Die ersten Tage der PGA Konferenz
Seit Donnerstag dem 23. findet in einem Vorort von Belgrad die europaweite PGA Konferenz statt. Die Konferenz soll zum einen in sogenannten PGA Prozessdiskussionen den PGA Prozess vorantreiben, zum anderen werden in diversen Workshops konkrete Themen besprochen. Vor allem bietet die Konferenz aber die Moeglichkeit sich mit Aktivisten aus ganz Europa und einigen aus dem Rest der Welt zu vernetzen.
Selbstorganisierung
Viele TeilnehmerInnen trafen schon einige Tage vor der Konferenz ein, um diese vorzubereiten. Der erste Tag blieb dann auch noch ohne inhaltliche Workshops, damit die Aktiven in Ruhe ankommen konnten und die letzte Infrastruktur aufgebaut werden konnte. Es wird auf der ganzen Konferenz grosser Wert darauf gelegt, dass es nicht ein paar Organisatoren und auf der anderen Seite die Konsumenten gibt. Statt dessen werden diverse Aufgaben wie z.B. die Loesung von Konflikten von Arbeitsgruppen, an denen sich alle beteiligen koennen, gemeinsam erledigt. Das gemeinsame Schnippeln und Kochen faellt dieses Jahr allerdings ein bischen kleiner aus, als bisher gewohnt, da ein Arbeiterkollektiv aus Belgrad einen Grossteil der Mahlzeiten kocht. Dieses Kollektiv ist aus einem Staatsbetrieb entstanden, der abgeschafft werden sollte. Heute kochen die Arbeiter selbstverwaltet und da diese Selbstorganisation unterstuetzt werden soll, wurde im Vorfeld beschlossen, sie mit dem Kochen zu beauftragen.
Besetzte Fabriken
Die Ausrichter von DSM (Abkuerzung aus dem Serbischen fuer 'Eine andere Welt ist moeglich') haben allgemein dafuer gesorgt, dass moeglichst viele lokale Kaempfe mit aufgegriffen wurden. So fand gestern am Sonntag hier das erste Vernetzungstreffen von einigen besetzten serbischen Fabriken statt. Die darauf folgende Diskussion war hoch interessant. Insbesondere da grosse Teile der deutschen linken immer nach Latein Amerika und insb. nach Argentinien schielen, und dabei uebersehen, dass direkt vor den EU - Aussengrenzen ebenfalls Fabriken besetzt wurden. Besonders spannend war daher der Workshop mit den ArbeiterInnen, der im Anschluss an ihr Treffen stattfand.
Gender Day
Das es allerdings falsch waere jetzt die Menschen hier als 'revolutionaere Subjekte' zu verklaeren zeigt sich unter anderem in einem sehr nationalistischem und homophoben Weltbild. So wurden die 50 Gay Pride Aktivisten, die die erste Parade hier in Belgrad organisiert haben im Jahre 2001 von etwa 1000 Nazis und Spiessbuergern angegriffen und es kam zu erschuetternden Uebergriffen. Eine Videodokumentation dieser Uebergriffe wurde heute eingebettet in den Genderday gezeigt. Ausserdem gab es noch einige konkrete Berichte aus der feministischen antipatriachalen Praxis. Fuer Diskussionen im Vorfeld hatte der "Men's only workshop" gesorgt. Es wurde befruerchtet, dass eine Cliquenbildung von Maennern zu einer weiteren Festigung der patriachalen Strukturen der Gesellschaft fuehren koennte. Dem versuchten die Referenten aus den Maennergruppen aus Suedfrankreich und Belgrad entgegenzuwirken indem sie sich klar von Maennergruppen distanzierten, die keinen antipatriachalen Ansatz verfolgen. Nach der Vorstellung der Gruppen und ihrer Ideen, teilten sich die etwa 60 Teilnehmer des Workshops in 6 Gruppen auf, in denen im kleineren Rahmen ueber antisexistische Ansprueche und Realitaeten diskutiert wurde.
Volksabstimmung in Venezuela
Neben diesen lokal verankerten Themen gibt es allerdings auch Berichte aus aller Welt. So wurde recht ausfuehrlich ueber die Situation in Venezuela berichtet, wo in wenigen Tagen (15. August) eine Volksbefragung zur Praesidentschaft von Hugo Chavez durchgefuehrt werden koennte. Die AktivistInnen aus Venezuela befuerchten, das die Wahlkommission den ausgang der Wahl zu Ungunsten von Chavez manipulieren koennten oder dass die Oposition aus Profiteuren der vorherigen Regierung, einen Sieg von Chaves nicht akzeptieren wuerde und einen weiteren Staatsstreich versucht. Deswegen trafen sich viele TeilnehmerInnen des Workshops aus ganz Europa im Anschluss, um Aktionen fuer den 16. August (auf Grund der Zeitverschiebung) zu planen. Es wird zu Aktionen und Demonstrationen vor den venezulanischen Botschaften aufgerufen. Als weitere Aktionsziele wurden Tankstellen und kommerzielle Medien genannt. Die ersten, weil die letzten Putschversuche groesstenteils von der Oelindustrie, die ein grosses Interesse an Venezuela (dritt groesster Produzent weltweit) hat, gefoerdert wurden. Ausserdem besteht die Moeglichkeit, dass US-unterstuetzte kolumbianische Paramilitaers sich einmischen. Da die US-Regierung vor allem auch von Exxon Mobile usw. an die Macht gebracht wurde, bieten sich Tankstellen der ueblichen Verdaechtigen an. Die Konzentration auf Medien ist darauf begruendet, dass der letzte Putschversuch vor allem ein medialer Putsch war. Mit weltweiten Aktionen soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wenig man sich auf die Berichterstattung der kommerziellen Medien verlassen kann (anderes Beispiel: spanische Medien nach Madrid 11M). Gluecklicherweise haben sich seit dem gescheiterten Putsch in Venezuela diverse unabhaengige Medien gebildet, so dass Informationen ueber Soliaktionen in den Barrios in Venezuela ankommen werden. Eine wesentliche homepage fuer diesen Zweck ist www.aporrea.org.
Also informiert Euch ueber die Geschehnisse in den naechsten Tagen in Venezuela, beteiligt Euch an den Aktionen und informiert die AktivistInnen vor Ort davon!
G8 Gipfel
Zu weiteren Aktionen wird anlaesslich des G8 Gipfels 2005 in Grossbritanien aufgerufen. Unter www.dissent.org.uk finden sich weitere informationen dazu. Waehrend sich dort lokale Gruppen organisieren, um die Proteste auf eine lokale Basis mit einem basisdemokratischen Ansatz zu stellen, beginnen die ersten deutschen TeilnehmerInnen aus D schon den Blick auf 2007 zu richten. Dann wird der naechste G8 Gipfel in Deutschland stattfinden. Ob sich PGA bis dahin noch an dem Gipfelhopping beteiligen wird ist allerdings auch Thema der Diskussion. Es wird von vielen Seiten kritisiert, dass die Gipfelproteste sehr kalkulierbar geworden sind und sich nach dem Terminkalender der 8 grossen richten, als Alternative wurden z.B. "global squating days" angeregt.
Diese Konferenz hat auf jeden Fall auch viele Beispiele von lokalen Aktivitaeten jenseits der Gipfel gezeigt, so dass die TeilnehmerInnen mit vielen neuen Eindruecken in ihre lokale Arbeit zurueckkehren werden - doch bis dahin werden sie sich weiterhin mit anderen AktivistInnen aus ganz Europa austauschen. Gerade die vielfaelltigen Hintergruende und Erfahrungen die hier ausgetauscht werden, machen die Konferenz zu etwas ganz besonderem.
Viele TeilnehmerInnen trafen schon einige Tage vor der Konferenz ein, um diese vorzubereiten. Der erste Tag blieb dann auch noch ohne inhaltliche Workshops, damit die Aktiven in Ruhe ankommen konnten und die letzte Infrastruktur aufgebaut werden konnte. Es wird auf der ganzen Konferenz grosser Wert darauf gelegt, dass es nicht ein paar Organisatoren und auf der anderen Seite die Konsumenten gibt. Statt dessen werden diverse Aufgaben wie z.B. die Loesung von Konflikten von Arbeitsgruppen, an denen sich alle beteiligen koennen, gemeinsam erledigt. Das gemeinsame Schnippeln und Kochen faellt dieses Jahr allerdings ein bischen kleiner aus, als bisher gewohnt, da ein Arbeiterkollektiv aus Belgrad einen Grossteil der Mahlzeiten kocht. Dieses Kollektiv ist aus einem Staatsbetrieb entstanden, der abgeschafft werden sollte. Heute kochen die Arbeiter selbstverwaltet und da diese Selbstorganisation unterstuetzt werden soll, wurde im Vorfeld beschlossen, sie mit dem Kochen zu beauftragen.
Besetzte Fabriken
Die Ausrichter von DSM (Abkuerzung aus dem Serbischen fuer 'Eine andere Welt ist moeglich') haben allgemein dafuer gesorgt, dass moeglichst viele lokale Kaempfe mit aufgegriffen wurden. So fand gestern am Sonntag hier das erste Vernetzungstreffen von einigen besetzten serbischen Fabriken statt. Die darauf folgende Diskussion war hoch interessant. Insbesondere da grosse Teile der deutschen linken immer nach Latein Amerika und insb. nach Argentinien schielen, und dabei uebersehen, dass direkt vor den EU - Aussengrenzen ebenfalls Fabriken besetzt wurden. Besonders spannend war daher der Workshop mit den ArbeiterInnen, der im Anschluss an ihr Treffen stattfand.
Gender Day
Das es allerdings falsch waere jetzt die Menschen hier als 'revolutionaere Subjekte' zu verklaeren zeigt sich unter anderem in einem sehr nationalistischem und homophoben Weltbild. So wurden die 50 Gay Pride Aktivisten, die die erste Parade hier in Belgrad organisiert haben im Jahre 2001 von etwa 1000 Nazis und Spiessbuergern angegriffen und es kam zu erschuetternden Uebergriffen. Eine Videodokumentation dieser Uebergriffe wurde heute eingebettet in den Genderday gezeigt. Ausserdem gab es noch einige konkrete Berichte aus der feministischen antipatriachalen Praxis. Fuer Diskussionen im Vorfeld hatte der "Men's only workshop" gesorgt. Es wurde befruerchtet, dass eine Cliquenbildung von Maennern zu einer weiteren Festigung der patriachalen Strukturen der Gesellschaft fuehren koennte. Dem versuchten die Referenten aus den Maennergruppen aus Suedfrankreich und Belgrad entgegenzuwirken indem sie sich klar von Maennergruppen distanzierten, die keinen antipatriachalen Ansatz verfolgen. Nach der Vorstellung der Gruppen und ihrer Ideen, teilten sich die etwa 60 Teilnehmer des Workshops in 6 Gruppen auf, in denen im kleineren Rahmen ueber antisexistische Ansprueche und Realitaeten diskutiert wurde.
Volksabstimmung in Venezuela
Neben diesen lokal verankerten Themen gibt es allerdings auch Berichte aus aller Welt. So wurde recht ausfuehrlich ueber die Situation in Venezuela berichtet, wo in wenigen Tagen (15. August) eine Volksbefragung zur Praesidentschaft von Hugo Chavez durchgefuehrt werden koennte. Die AktivistInnen aus Venezuela befuerchten, das die Wahlkommission den ausgang der Wahl zu Ungunsten von Chavez manipulieren koennten oder dass die Oposition aus Profiteuren der vorherigen Regierung, einen Sieg von Chaves nicht akzeptieren wuerde und einen weiteren Staatsstreich versucht. Deswegen trafen sich viele TeilnehmerInnen des Workshops aus ganz Europa im Anschluss, um Aktionen fuer den 16. August (auf Grund der Zeitverschiebung) zu planen. Es wird zu Aktionen und Demonstrationen vor den venezulanischen Botschaften aufgerufen. Als weitere Aktionsziele wurden Tankstellen und kommerzielle Medien genannt. Die ersten, weil die letzten Putschversuche groesstenteils von der Oelindustrie, die ein grosses Interesse an Venezuela (dritt groesster Produzent weltweit) hat, gefoerdert wurden. Ausserdem besteht die Moeglichkeit, dass US-unterstuetzte kolumbianische Paramilitaers sich einmischen. Da die US-Regierung vor allem auch von Exxon Mobile usw. an die Macht gebracht wurde, bieten sich Tankstellen der ueblichen Verdaechtigen an. Die Konzentration auf Medien ist darauf begruendet, dass der letzte Putschversuch vor allem ein medialer Putsch war. Mit weltweiten Aktionen soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wenig man sich auf die Berichterstattung der kommerziellen Medien verlassen kann (anderes Beispiel: spanische Medien nach Madrid 11M). Gluecklicherweise haben sich seit dem gescheiterten Putsch in Venezuela diverse unabhaengige Medien gebildet, so dass Informationen ueber Soliaktionen in den Barrios in Venezuela ankommen werden. Eine wesentliche homepage fuer diesen Zweck ist www.aporrea.org.
Also informiert Euch ueber die Geschehnisse in den naechsten Tagen in Venezuela, beteiligt Euch an den Aktionen und informiert die AktivistInnen vor Ort davon!
G8 Gipfel
Zu weiteren Aktionen wird anlaesslich des G8 Gipfels 2005 in Grossbritanien aufgerufen. Unter www.dissent.org.uk finden sich weitere informationen dazu. Waehrend sich dort lokale Gruppen organisieren, um die Proteste auf eine lokale Basis mit einem basisdemokratischen Ansatz zu stellen, beginnen die ersten deutschen TeilnehmerInnen aus D schon den Blick auf 2007 zu richten. Dann wird der naechste G8 Gipfel in Deutschland stattfinden. Ob sich PGA bis dahin noch an dem Gipfelhopping beteiligen wird ist allerdings auch Thema der Diskussion. Es wird von vielen Seiten kritisiert, dass die Gipfelproteste sehr kalkulierbar geworden sind und sich nach dem Terminkalender der 8 grossen richten, als Alternative wurden z.B. "global squating days" angeregt.
Diese Konferenz hat auf jeden Fall auch viele Beispiele von lokalen Aktivitaeten jenseits der Gipfel gezeigt, so dass die TeilnehmerInnen mit vielen neuen Eindruecken in ihre lokale Arbeit zurueckkehren werden - doch bis dahin werden sie sich weiterhin mit anderen AktivistInnen aus ganz Europa austauschen. Gerade die vielfaelltigen Hintergruende und Erfahrungen die hier ausgetauscht werden, machen die Konferenz zu etwas ganz besonderem.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
???
PGA - Peoples Global Action
Weitere Sprachen und Informationen gibt es auf deren Homepage unter www.agp.org
"Accion Global de los Pueblos"
arbeiterInnenkochkollektiv
heute (dienstag) gab es ausserdem einen streik der distributors der elektrizitaetswerke in beograd. sie sind trotz stroemenden regens immer noch auf der strasse (seit ca. 7 uhr morgens) - geschuetzt mit muellsaecken vor dem regen (meine letzte information ist, dass sich ca. 500 leute noch auf der strasse befinden).
das gehalt der distributerInnen ist im elektrizitaetssektor um einiges niedriger als der menschen, die im produktions oder im managementsektor arbeiten. es liegt bei ca. 250 euro.
die arbeiterInnen haben uns gestern erzaehlt, dass die menschen im produktionssektor deshalb mehr verdienen, weil sie zahlenmaessig weit mehr sind als die menschen im distributionssektor und eine kuerzung der gehaelter sofort einen grossen streik verursachen wuerden.
auch bergwerkerInnen sind heute zu dem streik gekommen.
ich werde noch einen audiobeitrag dazu machen, der aber wahrscheinlich erst naechste woche fertig sein wird.
morgen wird uebrigens auch gestreikt und zwar von den arbeiterInnen der pharmafirma jugormedija und am donnerstag streiken die bergarbeiterInnen.
Klingt spannend