufelsinsel deportiert hätte, davon ist bislang nichts bekannt geworden.
Die von Wolffsohn angepeilte Vergleichsebene ist so klar wie falsch: Er unterstellt seinen Kontrahenten antisemitische Motive, da sein Verweis auf die potentielle Legitimität der Folter darauf abzielt, die fragwürdige Praxis Israels gegenüber palästinensischen Terroristen zu rechtfertigen. Als deutschem Staatsbürger jüdischen Glaubens geht es Ihm darum, das Existenz- und Notwehrrecht des Judenstaates zu untermauern. Nichts als einen Denkanstoß, so legte Wolffsohn am vergangenen Samstag in der "Welt" nach, habe er geben wollen. Und herausgekommen sei eine "Hetzjagd", die sich gegen seine Person richte. "Das hat", so sagte der Historiker der "Welt" im Interview, "natürlich auch mit Antisemitismus zu tun."
So "natürlich" wie Wolffsohn behauptet, ist dieser Zusammenhang nicht. Es gibt etliche, die Israel jedes Recht auf Selbstverteidigung einräumen, aber auch in diesem Kampf die Menschenrechte gewahrt sehen möchten, damit der Staat der Juden nicht zu jenem Zerrbild entartet, das seine radikalen Gegner schon längst von ihm entworfen haben. Nun gut, frei nach Schiller: vom sicheren deutschen Port lässt sich's gemächlich raten. Doch es soll auch israelische Intellektuelle geben, denen die Knochenbrechermentalität der Regierung Scharon zutiefst zuwider ist. Darüber müßte sich unter aufgeklärten Zeitgenossen streiten lassen. Ohne sich wechselseitig unter Verdacht zu stellen. Und die Berufung auf Zola, das hat Wolffsohn wohl vergessen, meint auch die Berufung auf die unverbrüchlichen Prinzipien der europäischen Aufklärung. Daran darf es auch unter der Bedrohung durch islamische Terroristen keine Abstriche geben - jedenfalls dann, wenn das, was wir verteidigen wollen, auch verteidigenswert bleiben soll. Ansonsten aber lahmt der Vergleich mit dem Streit um Dreyfus auf allen Beinen: Könnte es sein, dass der Historiker Michael Wolffsohn sich da im Kostümverleih eine etwas zu weite Verkleidung ausgeborgt hat? Es wäre sicherlich ein Akt der Größe, wenn Professor Wolffsohn zugeben könnte, dass er sich ganz einfach auf dem Medienparcours vergaloppiert hat. Also zurück vom angemaßten und falsch verstandenen "J'accuse" - und hin zum methodischen Zweifel des René Descartes.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/281162/
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"Meschuggene unters Kopftuch"
http://www.israel-shalom.net
ISRAEL SHALOM -NEWS
Jerusalem, den 07 07 2004
2) Zola hätte geschmunzelt
Notwehr ja, Folter nein: Warum Michael Wolffsohn kein Recht hat, die Öffentlichkeit anzuklagen
Von Rafael Seligmann
Michael Wolffsohn fühlt sich verfolgt. Das angebliche Klima der Nachstellung, der er sich ausgesetzt sieht, kommt den Historiker besonders hart an. Die Hexenjagd gegen seine Person erklärt sich Wolffsohn mit seinem jüdischen Glauben. Er habe sich Gedanken über die Terrorbekämpfung gemacht. Weil er als Jude die Folter nicht rundweg abgelehnt habe, sei er das Opfer einer gezielten Hatz geworden. So sehr schmerzen Wolffsohn die vermeintlich antisemitischen Attacken, dass er sich ganz im Sinne des französischen Humanisten Emile Zola mit einem Brandbrief, „J'accuse! – Ich klage an!“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ an die Öffentlichkeit wendet.
Hat Michael Wolffsohn Recht? Der Geschichtswissenschaftler hatte am 5. Mai in der Talksendung „Maischberger“ erklärt: „Als eines der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim.“ Und: „Wenn wir da mit Gentleman-Methoden versuchen, den Terror zu kontern, werden wir scheitern.“ Als diese Äußerung umgehend auf Kritik stieß, bedauerte Wolffsohn zwei Tage später auf seiner Homepage, dass es ihm „offenbar nicht gelungen“ sei, seine „wissenschaftlich-theoretischen Überlegungen klar genug von den tagespolitischen Ereignissen und Bildern aus dem Irak und Guantanamo zu trennen, meine grundsätzliche und moralische Verurteilung sadistischer Racheakte und Folterungen … zweifelsfrei zu verdeutlichen.“ Später ergänzte Wolffsohn, Folter sei „illegal, illegal, illegal".
Wir leben in einer Demokratie und genießen Meinungsfreiheit. Jede Privatperson und jeder Wissenschaftler darf theoretische Überlegungen anzustellen. Selbst über Krieg und Folter. Michael Wolffsohn ebenso wie alle anderen.
Niemand bestreitet Wolffsohn das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Manche Kritiker beanstandeten jedoch, dass ein Professor einer Bundeswehrhochschule, an der Soldaten studieren, die später als Offiziere mit einem Kriegseinsatz zu rechnen haben, sich im Fernsehen Gedanken über die Legitimität und den Einsatz von Folter im Ernstfall macht. Man mag darüber streiten, ob Wolffsohn hier klug gehandelt hat. Im Unrecht war er nicht.
Kritik verdient Wolffsohn jedoch für seinen Anklage-Artikel in der „FAZ". Erinnern wir uns. Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus war 1894 mit Hilfe gefälschter Dokumente von der französischen Militärjustiz wegen Spionage für Deutschland zur lebenslänglichen Zwangshaft auf der Teufelsinsel bei Cayenne verurteilt worden. Bei der öffentlichen Degradierung hatte der Pariser Mob den Tod „des Juden“ gefordert. Obgleich bald deutlich wurde, dass Dreyfus unschuldig war, blieb er in Haft. Diese Ungerechtigkeit bewog Emile Zola 1898 zu seiner öffentlichen Anklage.
Zurück zur Gegenwart. Gegen Michael Wolffsohn wurde auf Grund seiner Folter-Stellungnahme keine Klage erhoben. Er wurde nicht verurteilt. Weder der Mob noch die Presse oder sonst wer forderte, dass ihm Schaden aufgrund seines Judentums entstünde. Die Meinung, Wolffsohn sei für sein Lehramt ungeeignet, hat mit Antisemitismus nichts zu tun. In seinem „FAZ“-Artikel geht Wolffsohn weiter. Er meint, die Juden hätten aus ihrer Geschichte die bittere Lehre ziehen müssen, sich vernichtungswilliger Angreifer gewaltsam zu erwehren. Dazu bedurfte es nicht der Nazi-Lektion. Der jüdische Glaube legitimiert die Notwehr. Im Talmud heißt es: „Wenn sich einer aufmacht, dich zu töten, erwehre dich seiner.“
An keiner Stelle der Bibel, des Talmud oder einer anderen verbindlichen religiösen Schrift aber wird die Folter gerechtfertigt. Denn menschliches Leben ist Gottes Werk und Ebenbild, es ist als solches heilig. Michael Wolffsohn mag wie viele andere Überlegungen über den Kampf gegen den Terror anstellen. Der jüdische Glaube aber taugt nicht als Vehikel, das Quälen von Menschen zu begründen.
Zweifellos gibt es in Deutschland heute wie anderswo Antisemitismus. Es hilft jedoch weder Michael Wolffsohn noch anderen, Kritik, und sei sie auch noch so verletzend und persönlich, als Antisemitismus abzutun. Emile Zola hätte über den gekränkten Wolffsohn wohl geschmunzelt.
Der Autor, 1947 in Tel Aviv geboren, lebt als Schriftsteller in Berlin. Im Frühjahr hat er bei Ullstein den Band „Hitler – Die Deutschen und ihr Führer“ veröffentlicht.
http://www.newsletterboy.de/newsletterboy_archiv_ausgabe.php?news_id=33373&id=10569
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/26.06.2004/1209336.asp#art
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01.07.04
Nach der ausufernden Kritik an dem Historiker Prof. Michael Wolffsohn
Kritik an seinen Äußerungen über die Anwendung von Folter in Ausnahmesituationen könne "nur dem Juden gegolten haben."
Mehr dazu im nachfolgenden Link.
Link:
Wolffsohn übt scharfe Kritik an seinen Kritikern
J'accuse!
01.07.04
Zum 100. Todestag Theodor Herzls
Link:
Leben und Werk eines Visionärs
"Herzl war kein origineller Visionär"
Israels geistiger Vater stirbt
Wenn ihr wollt ist es kein Märchen
"Machet keine Dummheiten, während ich todt bin"
Theodor Herzl - Visionen und Wirklichkeiten
Wenn ihr wollt, wird es kein Albtraum
Dann eben nach Palästina
Veranstaltungshinweis in München 5.Juli 2004
http://www.jerusalem-schalom.de/seite23.htm
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Wolffsohn übt scharfe Kritik an seinen Kritikern 25. Jun 12:57
Der Historiker Michael Wolffsohn meint, Ton und Ausmaß der Kritik an seinen
Äußerungen über die Anwendung der Folter in extremen Situationen könne «nur dem
Juden gegolten haben».
http://www.netzeitung.de/deutschland/292828.html
Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar 26. Jun 08:26
FDP-Chef Westerwelle hat Äußerungen des Historikers Wolffsohn über die von ihm
ausgelöste Folterdebatte scharf kritisiert.
Als Professor an der Bundeswehr-Universität sei er nicht mehr tragbar.
http://www.netzeitung.de/deutschland/292953.html
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Kommentar
Unter den Guten sind wir die Besten Kurt Otterbacher
http://www.glanzundelend.de/2004/06/saftlaeden.htm
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Ludwig Watzal
Ein Dreyfus in der Bundeswehr
KOMMENTAR 2 Michael Wolffsohn klagt an
http://www.freitag.de/2004/29/04290203.php
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Antisemitismus-Vorwurf
http://forum.freenet.de/app/forum_post_list.jsp?forum=nachrichten&cID=221&tID=109079&PID=-1
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ANTISEMITISMUSDEBATTEN IM FDP FORUM
Autor: Tuotrams Datum: 30.06.04 09:50
28.6.2004 Zu große Schuhe?
Der Historiker Michael Wolffsohn in den Fußstapfen von Emile Zolas "J'accuse"
Von Wolfgang Stenke
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24151&t=24116
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24218&t=24116
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24212&t=24116
Das Liberale Tagebuch
Bernardo Trier, FDP Köln, Judenpfad 55, 50996 Köln
http://www.dr-trier.de/aktuell/Niemals_Folter/niemals_folter.html
Westerwelle: Wer Folter legitimiert, darf junge Soldaten nicht ausbilden
http://www.liberale.de/portal/index.phtml?page_id=5802&id=2970
Westerwelle oder wo der Spaß aufhört
http://www.wams.de/data/2004/06/27/297362.html
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unsere zeit - Zeitung der DKP 2. Juli 2004 Innenpolitik Klaus Wagener
Ein bisschen Folter "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet"
http://www.dkp-online.de/uz/3627/s0602.htm
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"Für mich ist eine Welt zusammengebrochen"
Michael Wolffsohn sieht sich als Opfer einer beispiellosen Regierungskampagne - An seinen Thesen zur Folter hält er unbeirrt fest
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=1
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=2
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=3
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=4
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Jüdische Gemeinde Düsseldorf
Von Böcken, Gärtnern und Friedensstiftern
Ist Bush gefährlicher als Saddam? Der Historiker Michael Wolffsohn über die Kritik an Amerika
(RP vom 20. Februar 2003) Rheinische Post
http://www.jgdus.de/04_2003.htm
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Der "deutsch-jüdische Patriot und Historiker Michael Wolffsohn gibt sich gerne national. Sein Prinzip vorauseilende Anpassung.
Ein Essay von H.M.Broder über den "Vorzeigejuden der deutschen Rechtsradikalen"(Ignatz Bubis), "der letzte Stahlhelmjude", "Flakhelfer der Reaktion":
Diener vieler Herren
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr48.htm
Der Judenreferent
Wenn die Deutschen einen brauchen, der ihnen Schuldgefühle ausredet oder ihnen versichert, daß hinter Nazis eigentlich Kommunisten stecken, dann nehmen sie gern den Professor Michael Wolffsohn
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr73.htm
Argumente gegen rechts
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr.htm
(Taz 19.12.95) Die Protokolle der Weisen von Wandlitz
Rote Nazis und jüdische Verräter: Michael Wolffsohn, der deutsch-jüdische Professor fürs Grobe, hat ein diffamierendes Buch über die Juden in der DDR geschrieben. Er müßte aus dem Historikerverband raus, meint Michal Bodemann
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr195.htm
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RECHTE
Der nächste, bitte!
Die Political-Correctness-Ärsche haben wieder ein Opfer gefunden - die nächste Hexenjagd kann beginnen. Das öffentliche Bekreuzigen ist schon in vollem Gange. Diesmal allerdings wird es nicht ganz so einfach werden, das ausgekungelte Opfer zum Scheiterhaufen zu führen.
www.janklaas.de/weblog.php?artikel=116
www.janklaas.de/weblog.php?artikel=116&komment=192
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Wir sind ein ARBEITSKREIS KONSERVATIVER CHRISTEN
ohne parteiliche und klerikale Anbindung
Wir streiten gegen Atheismus, Totalitarismus, Faschismus, Meinungs- und Deutungsdiktatur
Unser Arbeitsprogramm lautet:
EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT FÜR DAS DEUTSCHE VATERLAND
Der ‘Fall’ Hohmann ist der “Fall Bundesrepublik Deutschland”!
Es ist der “FALL” unserer Demokratie, unseres Rechtes, unseres Anstandes.
Martin Hohmann
hatte in seiner umstrittenen Rede festgestellt:
Die braunen und roten Verbrecher waren Atheisten!
Für diese Aussage wurde ihm von einem internen Gericht der
CHRISTLICH (?) DEMOKRATISCHEN (?) PARTEI DEUTSCHLANDS die MITGLIEDSCHAFT entzogen.
Mit diesem Urteil wird das gesamte moralisch-ethische Magnetfeld, die christliche Kultur
unserer Republik auf den Kopf gestellt!
Auch diejenigen, die Hohmann politisch liquidieren, haben sich von Gott abgewandt !
www.a-k-c.de/THEMEN-UBERSICHT/body_themen-ubersicht.html
Abschrift Neues Deutschland 12.07 2004
Wer austeilt, muss auch einstecken können
Evelyn Hecht-Galinski zu Affäre um den Bundeswehr-Historiker Michael Wolffsohn
Evelyn Hecht Galinski ist die Tochter von Heinz Galinski, dem verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen jüdischen Glaubens hält sie Dr. Michael Wolffsohn für gefährlich und fordert seine Entlassung. Wolffsohn, Historiker an der Bundeswehr-Universität München verteidigt konsequent Israels Okkupationspolitik. Er hatte jüngst einen Skandal verursacht, als er im TV-Interview Folter als Mittel gegen Terrorismus nicht ablehnte. Mit Evelyn Hecht-Galinski sprach Jochen Bülow.
●Was ist aus Ihrer Sicht das Perfide an den Äußerungen von Dr. Michael Wolffsohn?
Wolffsohn versteht sich als „deutsch-jüdischer Patriot“, ich halte ihn eher für einen „deutsch-jüdischen Psychopathen“ oder eine „Stahlhelm-Juden“. Er bringt Deutsche und Juden in einen Gegensatz, der keiner ist – oder sind Juden keine Deutschen? Der Gegensatz besteht zwischen denen, die das Völkerrecht und die Menschenrechte achten und denen, die das nicht tun. Ob ein Jude oder ein Deutscher Folter rechtfertigt, ist nicht das Entscheidende.
●Sie sind bekannt für Ihren israelkritischen Standpunkt…
Israel verfolgt eine Politik der Landannektierung und Siedlungspolitik, der Landwirtschafts- vernichtung, der Präventivmorde und der Folter. Das ist Staatsterror. Mit seiner grundsätzlich pro-israelischen Haltung zu dieser Regierungspolitik ist es Wolffsohn schon schwer abzunehmen, dass er für ein öffentliches Amt geeignet ist. Besonders schlimm ist auch, dass beispielsweise Paul Spiegel ihm dabei zur Seite steht. All das hat aber nichts mit Religion zu tun. Wenn Wolffsohn in der FAZ behauptet, man habe „den Juden treffen wollen“ und sich mit Dreyfuss und Zola vergleicht, dann ist das eine unverschämte Selbstüberschätzung. Wer austeilt, muß auch einstecken können.
●Sehen Sie in der Kritik an Wolffsohn keinen Antisemitismus?
Überhaupt nicht. Der Mann schlägt regelmäßig um sich und wenn die Reaktion erfolgt, versteckt er sich hinter seinem Judentum. Er zitiert Tote oder Personen der Zeitgeschichte, die sich nicht mehr wehren können. Das alles hat mit der von ihm vorgeschützten Wissenschaftsfreiheit rein gar nichts zu tun.
●Hätten Sie erwartet, daß der Verteidigungsminister Struck Wolffsohn entläßt?
Wolffsohn unterrichtet deutsche und ausländischen Soldaten an der Bundeswehrhochschule. Demnächst sollen dort auch irakische Offiziere lernen, dass eine Armee kein Mittel zur Bekämpfung der eigenen Bevölkerung sein darf. Diese jungen Leute haben einen Lehrer, der Folter legitimiert und seinen Dienstherrn, den Verteidigungsminister, auf der Nase herum tanzt. Das kann ja wohl kaum Sinn der Sache sein.
●Aber er hat seine Äußerungen doch bedauert.
Wissen Sie, der Mann ist einbestellt worden und nennt das „Einladung“ – gehen Sie zu einer Einladung mit Ihrem Anwalt? Er hat versichert, dass er seine Thesen nicht wiederholen wird – und vom Bedauern bis zur Anklage in der FAZ dauerte es einen Monat. Er macht sich über seinen Dienstherrn lustig und wiederholt trotz Verbot seine Äußerungen in noch schlimmerer Form. Ich frage mich, wie lange Struck noch warten will – denn wer Wolffsohns Schriften kennt, weiß, dass der Mann ein Überzeugungstäter ist. Schon mein Vater hat Wolffsohn für „gefährlicher als Skinheads“ gehalten – und dem kann ich mich nur anschließen.
- selbst durch das NEUE DEUTSCHLAND nicht
www.a-k-c.de/MEINUNGSFREIHEIT/abschrifmeinungsfreiheit.html
Ein neues Misstrauen prägt die deutsch-jüdischen Debatten der vergangenen Wochen
Von Jörg Lau
http://www.zeit.de/2004/29/Wolfsohn
http://zeus.zeit.de/text/2004/29/Wolfsohn xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Folterdebatte J'accuse! Von Professor Dr. Michael Wolffsohn
http://www.wolffsohn.de/
http://www.wolffsohn.de/MW/mw.html 28. Juni 2004 Nie wieder Täter - ein deutsches Credo. Nie wieder Opfer - so lautet die Lehre der Juden aus der Geschichte. Man ist damit so weit auseinander wie je. Auch heute gilt: Die Juden können, selbst wenn sie es wollten, dem Jüdisch-Sein nicht entfliehen - denn die anderen lassen sie nicht. Herzls Einsicht spiegelt sich in der aktuellen Debatte über Israels Sicherheitspolitik und über das Für der Folter wider. Eine analytische und persönliche Rückschau.
Es war einmal ein total assimilierter Jude, der 1860 in Budapest geboren wurde, erstmals 1897 keinen Weihnachtsbaum aufstellte, sondern Kerzen des neunarmigen Chanukka-Leuchters anzündete, deutsch-österreichischer Patriot war und Zionist wurde - der Zionist: Theodor Herzl. Seines hundertsten Todestages gedenken wir in diesen Tagen.
Es war einmal ein 1947 in Israel geborener deutsch-jüdischer Patriot, der trotzdem Zionist im Sinne fester Israel-Verbundenheit war und es in jüngster Zeit noch mehr wurde: ich. Nicht aus Unbescheidenheit sei hier von mir die Rede. Meine persönlichen Erfahrungen der jüngsten Zeit verdeutlichen, wie mir scheint, die Gegenwärtigkeit und Wirksamkeit Herzls.
"Wir sind ein Volk, ein Volk." In der Einleitung seines 1896 erschienenen Klassikers "Der Judenstaat" finden wir diesen zeitlos gültigen Satz. Nicht alle Juden haben die gleiche Staatsbürgerschaft, und nur etwa ein Drittel aller Juden lebt heute im "Judenstaat" Israel. Dennoch: "Wir sind ein Volk, ein Volk." Was immer "es" ausmacht: Religion, Tradition, Geschichte, Verfolgung, Verbundenheit, großfamiliäre "Blutsbande", Alltagsgemeinschaft - unser Wir-Gefühl ist ebenso unbestreitbar wie die hieraus abgeleitete Wir-Ihr-Abgrenzung. Ob religiös oder nicht, zionistisch oder nicht, jüdisch engagiert, distanziert oder indifferent - wir sind und bleiben Juden, ob wir es wollen oder nicht.
Beispiele aus der Gegenwart: Wohlwollende deutsche Nichtjuden - und die meisten deutschen Nichtjuden sind heute durchaus wohlwollend - sagen, wie wir in Deutschland lebende Juden (oder deutsche Juden oder jüdische Deutsche oder, oder, oder), über den jeweiligen Bundeskanzler: "Das ist unser Kanzler." Zugleich aber sagen sie uns Juden: "euer Ministerpräsident Scharon" oder "euer Präsident Katzav".
Fluchtweg abgeschnitten
Die meisten wohlwollenden Nichtjuden betrachten uns gerne als Deutsche, doch Israel nennen viele von ihnen "eure Heimat", und die vermeintlich allmächtige "US-jüdische Lobby" ist auch in den Augen der Wohlwollenden "eure Lobby", die (so die Wahrnehmung) die Politik von Bush und Scharon vorbehaltlos unterstützt. Schon diese Beispiele zeigen: Auch heute ist für Juden jeglicher jüdischer Färbung und nationalstaatlich kultureller Prägung eine Flucht aus der nationaljüdisch-weltjüdisch-israelischen Gemengelage unmöglich.
Zunächst wollte auch Herzl dem Jüdisch-Sein entfliehen, sogar Massentaufen von Juden im Wiener Stephansdom hatte er als "Lösung der Judenfrage" zunächst vorgeschlagen. Bald erkannte er die Aussichts- und Ausweglosigkeit jeglicher Flucht oder Assimilation - Assimilation als nicht nur äußerliche, sondern auch verinnerlichte Totaldistanzierung von Juden und Judentum. Das assimilierte deutsche und westeuropäische Judentum erlitt diese Erfahrung im Holocaust.
Abgesehen von der Unmöglichkeit einer Flucht - sie wäre töricht. Weshalb sollten wir Juden freiwillig auf eine der Hochkulturen dieser Welt verzichten: auf unsere? Weshalb sollten wir Juden auf unsere Religion zugunsten des Christentums oder des Islams verzichten, die beide auf dem Judentum basieren? Weshalb sollten wir Juden in die Welt des Abendlands fliehen, die entscheidend jüdisch geprägt ist, auch wenn sie es nicht mehr weiß?
Ein Volk, ein Volk
Die anderen Völker, auch das deutsche Volk (das sich, politisch korrektelnd, lieber als "Deutsche Bevölkerung" bezeichnet), auch das "Deutsche Volk" ist heute mehr oder weniger bereit, uns zu akzeptieren und zu integrieren. Aber dennoch bleiben wir für Deutsche und andere Nichtjuden "die Juden", also doch Die-irgendwie-Anderen. Und wir selbst? Auch wir, seien wir noch so "deutsch" oder "englisch" oder "amerikanisch" oder "französisch", auch wir verstehen uns nicht zuletzt als Juden, als "Juden in Deutschland" oder "deutsche Juden" oder "deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens".
Unser Irgendwie-Anderssein wollen wir selbst nicht ablegen, selbst wenn es die anderen zuließen. Doch sie lassen es nicht zu, auch unsere besten Freunde nicht, die wirklichen ebenso wie die vermeintlichen Freunde. Wir sind wie die anderen und sind doch anders. Wir wollen das, und die wollen das.
Fazit: 1896 war Herzls Satz "Wir sind ein Volk, ein Volk" gerade innerjüdisch höchst umstritten. Die Geschichte hat Herzl recht gegeben, und deshalb gilt dieser Grundsatz Herzls für uns Juden der Diaspora ebenso wie für die Juden Israels.
Für sein Volk, unser Volk, wollte Herzl ein Land. Nicht irgendein Land, sondern Eretz Israel, das Land Israel. Herzl dachte auch an Argentinien, später an den Raum um El-Arisch auf der Sinai-Halbinsel, dann auch an Uganda, weshalb manche von Herzls innerzionistischen Kritikern seine Gegner und teilweise sogar Feinde wurden. Dennoch: Uganda und alle anderen Regionen waren taktische Varianten und nicht das strategische Ziel. Strategisches Ziel blieb Eretz Israel.
Volk und Land waren also die zentralen Kategorien der Herzlschen Gedanken und Taten. Damals wurde Herzl auch innerjüdisch dafür und deswegen bekämpft, heute sind Volk und Land Israel für den Großteil der jüdischen Gemeinschaft außerhalb und innerhalb Israels von geradezu axiomatischer Zentralität. Sie bilden die Grundlage des jüdischen heutigen Seins und Bewußtseins; auch für die Diasporajuden, die nicht in Israel leben wollen, es jedoch als Lebensversicherung betrachten und dafür ihren materiellen oder ideellen oder materiellen und ideellen Beitrag leisten. Sie wollen ihn leisten, weil allein diese Grundlage ihnen existentielle Sicherheit als Juden gibt, sowohl ideell als auch materiell. Herzl lebt, weil sich seine Sichtweise der jüdischen Welt in der jüdischen Welt und durch die Weltgeschichte durchgesetzt hat.
Für Franz Rosenzweig, neben Martin Buber der wohl bedeutendste jüdische Religionsphilosoph des 20. Jahrhunderts, war (in seinem Schlüsselwerk "Der Stern der Erlösung", Erstausgabe 1921) jüdisches Sein und Überleben nicht vom Land abhängig, sondern vom Zusammenhalt des Volkes. Die Begriffe des großen Menschenfreundes Rosenzweig klingen heute für Unwissende wie Vokabeln aus dem Wörterbuch nationalsozialistischer Unmenschen. Das ist ganz und gar falsch, erklärt aber auf einen Schlag, daß und weshalb der Abgrund zwischen Juden und Nichtjuden "nach Auschwitz" und trotz Auschwitz auch unter wechselseitig wohlgemeinten Vorzeichen groß ist.
„Ewigkeit der Blutgemeinschaft“
Rosenzweig: "Nur das Blut gibt der Hoffnung auf die Zukunft eine Gewähr in der Gegenwart. Jede andre, jede nicht blutmäßig sich fortpflanzende Gemeinschaft kann, wenn sie ihr Wir für die Ewigkeit festsetzen will, es nur so tun, daß sie ihm einen Platz in der Zukunft sichert; alle blutlose Ewigkeit gründet sich auf den Willen und die Hoffnung." Allein die "Blutgemeinschaft", also das Volk als blutsverwandte, biologisch nationale Gemeinschaft, so Rosenzweig, gewähre "Ewigkeit".
Der Philosoph weiter: Eine solche "Blutsgemeinschaft" brauche "den Geist nicht zu bemühen; in der natürlichen Fortpflanzung des Leibes hat sie die Gewähr ihrer Ewigkeit". Blut ohne Geist, Blut statt Geist, also jüdisches Dasein rein biologisch und ohne inhaltliches Sein? Sollte Rosenzweig das wirklich gemeint haben? Nur so viel: Das allein wäre an inhaltlich Jüdischem zu wenig, weil biologistisch. Bei der Person Rosenzweig fehlten diese Inhalte gewiß nicht, für das jüdische Kollektiv reicht die "Stimme des Blutes" nicht. Sie formuliert keine Inhalte und wirkt deshalb blutleer.
Für heutige Köpfe und Herzen, jüdisch oder nicht, sind solche ums Blut kreisenden Worte und Gedanken eine Ungeheuerlichkeit, sie klingen nach "Blut und Boden", also nach Nationalsozialismus. Irrtum! Erstens meint Rosenzweig mit "Blut" nichts anderes als den Umstand, daß wir Juden mehr als nur gedanklich eine Art Großfamilie sind. Wenn und wo "Blut" verbindet, ist man miteinander verwandt, und weil verwandt, auch miteinander verbunden, ob man will oder nicht. Zweitens meint Rosenzweig nicht "Blut und Boden". Ganz im Gegenteil. Er meint, daß die Verwandtschaft der Juden auch ohne Boden, ohne Land, Verwandtschaft bleibt. Für die anderen "Völker der Welt" gelte, so Rosenzweig wörtlich: "Am Boden und seiner Herrschaft, dem Gebiet, klammert sich ihr Wille zur Ewigkeit fest. Um die Erde der Heimat fließt das Blut ihrer Söhne; denn sie trauen nicht der Gemeinschaft des Bluts, die nicht verankert wäre in dem festen Grund der Erde." Anders die Juden, nach Rosenzweig: "Wir allein vertrauen dem Blut und ließen das Land."
„Ohne jüdisches Land kein jüdisches Volk“
Und das Land Israel, Eretz Israel? Rosenzweig antwortet: Es sei "im tiefsten Sinn" nur als "Land der Sehnsucht", als - "heiliges Land" zu verstehen. Und wenn Juden im Heiligen Land leben, so sei es doch Gottes Land, das dem "unbefangenen Zugriff" aller Menschen einschließlich der Juden verwehrt bleibe. Das alles ist klarer, als es klingt. Rosenzweig wollte folgendes sagen: Wir Juden sind eine große Familie, "wir Juden sind ein Volk, ein Volk", doch wir brauchen kein Land, um Juden zu sein, zu bleiben, zu überleben.
Nein, hatte Herzl früher gesagt und bis heute nicht nur wegen des Holocaust recht behalten: Ohne jüdisches Land kein jüdisches Volk, kein jüdisches Überleben, weil ohne jüdisches Land jüdisches Blut ungehindert, unbehindert, ungesühnt und ungestraft vergossen wird.
Schon vor dem millionenfachen Judenmord hat Herzl "Nie wieder!" gesagt. Nie wieder Opfer! Die meisten Juden haben seit 1896, seit dem Erscheinen von Herzls "Judenstaat", trotz Franz Rosenzweig und "nach Auschwitz" aus der Geschichte eines gelernt: Nur als Volk und mit Land für unser Volk können wir als Juden überleben, in Israel und in der Diaspora. Noch einmal: "Der Judenstaat", Israel, ist unsere Lebensversicherung. Herzl sei Dank. Vor allem deshalb gilt: Herzl lebt. Er lebt in uns, und er lebte für uns.
Die Gewaltkomponente
"Die Notlage der Juden wird niemand leugnen." So beginnt das Kapitel "Die Judenfrage" in Herzls "Judenstaat", eines Buches, das in einer Zeit wilder und brutaler Judenverfolgungen und -diskriminierungen entstand. Diese Antisemitismen waren auch zu Herzls Zeit nicht auf Österreich, Deutschland, Rumänien, Rußland und Frankreich begrenzt, wo Herzl 1894/95 den Prozeß gegen Alfred Dreyfus miterlebte und miterlitt. "Man wird uns nicht in Ruhe lassen", so Herzl im "Judenstaat". Die Not war damals groß, sie wurde von 1933 bis 1945 unendlich größer. Doch selbst "durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu vertilgen", hatte Herzl in der Einleitung des Judenstaates vorhergesagt. Vor seinem Kampf hätte es Hitler lesen sollen. Er hätte uns Juden, den Deutschen, der Welt, auch sich selbst Höllisches erspart.
Schon vor der Schoa hatte Herzl, ebenfalls in seinem prophetischen und (anders als "Altneuland") auch heute gut lesbaren Buch "Der Judenstaat", geschrieben: "Die lange Verfolgung hat unsere Nerven überreizt." Nach Auschwitz sind unsere Nerven, auch die Nerven der jüdischen Nach-Holocaust-Generationen, "überreizt", in Israel und in der Diaspora. Deshalb haben die meisten heutigen Juden Herzls "Nie wieder!", das er allein politisch und diplomatisch und somit gewaltlos sichern wollte, um die militärische Komponente erweitert.
Sie haben Herzl nicht verändert, sondern dem Fortgang der inzwischen noch mehr blutgetränkten jüdischen und israelischen Geschichte angepaßt. Der neujüdische Konsens billigt daher die Gewaltkomponente nicht nur reaktiv, sondern notfalls auch präventiv, also vorwegnehmend. Für den politischen Zweck unseres Überlebens, in Notwehr, befürworten wir die Androhung und notfalls, notfalls, notfalls die Anwendung von Gewalt, also auch Krieg. Und die Gewalt des Terrors beantworten wir mit Gegengewalt, was wir für legitim halten; legitim, also "gerechtfertigt" beziehungsweise "vertretbar oder "befürwortbar".
Was legitim beziehungsweise vertretbar ist, ist denkbar, muß oder darf aber nicht unbedingt machbar oder erlaubt sein. Anders formuliert: Was legitim ist, ist weder automatisch legal, also Rechtens und dem geltenen Recht entsprechend. Und was eine Gesellschaft oder ein Staat möglicherweise rechtfertigt, ist noch lange kein geltendes Recht. Das ist vereinfacht, der neujüdische, Nach-Herzlsche Konsens, die Mehrheitsmeinung.
Dieser heutigen jüdischen Mehrheitsmeinung widerspricht die gegenwärtige Mehrheitsmeinung der Nichtjuden fundamental, besonders in Deutschland. Ich habe das während der zurückliegenden Wochen hautnah und geradezu unter die Haut gehend erfahren müssen, nachdem ich im Zusammenhang mit der Bekämpfung des internationalen Terrors jene neujüdische Mehrheitsmeinung zumindest zu bedenken gab.
„Die Deutschen" verstehn unsere jüdische Welt nicht mehr“
"Die Deutschen", jawohl, die meisten Deutschen, also "die" Deutschen, sagen nach dem Holocaust auch "Nie wieder!". Doch sie meinen: "Nie wieder Täter!". Deshalb lehnen sie Gewalt als Mittel der Politik kategorisch ab. Das ist ebenso verständlich wie sympathisch und bringt sie uns näher. Meinen sie, hoffen sie. Das Gegenteil ist der Fall.
Wie die Deutschen aus ihrer Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein. Wieder, doch unter ganz anderen Vorzeichen, verstehen "die Deutschen" unsere jüdische Welt nicht mehr - und wir nicht die Welt der Deutschen. Jede Seite hat aus ihrer Geschichte die Schlußfolgerungen gezogen - und wieder sind wir so weit voneinander entfernt wie zuvor, wie zu Herzls Zeiten. Nein, einen neuen Holocaust müssen wir nicht befürchten; Kritik, Entfremdung, Verärgerung, Haß aber durchaus. Sicher ist sicher, und daher ist Israel für uns als Juden sicher, wenngleich nicht als Staat, der nach wie vor existentiell gefährdet ist und tödlich bedroht wird.
Ob Gewalt, nur Volk oder Volk und Land, diese drei Kategorien des Herzlschen sowie des neujüdischen Seins und Bewußtseins entfernen und entfremden uns von den meisten Nichtjuden, besonders in Deutschland. Die meisten nichtjüdischen Deutschen haben nämlich aus derselben Geschichte, doch natürlich aus ganz anderer Perspektive über "Volk und Land" und Gewalt dies gelernt: Volk und Land und Gewalt als zentrale Kategorien garantieren nicht das Überleben, sondern die Vernichtung von Völkern.
Daß wir die Welt anders sehen und fest daran glauben, unser und der Welt Überleben anders als sie zu sichern, empört immer mehr Nichtjuden in der westlichen Welt, besonders in Deutschland. Das ist in ihren Augen bestenfalls verständlich, doch im Kern verwerflich. Noch verwerflicher ist in ihren Augen die Tatsache, daß für Israelis und Diasporajuden die Vereinigten Staaten der einzige verläßliche Partner in unserem Überlebenskampf sind. Ob Truman oder Kennedy, Nixon, Clinton, Bush senior oder Bush junior, amerikanische Präsidenten kommen und gehen, auch die von ihnen gelösten oder verursachten Probleme - unsere unumstößliche Verbundenheit bleibt. Auch deswegen sind wir in einem bestenfalls gaullistischen, schröderisch-fast-wilhelminisch antiamerikanischen Westeuropa mit unserer Weltsicht Fremdkörper.
Haß jenseits analytischer Kritik
Nicht nur Empörung, auch Haß ernten wir dafür. Israel und Scharon gegenüber ist der Haß, jenseits legitimer Kritik, offen, gegenüber deutschen Juden, die Israels Haltung wenigstens analytisch erklären, ist der Haß verdeckt, doch vorhanden. Ich habe es in den vergangenen Wochen erlebt.
Herr Westerwelle nimmt mir übel, daß ich im Jahre 2002 den Juden empfohlen hatte, nicht die FDP zu wählen. Warum? Wegen ihres antijüdischen Neuzugangs Karsli und wegen der antisemitischen Anti-Friedman-Anti-Scharon-Kampagne von Jürgen Möllemann, bei der Westerwelle zunächst bedenklich passiv geblieben war.
Die PDS hat mein Buch "Die Deutschland-Akte" und Forschungsergebnisse meiner Doktoranden nicht vergessen, die erstmals und systematisch die antisemitische Juden- und Israel-Politik der DDR dokumentierten und analysierten.
Die SPD verübelte mir besonders, daß ich öffentlich die Frage gestellt habe, warum die Bundesregierung am Vorabend des Irak-Krieges 2003 trotz gegenteiliger Analysen des Budesnachrichtendienstes so sicher war, Saddam hätte keine Massenvernichtungswaffen. Woher wußte die Bundesregierung mehr als ihr Nachrichtendienst? Oder urteilte sie, möglicherweise nicht einmal falsch, aus dem Bauch heraus, gegen den eigenen BND, den man gegenwärtig für teures Geld von Pullach nach Berlin umziehen läßt?
Ein Jahr nach dem Irak-Krieg hatte ich, Hans Magnus Enzensberger ähnlich (bekanntlich ein Nichtjude), den Waffengang positiv bilanziert: Saddam, der blutrünstige Diktator verjagt; Libyen rüstet atomar, biologisch und chemisch ab; der Iran läßt über nukleare Abrüstung, wie Nordkorea, erstmals mit sich reden.
Daß sich Bundesaußenminister Joseph ("Joschka") Fischer wie sonst kaum jemand in Deutschland für Israel engagiert, weiß ich, schätze ich, schätzen wir Juden. Trotzdem darf, ja muß man auch darauf hinweisen, daß jemand, der vor rund dreißig Jahren auf einen am Boden liegenden Polizisten brutal einschlug, heute als Personifizierung von Recht, Moral und polizeilich staatlicher Bekämpfung rechtsextremistischer und anderer Gewalttäter nicht sonderlich überzeugend ist. Weshalb? Weil die Botschaft an die gegenwärtigen Nazis lautet: heute Gewalttäter, morgen oder übermorgen Bundesminister. Gerade als deutscher Jude darf man auch erwähnen und, wie ich, herausfinden, daß derselbe Joseph Fischer 1969 bei der PLO in Algier Jassir Arafats Vernichtungsaufruf gegen Israel bejubelt hatte und nun, gut und schön, Wiedergutmachung leistet. Unter grünen Vorzeichen kopiert Joseph Fischer den einst braunen Staatssekretär der Adenauer-Ära, Hans Globke: projüdische und proisraelische Politik als Wiedergutmachung des vorangegangenen Kontrastprogramms.
Man hatte also gute Gründe, gegen mich als Ruhestörer, jüdisch oder nicht (wenngleich vor allem jüdisch motiviert), vorzugehen und meinen Kopf zu fordern, meine beamtete Professur einzufordern, also meine und meiner Familie Existenzgrundlage zu zerstören.
Lob und Morddrohungen
Wie befruchtend Juden als Ruhestörer in Deutschland für Deutschland wirkten, wird in der deutschen Wiedergutmachungslitanei stets besungen. Dieses Hohelied wird aber nur toten Juden gesungen. Lebende Ruhestörer, Juden oder Nichtjuden, stören eben und müssen mundtot gemacht werden, gegebenenfalls indem ein oder zwei Sätze manipulativ aus dem Zusammenhang gerissen und der Bevölkerung eingehämmert werden. Eine Hetzjagd begann, und dabei waren die Jäger bereit, sich sogar über Artikel 5 des Grundgesetzes hinwegzusetzen, der die Meinungsfreiheit sowie die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert. Diese gilt für Professoren an Universitäten der Bundeswehr wie für jeden anderen Professor. Für Ewige Nazis und Islamisten war jene letztlich gesetzeswidrige Treibjagd in den erwünschten existentiellen Abgrund eine willkommene Gelegenheit, mich mit Liebesbekundungen einschließlich zahlreicher Morddrohungen und vulgärer Antisemitismen zu beglücken. Die besorgten Sicherheitsorgane kontaktierten mich von sich aus. Sie löffelten pflichtbewußt die Suppe aus, die ihnen pflichtvergessen, gedankenlos, doch gezielt die Spitzen des deutschen Staates aufgetischt hatten.
Anders als zu Herzls Zeiten oder gar im "Dritten Reich" strömte mir aus der nichtjüdischen Bevölkerung trotz und wegen der manipulativen Treibjagd eine große Welle der Sympathie entgegen. Von Bekannten und Unbekannten erhielt ich mehr als tausend Zuschriften, Anrufe, Danksagungen. Umfragen, neue wie ältere, dokumentieren breite Zustimmung in der Bevölkerung. Ich habe, wir Juden haben es heute besser als Herzl. Den neuen Deutschen, dem neuen Deutschland sei dafür Dank.
Aber - und das war bislang einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte: Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, regelrecht zum Abschuß frei. Einen jüdischen Bürger, der 1970, im Anschluß an seinen freiwilligen Wehrdienst in Israel, aus dem "Judenstaat" nach Deutschland zurückkehrte. Dieser jüdische Rückwanderer, der sich mehrfach und öffentlich als deutschjüdischer Patriot bezeichnet hatte, dürfte er sich zudem als deutscher Beamter auf die Fürsorgepflicht seines Dienstherrn, in diesem Falle des Bundesverteidigungsministers, verlassen können? Nichts davon war zu spüren. Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt. Das habe er nicht ahnen können, erklärte mir Bundesverteidigungsminister Struck in unserem Gespräch, zu dem er mich eingeladen und nicht, wie von ihm und den Medien verbreitet, "einbestellt" hatte. Er hätte es wissen müssen, entgegnete ich, weil er als Politiker seine Gesellschaft kennen und steuern müsse. Auch er erhalte ständig Morddrohungen, wiegelte Struck ab.
Nein, Struck und die meisten meiner Kritiker sind keine Antisemiten. Sie meinen es wirklich gut mit uns Juden im allgemeinen und dem "Judenstaat" im besonderen. Peter Struck oder Joschka Fischer sind Freunde Israels und Judenfreunde. Sie organisieren mit oder ohne die OSZE eine Demonstration und Konferenz nach der anderen gegen Antisemitismus, über und für uns Juden. Aber sie verstehen uns und unsere Gefährdung offenbar trotzdem nicht. Sie "wissen nicht, was sie tun".
Angesichts dieses seltsamen, wohlgemeinten, doch wie ein Bumerang wirkenden Schutzes wurde mir klarer denn je: Nur Israel verleiht uns Juden Sicherheit als Juden. Gewiß, in Israel können wir Opfer von Terror und Krieg werden. Aber dort kennt jede Regierung, mit und ohne Scharon, wenigstens die Geister, die uns gefährlich sind und werden können.
Das galt dem Juden
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag bilanzierte die "Folterdebatte" über meine Person und sprach von einer Verleumdungskampagne, die immer deutlicher antisemitische Züge trage. Man kann die bittere Einschätzung Jerzy Montags mühelos belegen: Von der Legitimität der Folter gegen, ich vereinfache, einen Terroristen mit "tickender Bombe" hatte schon der bedeutende deutsche Soziologe Niklas Luhmann 1992 in seiner berühmten "Heidelberger Vorlesung" gesprochen. Die wichtigste Kommentierung des Grundgesetzes ist der sogenannte "Maunz-Dürig-Herzog". In der neuesten Auflage aus dem Jahre 2004 wird sogar Artikel 1 des Grundgesetzes, der unantastbaren Würde des Menschen geltend, für Notsituationen relativiert. Folter als Notwehr wird nicht nur legitimiert, sondern quasi legalisiert. Bundesinnenminister Otto Schily ist sogar bereit, die Todessehnsucht von Terroristen zu erfüllen: Wenn sie den Tod wollten, könnten sie ihn haben.
Die meisten meiner Jäger haben am 18. Juni 2004 (zu Recht und dankenswerterweise) das "Luftsicherheitsgesetz" und das Gesetz zur nächträglichen Sicherungsverwahrung im Bundestag verabschiedet. Das alles betrifft Legalität und geht erheblich weiter als mein Nachdenken über die Legitimität der Folter in Notwehrsituationen. Mein Nachdenken steht in der ethischen Tradition des Abendlands. Ich nenne die Stichworte: Tyrannenmord, Widerstandsrecht (Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz), finaler Rettungsschuß. Gibt es Denkverbote in Deutschland?
Mein Nachdenken wird auch von der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, gestützt. Auch deshalb standen in den vergangenen Wochen zahlreiche in- und ausländische Rabbiner an meiner Seite, auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie weite Teile der diasporajüdischen und israelischjüdischen Gemeinschaft. Erwähnen und danken möchte ich auch zahlreichen christlichen Geistlichen und Theologen, allen voran dem Katholiken Eugen Biser und dem Protestanten Richard Schröder, die meine Gedanken zur Folter bei extremer Notwehr verstanden und auch christlich zu- oder einordnen konnten.
Kaum jemand hat sich über jene Gedanken und Handlungen der erwähnten Nichtjuden aufgeregt. Nur mein Nachdenken löste eine Haupt- und Staatsaktion aus. Warum? Wenn ich nur als Jude und weil Jude jene Kampagne überstehen konnte, wie sehr ernst zu nehmende Persönlichkeiten schrieben, gibt es nur einen Grund: Die Kampagne zielte auf den Juden, einen Juden, der grundsätzlich und eindeutig proisraelisch ist, wenngleich durchaus punktuell Israel-kritisch; einen Juden, der grundsätzlich ein Freund und nur punktuell ein Kritiker der Vereinigten Staaten ist. Jeder Nichtjude konnte unbehelligt Thesen vertreten und sogar Gesetze beschließen die meinen nur nachdenkenden Gedanken entsprachen. Keinem der erwähnten Nichtjuden, der sie vortrug, wurde ein Haar gekrümmt, kein Hahn krähte, die Sache wurde diskutiert, nicht die Person als Person attackiert, ich wurde verfolgt. Das kann nur dem Juden gegolten haben.
Anklage
Mein deutschjüdischer Patriotismus? Über den vergeblichen Patriotismus der Juden in nichtjüdischen Staaten hatte Herzl einleitend im "Judenstaat" geschrieben: "Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwengliche Patrioten . . . vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaft, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrieen."
Für Herzl war die "Judenfrage" weder eine soziale noch religiöse, sondern eine "nationale Frage". Man wird in seine Nation hineingeboren, lateinisch "natus". Die Judenfrage betrifft unser jüdisches Dasein, den Alltag, unser erlebtes Wir-Gefühl. Unser jüdisches Sein, unser lebendiges, selbstbestimmt inhaltliches Wir-Gefühl, werden wir ohne unsere Religion, jüdische Kultur, Philosophie und Tradition nicht ausfüllen, weil die Stimme des Blutes und negative Fremdbestimmung durch Verfolgung substantiell blutleer bleiben.
Mit oder ohne selbstbestimmte jüdische Inhalte: Die Flucht von Juden aus Judentum und jüdischer Gemeinschaft bleibt im jüdischen Dasein, wie Herzl zu Recht sah und sagte, ausgeschlossen, und lebende jüdische Ruhestörer sind auszuschließen, so die Sicht der nichtantisemitischen nichtjüdischen Entscheidungsträger, oder gar abzuschießen, so die ewige Sicht der Ewigen Antisemiten.
Daran hat sich seit Herzl nichts geändert. Das beklagen wir, das beklage ich, und deshalb klage ich an, wie Herzls Zeitgenosse Émile Zola am 13. Januar 1898 im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre. "J'accuse . . . !" Ich klage an.
* Der Verfasser lehrt Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004, Nr. 145 / Seite 6
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Folter-Debatte
Wolffsohn wehrt sich gegen „Hetzjagd"
28. Juni 2004 Der Historiker Michael Wolffsohn erhebt in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schwere Vorwürfe gegen seine Kritiker. Gastbeitrag von Michael Wolffsohn zur Folterdebatte
„Das kann nur dem Juden gegolten haben", äußert Wolffsohn rückblickend auf die öffentliche Verhandlung seiner Äußerungen über die Anwendung von Folter in Extremsituationen.
„Zum Abschuß freigegeben"
Einzelne Sätze seien „manipulativ aus dem Zusammenhang gerissen und der Bevölkerung eingehämmert" worden. Der Hochschullehrer von der Bundeswehr-Universität München machte auch Mitglieder der Bundesregierung für die "Hetzjagd" auf ihn verantwortlich. Unter Bezugnahme auf seine Äußerungen über eine mögliche Angemessenheit der Folter schrieb Wolffsohn: „Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, regelrecht zum Abschuß frei."
Wolffsohn führt unterschiedliche Standpunkte in der Folterdebatte auf unterschiedliche historische Erfahrungen zurück. „Wie die Deutschen aus der Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein."
Westerwelle: „Nicht länger tragbar“
Der FDP-Vorsitzende Westerwelle hat daraufhin Wolffsohn abermals heftig kritisiert. Westerwelle äußerte sich nach der Veröffentlichung des Gastbeitrages von Wolffsohn in der F.A.Z.: „Es bleibt Professor Wolffsohn unbenommen, im Rahmen der Meinungsfreiheit Folter als legitimes Mittel zu bezeichnen, aber als Lehrer junger Soldaten ist er damit nicht länger tragbar."
Wolffsohn hatte mit Blick auf Verteidigungsminister Struck zuvor geäußert, von der „Fürsorgepflicht seines Dienstherrn" sei in der zurückliegenden Debatte nichts zu spüren gewesen. „Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt." Westerwelle sagte dazu: „Es ist für einen Bundesminister nicht akzeptabel, daß einer seiner Beamten die Politik seines Dienstherrn als Ermutigung für Terroristen bezeichnet." Wer Folter zu einem rechtsstaatlichen Mittel machen wolle, werde von der FDP kritisiert und müsse im Interesse des Schutzes der freiheitlich-demokratischen Grundordnung kritisiert werden.
Keine rechtliche Handhabe
Von seiten des Verteidigungsministeriums soll nach Angaben eines Sprechers keine Stellungnahme zu dem Text abgegeben werden. Schon nach der Debatte über die früheren Äußerungen Wolffsohns habe sich ergeben, daß es für das Verteidigungsministerium keine rechtliche Handhabe gegen Wolffsohn gebe.
Zum Internationalen Tag zur Unterstützung von Folteropfern an vergangenen Samstag bekräftigten Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul (SPD) und Menschenrechtspolitiker die strikte Ablehnung von Folter.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb
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Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar
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FAZ:
Briefe an die Herausgeber
Auf dem Kopf
Zum Artikel von Professor Dr. Michael Wolffsohn "J'accuse!" (F.A.Z. vom 25. Juni): Wolffsohn verbindet Herzls Aufruf "Nie wieder!", dem kaum jemand wird widersprechen wollen, mit dem "neujüdischen Konsens", die "Gewaltkomponente ...
25. Juni 2004 Preis 1,50 € Überflüssige Schärfe
V.Z. Westerwelle schießt zurück: Michael Wolffsohn, Professor an der Münchener Bundeswehruniversität, sei dort nicht mehr "tragbar". Damit nimmt der FDP-Vorsitzende die Forderungen nach der Entlassung des Professors wieder auf, die ...
http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E88D8088684864242B0072AD2166E26A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html 25. Juni 2004 Preis 1,50 € Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar
F.A.Z. BERLIN, 25. Juni. Der FDP-Vorsitzende Westerwelle hat Michael Wolffsohn, Professor an der Universität der Bundeswehr in München, heftig kritisiert. Westerwelle äußerte am Freitag: "Es bleibt Professor Wolffsohn unbenommen, ...
17. Juni 2004 Preis 1,50 € Schlägerschatten
In der Folter-Diskussion der Bundesrepublik gab es eine Unbekannte - oder besser, eine Unbenannte: die Innenpolitik Israels. In den Vereinigten Staaten ist sie nun zum Thema geworden.
18. Mai 2004 Preis 1,50 € Das Für der Folter Von Volker Zastrow
Die Aufregung über die "Folter-Fotos" aus dem Gefängnis in Bagdad verdeckt, daß schon seit längerem über das Für und Wider von Folter gesprochen wird - in der westlichen Welt, auch in Deutschland. Da ist der Fall Daschner, des Frankfurter ...
18. Mai 2004 Preis 1,50 € Keine Konsequenzen für Wolffsohn
Gegen den Bundeswehr-Professor, der Folter als legitimes Mittel im Kampf gegen Terroristen bezeichnet hatte, gebe es keine rechtliche Handhabe. Das sagte Verteidigungsminister Peter Struck.
13. Mai 2004 Preis 1,50 € „Folter ist illegal, illegal, illegal"
Kritik am Hochschullehrer nimmt trotz Distanzierungen nicht ab
Auch wenn sich der Münchener Historiker Wolffsohn abermals von seinen Äußerungen zum Thema Folter distanziert hat, gibt es weiter Forderungen, er solle seinen Lehrauftrag an der Universität der Bundeswehr aufgeben.
12. Mai 2004 Preis 1,50 € „Schlimmer als der 11. September"
Der Mißbrauch irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten hat für die Vereinigten Staaten nach Ansicht des Vatikans gravierendere Folgen als die Anschläge im Jahre 2001.
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J´accuse
Nie wieder Täter - ein deutsches Credo.
Von Professor Dr. Michael Wolffsohn
Frankfurter Allgemeine Zeitung
25. Juni 2004
http://deutschland.naya.org.il/J.accuse.php Tage des Terrors, Tage der Folter: Ein neuer Dreyfus?
Michael Wolffsohns öffentliche Verwandlung vom deutschjüdischen Patrioten zum Zionisten
Von Richard Chaim Schneider Süddeutsche Zeitung v. 28.6.04
Der deutsch-jüdische Patriot Michael Wolffsohn ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Er musste feststellen, wie er in seinem symbolträchtig betitelten Aufsatz "J'accuse" in der FAZ schreibt, dass es in Deutschland Antisemiten gibt. Ausgerechnet ihm, dem Juden, der so intensiv um die Gunst der Deutschen buhlte, der sich deutschnationaler gab als so mancher nichtjüdische Deutsche, ausgerechnet ihm musste es jetzt widerfahren, dass ein "antisemitisches Komplott" beinahe seine Existenz ruinierte. Das Komplott: die massive Kritik an seiner theoretischen Befürwortung der Folter als Mittel im Kampf gegen den Terrorismus.
Durfte er solche Äußerungen machen? Ganz ohne Zweifel. Noch ist die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik ein Gut, das auch Michael Wolffsohn für sich in Anspruch nehmen darf. Ist Kritik an seinen Äußerungen erlaubt? Und dürfen seine Gegner laut darüber nachdenken, ob ein Professor der Bundeswehrhochschule nach solchen Äußerungen noch geeignet ist, junge Soldaten auszubilden? Auch dies ist legitim. Doch Wolffsohn sieht nun in den Attacken eine antisemitische Hetze gegen ihn, den Juden. Was dazu führt, dass er, der einstige deutschjüdische Patriot, schlagartig wieder zum glühenden Zionisten wird. Im reifsten Mannesalter begreift Wolffsohn nun, dass nur ein jüdischer Staat und jüdische Wehrhaftigkeit ihm das Überleben in Deutschland garantiert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Einsicht und willkommen in der Realität, möchte man Wolffsohn ironisch entgegenrufen. Der Mann, der sich in der Vergangenheit nicht scheute, zusammen mit ultrarechten deutschtümelnden Geistern in einem gemeinsamen Buch zu veröffentlichen, stellt auf einmal fest, dass es in Deutschland Antisemiten gibt. Diese Erkenntnis hat er jetzt endlich mit allen Juden gemein, auch wenn sie einen deutschen Patrioten sicherlich mehr schmerzen muss als uns Juden mit deutschem Pass, die wir noch nie so ganz sicher waren, dass uns die Deutschen lieben.
Unerträglich an Wolffsohns "J'accuse " ist allerdings nicht seine Verschwörungstheorie. Es besteht kein Zweifel, dass viele Kritiker von Wolffsohns Befürwortung der Folter auch von antisemitischen Gefühlen geleitet sind. Nur: Was ist so neu daran in Deutschland? Wer von uns Juden, die sich öffentlich äußern, hat noch nicht antisemitische Reaktionen erleben müssen? Nein, unerträglicher als Wolffsohns Paranoia ist die Hybris seines Artikels, in dem er sich obendrein zum Sprecher aller Juden macht - die Hybris, sich zu Albert Dreyfus und Emile Zola in Personalunion zu stilisieren.
Zur Erinnerung: Der Jude Albert Dreyfus, Hauptmann der französischen Armee, wurde 1894 mit Hilfe gefälschter Dokumente wegen Spionage zu lebenslänglicher Haft auf der Teufelsinsel verurteilt. Bei seiner öffentlichen Degradierung hatte der Pöbel den Tod "des Juden" gefordert. Obgleich sich herausstellte, dass Dreyfus unschuldig war, blieb er in Haft. Gegen den Antisemitismus seiner Zeit erhob Emile Zola mit seinem Artikel "J'accuse" Anklage. Ist Wolffsohn Zola? Als Ankläger in eigener Sache ist diese Identifizierung geradezu peinlich. Ist Wolffsohn ein neuer Dreyfus? Nun, weder wurde er auf die Teufelsinsel verfrachtet, noch musste er seinen Lehrstuhl an der Bundeswehrhochschule aufgeben. Allerdings ist Wolffsohn in der Tat mit Dreyfus zu vergleichen, doch ganz anders als ihm lieb sein kann. Ein Blick in Hannah Arendts epochales Werk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" macht dies deutlich. Arendt schreibt zur Gemütsverfassung assimilierter Juden wie der Familie Dreyfus: "Die Dreyfus gehörten in der Tat zu jener jüdischen Gruppe, die versuchte, sich an den Antisemitismus zu assimilieren. Dass Juden selbst in solch einer Assimilation nicht verschwinden und weder für sich noch für andere aufhören, Juden zu sein, dies hat der letzte der großen französischen Romanciers, Marcel Proust, meisterhaft dargestellt. Die Zerrissenheit der betreffenden Seele ließ denn auch nichts zu wünschen übrig. Nichts anderes als dies leere Zerrissensein ist die angeborene Prädisponiertheit", von der Proust spricht, das die natürliche Treue und die selbstverständliche Solidarität mit dem Volke ersetzt hatte und das assimilierte Juden kennzeichnet."
Wolffsohns Zerrissenheit wird in seinem "J'accuse" überdeutlich. Er ist persönlich beleidigt, dass sein Bemühen, der bessere Deutsche zu werden, nichts genutzt zu haben scheint. Es ist bezeichnend, dass Wolffsohn in der Aufzählung seiner aktuellen Feinde diese nur bei PDS, FDP und der aktuellen Regierung findet, aber offensichtlich bei CDU und CSU keinen einzigen Antisemiten ausfindig machen kann, nicht einmal Herrn Hohmann. So wird Wolffsohn auf seinem Weg der Erkenntnis noch merken müssen, dass es noch mehr Antisemiten in Deutschland gibt als er dies jetzt schon zu wissen meint. Und sollte seine neugewonnene Einsicht ihn dazu verleiten, in Herzls Judenstaat zurückzukehren - wovon nicht auszugehen ist -, so wird er feststellen, dass die zum Teil unsinnige Gewalt der israelischen Armee von mindestens der Hälfte der Israelis als "unjüdisch" und ungerecht eingeschätzt wird. Die Frage, ob eine Demokratie unter größter existenzieller Bedrohung foltern darf, wird auch in Israel heiß diskutiert, selbst wenn dort Folter unter gewissen Auflagen des Obersten Gerichtshofes genehmigt ist. Denn jenseits aller Opferstilisierung des Michael Wolffsohn bleibt die Gretchenfrage ungelöst: Darf ein demokratischer Staat einen Gefangenen foltern, der verraten kann, wo der nächste Anschlag stattfinden soll, der viele Zivilisten das Leben kosten wird?
hagalil.com 30-06-2004
http://www.hagalil.com/archiv/2004/06/wolffsohn.htm
http://deutschland.naya.org.il/Tage.des.Terrors.Tage.der.Folter-Ein.neuer.Dreyfus.php xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Wir danken www.honestly.concerned.de für die Veröffentlichung des Artikels von Prof. Michael Wolffsohn in der FAZ vom 25.06.2004.
„J'accuse!“
Artikel von Professor Dr. Michael Wolffsohn in der FAZ vom 25.06.2004
http://www.digberlin.de/SEITE/wolffsohn.php Der DIG-Präsident Deutschland, Prof. Manfred Lahnstein antwortet Prof. Michael Wolffsohn auf seinen Artikel "J'accuse!" in der FAZ vom 25.06.2004
IRRITATIONEN
- Eine Nachbetrachtung zum „Fall“ Wolffsohn –
http://www.digberlin.de/SEITE/lahnstein:wolffsohn.php
http://www.digberlin.de/ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
IRRITATIONEN
- Eine Nachbetrachtung zum "Fall" Wolffsohn -
http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/news_aktuelles/irritationen.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
COMPASS
Infodienst für christlich-jüdische und deutsch-israelische Tagesthemen im Web
www.compass-infodienst.de Dienstag, 29. Juni 2004
Viel war gestern über Michael Wolffsohns Vorwurf zu lesen, die an ihm wegen seiner Folteräußerungen vorgetragene Kritik sei antisemitisch motiviert. [Siehe COMPASS 28. Juni 04]. Wolffsohn erhob diese Vorwürfe in einem Vortrag und erneuerte sie in einem Interview mit der WELT. Heute nun hat die FAZ seinen Vortrag mit dem bezeichnenden Titel "J'accuse" online gestellt. Der Link zur Rede in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
http://www.compass-infodienst.de/Compass/compass_04_06_29.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
http://www.genfer-initiative.de/gi_kontexte604.htm
http://www.genfer-initiative.de/Genfer_Initiative-Kontexte.rtf xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
http://www.politikforum.de/forum/archive/6/2004/07/1/67668 xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
28.6.2004
Zu große Schuhe?
Der Historiker Michael Wolffsohn in den Fußstapfen von Emile Zolas "J'accuse"
Von Wolfgang Stenke
Michael Wolffsohn (Foto: privat)
Wenn ein Kaufmann Umsatz und Einkommen verwechselt, geht er pleite. Wenn ein deutscher Professor sich mit dem französischen Schriftsteller Emile Zola verwechselt, bekommt er eine ganze Zeitungsseite zum Vollschreiben. So geschehen im Falle des Historikers Michael Wolffsohn, der am vergangenen Freitag wie weiland Zola in der Dreyfus-Affäre dem Publikum der Frankfurter Allgemeinen ein zorniges "J'accuse" entgegenschleuderte. Nur vertrat der Ankläger diesmal nicht den Hauptmann Dreyfus als unschuldiges Opfer einer politisierten und antisemitischen Justiz, sondern sich selbst. Er sei, so erklärte der an der Münchner Bundeswehrhochschule lehrende Professor, Gegenstand einer "Hetzjagd" geworden, "einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte". - Zitat: "Angehörige der Bundesregierung geben einen ihrer Bürger, zumal einen jüdischen, zum Abschuss frei. Braune und islamistische Terroristen fühlten sich von echten deutschen Demokraten ermutigt." - Was bewog Wolffsohn dazu, sich derart in Positur zu werfen?
In der Talkshow von Sandra Maischberger hatte Wolffsohn Anfang Mai eine steile These gewagt - Zitat: "Als eines der Mittel gegen Terrorismus halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim." Ein klares Wort, gelassen ausgesprochen, das hernach einige Wellen schlug. Sein Dienstherr, Verteidigungsminister Struck, verlangte dem Hochschullehrer anschließend ein paar Erläuterungen ab. Zu dienstrechtlichen Schritten, die den Historiker in seiner Lehrtätigkeit beschränkt hätten, hat dieses Gespräch nicht geführt. Der mittlerweile verstorbene hannoversche Professor Peter Brückner hatte seinerzeit als angeblicher Sympathisant der Roten Armee Fraktion deutlich mehr Probleme - er wurde ganz einfach entlassen. Wolffsohn hingegen erfreut sich nach wie vor aller Rechte, die Art. 5 des Grundgesetzes einräumt: Freiheit der Meinungsäußerung, Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre. Auch die Einlassungen des Freidemokraten Guido Westerwelle, der als geborener Verfechter genuin liberaler Traditionen mal eben Wolffsohns beamtenrechtlichen Kopf forderte, haben daran nichts geändert. Wolffsohn sitzt weiterhin auf seinem Lehrstuhl in der Münchner Bundeswehrhochschule. Dass man ihn wie einst den Hauptmann Dreyfus auf die Teufelsinsel deportiert hätte, davon ist bislang nichts bekannt geworden.
Die von Wolffsohn angepeilte Vergleichsebene ist so klar wie falsch: Er unterstellt seinen Kontrahenten antisemitische Motive, da sein Verweis auf die potentielle Legitimität der Folter darauf abzielt, die fragwürdige Praxis Israels gegenüber palästinensischen Terroristen zu rechtfertigen. Als deutschem Staatsbürger jüdischen Glaubens geht es Ihm darum, das Existenz- und Notwehrrecht des Judenstaates zu untermauern. Nichts als einen Denkanstoß, so legte Wolffsohn am vergangenen Samstag in der "Welt" nach, habe er geben wollen. Und herausgekommen sei eine "Hetzjagd", die sich gegen seine Person richte. "Das hat", so sagte der Historiker der "Welt" im Interview, "natürlich auch mit Antisemitismus zu tun."
So "natürlich" wie Wolffsohn behauptet, ist dieser Zusammenhang nicht. Es gibt etliche, die Israel jedes Recht auf Selbstverteidigung einräumen, aber auch in diesem Kampf die Menschenrechte gewahrt sehen möchten, damit der Staat der Juden nicht zu jenem Zerrbild entartet, das seine radikalen Gegner schon längst von ihm entworfen haben. Nun gut, frei nach Schiller: vom sicheren deutschen Port lässt sich's gemächlich raten. Doch es soll auch israelische Intellektuelle geben, denen die Knochenbrechermentalität der Regierung Scharon zutiefst zuwider ist. Darüber müßte sich unter aufgeklärten Zeitgenossen streiten lassen. Ohne sich wechselseitig unter Verdacht zu stellen. Und die Berufung auf Zola, das hat Wolffsohn wohl vergessen, meint auch die Berufung auf die unverbrüchlichen Prinzipien der europäischen Aufklärung. Daran darf es auch unter der Bedrohung durch islamische Terroristen keine Abstriche geben - jedenfalls dann, wenn das, was wir verteidigen wollen, auch verteidigenswert bleiben soll. Ansonsten aber lahmt der Vergleich mit dem Streit um Dreyfus auf allen Beinen: Könnte es sein, dass der Historiker Michael Wolffsohn sich da im Kostümverleih eine etwas zu weite Verkleidung ausgeborgt hat? Es wäre sicherlich ein Akt der Größe, wenn Professor Wolffsohn zugeben könnte, dass er sich ganz einfach auf dem Medienparcours vergaloppiert hat. Also zurück vom angemaßten und falsch verstandenen "J'accuse" - und hin zum methodischen Zweifel des René Descartes.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/281162/ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
"Meschuggene unters Kopftuch"
http://www.israel-shalom.net ISRAEL SHALOM -NEWS
Jerusalem, den 07 07 2004
2) Zola hätte geschmunzelt
Notwehr ja, Folter nein: Warum Michael Wolffsohn kein Recht hat, die Öffentlichkeit anzuklagen
Von Rafael Seligmann
Michael Wolffsohn fühlt sich verfolgt. Das angebliche Klima der Nachstellung, der er sich ausgesetzt sieht, kommt den Historiker besonders hart an. Die Hexenjagd gegen seine Person erklärt sich Wolffsohn mit seinem jüdischen Glauben. Er habe sich Gedanken über die Terrorbekämpfung gemacht. Weil er als Jude die Folter nicht rundweg abgelehnt habe, sei er das Opfer einer gezielten Hatz geworden. So sehr schmerzen Wolffsohn die vermeintlich antisemitischen Attacken, dass er sich ganz im Sinne des französischen Humanisten Emile Zola mit einem Brandbrief, „J'accuse! – Ich klage an!“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ an die Öffentlichkeit wendet.
Hat Michael Wolffsohn Recht? Der Geschichtswissenschaftler hatte am 5. Mai in der Talksendung „Maischberger“ erklärt: „Als eines der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim.“ Und: „Wenn wir da mit Gentleman-Methoden versuchen, den Terror zu kontern, werden wir scheitern.“ Als diese Äußerung umgehend auf Kritik stieß, bedauerte Wolffsohn zwei Tage später auf seiner Homepage, dass es ihm „offenbar nicht gelungen“ sei, seine „wissenschaftlich-theoretischen Überlegungen klar genug von den tagespolitischen Ereignissen und Bildern aus dem Irak und Guantanamo zu trennen, meine grundsätzliche und moralische Verurteilung sadistischer Racheakte und Folterungen … zweifelsfrei zu verdeutlichen.“ Später ergänzte Wolffsohn, Folter sei „illegal, illegal, illegal".
Wir leben in einer Demokratie und genießen Meinungsfreiheit. Jede Privatperson und jeder Wissenschaftler darf theoretische Überlegungen anzustellen. Selbst über Krieg und Folter. Michael Wolffsohn ebenso wie alle anderen.
Niemand bestreitet Wolffsohn das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Manche Kritiker beanstandeten jedoch, dass ein Professor einer Bundeswehrhochschule, an der Soldaten studieren, die später als Offiziere mit einem Kriegseinsatz zu rechnen haben, sich im Fernsehen Gedanken über die Legitimität und den Einsatz von Folter im Ernstfall macht. Man mag darüber streiten, ob Wolffsohn hier klug gehandelt hat. Im Unrecht war er nicht.
Kritik verdient Wolffsohn jedoch für seinen Anklage-Artikel in der „FAZ". Erinnern wir uns. Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus war 1894 mit Hilfe gefälschter Dokumente von der französischen Militärjustiz wegen Spionage für Deutschland zur lebenslänglichen Zwangshaft auf der Teufelsinsel bei Cayenne verurteilt worden. Bei der öffentlichen Degradierung hatte der Pariser Mob den Tod „des Juden“ gefordert. Obgleich bald deutlich wurde, dass Dreyfus unschuldig war, blieb er in Haft. Diese Ungerechtigkeit bewog Emile Zola 1898 zu seiner öffentlichen Anklage.
Zurück zur Gegenwart. Gegen Michael Wolffsohn wurde auf Grund seiner Folter-Stellungnahme keine Klage erhoben. Er wurde nicht verurteilt. Weder der Mob noch die Presse oder sonst wer forderte, dass ihm Schaden aufgrund seines Judentums entstünde. Die Meinung, Wolffsohn sei für sein Lehramt ungeeignet, hat mit Antisemitismus nichts zu tun. In seinem „FAZ“-Artikel geht Wolffsohn weiter. Er meint, die Juden hätten aus ihrer Geschichte die bittere Lehre ziehen müssen, sich vernichtungswilliger Angreifer gewaltsam zu erwehren. Dazu bedurfte es nicht der Nazi-Lektion. Der jüdische Glaube legitimiert die Notwehr. Im Talmud heißt es: „Wenn sich einer aufmacht, dich zu töten, erwehre dich seiner.“
An keiner Stelle der Bibel, des Talmud oder einer anderen verbindlichen religiösen Schrift aber wird die Folter gerechtfertigt. Denn menschliches Leben ist Gottes Werk und Ebenbild, es ist als solches heilig. Michael Wolffsohn mag wie viele andere Überlegungen über den Kampf gegen den Terror anstellen. Der jüdische Glaube aber taugt nicht als Vehikel, das Quälen von Menschen zu begründen.
Zweifellos gibt es in Deutschland heute wie anderswo Antisemitismus. Es hilft jedoch weder Michael Wolffsohn noch anderen, Kritik, und sei sie auch noch so verletzend und persönlich, als Antisemitismus abzutun. Emile Zola hätte über den gekränkten Wolffsohn wohl geschmunzelt.
Der Autor, 1947 in Tel Aviv geboren, lebt als Schriftsteller in Berlin. Im Frühjahr hat er bei Ullstein den Band „Hitler – Die Deutschen und ihr Führer“ veröffentlicht.
http://www.newsletterboy.de/newsletterboy_archiv_ausgabe.php?news_id=33373&id=10569
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/26.06.2004/1209336.asp#art xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
01.07.04
Nach der ausufernden Kritik an dem Historiker Prof. Michael Wolffsohn
Kritik an seinen Äußerungen über die Anwendung von Folter in Ausnahmesituationen könne "nur dem Juden gegolten haben."
Mehr dazu im nachfolgenden Link.
Link:
Wolffsohn übt scharfe Kritik an seinen Kritikern
J'accuse!
01.07.04
Zum 100. Todestag Theodor Herzls
Link:
Leben und Werk eines Visionärs
"Herzl war kein origineller Visionär"
Israels geistiger Vater stirbt
Wenn ihr wollt ist es kein Märchen
"Machet keine Dummheiten, während ich todt bin"
Theodor Herzl - Visionen und Wirklichkeiten
Wenn ihr wollt, wird es kein Albtraum
Dann eben nach Palästina
Veranstaltungshinweis in München 5.Juli 2004
http://www.jerusalem-schalom.de/seite23.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Wolffsohn übt scharfe Kritik an seinen Kritikern 25. Jun 12:57
Der Historiker Michael Wolffsohn meint, Ton und Ausmaß der Kritik an seinen
Äußerungen über die Anwendung der Folter in extremen Situationen könne «nur dem
Juden gegolten haben».
http://www.netzeitung.de/deutschland/292828.html Westerwelle: Wolffsohn nicht länger tragbar 26. Jun 08:26
FDP-Chef Westerwelle hat Äußerungen des Historikers Wolffsohn über die von ihm
ausgelöste Folterdebatte scharf kritisiert.
Als Professor an der Bundeswehr-Universität sei er nicht mehr tragbar.
http://www.netzeitung.de/deutschland/292953.html xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Kommentar
Unter den Guten sind wir die Besten Kurt Otterbacher
http://www.glanzundelend.de/2004/06/saftlaeden.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Ludwig Watzal
Ein Dreyfus in der Bundeswehr
KOMMENTAR 2 Michael Wolffsohn klagt an
http://www.freitag.de/2004/29/04290203.php xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Antisemitismus-Vorwurf
http://forum.freenet.de/app/forum_post_list.jsp?forum=nachrichten&cID=221&tID=109079&PID=-1 xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
ANTISEMITISMUSDEBATTEN IM FDP FORUM
Autor: Tuotrams Datum: 30.06.04 09:50
28.6.2004 Zu große Schuhe?
Der Historiker Michael Wolffsohn in den Fußstapfen von Emile Zolas "J'accuse"
Von Wolfgang Stenke
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24151&t=24116
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24218&t=24116
http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=8&i=24212&t=24116 Das Liberale Tagebuch
Bernardo Trier, FDP Köln, Judenpfad 55, 50996 Köln
http://www.dr-trier.de/aktuell/Niemals_Folter/niemals_folter.html Westerwelle: Wer Folter legitimiert, darf junge Soldaten nicht ausbilden
http://www.liberale.de/portal/index.phtml?page_id=5802&id=2970 Westerwelle oder wo der Spaß aufhört
http://www.wams.de/data/2004/06/27/297362.html xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
unsere zeit - Zeitung der DKP 2. Juli 2004 Innenpolitik Klaus Wagener
Ein bisschen Folter "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet"
http://www.dkp-online.de/uz/3627/s0602.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
"Für mich ist eine Welt zusammengebrochen"
Michael Wolffsohn sieht sich als Opfer einer beispiellosen Regierungskampagne - An seinen Thesen zur Folter hält er unbeirrt fest
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=1
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=2
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=3
http://www.welt.de/data/2004/06/26/296542.html?s=4 xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Jüdische Gemeinde Düsseldorf
Von Böcken, Gärtnern und Friedensstiftern
Ist Bush gefährlicher als Saddam? Der Historiker Michael Wolffsohn über die Kritik an Amerika
(RP vom 20. Februar 2003) Rheinische Post
http://www.jgdus.de/04_2003.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
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Der "deutsch-jüdische Patriot und Historiker Michael Wolffsohn gibt sich gerne national. Sein Prinzip vorauseilende Anpassung.
Ein Essay von H.M.Broder über den "Vorzeigejuden der deutschen Rechtsradikalen"(Ignatz Bubis), "der letzte Stahlhelmjude", "Flakhelfer der Reaktion":
Diener vieler Herren
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr48.htm Der Judenreferent
Wenn die Deutschen einen brauchen, der ihnen Schuldgefühle ausredet oder ihnen versichert, daß hinter Nazis eigentlich Kommunisten stecken, dann nehmen sie gern den Professor Michael Wolffsohn
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr73.htm Argumente gegen rechts
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr.htm (Taz 19.12.95) Die Protokolle der Weisen von Wandlitz
Rote Nazis und jüdische Verräter: Michael Wolffsohn, der deutsch-jüdische Professor fürs Grobe, hat ein diffamierendes Buch über die Juden in der DDR geschrieben. Er müßte aus dem Historikerverband raus, meint Michal Bodemann
http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr195.htm xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
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RECHTE
Der nächste, bitte!
Die Political-Correctness-Ärsche haben wieder ein Opfer gefunden - die nächste Hexenjagd kann beginnen. Das öffentliche Bekreuzigen ist schon in vollem Gange. Diesmal allerdings wird es nicht ganz so einfach werden, das ausgekungelte Opfer zum Scheiterhaufen zu führen.
www.janklaas.de/weblog.php?artikel=116
www.janklaas.de/weblog.php?artikel=116&komment=192
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Wir sind ein ARBEITSKREIS KONSERVATIVER CHRISTEN
ohne parteiliche und klerikale Anbindung
Wir streiten gegen Atheismus, Totalitarismus, Faschismus, Meinungs- und Deutungsdiktatur
Unser Arbeitsprogramm lautet:
EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT FÜR DAS DEUTSCHE VATERLAND
Der ‘Fall’ Hohmann ist der “Fall Bundesrepublik Deutschland”!
Es ist der “FALL” unserer Demokratie, unseres Rechtes, unseres Anstandes.
Martin Hohmann
hatte in seiner umstrittenen Rede festgestellt:
Die braunen und roten Verbrecher waren Atheisten!
Für diese Aussage wurde ihm von einem internen Gericht der
CHRISTLICH (?) DEMOKRATISCHEN (?) PARTEI DEUTSCHLANDS die MITGLIEDSCHAFT entzogen.
Mit diesem Urteil wird das gesamte moralisch-ethische Magnetfeld, die christliche Kultur
unserer Republik auf den Kopf gestellt!
Auch diejenigen, die Hohmann politisch liquidieren, haben sich von Gott abgewandt !
www.a-k-c.de/THEMEN-UBERSICHT/body_themen-ubersicht.html
Abschrift Neues Deutschland 12.07 2004
Wer austeilt, muss auch einstecken können
Evelyn Hecht-Galinski zu Affäre um den Bundeswehr-Historiker Michael Wolffsohn
Evelyn Hecht Galinski ist die Tochter von Heinz Galinski, dem verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen jüdischen Glaubens hält sie Dr. Michael Wolffsohn für gefährlich und fordert seine Entlassung. Wolffsohn, Historiker an der Bundeswehr-Universität München verteidigt konsequent Israels Okkupationspolitik. Er hatte jüngst einen Skandal verursacht, als er im TV-Interview Folter als Mittel gegen Terrorismus nicht ablehnte. Mit Evelyn Hecht-Galinski sprach Jochen Bülow.
●Was ist aus Ihrer Sicht das Perfide an den Äußerungen von Dr. Michael Wolffsohn?
Wolffsohn versteht sich als „deutsch-jüdischer Patriot“, ich halte ihn eher für einen „deutsch-jüdischen Psychopathen“ oder eine „Stahlhelm-Juden“. Er bringt Deutsche und Juden in einen Gegensatz, der keiner ist – oder sind Juden keine Deutschen? Der Gegensatz besteht zwischen denen, die das Völkerrecht und die Menschenrechte achten und denen, die das nicht tun. Ob ein Jude oder ein Deutscher Folter rechtfertigt, ist nicht das Entscheidende.
●Sie sind bekannt für Ihren israelkritischen Standpunkt…
Israel verfolgt eine Politik der Landannektierung und Siedlungspolitik, der Landwirtschafts- vernichtung, der Präventivmorde und der Folter. Das ist Staatsterror. Mit seiner grundsätzlich pro-israelischen Haltung zu dieser Regierungspolitik ist es Wolffsohn schon schwer abzunehmen, dass er für ein öffentliches Amt geeignet ist. Besonders schlimm ist auch, dass beispielsweise Paul Spiegel ihm dabei zur Seite steht. All das hat aber nichts mit Religion zu tun. Wenn Wolffsohn in der FAZ behauptet, man habe „den Juden treffen wollen“ und sich mit Dreyfuss und Zola vergleicht, dann ist das eine unverschämte Selbstüberschätzung. Wer austeilt, muß auch einstecken können.
●Sehen Sie in der Kritik an Wolffsohn keinen Antisemitismus?
Überhaupt nicht. Der Mann schlägt regelmäßig um sich und wenn die Reaktion erfolgt, versteckt er sich hinter seinem Judentum. Er zitiert Tote oder Personen der Zeitgeschichte, die sich nicht mehr wehren können. Das alles hat mit der von ihm vorgeschützten Wissenschaftsfreiheit rein gar nichts zu tun.
●Hätten Sie erwartet, daß der Verteidigungsminister Struck Wolffsohn entläßt?
Wolffsohn unterrichtet deutsche und ausländischen Soldaten an der Bundeswehrhochschule. Demnächst sollen dort auch irakische Offiziere lernen, dass eine Armee kein Mittel zur Bekämpfung der eigenen Bevölkerung sein darf. Diese jungen Leute haben einen Lehrer, der Folter legitimiert und seinen Dienstherrn, den Verteidigungsminister, auf der Nase herum tanzt. Das kann ja wohl kaum Sinn der Sache sein.
●Aber er hat seine Äußerungen doch bedauert.
Wissen Sie, der Mann ist einbestellt worden und nennt das „Einladung“ – gehen Sie zu einer Einladung mit Ihrem Anwalt? Er hat versichert, dass er seine Thesen nicht wiederholen wird – und vom Bedauern bis zur Anklage in der FAZ dauerte es einen Monat. Er macht sich über seinen Dienstherrn lustig und wiederholt trotz Verbot seine Äußerungen in noch schlimmerer Form. Ich frage mich, wie lange Struck noch warten will – denn wer Wolffsohns Schriften kennt, weiß, dass der Mann ein Überzeugungstäter ist. Schon mein Vater hat Wolffsohn für „gefährlicher als Skinheads“ gehalten – und dem kann ich mich nur anschließen.
- selbst durch das NEUE DEUTSCHLAND nicht
www.a-k-c.de/MEINUNGSFREIHEIT/abschrifmeinungsfreiheit.html
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Ergänzungen
Zwei weitere Dokumente von vielen Anderen
17. Juni 2004 Michael Wolffsohn, Professor für Geschichte an der Bundeswehrhochschule in München, hat mit seinen umstrittenen Folter-Äußerungen in der Sendung von Sandra Maischberger für eine hohe Welle der öffentlichen Erregung gesorgt. Wie oft in solchen Fällen blieb die Erkenntnis des Gesagten und der Lage hinter dem Willen der Kommentatoren zurück, auf jeden Fall eine Meinung zu äußern, am besten eine von der empörten Sorte.
"Zum Abschuss freigegeben"
FAZ: Wolffsohn kritisiert Bundesregierung
veröffentlicht: 25.06.04 - 06:54
Frannkfurt/Main (rpo). Schwere Vorwürfe hat der wegen Äußerungen über die Anwendung von Folter im Kampf gegen Terrorismus in die Kritik geratene Historiker Michael Wolffsohn gegen die Bundesregierung erhoben.
Es gibt keine Völker!
es gibt lediglich menschen, die aus verschiedenen unscharf umrissenen kulturkreisen stammen. unscharf umrissen deshalb, weil sich diese kulturkreise in keinster weise gegeneinander abtrennen lassen, man kan lediglich verallgemeinernde kulturmerkmale wie sprache und gebräuche als kennzeichen dieser kulturen festmachen.
einen echten unterschied zwischen "den juden", "den franzosen" oder "den arabern" oder "den briten" gibt es einfach nicht.
und da es nunmal keine völker sondern nur menschen unter menschen gibt hat ein begriff wie "nation" oder "vaterland" oder etwas derartiges auch keine rationale begründung,niemand braucht diese virtuellen konstrukte wirklich.
mensch braucht weder nation noch volk noch patriotismus noch sonstwas derartiges.
mensch braucht lediglich solidarität mit anderen menschen.
@ rr
Legalität und Legitimität
(Quelle: Frankfurter Rundschau 28.06.2004)
Nein, es war kein Fall von Antisemitismus, dass der Bundesverteidigungsminister seinen Beamten Michael Wolffsohn nach missverständlichen Äußerungen zur Folter in sein Ministerium "eingeladen" hat. Sehr wohl war es jedoch antisemitisch, dass Wolffsohn in diesem Zusammenhang eine Fülle widerwärtiger, hasserfüllter Briefe erhalten hat; Post, die er übrigens von genau den gleichen Leuten erhalten hätte, wenn er sich in Maischbergers Talkshow genau entgegengesetzt, also wider jede Form von Folter geäußert hätte. Das antisemitische Ressentiment orientiert sich nicht an der Rationalität von Argumenten, sondern einzig an der Wahnidee jüdischen Einflusses.
Gereizte deutsch-jüdische Debatten
Indem der gekränkte Hochschullehrer die Reaktion seines Dienstherren und die Hassausbrüche eines diffusen Publikums miteinander verknüpft und auf beides mit einer der Form nach maßlosen Öffentlichkeitsinitiative reagiert, will er noch einmal eine jener gereizten "deutsch-jüdischen" Debatten inszenieren, deren Zeit sich sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihrem Ende zuneigt. Freilich wird sich, wenn die Nebel dieser "Antisemitismusdebatte" zerstoben sind, zeigen, dass sich hinter ihnen ein mindestens so schwer wiegendes Problem verbirgt.
Zuvor sei jedoch vermerkt, dass nicht nur das Selbstbewusstsein erstaunt, mit dem Wolffsohn seinen bizarren Fall mit dem Leiden der europäischen Juden seit dem neunzehnten Jahrhundert in eins setzt, sondern auch, dass mindestens eine seiner Bemerkungen in jeder Hinsicht inakzeptabel ist. Das gilt zumal für die Behauptung, dass Außenminister Joseph Fischer "unter grünem Vorzeichen den einst braunen Staatssekretär der Adenauer-Ära Hans Globke" kopiere.
Die Infamie, mit der hier über eine oberflächlich korrekte Formulierung zu Hans Globke ("einst braun") der gegenwärtige Außenminister über eine Lüge - Fischer habe als Jugendlicher Yassir Arafat "zugejubelt" - mit dem Kommentator der Nürnberger Rassengesetze, der für Tod und Vertreibung abertausender jüdischer Deutscher verantwortlich war, gleichgesetzt wird, stellt nichts anderes als eine Verharmlosung des Holocaust dar. Vor allem aber steht eine derartige Bemerkung nun ausgerechnet Wolffsohn nicht zu. Hatte er doch 1992 den "Konrad Adenauer Wissenschaftspreis" der von dem nationalsozialistischen Journalisten Kurt Ziesel gegründeten rechtskonservativen "Deutschlandstiftung e. V." entgegengenommen - einen Preis, den außer ihm noch die aus dem Historikerstreit bekannten Autoren Andreas Hillgruber und Ernst Nolte, aber auch schon früh der intellektuelle Rechtsextremist Armin Mohler dankbar empfangen haben.
In einem Punkt scheint man Wolffsohn freilich Recht geben zu müssen - nämlich darin, dass alle anderen Kollegen, die mehr oder minder gewundene Überlegungen zur Folter veröffentlicht haben, dies bisher weitgehend unbehelligt tun konnten. Weder die Bundesjustizministerin noch die rechtspolitischen Sprecher der Fraktionen haben etwa Anstoß daran genommen, dass - wie Wolffsohn zu Recht feststellt - die jüngste maßgebliche Kommentierung des Grundgesetzes durch den Bonner Staatsrechtler Matthias Herdegen die Menschenwürde relativiert und damit aufhebt. Auch scheint die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin, die Diplom-Ökonomin Hannelore Kraft nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen, dass der Bonner Strafrechtsprofessor Günther Jacobs unter krudem Bezug auf die rechtsphilosophische Tradition der Aufklärung und bestehendes Verwahrungsrecht ein "Feindstrafrecht" propagiert, das - wenn in Gesetze gegossen - schlicht und ergreifend grundgesetzwidrig wäre. Auch haben sich nur wenige Rechts- und Menschenrechtspolitiker zu den anspruchsvolleren Überlegungen des renommierten Heidelberger Strafrechtlers Winfried Brugger geäußert, der anlässlich des Falls Daschner einen Zielkonflikt zwischen der Würde des Täters und der Würde des Opfers konstruiert hat, um so einen legalen Spielraum für die Folter zu öffnen.
Als Kronzeuge für derlei Argumente muss der verstorbene Soziologe Niklas Luhmann mit einer ganz und gar peripheren, ironischen Bemerkung herhalten. Schließlich ist nicht bekannt geworden, dass Bundesinnenminister Schily erwägt, seine eigenen Äußerungen dem Verfassungsschutzbericht anzuempfehlen, obwohl doch sein öffentliches Schwadronieren ("Wer den Tod will, kann ihn haben") und seine Überlegungen zur Sicherheitsverwahrung ohne Straftat und gerichtlich nachprüfbaren Verdacht ebenfalls verfassungswidrig sind. Unter anderen Umständen hätten derlei Äußerungen eines Innenministers allemal seinen Rücktritt zur Folge haben müssen.
Angesichts dessen kann man Wolffsohns Verbitterung, dass es ausgerechnet ihn getroffen hat, nur zu gut verstehen. Er hätte sich freilich auch denken können, dass es weniger seine Äußerungen und noch nicht einmal seine Person, sondern seine Position war, die Aufmerksamkeit erregt hat. Ging es doch bei seinen Einlassungen nicht um die Äußerung eines Professors für ostasiatische Kunstgeschichte an einer kleinen Universität, sondern um die Äußerung eines jener Professoren, die an der Bundeswehrhochschule künftige Offiziere ausbilden. Ebenso wie das Lehrpersonal an Polizeifachhochschulen bilden die in Hamburg und München wirkenden Professorinnen und Professoren jene Männer und Frauen aus, die einmal die Gelegenheit haben könnten, zu foltern. So kann einem das Blut in den Adern gefrieren, wenn man sich vorstellt, dass ein in Afghanistan oder im Kosovo stationierter Hauptmann der Bundeswehr - selbstverständlich um des Opferschutzes willen - in Erinnerung an seinen Professor erwägt, gefangenen Taliban gegenüber "verstärkten physischen Druck" auszuüben.
Die in diesem Zusammenhang vorgebrachte Unterscheidung zwischen der absoluten Illegalität der Folter und ihrer debattierbaren moralischen Legitimität hilft im Fall des in Frage stehenden Grundgesetzes übrigens nicht weiter: stellt doch dessen primäre Legitimitätsquelle, die Berufung auf die Würde des Menschen, zugleich seinen ersten positiven Rechtssatz dar.
Wo - wie in Artikel 1 des Grundgesetzes - Legalität und Legitimität zusammenfallen, lässt ihre Unterscheidung nicht den mindesten Raum für Debatten. Auch der Hinweis auf die in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerte Freiheit der Lehre hilft hier kaum weiter, zumal er kaum je zu Ende zitiert wird: "Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung." Nun hat - soweit bekannt - Wolffsohn sich in seiner Lehre nicht zur Folter geäußert, weshalb die "Einladung" des Verteidigungsministers das Äußerste darstellte, was nach damaligem Sachstand möglich war.
Abstand vom Kern der Verfassung
Seit vergangenem Samstag freilich wird Wolffsohns Dienstherr, wenn er denn genesen an seinen Schreibtisch zurückkehrt, eine neue Lage vorfinden. Der umstrittene Professor hat nämlich in einem großen Interview mit der Tageszeitung Die Welt schwarz auf weiß bestätigt, dass er im Kampf gegen den Terror um des Opferschutzes willen eine Debatte "über Maßnahmen, die man anwenden muss, um akute Bedrohungen abzuwenden" führen will. Dabei möchte er sich nicht auf Richtlinien einlassen, gleichwohl: "Ich bin als Professor für die Denkanstöße zuständig." Da man kaum behaupten wird, dass es sich bei diesen Denkanstößen um einen Beitrag zur Forschung handelt, kann es wohl nur um die Lehre gehen, und damit hat Peter Struck ein Problem zurück, das er gerne losgeworden wäre.
Die Affaire um Wolffsohn ist letztlich nur ein durch die Antisemitismusdebatte verhülltes Symptom dafür, dass Teile von Politik und Wissenschaft aus ökonomischen und wahltaktischen Interessen (Stammzellentechnologie, Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung) Abstand vom normativen Kern unserer Verfassung nehmen. Waren die siebziger Jahre durch die Auseinandersetzung mit staats- und verfassungsfeindlichen Tendenzen der revolutionären Linken geprägt, so gilt es jetzt, sich subtilen verfassungsfeindlichen Tendenzen im Herzen von Politik und Wissenschaft zu erwehren.
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Der Fall Wolffsohn
Mit seinen umstrittenen Äußerungen zur Legitimität von Folter in bestimmten Situationen hatte der Historiker der Bundesuniversität München, Michael Wolffsohn, vor einigen Wochen auch den Unmut des Verteidigungsministers Struck auf sich gezogen.
An diesem Wochenende wehrte sich Wolffsohn nun in verschiedenen Äußerungen gegen die "Hetzjagd" gegen ihn. Das könne nur dem Juden Wolffsohn gegolten haben, konstatiert er in der FAZ vom Freitag. Der Leiter des Frankfurter Fritz Bauer-Instituts, Micha Brumlik weist in seinem Beitrag Wolffsohns Äußerungen zurück.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
@ rr
Erklär das mal den AntisemitInnen ;) ... Du weisst sicherlich, dass die völkische Ideologie zur materiellen Gewalt/Wirklichkeit wird, sobald sie die Massen ergreift (frei nach Marx). In diesem Sinne existieren auch Völker - als (gelebte) Selbst- bzw. Fremdzuschreibung.