A Smart Boom makes Bauwagenplätze
Der Countdown läuft. Mit dem Abriss des letzten von fünf Häusern in Hamburg St. Pauli werden die Grundsteine für das neue Domizil der Bambule und für St. Paulis ersten Bauwagenplatz gelegt.
Mittwoch 07.07.2004, 8.45 Uhr. Der Abrisskran CAT 330L Smart Boom der Firma Ehlert und Söhne macht sich bereit um das letzte Haus in der Trommelstraße in Hamburg St. Pauli zurückzubauen. Damit ist der letzte Schritt einer sich seit längerem hinziehenden unglaublichen Bauphase eingeleitet. Am 27.04. hatte das städtische Wohnungsunternehmen SAGA begonnen einen bisher nie da gewesenen mutigen Bauplan in die Wirklichkeit umzusetzen: ein altes Häuserensemble um die vorletzte Jahrhundertwende erbaut sollte einer großen Freifläche weichen, auf der nicht nur Kinder Platz zum spielen finden, auch die Ansiedlung des seit 2002 geräumten Bauwagenplatzes Bambule soll hier möglich sein.
Die SAGA hatte sich diesen Schritt zur Aufwertung eines Stadtteils nicht leicht gemacht. Über Jahre hinweg dauerten die Planungsarbeiten. Während dieser Zeit wurden die Häuser nach und nach entmietet. Anfang dieses Jahres brannte der Dachstuhl des letzten bewohnten Hauses aus und spätestens nach dem wasserreichen Feuerwehreinsatz war es gänzlich unbewohnbar geworden. Der Abriss konnte beginnen.
Die Rückbauarbeiten zogen sich so lange hin, da die letzte Mieterin in einem schon seit längerem dem Verfall hingegeben Gebäude - Wasserrohrbrüche wurden nicht behandelt, kaputte Fenster nicht repariert etc. - sich weigerte auszuziehen und Wohnansprüche aus ihrem Mietvertrag stellte. Nachdem aber der Ablauf des Mietvertrages mit der polizeilichen Auflösung der Abschiedsparty besiegelt wurde, stand dem Abschluss der Arbeiten zur Schaffung von Bau(Wagen)Pla(e)tz(en) in Hamburgs dicht bebautem Stadtteil nicht mehr im Wege.
Dieser Schritt der SAGA, alte Häuser gegen den Widerstand von Bausubstanzbewahrern abzureißen, um Spiel-Platz für Kinder und Raum für Verdrängte Bauwagenbewohner zu schaffen, reiht sich in das Stadtteilpolitikkonzept des Wohnungskonzerns ein, ist die SAGA doch immer bemüht "sozialverträgliche Lösungen" für die Bewohnerinnen anzubieten. Und das gerade in einem Stadtteil, der in den letzen Jahren erhebliche Veränderungen erleben musste. Von der Sternschanze, mit dem autonomen Stadtteilprojekt "Rote Flora" breitet sich ein Gentrifizierungsgebiet mit überhöhten Mieten in wahrlich schicken modernisierten Wohnungen aus. Der Wohnungsmakler Berger warb unlängst mit dem Hinweis, dass eine knapp 1000 Euro teure Wohnung einen Blick auf die Rote Flora habe. Ein Umstand, mit dem sich nur die Flora nicht so richtig einverstanden erklären will.
Diese Liebe für "bunte, urwüchsige" Stadtteile ist groß, so dass ein florierender Markt entsteht, auf dem (luxus)modernisiert und neugebaut wird, zur Not müssen alte Häuser eben weichen (oftmals, sind Abriss und Neubau günstiger). Allein in St. Pauli sind in den letzten Monaten an mehreren Orten ganze Gebäudekomplexe abgerissen worden (z.B. die Bavaria-Brauerei, wo jetzt das Büro-Wohn-Vergnügungsviertel "Brau-Quartier" entstehen soll). Die Folge davon ist bekannt: Anstieg der Mieten, Zuzug jener, die es sich leisten können (Herzlichen Glückwunsch, dass ihr es geschafft habt), Wegzug all jener, die es sich nicht leisten können dort zu wohnen. Dass, was Anfangs als "Durchmischung der Wohnbevölkerung" dargestellt wird, entwickelt sich mehr und mehr zum Austausch anhand der Geldbeutelmöglichkeiten. Die Verdrängten, bekommen Wohnungen am Stadtrand (Mümmelmannsberg, Billstedt, Neugraben) und werden unsichtbar. Dort werden ihnen alle Möglichkeiten zum Vergnügen geboten: Einkaufszentren auf der grünen Wiese (man vergleiche nur die Konzeption von Billstedtcenter (HH-Billstedt) und Mercado (HH-Ottensen) - dort lange Einkaufsschluchten, abgeschlossene Läden mit verstärkter Wachsschutzpräsenz, dort kleine offene Marktstände, für die Wohlfühleinkaufsatmosphäre, damit die vielen taz - Abonnentinnen, die dort einkaufen nicht zu sehr vom Konsum abgeschreckt sind... Beim Ausbau des Billstedtcenters wurde ausdrücklich formuliert, dass es darum gehe den Bewohnerinnen im Hamburger Osten Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu bieten, damit sie nicht mehr in die Innenstadt müssen. Höflicher kann eine Ausladung nicht formuliert werden.
Aber zurück nach St. Pauli und Veränderungen dort...
In den letzten Monaten bekam die Hauptachse des Stadtteils - die Reeperbahn, recht schlechte Presse, Gewalt und Drogen herrschten dort (in den Berichten...) Selbst alte Geschichten wurden wieder erwärmt und die Forderung nach "mehr Polizei auf dem Kiez" ließ auch nicht lange auf sich warten. Die neuen St. Paulianer, die die Buntheit so genießen, dass Ambiente zwischen echten Türken, echten Hafenarbeitern und echte Seebären zu leben, die Spannung zwischen Rotlicht durch Sonnenuntergang auf der Elbe und Rotlicht im Viertel genießen, wollen schließlich all das auch sicher haben. So reichen sich Stadtplanungs-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik, aber eben auch Vermieter, Polizei und Gentrifier die Hand, ganz offen für alles Neue...
Es besteht wenig Hoffnung, dass diese Prozesse aufzuhalten sind, sind doch auch wir die Protagonisten solcher Prozesse. Aber vielleicht lässt sich da ein wenig Unruhe reinbringen, in dem Einladungen, wie die der SAGA angenommen werden. Einen Bauwageplatz hat St.Pauli noch nicht.
G3 - Gentrifier gegen Gentrification
Flyer zum Ausdrucken und verteilen:
http://sero.guns.ru/rohstoff.html
Die SAGA hatte sich diesen Schritt zur Aufwertung eines Stadtteils nicht leicht gemacht. Über Jahre hinweg dauerten die Planungsarbeiten. Während dieser Zeit wurden die Häuser nach und nach entmietet. Anfang dieses Jahres brannte der Dachstuhl des letzten bewohnten Hauses aus und spätestens nach dem wasserreichen Feuerwehreinsatz war es gänzlich unbewohnbar geworden. Der Abriss konnte beginnen.
Die Rückbauarbeiten zogen sich so lange hin, da die letzte Mieterin in einem schon seit längerem dem Verfall hingegeben Gebäude - Wasserrohrbrüche wurden nicht behandelt, kaputte Fenster nicht repariert etc. - sich weigerte auszuziehen und Wohnansprüche aus ihrem Mietvertrag stellte. Nachdem aber der Ablauf des Mietvertrages mit der polizeilichen Auflösung der Abschiedsparty besiegelt wurde, stand dem Abschluss der Arbeiten zur Schaffung von Bau(Wagen)Pla(e)tz(en) in Hamburgs dicht bebautem Stadtteil nicht mehr im Wege.
Dieser Schritt der SAGA, alte Häuser gegen den Widerstand von Bausubstanzbewahrern abzureißen, um Spiel-Platz für Kinder und Raum für Verdrängte Bauwagenbewohner zu schaffen, reiht sich in das Stadtteilpolitikkonzept des Wohnungskonzerns ein, ist die SAGA doch immer bemüht "sozialverträgliche Lösungen" für die Bewohnerinnen anzubieten. Und das gerade in einem Stadtteil, der in den letzen Jahren erhebliche Veränderungen erleben musste. Von der Sternschanze, mit dem autonomen Stadtteilprojekt "Rote Flora" breitet sich ein Gentrifizierungsgebiet mit überhöhten Mieten in wahrlich schicken modernisierten Wohnungen aus. Der Wohnungsmakler Berger warb unlängst mit dem Hinweis, dass eine knapp 1000 Euro teure Wohnung einen Blick auf die Rote Flora habe. Ein Umstand, mit dem sich nur die Flora nicht so richtig einverstanden erklären will.
Diese Liebe für "bunte, urwüchsige" Stadtteile ist groß, so dass ein florierender Markt entsteht, auf dem (luxus)modernisiert und neugebaut wird, zur Not müssen alte Häuser eben weichen (oftmals, sind Abriss und Neubau günstiger). Allein in St. Pauli sind in den letzten Monaten an mehreren Orten ganze Gebäudekomplexe abgerissen worden (z.B. die Bavaria-Brauerei, wo jetzt das Büro-Wohn-Vergnügungsviertel "Brau-Quartier" entstehen soll). Die Folge davon ist bekannt: Anstieg der Mieten, Zuzug jener, die es sich leisten können (Herzlichen Glückwunsch, dass ihr es geschafft habt), Wegzug all jener, die es sich nicht leisten können dort zu wohnen. Dass, was Anfangs als "Durchmischung der Wohnbevölkerung" dargestellt wird, entwickelt sich mehr und mehr zum Austausch anhand der Geldbeutelmöglichkeiten. Die Verdrängten, bekommen Wohnungen am Stadtrand (Mümmelmannsberg, Billstedt, Neugraben) und werden unsichtbar. Dort werden ihnen alle Möglichkeiten zum Vergnügen geboten: Einkaufszentren auf der grünen Wiese (man vergleiche nur die Konzeption von Billstedtcenter (HH-Billstedt) und Mercado (HH-Ottensen) - dort lange Einkaufsschluchten, abgeschlossene Läden mit verstärkter Wachsschutzpräsenz, dort kleine offene Marktstände, für die Wohlfühleinkaufsatmosphäre, damit die vielen taz - Abonnentinnen, die dort einkaufen nicht zu sehr vom Konsum abgeschreckt sind... Beim Ausbau des Billstedtcenters wurde ausdrücklich formuliert, dass es darum gehe den Bewohnerinnen im Hamburger Osten Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu bieten, damit sie nicht mehr in die Innenstadt müssen. Höflicher kann eine Ausladung nicht formuliert werden.
Aber zurück nach St. Pauli und Veränderungen dort...
In den letzten Monaten bekam die Hauptachse des Stadtteils - die Reeperbahn, recht schlechte Presse, Gewalt und Drogen herrschten dort (in den Berichten...) Selbst alte Geschichten wurden wieder erwärmt und die Forderung nach "mehr Polizei auf dem Kiez" ließ auch nicht lange auf sich warten. Die neuen St. Paulianer, die die Buntheit so genießen, dass Ambiente zwischen echten Türken, echten Hafenarbeitern und echte Seebären zu leben, die Spannung zwischen Rotlicht durch Sonnenuntergang auf der Elbe und Rotlicht im Viertel genießen, wollen schließlich all das auch sicher haben. So reichen sich Stadtplanungs-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik, aber eben auch Vermieter, Polizei und Gentrifier die Hand, ganz offen für alles Neue...
Es besteht wenig Hoffnung, dass diese Prozesse aufzuhalten sind, sind doch auch wir die Protagonisten solcher Prozesse. Aber vielleicht lässt sich da ein wenig Unruhe reinbringen, in dem Einladungen, wie die der SAGA angenommen werden. Einen Bauwageplatz hat St.Pauli noch nicht.
G3 - Gentrifier gegen Gentrification
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Ergänzungen
Bambule auf st.Pauli???
aber ist es nicht so, das der hamburger senat alle bauwagenplätze
vernichten will??? ..mir war so, naja bitte um antwort.
zu pizzo:
geh auf www.bambule-hamburg.org und da auf die links
wendebecken(auch hh platz) wird bald geräumt und die
freuen sich bestimmt über neue bewohner und unterstützer...
es gab sogar schon "umsonst-wohn" aktionen aber weiss net ob
das noch aktuell ist..
viva bambule
viva schanze
kommt alle zur demo am 17 juli um 15 uhr U-bahn feldstr.
wir sehen uns
eher ironie
platz fur die bambule geben.
eher eine neue RÄUMUNG!!!!!!!!!
am 1.9.2004 wird der platz wendebecken hier in hh geräumt.
dieses muss verhindert werden, also kommt alle!!!!!!
hamburg wird wieder lauter...
..seit es auch!
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Bauwagenplätze, besetzte Häuser und Co — Pizzo
Blick auf die Flora — Drusus
ooooooooo — oooooo