Bericht von "Kein schöner Land"-Demo Pirna

paul 13.06.2004 04:06 Themen: Antifa
500 Menschen auf der Pirna Demo.
Nazis verjagt.

Pirna gerockt.
ein Erlebnisbericht:
Ich traf mit meiner Reisegruppe um ca. 15 Uhr in Pirna ein, um an der Demo "Kein schöner Land - linke Strukturen stärken" teilzunehmen. Wie für viele Nichteinheimischen hatte mich die Naziankündigung gelockt, die die Demo angreifen wollten. Auf die komischen Nazi-Poser, die sich nicht zu peinlich waren, Fotos von sich in Kampfmontur im Internet zu veröffentlichen, waren wir sehr gespannt.
Auf dem Weg zum Auftaktplatz waren in den Seitenstraßen vereinzelt Nazis zu sehen, war aber nix zu machen, da wir vom BGS begleitet wurden und die Nazis auf Abstand blieben.

Kurz vor dem Auftaktplatz, ließ sich dann dann ein größeres Grüppchen Nazi-Hooligans blicken, es wäre auch beinahe zur Konfrontation gekommen (bei der die Nazis mit Sicherheit den Kürzeren gezogen hätten), das scheiterte jedoch an der letztendlichen Unentschlossenheit beider Seiten. Die Bullen, die den Konfliktherd bemerkten, ritten mit ihren Pferden zielgerichtet in unsere Gruppe. Schon bei der ersten Bullenbewegung in ihre Richtung suchten die Faschos das Weite (soviel zur angekündigten Aktion gegen die Demo).

Bevor wir in die Demo durften, mussten wir uns durchsuchen lassen, das übliche halt. Dabei wurde uns von einer Auflage erzählt, die so dämlich war, dass mensch darüber hätte lachen können, hatten nicht mitdestens 40 Demoteilnehmer barfuss laufen müssen:
Springerstiefel waren auf der Demo verboten!!
(Mir wurde im Laufe der Demo erzählt, dass die Bullen mangels vergleichbarer Demos bei Auflagen für Nazidemos nachgeguckt hätten - wo das ja durchaus Sinn macht, Uniformierungsverbot und so - aber hier war das nur lächerlich)
Eine weitere Auflage (nur 8 Fahnen) wurde getrost überschritten, ich hab mindestens 30 gezählt.

Am Startpunkt hatten sich knapp 500 Menschen, viele aus Berlin, Dresden, Gera und Leipzig, versammelt. Die Demo ging ziemlich pünktlich los. Die Musik war OK, die Redner auch. Wir mussten ein paar Pirna-Kiddies noch erklären, was es mit "Ketten" auf sich hat. Und die Stimmung in den ersten Reihen war bombastisch.

Nach den ersten 5 Metern kamen wir nochmal an den restlichen Faschos vorbei, die ihre Drohung wahrmachten, "wenn schon keine Antifas angreifen, dann wenigstens alle abfotografieren!". Leider hatten sie so billige Kameras dabei, dass sie höchstens die Seitentranspis auf ihren Bildern erkennen werden. Die gesamte Demo rief ihnen die üblichen Parolen entgegen:

"Ihr habt den Krieg verlorn..."
"Stalingrad war wunderbar, Naziopa blieb gleich da"
"Was tut allen Deutschen gut? Bomber Harris und die Flut" (besonders passend in Pirna)
"Gebt den Nazis die Straße zurück: Stein für Stein"

Die Demo ging dann quer durch Pirna in Richtung Bahnhof und von da aus südwärts. Kurz hinter dem Bahnhof standen drei Prollkiddies, die die Demo fotografierten und Leute beleidigten. Nach drei Beuteln Gülle hatten sie darauf auch nicht mehr so große Lust.

Auf der Maxim-Gorki-Str. wurde dann zwei mal von 10 runtergezählt und dann (ziemlich zaghaft) auf die Bullen zugerannt. Vom Oberbullen kam dann die Ansgage, dass beim dritten Mal die Demo aufgelöst werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt liefen direkt vor dem Fronttranspi Bullen und drosselten so das Tempo. Einige (wahrscheinlich ihr erster Einsatz) mussten sich besonders profilieren, so boxte eine Bullin in regelmässigen Abständen in das Traspi rein und einer ihrer Kollegen rannte hin und her, um Transpis, die zu hoch im Gesicht getragen wurden wieder runder zu ziehen. Irgendwann stresste das so, dass das dritte Mal von 10 runtergezählt wurde. Diese Mal wurde auch konsequent losgerannt und die Bullen vor uns hergeschoben.

In dieser Situation kam die zweite Verpeilung der Bullen. Im Moment der Konfrontation wurden die behelmten Bullen, die bis dahin direkt vor der Demo liefen, gegen Bullen ohne Helme ausgetauscht. Einer von ihnen wurde im Laufe der Konfrontation von einem Fahnenstock schwer an der Schlefe getroffen. Ein anderer verlor seinen Schlagstock. Die Demo wurde auch nicht, wie angesagt aufgelöst, sondern lief wie geplant weiter. Auch die Bullen machten im Anschluss weniger Streß.

Zu diesem Zeitpunkt wurde durchgesagt, dass die Nazis hinter uns auf der selben Strecke eine Demo gemacht hatten, die aber aufgelöst wurde, und nun wären die Nazis auf dem Weg zu uns. Doch schon wieder zu früh gefreut. Sie kamen nicht direkt an uns heran, sondern kürzten etwas ab und versuchten es auf unserem Rückweg mit einer Sitzblockade (lach).

Wir machten währenddessen eine Kundgebung vor dem Haus des BGS, wo in Redebeiträgen deren menschenverachtendes Treiben an den deutschen Grenzen thematisiert wurde und eine vor der, von Uwe Leichsenring (NPD) geleiteten Fahrschule. Diese wurde kurz davor mit einer Bierflasche dekoriert, die in einer Fensterscheibe steckte. Die Sitzblockade wurde leider inzwischen von der Polizei aufgelöst und nicht von uns. Und so ging es ohne weitere Störungen zurück zum Startpunkt der Demo.

Auf dem Weg von da zum Bahnhof waren in den Seitenstraßen vereinzelt Nazis zu sehen, die aber entweder auf Abstand blieben oder schnell das Weite suchten, sobald ein paar Demoteilnehmer sich in ihre Richtung bewegten. In der Gartenstraße gab es dann eine Ingewahrsamnahme woraufhin ein Großteil der Demo nach hinten eilte und so laut Rabatz machte, dass den berittenen Bullen fast ihre Pferde durchgingen. Die festgenommene Person wurde kurz danach auch wieder freigelassen.
Im Pirnaer Kino hatten sich derweil weitere Nazis verschanzt. Auch sie scheuten die direkte Konfrontation.

Die Demo wurde dann vor dem Bahnhof aufgelöst und wir fuhren geschlossen nach Dresden, wo sich die Demoteilnehmer zerstreuten. (Ein Teil der Demo veranstaltete in Neustadt noch eine Spontandemo und „traf“ noch einen stadtbekannten Nazikader).

Solidarische Grüße an die AFA 13.
Lustige Demo!
Gut was aufgewühlt in eurer Stadt.
CU next Time.
Nieder mit Deutschland.
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Ergänzungen

inhaltliche Ergänzung

Pamela 13.06.2004 - 14:10
Nur für alle, die es nicht wissen: "Bomber Harris" war Befehlshaber einer kapitalistischen Kriegsmacht im 2. Weltkrieg, der zig-Tausende Menschenleben (darunter viele völlig unpolitische Kinder), auf dem Gewissen hat. Wer findet, dass das "den Deutschen" angeblich "gut tut", verbreitet nichts anderes als rassistische Hetze. Überlegt mal was ihr sagen würdet wenn irgendwelche Faschos so einen Spruch über Türken, Juden oder irgendeine andere, "nicht-deutsche" Volksgruppe bringen würden. "Den Deutschen", "den Türken", "den Juden" etc. auf diese Weise den Tod zu wünschen, ist Rassismus der aller übelsten Kategorie, und hat mit "Antifa" nicht das geringste zu tun. Es ist vielmehr selbst Faschismus.

In diesen Kontext past auch gut der Spruch "Stalingrad war wunderbar". Stalingrad war ein Kriegsverbrechen der Nazi-Wehrmacht, und daran war nicht das geringste "wunderbar". Und die deutschen Soldaten die da drauf gingen waren auch nicht zwangsläufig alle "Nazi-Opas", unter den Nazis gab es nunmal keinen Zivildienst, da wurde jeder zum Militärdienst gezwungen. Wer Massenmörder und Massenmorde wie Bomber Harris oder Stalingrad in martialischen Sprüchen als "wunderbar" verherrlicht, hat mit mir jedenfalls nichts gemein.

Als Antifaschistin distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von solchen widerwärtigen, rassistischen und den Massenmord verherrlichenden Inhalten.

mehr bilder hier

. 13.06.2004 - 14:53

An alle Indymedia-Trolle

paul 14.06.2004 - 01:31
Irgendwie verstehen die meisten auf Indymedia nicht, worum es geht, wenn die Antifa eine Demo macht.

Es geht eben nicht darum, Frieden mit den Bürgern Pirnas zu machen; ihnen die Hand zu einem friedlichen Miteinander zu reichen. Es geht auch nicht darum, friedlich durch eine Kleinstadt zu ziehen, sich die Nazihorden am Rand anzuschauen und dann wieder nach Hause, wo es sowas nicht gibt, zu fahren.

Es geht erstens darum, an diesem Tag den Nazis offensiv etwas entgegenzusetzten, schließlich wollten sie es ja auch so. Das ist Antifa praktisch. Die haben in Pirna lange genug machen können, was sie wollten.
Ein paar von denen haben, glaube ich zum ersten Mal Linke gesehen, die sich nicht wehrlos vermoschen haben lassen, und die statt dessen ihnen auf die Pelle gerückt sind.

Zweitens soll auch den Bürgern der Spiegel vorgehalten werden, die den Nazis nichts entgegensetzen, wenn diese Ausländer und Linke angreifen, die stattdessen aufschreien, wenn die Antifa in ihre kleine friedliche Stadt kommt. Die die sich Sorgen um das Aussenbild der Antifa machen, denen sei versichert, die meisten Pirnaer hatten sich schon vorher eine Meinung über Antifas gebildet.
Mensch sollte sich nicht allzuviel Mühe machen, sein Image beim Bürgermob zu verbessern, die sind in Städten wie Pirna eh keine potenziellen Bündnispartner.
Für einen bürgerlichen Protest gegen Nazis und das Buhlen um die wenigen Linksangehauchten sind andere zuständig, Aktion Zivilcourage zum Beispiel.

Für themenfremde Diskussionen (nur so am Rande, Stalingrad war der Anfang vom Ende der faschistischen Diktatur in Deutschland; ich trauere da keinem verschissenen Deutschen Soldaten eine Träne hinterher)hab ich ja mal überhaupt kein Verständnis, weil es hier ja wohl um eine wichtigere Sache, nämlich den Aufbau linker Strukturen in Pirna, geht.

paul

zwei bemerkungen zum beitrag

pirnaer antifaschistin 14.06.2004 - 03:54
die ingewahrsamnahme (meines wissens gab es nur eine) fand auf der einsteinstraße, kurz vor der rottwerndorfer straße, und nicht auf der gartenstraße, wie im beitrag erwähnt, statt. sie erfolgte unmittelbar auf bzw. während einer der rangeleien der ersten reihen mit den bullen, die in einer reihe direkt vor der demo liefen.
und zum anderen denke ich, dass es überall junge menschen gibt, die noch nicht so viel demo-erfahrung haben und deshalb wahrscheinlich auch nicht wissen können, was genau eine "kette" ist. niemand wird als als linke(r) oder allwissende(r) geboren...

weitere kurze ergänzung

andere pirnaer antifaschistin 14.06.2004 - 04:08
den stress auf der gartenstraße gab es wohl, weil die bullen in die hinteren reihen reingeritten sind, da diese ihnen nicht schnell genug weiter, an den in der nebenstraße stehenden nazis vorbei, gingen.

Stress in der Gartenstrasse

Antifa 14.06.2004 - 16:28
Als die Demo von der Gartenstrasse Richtung Bahnhof ziehne wollte, hatten die Bullen gerade drei Leute nicht mehr zur Demo zurück gelassen. Wohl wissend, dass die drei wenn die Demo erstmal wege gewesen wäre, nicht mehr viel zu lachen gehabt hätten. Nach einiger Diskussion - "Es geht nur raus, aber nicht rein." - sind halt noch 20-30 Leute auf die andere Seit und man hat sich nochmal kurz ein bisschen Pirna angeschaut. Nachdem in der Rosa-Luxemburgstrasse ca. 20-30 Dorffaschos auf einmal ganz schön mulmig zumute wurde, haben die Bullen die Antifas doch wieder in die Demo zurück geschickt. ;-)

tolle helden

ich 27.11.2004 - 19:34
tolle helden, nem unbehelmten bullen mit nem fahnenstock (wohl die berüchtigten kurzen, 40cmx4cm?) schwer an die schläfe kloppen! ist doch scheissegal, wenn er dabei drauf geht, oda? tztztz, ham ihre köppe nur zum hassi aufsetzen. und hinterher jammern, wenn die gummiwurst tanzt. dat hat für mich nix mehr mit emanzipatorischer politik zu tun. die antifa hat m.e. keine politischen ideale oder visionen mehr. die daseinsberechtigung wird allein aus der existenz der nazis abgeleitet. ansonsten wird vom kosmopolitischen kommunismus gelabert, ohne das ganze auch nur annähernd politisch unterfüttern zu können. und ne demo is sowieso nur toll, wenns nen coolen riot gab..., pah! zum kotzen! bomber harris und die flut für alle deutschen, incl. mutti, vati, opa (dem besonders, wa?) oma, alle bekannten samt onkel und tanten? klar, ne britische luftmine aufs eigene einfamilienhaus, ist doch toll! antifa war anfang der 90-er schon mal weiter. nachhaltige politische arbeit und analyse wurde ersetzt durch hohle phrasendrescherei. davon sind die scheiss-faschisten sicher sehr beeindruckt!

reinfall

dani 29.11.2004 - 16:11
also meine ergänzung bezieht sich hier hauptsächlich auf die "Demo" in dresden.Pirna war scheiße, insgesamt haben wir uns um einen einzigen hausblock bewegt und nich wie gedacht mal ganz pirna wachgerüttelt. nach 2 stunden warten mal ne halbe stunde loswackeln bringt doch nix, dann hätten wir dem drecksack von bürgermeister auch gleich seinem willen geben können, trotzdem find ich es phänomenal dass (trotz ekel-wetter) so viele da waren, über zahlen läßt sich streiten...!Danke hiermit an alle die da waren.
zum eigentlichen anliegen. im zug zurück nach DD marschierte da einer durch, am haupfbahnhof soll ne spontandemo stattfinden. diese "demo" bestand dann aber hauptsächlich daraus, sich mit den bullen eine kleines fange-spielchen zu liefern, stände von völlig unbeteiligten läden (wer weiß, ob sie die sache nicht unterstützt hätten) umzureißen und zu zertrampeln, schaufenster einzuwerfen etc. jeder der da war, hats am eigenen leibe erfahren. so, und habt ihr euch schon mal gefragt, warum antifa demos nicht gern gesehen werden? warum viele geschäfte in pirna aus angst (vor uns, nich vor den nazis...) zeitiger geschlossen haben. was hatte die dresden-aktion für nen sinn, außer dass das bild der linken mal wieder im arsch ist????? okay, ich war auch frustriert, dass pirna sinnlos war, dass ich mich extra 200 km dahin aufgemacht hab. aber die altstadt zu zerlegen war einfach nur DÄMLICH!!!!!! und das muß endlich mal in eure köppe reinkommen. das war mal wieder ein guter nährboden für diverse vorurteile und mal ehrlich, war es tatsächlich noch die kampagmne gegen die naziläden (warum wir ja alle überhaupt gekommen sind)? klären wir die menschen gegen rechte strukturen auf, wenn wir randalieren? sicher nich...
ich will erreichen, dass sich diejenigen angesprochen fühlen, die selbst mit steinen in die altmarktgalerie oder was auch immer geworfen haben und dass diese leute mal darüber nachdenken, dass sie sich damit ins eigene fleisch schneiden und der sache ein riesen-hindernis sind.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 15 Kommentare

blablablabla

antifa 13.06.2004 - 13:05
Um was ging es dir eigentlich da: Selbsprofilierung? Bestätigung deiner coolen Identität gegen Neonazis zu sein? Wie ist es zu verstehen, dass die Konfrontation den Bullen so ausführlich beschrieben wurde und nicht das Anliegen auch in ostzonalen Städten mal was anderes aufzuzeigen als den rot-braunen Müll den die PDS sowie die NPD verbreitet? Fragen über Fragen...

Antifa ist der Kampf ums Ganze?

schwachmaten

denk nach 13.06.2004 - 13:21
also dieses lächerliche gepose mit bomber harris und dem stalingrad scheiss zeigt leider das dieses antideutsche gehabe wirklich absoluter dünnsinn ist.
und hat nix mit fundierter antifa arbeit zu tun...fangt mal an nachzudenken!

Schuld und Subjekt

mensch 13.06.2004 - 14:58
@Pamela

Ich würde dir zwar zustimmen, dass besser darüber nachgedacht werden muss was Antifas hochjubeln und was nicht. Bei allem was die Welt den Alierten verdankt, sie haben sicher nicht in erster Linie aus überzeugtem Antifaschismus gehandelt (Bahnstecken zu KZ's wurden z.B. nicht Bombadiert). Die Bombadierung von Arbeiterfirteln hat sicher nicht "unschuldige Zivilisten" getroffen (schließlich haben die meisten Deutschen - auch Arbeiter - die Nazis geduldet oder unterstützt), trotzdem waren sie grausam und haben nicht zum erhoften Aufbegehren geführt, im Gegenteil.

Das du Wehrmachtssoldaten aber verharmlost nur weil es keinen Zivildienst gab ist für mich unverständlich. Es gibt genug Beispiele die zeigen, dass es möglich war sich dem Kriegsdienst zu entziehen (siehe z.B. Swingjugend), auch wenn mit Risiko verbunden.
Die meisten Wehrmachtssoldaten waren Mörder und überzeugt Volksdeutsche, alle aber Kriegsverbrecher.

Nur auch diese Erkenntnis streitet nicht ab das Täter nicht auch Opfer werden können (nur das sie das nicht von ihrer Verantwortung für die begangenen gräul befreit) und umgekehrt. Der Versuch ein hegemoniales und einheitliches Tätersubjekt zu konstruieren wie es im Spruch "Deutsche Täter sind keine Opfer" erkenntlich wird reproduziert herrschende Menschenbilder und verhindert die subjektive Realität zu verstehen.

Diese Revlexhandlung einiger AntifaschistInnen ist zwar verständlich, schließlich gibt es den versuch z.B. mit der Bezeichnung der Aliiertenbombardements als Massenvernichtung eine gleichsetzung mit Naziverbrechen und damit eine entlastung der deutschen Verantwortung am 2. Weltkrieg und der Massenvernichtung der Nazis herbeizuführen. Sie arbeitet aber mit der christlichen Schuld/Sünde zuschreibung, die z.B. zentraler bestandteil des Rechts/Kriminellen-Diskurses ist. Eine solche reproduktion von herrschaftsstabilisierenden Ideologien sollte vermieden werden. Es gibt kein einheitliches Subjekt. Handeln ist nur im kontext und immer als Ergebniss von Erfahrungen verständlich. Die Erkenntnis der Ursachen dafür etwas getahnt zu haben, befreit nicht von der Verantwortung für das eigene Handeln.

Sinn und Zweck von Demonstrationen

abc 13.06.2004 - 16:09
Nennt mich altmodisch, aber der Sinn und Zweck von Demonstrationen liegt für mich immer noch darin mindestens Verständnis, im optimalen Fall, Unterstützung bei der Bevölkerung zu wecken. Das wurde gestern nicht erreicht. Den meisten Teilnehmern ging es wie die momentan drei Beiträge auf indy suggerieren vor allem darum, sich mit den Nazis anzulegen. Einerseits haben die Nazis damit sicherlich ungewollt zu einer höheren Teilnehmerzahl beigetragen, auch wenn es mit Sicherheit keine 500 Leute waren, andererseits haben weder die Parolen noch das Auftreten und noch weniger die Berichterstattung in einigen Medien irgendeinen positiven Effekt für die Antifa. Eine Horde Vermummter ist durch Pirna gezogen, hat den Einwohnern den Tod durch Bombenhagel gewünscht und ist wieder verschwunden. Alltag ist eingekehrt und für die vielen auswärtigen Antifas dürfte der Kick eines homogenen Auftretens langsam abgeklungen sein. Ob es die einheimischen Antifas nun einfacher in Pirna haben, wage ich zu bezweifeln. Die Nazis sind nicht verschwunden und so mancher Bürger hat sich Antifaschisten sicher anders vorgestellt. Die Außenwirkung war durch Kleidung, Auftreten und das riesige Bullenaufgebot katastrophal. Leider gibt es Antifaschisten wie "pamela" weiter oben viel zu selten. Einen Bomberpiloten, dessen Denkmäler von seinen antifaschistischen Landsleuten regelmäßig beschmiert werden, zu feiern, ist typisch deutsch.

@ Mensch

Pamela 13.06.2004 - 16:42
Nun, so weit ich weiß wurden von der Wehrmachtsjustiz rund 1 Million "ungehorsame Soldaten" (Deserteure, Wehrkraftzersetzer etc.) verurteilt, und es gab mehr als 30.000 Todesurteile. Das spricht nach meinem Dafürhalten dafür, dass es zumindest doch einige hunderttausend Wehrmachtssoldaten gegeben haben muss, die keine "strammen Nazis" und überzeugten Faschisten waren... das meinte ich. Ich will damit bestimmt nicht die Wehrmacht als solche entlasten, aber die Gleichung "Wehrmachtssoldat = Nazi-Opa" ist mir da doch etwas zu platt. Es war ja auch nicht jeder der in der Roten Armee kämpfte, ein überzeugter Kommunist, oder jeder der in der Royal Air Force kämpfte, ein Kapitalist... etc. nach einer so simplen Logik funktioniert Krieg und Militär, was im wesentlichen auf Zwang und Unterdrückung basiert, nunmal nicht.

Zu der Demo noch: es ging angeblich darum "linke Strukturen zu stärken". Mich würde mal interessieren wie "gestärkt" die Linke nun vor Ort ist, nachdem die örtliche Bevölkerung mit verlockenden Verheißungen wie Tod durch Ertrinken ("Flut") und Flächenbombardements ("Bomber Harris") umworben wurde.

@ Pamela

Anderson 13.06.2004 - 17:11
Juden = Volksgruppe??? Also erstens würde ich den Begriff "Volksgruppe" generell in Frage stellen. Kannst Du mir bitte erklären wie sich eine "Volk" definiert? Wer gehört dazu, wer nicht...vielleicht merkst Du dann selbst, daß schon alleine die Konstruktion eines "Volkes" die Grundvoraussetzung für Rassismus und Nationalismus ist. Abgesehen davon gibt es eine Religion die Judentum genannt wird, aber von einem "Volk" das so bezeichnet wird habe ich noch nie gehört...Bei deinen Aussagen bzgl. BomberHarris, Stalingrad kann ich Dir aber zumindest teilweise zustimmen. Außerdem gab es auch sexistische und homophobe Demosprüche, aber das ist bei so vielen Antifa-Mackern leider auch nicht verwunderlich.
Und die Außenwirkung der Demo war wirklich katastrophal. Es sei denn, der einzige Zweck der Demo war den Bürgern klar zu machen, daß sie mitverantwortlich sind für die Naziübergriffe in der Region und sie dafür anzupissen und in Pirna mal für einen Tag die Kräfteverhältnisse durcheinanderzubringen. Aber eigentlich habe ich zumindest immernoch mehr Ansprüche an eine Demo....

@Pamela

hmm 13.06.2004 - 17:49
Ich gebe Dir soweit recht, allerdings ist die Zahl von 1 Mio. desertierter Wehrmachtssoldaten definitv falsch und deutlich zu hoch. 30.000 wurden wegen Fahnenflucht oder "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt, 20.000 Urteile wurden danach vollstreckt. Einige 10.000 Soldaten bekamen Zuchthausstrafen. All diese Zahlen sind allerdings weit von deiner Millionen entfernt. Ansonsten gebe ich dir recht und viele Antifaschisten sollten überlegen, ob sie selbst den Mut gehabt hätten sich zu wehren ehe sie andere verurteilen.

Ergänzung

Graf Zahl 13.06.2004 - 17:59
Es waren nicht 500 Antifas, sondern nur 350 bis 370 (handverzählt).

isnt't

the real Graf Zahl 13.06.2004 - 19:00
@ Graf Zahl
"Es waren nicht 500 Antifas, sondern nur 350 bis 370 (handverzählt). "

...stimmt ja gar nicht. Schlechter Versuch!





Antwort

Pamela 13.06.2004 - 19:04
@ hmm: Die Zahl von einer Million habe ich vom NS-Opfer-Kommittee 'Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz' übernommen... ich habe aber gerade nochmal nachgeschaut (Quelle:  http://tv.orf.at/program/orf2/20030107/268901201/41532/) die geben sogar 1,3 Millionen verurteilte Wehrmachtssoldaten an. Ich weiß nicht warum diese Zahl nicht stimmen soll... es sind ja nicht alles Deserteure, sondern in der Zahl sind wohl alle möglichen Verurteilungen wegen "Ungehorsam" usw. enthalten (der NS-Opferverband spricht wörtlich von "ungehorsamen Soldaten" - das kann alles sein, von der einfachen Nichtausführung eines Befehls bis hin zur "Fahnenflucht"). Aber die 1,3 Millionen Wehrmachtssoldaten, die unter Hitler von der NS-Militärjustiz verfolgt wurden, waren bestimmt nicht gerade überzeugte Faschisten, denn sonst hätten sie zu solchen Verfolgungsmaßnahmen kaum Anlass gegeben.

@ Anderson: Mit Volksgruppe meinte ich "Bevölkerungsgruppe"... aber was Juden betrifft, so bezeichnen sich viele Juden selbst (u.a. in der Thora, aber auch heutige Repräsentanten wie z.B. Paul Spiegel) immer wieder als "ein Volk", "das auserwählte Volk", "das jüdische Volk" etc. pp. Was damit gemeint ist, darfst Du folglich nicht mich fragen, ich habe das ja nicht erfunden. Ich finde das ja selbst sehr bedenklich.

Wenn ich hier aber von "Volksgruppe" spreche, dann meine ich damit eine durch z.B. Sprache, Religion, Kultur o.ä. definierbare Bevölkerungsgruppe.

"jüdisches Volk"

Indeed 13.06.2004 - 19:31
Auch in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel vom 14.Mai 1948 werden die Juden als "jüdisches Volk" bezeichnet (dieser schreckliche Begriff kommt allein darin insgesamt 11 mal vor) ->  http://liste.israel.de/botschaft/unabhaengigkeit.html

@ pamela

Kulturwissenschaftler 13.06.2004 - 20:10
Wie zum Teufel willst du ganze Menschenmassen durch derart schwammige analytische Konstrukte wie bspw. "Kultur" definieren? Kultur ist nichts greifbares, sondern ein ständig fließender Übergang: von Norden nach Süden, vom Manager zum Arbeiter, vom Schützenverein zur freiwilligen Feuerwehr - überall herrschen verschiedenste "kulturelle" Umgänge. Zur Kollektivierung von Menschen sind derartige Begriffe also wirklich völlig unbrauchbar - abgesehen davon, dass Konstrukte wie Volk und Nation sowieso nur Legitimationsmechanismen für die herrschende Klasse darstellen, das antagonistische Abgrenzungsprinzip unserer nationalstaatlich geordneten Welt weiter aufrechterhält und mit Sicherheit keinerlei emanzipatorische Ansätze beinhalten!

No nation, no border!
Kein Volk, kein Staat, kein Vaterland!

@ Kulturwissenschaftler

Pamela 13.06.2004 - 22:04
ach Gottchen... ich definiere doch überhaupt nicht "Kultur"... das definieren die unterschiedlichen Kulturen selbst. z.B. die Gothic oder Punk-Kultur, die jüdische Kultur, die Hip Hop Kultur, die Antifa-Kultur, ... die legen alle für sich fest, wer zu ihnen gehört, und wer halt nicht. Durch Codes, durch Kleidung, Szenesprache, Symbole, Rituale, und weiß der Teufel was noch alles. Das hat denen auch keiner eingeredet dass sie das so machen müssen... das machen die ganz von selbst!

Und ich habe mir erlaubt, dieses Alltags-Phänomen als "Kulturen" oder "Bevölkerungsgruppen" zu bezeichnen... und löse damit bei Dir eine riesige Abhandlung darüber aus, die noch dazu völlig am Thema vorbei geht.

Wie gesagt, ich definiere hier überhaupt niemanden... sondern der/diejenige, der/die sich zu einer Kultur oder Bevölkerungsgruppe zugehörig fühlt, definiert sich darüber. Und es gibt nunmal Leute die sich selbst als "Deutsche", "Türken", oder "Juden" definieren... das mag ja nicht Deinen emanzipatorischen Ansprüchen genügen, wenn sich jemand als "Jude" bezeichnet, oder der "jüdischen Kultur" zugehörig fühlt... aber ich habe damit ehrlich gesagt keine Probleme.

@Pamela, die Mega-Antifaschistin, yeah

laurenz 14.06.2004 - 10:20
Nur für dich, die es wohl nicht besser weiß - der 2.WK, war kein Krieg zwischen gleichberechtigten kapitalistischen Ländern, um kapitalistische Interessen, sondern ein Angriff Deutschlands auf unzählige Länder in Europa und vielmehr noch, ein antisemitisch-motivierter Vernichtungszug gegen Juden in ganz Europa und wenn es nach den Deutschen gegangen wäre in der ganzen Welt.
Geklappt hat es aber nicht, dank Stalingrad 43 und D-Day 44!
Dein Hinweis auf die böse kapitalistische Macht, die so viele arme Deutsche auf den Gewissen hat, ist somit hinfällig, langweilig und auch nicht links, schon garnicht linksradikal und auch nicht mehr antifaschistisch.
Schon eher befindest du dich damit in bester Gesellschaft eines Jörg Friedrich und Günther Grass, die es ja, und so viele andere arme Deutsche auch, so schwer gehabt haben unter den bösen fremden kapitalistischen Besatzern.
Hinzu kommt, dass du "deutsch sein" und "Rasse" in einen direkten Zusammenhang stellst (nämlich über deinen Rassismus-Vorwurf).
Du folgst damit einer klaren völkischen Konstruktion von Nation und Gesellschaft. Weit hin kann es mit deinem Antifaschismus bzw. mit deiner antifaschistischen Bildung nicht sein. Aber vielleicht befindet sich deine Antifa-Tradition ja eher so in Nähe von SPD und CDU - ich glaube, die würden deine kleine "inhaltliche" Ergänzung unbesehen unterschreiben.

Ne coole Crew würdet ihr abgeben.

P.S.: Empfehlenswert in diesem Zusammenhang sind Berichte und Bücher von Menschen, die nicht das "Glück" hatten "völlig unpolitisch" Dresdner oder Hamburger zu sein. So zum Beispiel die Tagebücher oder LTI von Victor Klemperer. Da wird eindringlich beschrieben, was die Unterschiede zwischen Massenmord und Bombenangriffen gegen deutsche Städte sind und auch, was Juden und andere Verfolgte des Naziregimes von diesen Angriffen hielten, die ihnen nicht selten Chancen zur Flucht, zum weiteren Verstecken und immerhin Hoffnung gaben, dass die Herrschaft der Deutschen endlich ein Ende haben würde.

mit der Gesamtsituation unzufrieden...

ANTIFAlangebrück 17.06.2004 - 00:46
Liebe antifaschistischen Freunde (und damit meine ich alle antifaschistisch denkenden!)

Ok, zugegeben, an Pamalas Beitrag finden einige Anstoss, weil sie Parolen, die vielen beim singen Freude bereiten, öffentlich angreift. Konkret bei "Bomber Harris..." gebe ich ihr in dieser Form auch eindeutig recht. "Stalingrad..." war mir persöhnlich nur mit dem Reim "...jede Sekunde (bzw. jeder Schuss) ein deutscher Soldat...", bekannt. Die neue Form "war wunderbar..." kann ich nicht gutheißen, denkt auch an die vielen russischen Freunde, welche im Kampf gegen deutsche Tyrannei, ihr Leben ließen. Für mich war Stalingrad nur im Ausgang wunderbar (Geschichtskundige wissen was ich meine).
Das ist aber alles nicht Grund meines Schreibens. Meiner Meinung nach sollten Antifas gewissen zusammenhalt (natürlich keine "kameradschaft") zeigen und sich nicht in diesem Board zynisch als "supi Antideutsch" beschimpfen. Was soll der Scheiss? Das NB zieht in den Stadtrat, im Februar organisiert sich ne 2000 Mann Nazidemo, wo soll das hinführen, wenn wir nicht GESCHLOSSEN uns dagegen stemmen? Wie in einer Kette im Demogetummel, Arm unter Arm (ach ja, "Ketten" ich wusste vor 2 jahren auch nichts damit anzufangen, jeder lernts mal, -was kann daran falsch sein?). In Pirna war ich leider nicht dabei, die Beiträge hier vermitteln einen positiven Eindruck, jedoch hätte ich ohne dieses Board nicht gewusst, das dort was gewesen sein soll...(soviel zum Sinn der Demo - kaum Medieninteresse, bzw. aufmerksamkeit der Bevölkerung zu erregen). Ich denke jede Demo hat seinen kleinen Erfolg, der typische Nazi freut sich doch auch über Widerstand, kann er doch dann zeigen was er in unter der Bomberjacke trägt. Dabei kommt es nicht auf die Demogröße an (die spontandemo im Rathaus war jedenfalls mit 100 mann wesentlich publiker als der pirnatripp).
Bitte reicht euch die Hände (vielleicht zur Versöhnung.....) es nützt uns kein Antifa etwas, wenn er seinen Nebenmann verrät. In anderen Kreisen gilt die Antifa als total unorganisierte Horde junger, pupertärer "Dagegenseiender" , der Stress sucht und nicht für Widerstand oder Revolte steht. Lasst uns das gegenteil beweisen, auf meine (oder besser unsere Unterstützung) könnt ihr bauen.

NIE WIEDER KRIEG; NIE WIEDER FASCHISMUS!
ANTIFA Langebrück