Polizei Berlin: "Wir machen auch Hausbesuche'
Bei ihrem "Tag der Offenen Tür" präsentierte sich die Berliner Polizei heute Nachmittag in der Landespolizeischule Ruhleben. Neben Vorzeigebeamten aller Direktionen ließen es sich auch Tausende Familien, uniformierte Bundeswehrsoldaten, das Technische Hilfswerk, diverse Radiostationen und schließlich auch einige Nazis nicht nehmen bei diesem abstrusen Straßenfest dabei zu sein.
Ein krudes Interesse musste es gewesen sein, dass uns zwei Schaulustige heute in die Landespolizeischule am Arsch Berlins trieb. Die Veranstaltung war in der BZ und einigen ähnlichen Schmierblättchen, im U-Bahn-TV und nicht zuletzt im autonomen Terminkalender "Stressfaktor" angekündigt worden - und die Massen kamen. Vom U-Bahnhof zog sich die Karawane von Interessierten den ganzen Weg zur Ausbildungsstätte der staatlichen Gewalt, fröhliche, deutsche Familien mit Luftballons, "Polizei Berlin"-Caps und ähnlichen Accessoires strömten ihr entgegen.
Kurz vor dem Gelände kontrollierten Beamte der Bereitschaftspolizei die Taschen einer Gruppe Punks, die sich ebenfalls von dem Großereignis hatten anziehen lassen. Offenbar befürchtete man Zwischenfälle. Besser erging es da einer Gruppe Neonazis der "Berliner Alternative Süd-Ost", die unbehelligt eine Mini-Kundgebung auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchziehen durften. Auf Transparenten zeigten sie die cleveren Slogans: "Freiräume schaffen! Nationale Zentren erkämpfen!" und "Polizei und Demokratie - unsere Ketten sprengt ihr nie!". Wären da nicht diese wirren Parolen gewesen, hätte man die Nachwuchsnationalisten - allein aufgrund ihres Äußeren - nicht als Nazis erkennen können. Die zehn bis fünfzehn Spacken wirkten schon eher wie gemäßigt-linke, sportlich gekleidete Jugendliche... .
Unbeeindruckt davon ließen sich begeisterte Spießbürger in Gefangenenwannen rumkutschieren - ein zweifelhaftes Vergnügen, dass ich normalerweise zu vermeiden suche. Schon bald hinter dem Eingang glänzte ein Merchandisingstand der Bullen - umrahmt von geruchsintensiven Bratwurstständen - mit Polizei-Streetwear, wie z.B. einem T-Shirt, das ein vermummtes Sondereinsatzkommando zeigte und darunter den Slogan: "Wir machen auch Hausbesuche!". Gerade so kurz nach dem 1. Mai, in dessen Vorfeld so manche aktenbekannte AktivistInnen solche "Hausbesuche" empfangen durften, wird dieses Shirt sicher reißenden Absatz finden. Vom zynischen Design her hätte es sich auch wunderbar in einem linken Mailorder gemacht... . Daneben bot der schnauzbärtige Pit-Bull-Pulloverträger von Verkäufer unter anderen T-Hemden eines mit wappenartigem Adler und "Old Germany"-Schriftzug an, das hingegen in einem der diversen, bekannten Fascho-Versände nicht aufgefallen wäre. Weird!
Die Motorradstaffel schickte ihre Nachwuchstruppe ins Rennen, interessierte Bild-Zeitungsleser und ihre Kinder durften Probesitzen im Polizeihubschrauber, verschiedenen altertümlichen Fahrzeugen, sogar einer gepanzerten Staatskarosse und schließlich im Wasserwerfer (der - laut Beschreibung der Schautafel - in erster Linie zur Trinkwasserversorgung (wie bitte?) gedacht ist und nur ganz nebenbei für "besondere polizeiliche Lagen", was auch immer das heißen soll). Angekündigt gewesen war "Zielschiessen mit dem Wasserwerfer", in vorrangegangen Jahren war diese Attraktion auch tatsächlich noch angeboten worden, dieses Jahr nicht, also wendeten wir uns enttäuscht ab.
Ein Hip-Hop-Veranstalter, der ebenfalls einen Stand an einer der Bühnen unterhielt, erklärte mir, ohne danach gefragt worden zu sein, dass HipHop eigentlich "gewaltfrei" sei (Warum erzählt er mir das? Wirke ich gewalttätig?) und dass ein paar seiner Bands gerade nebenan zum Tanz gespielt hätten, aha. Die gezeichnete Sympathiefigur "Mike" warb für Gewaltfreiheit, was inmitten dieser monströsen Waffensammlung doch etwas fehl am Platze wirkte... . In einer Ausstellung der Abteilung "Politisch Motivierte Straftaten" (PMS) klärte man uns über Extremismus auf: Jeweils ein Raum war dem Links-, dem Rechts- und dem sogenannten Ausländerextremismus gewidmet. Während der dritte eher lieblos einige PKK-Fahnen und islamistische Zeitschriften zeigte, brillierte der Raum, der uns gewidmet war, mit vermummten Schaufensterfiguren, einigen Hakenkrallen auf der Wäscheleine, Bildern aus Göteborg, Prag, Genua etc., einer Chronologie des 1. Mai von 1987 bis heute und Waffen wie Schreckschusspistolen und Knüppeln mit Nägeln und Schrauben, die einem wirren Splatterfilm entsprungen sein könnten. Im Nazi-Raum nebenan hingen die einschlägigen Fahnen (FAP, SS-Runen, Reichskriegs- und Hakenkreuzflagge), sowie ebenfalls eine beeindruckende Waffensammlung, die allerdings drei- oder viermal so viele Exponate vorzuweisen hatte. Das wollen wir sehen: Politische Bildung auf unterstem Niveau, Hauptsache martialisch und anschaulich, juhu!
Die uniformierten Veranstalter bescherten uns somit am heutigen Tage einen Event der Extraklasse, der uns zugegebenerweise nicht unbeeindruckt gelassen hat (insbesondere durch die unerwartete Anwesenheit der Nazis). Das will schon was heißen, denn schließlich sind wir einiges gewöhnt! Die unverblümte Waffenschau, jene Gewaltfreiheit predigende Comicfigur "Mike" und Accessoires wie kleine Plastikknüppel als Kinderspielzeuge und obendrein die erwähnten T-Shirts (plus Bratwurstgeruch) ergaben gemeinsam schlichtweg ein bizarres Bild! Die MASSE begeistert bummelnder Bürger innerhalb der Mauern der Ausbildungskaserne tat ihr übriges. Wie soll ich es besser auf einen Punkt bringen, als mit einem Zitat?
"Diese Menschen sind gefährlich, denn sie sind ehrlich! Diese Menschen sind gefährlich und sie sind in der Überzahl... ." (Die Goldenen Zitronen)
Bis zum nächsten Jahr!
Kurz vor dem Gelände kontrollierten Beamte der Bereitschaftspolizei die Taschen einer Gruppe Punks, die sich ebenfalls von dem Großereignis hatten anziehen lassen. Offenbar befürchtete man Zwischenfälle. Besser erging es da einer Gruppe Neonazis der "Berliner Alternative Süd-Ost", die unbehelligt eine Mini-Kundgebung auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchziehen durften. Auf Transparenten zeigten sie die cleveren Slogans: "Freiräume schaffen! Nationale Zentren erkämpfen!" und "Polizei und Demokratie - unsere Ketten sprengt ihr nie!". Wären da nicht diese wirren Parolen gewesen, hätte man die Nachwuchsnationalisten - allein aufgrund ihres Äußeren - nicht als Nazis erkennen können. Die zehn bis fünfzehn Spacken wirkten schon eher wie gemäßigt-linke, sportlich gekleidete Jugendliche... .
Unbeeindruckt davon ließen sich begeisterte Spießbürger in Gefangenenwannen rumkutschieren - ein zweifelhaftes Vergnügen, dass ich normalerweise zu vermeiden suche. Schon bald hinter dem Eingang glänzte ein Merchandisingstand der Bullen - umrahmt von geruchsintensiven Bratwurstständen - mit Polizei-Streetwear, wie z.B. einem T-Shirt, das ein vermummtes Sondereinsatzkommando zeigte und darunter den Slogan: "Wir machen auch Hausbesuche!". Gerade so kurz nach dem 1. Mai, in dessen Vorfeld so manche aktenbekannte AktivistInnen solche "Hausbesuche" empfangen durften, wird dieses Shirt sicher reißenden Absatz finden. Vom zynischen Design her hätte es sich auch wunderbar in einem linken Mailorder gemacht... . Daneben bot der schnauzbärtige Pit-Bull-Pulloverträger von Verkäufer unter anderen T-Hemden eines mit wappenartigem Adler und "Old Germany"-Schriftzug an, das hingegen in einem der diversen, bekannten Fascho-Versände nicht aufgefallen wäre. Weird!
Die Motorradstaffel schickte ihre Nachwuchstruppe ins Rennen, interessierte Bild-Zeitungsleser und ihre Kinder durften Probesitzen im Polizeihubschrauber, verschiedenen altertümlichen Fahrzeugen, sogar einer gepanzerten Staatskarosse und schließlich im Wasserwerfer (der - laut Beschreibung der Schautafel - in erster Linie zur Trinkwasserversorgung (wie bitte?) gedacht ist und nur ganz nebenbei für "besondere polizeiliche Lagen", was auch immer das heißen soll). Angekündigt gewesen war "Zielschiessen mit dem Wasserwerfer", in vorrangegangen Jahren war diese Attraktion auch tatsächlich noch angeboten worden, dieses Jahr nicht, also wendeten wir uns enttäuscht ab.
Ein Hip-Hop-Veranstalter, der ebenfalls einen Stand an einer der Bühnen unterhielt, erklärte mir, ohne danach gefragt worden zu sein, dass HipHop eigentlich "gewaltfrei" sei (Warum erzählt er mir das? Wirke ich gewalttätig?) und dass ein paar seiner Bands gerade nebenan zum Tanz gespielt hätten, aha. Die gezeichnete Sympathiefigur "Mike" warb für Gewaltfreiheit, was inmitten dieser monströsen Waffensammlung doch etwas fehl am Platze wirkte... . In einer Ausstellung der Abteilung "Politisch Motivierte Straftaten" (PMS) klärte man uns über Extremismus auf: Jeweils ein Raum war dem Links-, dem Rechts- und dem sogenannten Ausländerextremismus gewidmet. Während der dritte eher lieblos einige PKK-Fahnen und islamistische Zeitschriften zeigte, brillierte der Raum, der uns gewidmet war, mit vermummten Schaufensterfiguren, einigen Hakenkrallen auf der Wäscheleine, Bildern aus Göteborg, Prag, Genua etc., einer Chronologie des 1. Mai von 1987 bis heute und Waffen wie Schreckschusspistolen und Knüppeln mit Nägeln und Schrauben, die einem wirren Splatterfilm entsprungen sein könnten. Im Nazi-Raum nebenan hingen die einschlägigen Fahnen (FAP, SS-Runen, Reichskriegs- und Hakenkreuzflagge), sowie ebenfalls eine beeindruckende Waffensammlung, die allerdings drei- oder viermal so viele Exponate vorzuweisen hatte. Das wollen wir sehen: Politische Bildung auf unterstem Niveau, Hauptsache martialisch und anschaulich, juhu!
Die uniformierten Veranstalter bescherten uns somit am heutigen Tage einen Event der Extraklasse, der uns zugegebenerweise nicht unbeeindruckt gelassen hat (insbesondere durch die unerwartete Anwesenheit der Nazis). Das will schon was heißen, denn schließlich sind wir einiges gewöhnt! Die unverblümte Waffenschau, jene Gewaltfreiheit predigende Comicfigur "Mike" und Accessoires wie kleine Plastikknüppel als Kinderspielzeuge und obendrein die erwähnten T-Shirts (plus Bratwurstgeruch) ergaben gemeinsam schlichtweg ein bizarres Bild! Die MASSE begeistert bummelnder Bürger innerhalb der Mauern der Ausbildungskaserne tat ihr übriges. Wie soll ich es besser auf einen Punkt bringen, als mit einem Zitat?
"Diese Menschen sind gefährlich, denn sie sind ehrlich! Diese Menschen sind gefährlich und sie sind in der Überzahl... ." (Die Goldenen Zitronen)
Bis zum nächsten Jahr!
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Ergänzungen
Hausbesuche-T-Shirt contra Mike
Übrigens gabs beim Tag der offenen Tur noch nie irgendwelche Aktionen. Ich war das letzte mal in den 90ern selbst dort gewesen - die waren besonders stolz auf ihre Motorrad-Tricks. Gegen 18.00 wurden die Polizisten auf einmal richtig böse und brüllten die letzten Besucher an: "Raus hier! Is geschlossen!"
Ergänzung
- im ausstattungskatalog "enforcer" (www.enforcer.de) wird dieses t-shirt als ideales gastgeschenk angepriesen.
"Kurz vor dem Gelände kontrollierten Beamte der Bereitschaftspolizei die Taschen einer Gruppe Punks, die sich ebenfalls von dem Großereignis hatten anziehen lassen. Offenbar befürchtete man Zwischenfälle. Besser erging es da einer Gruppe Neonazis der "Berliner Alternative Süd-Ost", die unbehelligt eine Mini-Kundgebung auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchziehen durften."
-(ca.13:30) für mich sah das so aus... als wir in einer gruppe, schätze so 20 - 25 leute, aufs gelände der polizei wollten kamen uns sofort ein paar hanseln vom staatsschutz und pms entgegen die meinten "das wir hier nicht willkommen seien".
als sich einer aus der gruppe richtung bahnhof (also weg vom veranstaltungsort) bewegte, wurde er von einem etwas zu angespornten jungen mann (zivi) gegen abgestellte fahrräder geschubst und überwältigt. er wurde dann in die gesa um die ecke gefahren wo personalien überprüft wurden etc. er hat nun mehrere anzeigen zu befürchten..... nebenher, es waren hakenkreuze auf die bänke in der zelle geschmiert...
der rest bekam platzverweise... dann kamen bald 2 wann 23iger die aufpassten das über den vordereingang keine linken reinkommen.. nazis konnten sich frei bewegen..
die leute warteten auf den festgenommenen, der nach langem warten auch raus gelassen wurde...
später konnte man die bullen(23iger) dazu bewegen das sie einen aufs gelände lassen wenn die nazikundgebung vorbei is. nach einigen busfahrten war dann so gegen 18 uhr soweit...
auf dem gelände wurde man noch von manchen bullen angepöbelt.
fazit.... die zivis, pms'ler und staatsschützer waren sehr agessiv und überheblich. die bereitschaftsbullen, waren einigermaßen "diszipliniert", im gegensatz zu den zivis, sollte man dazu sagen.
"insbesondere durch die unerwartete Anwesenheit der Nazis"
- im letzen jahr waren auch schon nazis da, die mit nem transpi aufm gelände gestanden haben. gabs von den nazis letzes jahr nich auch fotos?
TDOT
2. Es gibt ein Berliner Infoportal, dort steht ein Bericht zu den Geschehnissen von gestern, der diese Darstellung hier witgehend bestätigt. Dabei handelt es sich jedoch um eine Siete die ebenfalls die Nazis betreiben dürften... Bilder sind dort auch zu sehen, aber die sind eher drittklassig.
Link zu diesem Artikel:
28 000 Berliner besuchen ihre Polizei
Sie drängten sich unter anderem, um ein Spezialeinsatzkommando zu beobachten, das "Geiseln" befreite. Applaus ernteten auch die Motorradsportgruppe unter Georg Franke - und der öffentliche Heiratsantrag, den ein Polizist in Ausbildung seiner Angebeteten machte. In den Häusern informierten Beamte des Landeskriminalamtes über Falschgeld, Kindesvernachlässigung und Rechtsextremismus.
Angenehm aus dem Rahmen fiel die multikulturelle Vorstellung der Direktion 5 (Friedrichshain/Kreuzberg/Neukölln) mit Vereinen wie der tamilischen Volksgruppe oder dem arabischen Kulturinstitut.
"Das passt zu unserem Kiez", sagte Polizeidirektor Jürgen Klug.
tal
GEWALT + GEWALTBEREITSCHAFT...
Hier mal auf die Schnelle ein paar Definitionen
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GEWALTBEREITSCHAFT der Kampfbegriff der Herrschenden.
Gewaltbereite Chaoten...
Was wäre eine Bulle, Soldat, Wachschützer ohne Gewaltbereitschaft ?
Der/Die hätten ihren Beruf verfehlt.
Es ist alles eine Frage des Standpunkts
Der
DEFINITIONSMACHT
Wer die Macht hat hat das Recht.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Was tun?? — Warhead