Zwischen Militanz und sozialer Kommunikation

Mensch aus Kreuzberg 06.05.2004 15:08 Themen: Freiräume Kultur Repression Soziale Kämpfe
Dieser Bericht soll eine Ergänzung zu dem, was bisher andere zum 1. Mai 2004 in Berlin berichteten sein. Eine topografische Skizze und einige inhaltliche Abschnitte sind als Verständnishilfe für Menschen, die sich in der Stadt nicht auskennen gemeint.
Zur Skizze: In Blau ist in etwa das Kreuzberger 1. Mai Festareal gekennzeichnet. Im gesamten gestrichelten blauen Feld waren neben den Bühnen am Oranien- und am Mariannenplatz noch mehrere Stände und weitere Bühnen. Rotblau der vielzitierte Heinrichplatz, weil er gleichzeitig Festareal und Treffpunkt für eine eventuelle spontane Abenddemo gegen die Demonstrationsverbote am Abend war. Die Grünen Striche sind eine Darstellung der polizeilichen Umzingelung der Abschlusskundgebung der 16,00 Demo am Kottbusser Tor (die rote Linie mit Pfeil zeigt, wo die Demo her kam). Die Polizei ging davon aus, dass die berühmte Demo am Abend gegen die Demoverbote in Kreuzberg maßgeblich von Teilnehmern der 16,00 Demonstration getragen werden würde. Die Ausrichtung der Polizeiaufstellung zeigt gleichzeitig auch wie das Fest selbst eingekreist war, allerdings ist die Skizze wie gesagt unvollständig. Als die Demowilligen anfingen, einander zu suchen, um zu starten, zog sich der polizeiliche Kreis dann im Inneren des Festareals immer enger. Aufstandbekämpfungsmannschaften wurden zuerst in Höfen, dann mitten auf den Straßen und Kreuzungen innerhalb des blau gekennzeichneten Bereichs postiert, wo seit 10 Stunden ein friedliches Fest gefeiert wurde. Am Schluss war alles no go area. Der rote Kasten zeigt, wo diese ach so radikale Demo dann im Kreis gelaufen ist. Die zwei Hausblöcke entsprechen einer Fläche von vielleicht 100 mal 200 Metern. Die Festnahmenbilanz und die Art des polizeilichen Auftretens zeigt, wer gewonnen hat.


Vorweg: Ich habe die Bemühungen für eine Repolitisierung des 1. Mai grundsätzlich begrüßt. Allerdings hat das, was zustande kam, für mich persönlich nicht gereicht, um am besagten Tag meine Kraft und meine Überzeugung in die angekündigten Initiativen stecken zu wollen. Das heißt im Klartext, für mich sind die Bemühungen um eine Repolitisierung, wie sie Teile der Berliner Linken nach Jahren des Zerbröckelns und des gegenseitigen sich fertig Machens seit einer Weile versucht haben zu schaffen, immer noch am Anfang und drastisch unvollständig, wenn auch festgestellt werden kann, dass vor Allem organisatorisch einige Fortschritte gemacht wurden. Selbst die Vorfeldkampagnen, die auch aus meiner Sicht zum Teil ganz interessant waren, haben nicht gereicht, um mich dazu zu bewegen, am 1. Mai zu sagen: Ok, ich reih´ mich ein. Und ich bin kein Mensch, den irgendwer für irgendwas zu überzeugen bräuchte. Ich bin ganz von selbst für Veränderung und das echt nicht nur so dahingesagt. Auch ich bin gegen die gleichen Dinge, die viele, die sich ach so militant geben behaupten, bekämpfen zu wollen. Auch ich setze mich ein, so gut ich kann. Trotzdem bin nicht bereit gewesen, bestimmte Initiativen ohne Weiteres mitzutragen.

Wenn ich im letzten Jahr in Sachen radikale Linke etwas festgestellt habe, dann sind es leichte Fortschritte in der Überwindung von absolut kontraproduktiven Grabenkämpfen gewesen und leichte Verbesserungen auf der Aktionsebene. Allerdings ist beispielsweise das Bilden von Ketten auf Demonstrationen, das u.a. als ein Erfolg ausgegeben wurde (!) für mich seit jeher eine Selbstverständlichkeit, wie auch einiges mehr, das diese ach so radikalen Leute hier aber in meinen Augen nach wie vor null im Griff haben. Ich habe Verständnis dafür, dass welche sich freuen, dass bei der berühmten Abenddemo in 36 teilweise Ketten gebildet wurden. Aber es beeindruckt mich nicht die Bohne. Von Leuten, die sich als Kämpfer verstehen, erwarte ich das eigentlich grundsätzlich. Als Errungenschaft bzw. Erfolg kann ich das echt nicht werten. Meine Nichtbereitschaft, mich unter den gegenwärtigen Bedingungen einzureihen, ist auch in diesem Sinne zu verstehen.

So weit so gut bzw. schlecht. Ich bin also nicht auf der 16.00 Demo gewesen und ich war auch nicht im Friedrichshain. Ich habe mir angehört, was Leute, die da waren, erzählt haben und denke immerhin, dass sich beide Initiativen zumindest im Bereich der Reorganisationsversuche, wenn auch nur vorsichtig, doch positiv werten lassen. Am wichtigsten dabei ist meines Erachtens die Arbeit gewesen, die den Aktionen vorausgegangen ist. Die ich als eine Arbeit der ersten kleinen, aber konkreten Schritte, um langjährig bestehende Probleme anzugehen, die unbedingt gelöst gehören betrachte. So weit meine Anerkennung. Politisch finde ich trotzdem nicht, dass da besonders viel Neues geschweige denn Großartiges zustande gekommen wäre. Auch ich meine, dass das Aufräumen im Kinderzimmer gar nicht so gut klappt. Und das Erwachsen werden schon gar nicht.

Einiges hat mich doch sehr irritiert. Mit den Leuten, die in der nachträglichen Berichterstattung bzw. in Gesprächen allem, was am Sonntag nicht schwarzerblockmäßig rumrannte jedes politisches Bewusstsein und jede Stärke absprechen (in dem ihnen unterstellt wird, sie würden den ersten Mai nur als normalen Feiertag betrachten) bin ich null einverstanden. Deshalb will ich versuchen, Ergänzendes zu von anderen bisher Gesagtem zu schreiben. Ich war schon vorher skeptisch genug und habe mich am 1. Mai nach reiflicher Überlegung bewusst dafür entschieden, mich sozusagen lieber mit dem Kiez einzureihen. Den Kiez, der das alle Jahre mitmacht, sollte Mensch sich grundsätzlich auch mal näher ansehen, sonst wird das auf keinen Fall was mit einer sozialen Revolution, die diesen Namen auch verdient. Für Nischenkonzepte bin ich nicht zu haben. Alles für Alle ist nicht vereinbar mit einer schlichten Kultur der Nischen und Avantgarden.

Damit auch überregional verstanden werden kann, was ich meine, so viel: Kreuzberg 36 ist erwiesenermaßen eins der ärmsten Viertel Berlins. Beträchtliche Teile der Bevölkerungsgruppen, die nicht wirklich arm und sozial ausgegrenzt sind, bestehen ausgerechnet aus linksliberalen Akademikern und anderen irgendwie Linken aus den Kreisen der einstigen Kreuzberger Alternativen und Linken allgemein. Vom vormals alternativen Bauunternehmer zum underground- Kulturattaché zum Betreiber von passend zum Kiezklischee gestalteten Kneipen zum edel-alternativen Delikatessengeschäft mit horrenden preisen ist da manches dabei, das ganz und gar nicht arm und Opfer ist. Nicht alle, aber so manche haben einst Dank des alternativen Milieus einen relativen Wohlstand erreicht. Und selbst die, die keine Knete haben, die haben immerhin ihre Häuser und Strukturen, die immer noch erheblich mehr Lebensqualität garantieren, als die echt armen Kreuzberger je genießen werden. Es sind bei genauer Beobachtung ganz andere im Kiez, die wirklich arm und sozial ausgegrenzt sind und das auch bleiben werden, als die, die sich seit einer Weile so genannte soziale Kämpfe auf die Fahne schreiben. Arm sind neben manchem Studenten, der aber noch reich werden könnte, große Teile der einfachen Bevölkerung, die es neben ehemaligen Hausbesetzern plus Nachkommen und Jungautonomen in erheblicher Zahl auch noch gibt.

Die berühmten Kids, von denen seit Jahren inzwischen bei Randale die Rede ist stammen, soweit sie aus Kreuzberg kommen, aus den untersten Schichten der örtlichen Bevölkerung. Mit denen die allermeisten Linken nix zu tun haben, obwohl diese Kids, ob deutsch oder ausländisch, primäre Betroffene der sozialen Probleme der Stadt und von unserer Zeit überhaupt sind. Interessant ist u.a. dass sich die Verschärfung der Aggressivität der Jugendlichen zeitlich mit dem Abbau der sozialen Infrastrukturen in den letzten 10-15 Jahren deckt. Je mehr Jugendzentren und andere Infrastrukturen geschlossen wurden, desto mehr blieb für Kids, die sonst nichts haben, die Straße letzter zugänglicher Raum für Begegnung, Ausdruck und Kommunikation und gleichzeitig Ort des totalen sich selbst überlassen seins, in einer Welt, die es gar nicht gut mit ihnen meint und auch sonst nichts für sie übrig hat Viele von den Kids die in Beiträgen hier mal als Solidarische, mal als dumme, idiotische, vollends verpeilte Personen, die alles verderben definiert werde, waren Säuglinge, kleine Kinder oder noch gar nicht geboren als sich der 1. Mai 1987 für immer in manches autonome Herz einbrannte. (Wie diese Kids im Zuge der Mai Berichterstattung hier so tituliert wurden verrät übrigens Einiges über die Leute, die meinen, so sozial zu denken).

1987 war sozialer Kampf im Kiez noch nicht ein Ding aus grauer Vorzeit, das ganz neu wieder hergestellt werden muss, wie jetzt. Allerdings war die damals statt der heutigen Kids von der Straße in Sachen Randale als Protagonistin von Auseinandersetzungen mit Anspruch auf radikalen Politaktivismus berühmte Berliner Autonomie eigentlich dabei, die letzten male aufzuflackern, bevor sich die Power der Jahre zuvor definitiv verflüchtigte bzw. hoffnungslos im selbstgestrickten autonomen Ghetto stecken blieb. Der Reagan Besuch (ein Meilenstein der Repression) und die IWF Proteste waren jeweils der letzte große militante und der letzte große politische Kraftakt dieser Legende. Die übrigens begleitet wurden von einer repressiven Antwort(1), die viele erst jetzt anfangen als Problem für die Demokratie nachzuvollziehen. Der erste Mai 1987 war seinerseits eine Mischung aus letzten Resten geballter autonomer Power und stark angewachsenem, diffusem sozialem Unmut in weiten Teilen der damaligen Bevölkerung. Wer dabei war, weiß genau, dass jener Mai Sache vom ganzen Kiez gewesen ist. Die Polizei juckt es bis heute, weil sie damals im wahrsten Sinne des Wortes unterlegen ist. Politisch bleibt jener Tag von Bedeutung, weil er echt massenhaft von unten getragen wurde. Schon damals hat die Berliner Autonomie meines Erachtens den Fehler gemacht, das Ganze viel zu sehr sich selbst zuzuschreiben und überhaupt nur sich selbst zu sehen, wenn auch die Geschichte mit dem sozialen Unmut damals bei verschiedenen Auswertungen durchaus als wichtige Voraussetzung für jene Nacht festgestellt wurde.

Welche Schnippchen der Hang, sich selbst zu inszenieren und sich als Helden zu geben und zu erleben schlägt, zeigt plakativ die Sache mit dem Brand vom Kaufhaus Bolle. So viele Jahre rühmten sich Leute, die sich als autonom begreifen, im weitesten Sinne, d.h. spektrummäßig, der Tat. Später stellte sich heraus, dass vielmehr ein echter Pyromane, ein Serienbrandstifter ohne politische Ziele das Feuer gelegt hatte. Das ist nur ein extremes Beispiel, aber meines Erachtens hat die Berliner Linke in den letzten Jahrzehnten überhaupt immer deutlicher gezeigt, dass sie extrem Abhängig von der Funktionalisierung von Symbolen ist und dass sie das Zusammenbrechen dieser Symbole an einer weit unrühmlicheren Wirklichkeit so wenig ertragen kann, dass sie lieber Fetische und Rituale draus macht. Was sicher auch mit dem Mangel an weiterer Substanz zu tun hat, bei allem Respekt für jene, die irgendwie immer aufrichtig waren und viel von dem, was in Kreuzberg wirklich den Linken zu verdanken ist möglich gemacht haben. Die Kaufhausplünderung selbst, die stand unabhängig vom Brand auf einem anderen Blatt. Das Kapitel Plünderungen wurde so wie der Widerstand gegen die Polizei gemischt getragen, d.H. von Autonomen UND von Bewohnern. Die Aneignungsakte reflektierten den damals ziemlich gewachsenen sozialen Unmut, aber letzten Endes stieg im Nachhinein dann doch viel mehr der Brand zum Symbol für jenes Ereignis auf, ohne dass es politisch so stimmte. Das haben nicht die Medien allein bewerkstelligt. Auch die Linke hat massiv mitgewirkt und lieber die Erinnerung am Feuer als die Plünderungen weitergetragen: Feuer leuchtet wohl schöner und geiler als Kiezvolk, dass an der Straßenecke Fleisch gegen Windelpakete tauscht und aus längst leer gesoffenen Getränkeläden Mineralwasser und Saft abschleppt. Hauptsache Helden sein.

Sehr bedeutende Punkte der Diskussion 87 und Folgejahre waren dann u.a. der hemmungslose Alkoholkonsum und die immer schlechter werdende Demonstrationspraxis. Weit weniger stark reflektiert war hingegen die Frage nach der Kieznähe. Vielleicht weil die Kieznähe zur Zeit der Häuserkämpfe so ein grundlegendes Element gewesen war, wobei übersehen wurde, dass der immer stärker gewordene subversive und damit geschlossene, weil auf Teufel komm´ raus klandestin ausgerichtete Habitus der linken AktivistInnen immer weniger echte Kieznähe zuließ. Autonomes Ghetto plus schöner Wohnen Fraktion verloren jedenfalls irgendwann nahezu komplett den Draht zum Kiez, wie er wirklich ist. Zugegeben: Parties, Reisen und Gemeinschaftsküchen sind gemütlicher und aufregender als so ein geschundener und problematischer Kiez im Komplettpaket. Immerhin wurde damals von Linker Seite wenigstens in Ansätzen noch mit echtem Staunen und klarem Unverständnis festgestellt und diskutiert, dass Leute anfingen, immer massiver total daneben zu handeln. Das völlig fahrlässige Steine in alle Richtungen werfen und auch Sachen wie nachlassende Fähigkeit zur Kettenbildung etc wurden von Leuten, die noch einen Funken Grips hatten, spätestens von da an immer mehr als etwas wahrgenommen, das anfing, dermaßen den Bach runter zu gehen, dass man sich wirklich Sorgen machen musste. Zu echten Konsequenzen kam es am Ende leider nicht.

Noch ein Punkt in der Diskussion war die Art von Objekten, die dran glauben müssen, wenn ´s kracht, denn: mancher Tante Emma Laden bekam im Laufe der Jahre gegen alle politische Sinnhaftigkeit was ab und die Kleinwagen von Nichtreichen auch. Hat auch leider nix geholfen, wie das Wiederkehren des Phänomens in den Folgejahren deutlich zeigte, wenn auch über zwei drei Jahre versucht wurde, kleine Läden zu schützen. Aus Platzgründen kann ich aber hier nicht im Detail alle Höhepunkte und Stationen der Probleme und Widersprüche hier aufzählen. Leider reduzieren sich die existierenden Chronologien der Maidemos seit 1987 auf den Aspekt der Auseinandersetzung mit der Obrigkeit und auf die Themen der autonomen Nabelschau. So ist es schwer, auf in diesem Sinne brauchbare Dokumente hinzuweisen, um das nachzulesen. Fakt ist, dass die Angelegenheit im Sinne des sozialen Konflikts, der in Kiezen wie Kreuzberg 36 Alltag ist, immer mehr dem Kiez entrissen wurde. Krawalltouristen, Medien, Desinformationsbetreiber, verschiedene Innensenatoren und Polizeidirektoren samt Gefolge, Büttel und Lakaien instrumentalisierten die Sache was das Zeug hält und viele Komponenten der Linken taten das auf ihre Weise auch, in dem sie sich immer mehr bar von handfesten Inhalten auf die Demonstration und das Räuber und Gendarmen Spiel fixierten und gleichzeitig immer weniger Verankerung im Kiez (d.h. mehr und sogar was ganz anderes als in den eigenen Häusern und Strukturen verankert sein), den es ja immer noch gab, zeigten und pflegten.

Kreuzberg und auch die Demokratie im Sinne der Grundrechte bekamen nicht schlecht was ab. Als Mensch in Kreuzberg ist es schwer, all die Lügen über Kreuzberg zu ertragen, die immer durch die Medien geistern. Es ist schwer, mit der Sinnlosigkeit des alljährlichen Spektakels zu leben. Als Ort sozialer Kommunikation musste der Kiez immer öfter am ganzen Polizeiterror und an einer immer unglaubwürdigeren Funktionalisierung, die so oft nur noch Welten vom Kiez entfernt war, ersticken, und das ist, denke ich, der schlimmste Verlust von allen gewesen. Viele haben zusätzlich auch ganz privat, als Leute, die nichts haben, Verluste verzeichnet. Vom kleinen Gebrauchtwagen bis zur persönlichen Freiheit, wenn schon Vormittags alles Grün vor Polizei ist, wegen den Demos die um jeden Preis durch den Kiez wollen, weil der Mai 87 mit seinem explosiven Charakter nicht sterben darf, wo er bei allen Versuchen ihn wiederzubeleben doch längst im Koma liegt.

Jahr für Jahr sind wir damit im Jahr 2004 angekommen. Weder ist es gelungen, etwas zu verteidigen, noch etwas zu erobern. Im Gegenteil: die Polizei hat Jahr für Jahr generalstabmäßig auf der Haut von Kreuzberg ihre Taktiken perfektioniert. Die Kontrolle ist immer schärfer geworden und der Stress für die Bevölkerung immer größer, während die persönliche Freiheit und die Räume für eine dringend nötige soziale Kommunikation immer kleiner geworden sind. Für mich hat die Revolutionäre Mai Demo an sich immer viel bedeutet, aber irgendwann war ich nur noch angewidert. Ich fand in ihr irgendwann auch ganz persönlich nicht mehr das, was ich brauche, um zu sagen: hier stehe ich. Dafür kämpfe ich. Das Anwachsen der touristischen Komponente und der Dilettanten, Trittbrettfahrer und selbstherrlichen Vereinnehmer der harten sozialen Auseinandersetzung lehnte ich aus politischen Gründen sowieso schon von Anfang an unerschütterlich ab. Weil sozialer Kampf kein dämliches Kräftemessen und erst recht kein Spektakel ist. Ich habe mich genau so aus politischen Gründen trotzdem lange für die Demonstrationsfreiheit in Kreuzberg eingesetzt und die Mai Demos immer verteidigt und versucht, das so konkret wie möglich umzusetzen.

Gerade weil ich den 1. Mai seit jeher sehr ernst nehme, habe ich dieses Jahr mit großer Aufmerksamkeit die Sache mit den diesjährigen Demonstrationsverboten und mit dem weiträumigen Parkverbot zur Kenntnis genommen und versucht, mich zu positionieren. Ich habe am Ende beschlossen, im Kiez zu bleiben. Den ganzen Tag, auch wenn ich die berühmten Repolitisierungsansätze gut fand. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, was nach der nach Jahrelangen Anläufen erfolgreichen behördlichen Auslagerung der 1. Mai Politaktivitäten mit SO 36 sein würde. Ich wollte sehen, ob das Fest so kommerziell wie viele behaupteten werden würde, ich wollte sehen, wie der erste 1. Mai ohne Demonstrationen überhaupt ankommt und verläuft. Und mir war klar, dass abgesehen von den Antinazi Aktionen die repressiven Systeme sehr wohl ihren Schwerpunkt in SO 36 hatten.

Außer tagsüber auf dem Fest zu verweilen ist übrigens nichts ungefährlicher gewesen, als mit der 16.00 Demo zu gehen. Die Polizei war ganz auf den Endpunkt der Route der 16,00 Uhr Demo am Kottbusser Tor konzentriert, die Eingrenzungsmaßnahmen auf dem Weg waren für die Sicherheitskohorten ganz klar eine leichte Übung ohne größeren Aufwand, weil die Polizei wusste, dass die Priorität der Teilnehmer nicht bei einem in Frage stellen der genehmigten Route, um etwa verbotene Symbole der Macht in anderen Bezirken zu erreichen liegen würde, sondern in der Heinrichplatz-Initiative am Abend. Wohlbemerkt, auch ich habe die Verbote verurteilt und auch ich denke, dass Protest dagegen nötig war. (Dazu, wie schlecht er meiner Meinung nach konkretisiert wurde, komme ich später). Der Verlauf des Tages zeigte mir, dass ein Dialog mit dem Kiez über die Verbote und den Willen zum Protest dagegen hat leider echt nicht statt gefunden hat. Er wurde offenbar nicht einmal in Betracht gezogen. So stieg dann am Abend die Protestperformance ziemlich unvermittelt. Dass der Kiez gut mit ihr umgegangen ist, ändert nichts daran, dass ihm die Aktion samt zwangsläufiger Auflösung von allem was zuvor lief einfach aufgedrückt wurde..

Den Menschen im Kiez, denen es vielfach ziemlich dreckig geht, hat es aber denke ich verdammt gut getan einen Tag lang autofreie Straßen und kostenlose Musik für sich zu haben. Menschen und ganz besonders solche, die in schlechten Verhältnissen leben, brauchen auch Zeit und Gelegenheit, mal zu sich zu kommen und beisammen zu sein. Das verlieren gerade die, die in so genannten Zusammenhängen stecken und davon sozial nicht unerheblich zehren, oft sträflichst aus den Augen. Vielreisende und sich mit Anderen treffende Emanzipierte, Linke und Linksliberale, die oft noch aus gutem Hause sind, können sich gar nicht vorstellen, welche Bedeutung eine Insel der Begegnung und der Kommunikation für Menschen hat, die null Alternativen haben. Ich habe den Tag intensiv auf mich wirken lassen und glaube wirklich dass es dem Kiez verdammt gut getan hat, einmal ohne Stress und größere Geldinvestitionen zusammen zu kommen. Kein lästiges passieren von Kontrollposten schon am Vormittag, keine Leibeskontrollen auf Schritt und Tritt, viel weniger Presse, Gaffer, Profilierungssüchtige und Touristen als früher (zumindest solange, wie so gut wie alle radikalen AktivistInnen und SympathisantInnen bei den beiden sagen wir mal auswärtigen Terminen zugange waren), kaum das eklige sehen und gesehen werden Volk, keine Leute, die andere dauernd beäugen, um Sekten oder Zivis zu orten etc.

Die Feste auf dem Mariannenplatz haben schon lange starke kommerzielle Prägung, aber auf der Achse Oranienplatz bis Görlitzer Bahnhof und in der Naunynstraße war wirklich eine prima Stimmung und viel Kleinzeug von unten, Selbstgemachtes und hier und da auch die eine oder andere Kleinstkulturperformance, die einmal nicht für den Club oder die Ausstellungseröffnung im trauten Kreis stieg, sondern ganz einfach für die Straße. Das war noch nicht spektakulär, aber toll. Von Kommerz konnte gar keine Rede sein und sämtliche communities, die im Kiez leben, waren dabei. Der etwas weiter östlich gelegene Wrangelkiez war wie leergefegt. Tausende waren auf dem Fest. Ich habe das wie gesagt intensiv auf mich wirken lassen und behaupte jetzt, dass zum ersten Mal seit einer Ewigkeit echte soziale Kommunikation im öffentlichen Raum möglich gewesen ist. Es war ein wie auch immer kritisches, unzufriedenes, aufgekratztes Kreuzberg unterwegs, das ein Stück weit aufatmete und sich endlich mal wiederfand, ohne von vorn herein völlig hoffnungslos der programmierten brennende Müllcontainerhaufen und prügelnde cops basierten Revolutionsniederschlagungsshow ausgeliefert zu sein, wie wir sie seit Jahren kennen.

Ich denke, den Punkt sollten sich die AktivistInnen, die echt auf die Karte des sozialen Unmuts setzen, mal näher angucken. Ich musste der Stimmung bzw. des Flairs halber oft an die späten Siebziger und frühen Achtziger denken und war damit, wie ich in Gesprächen dann fest stellen konnte, gar nicht alleine. Im Ansatz (ich betone: im Ansatz) war eine Power zu spüren, die wirklich an ganz andere Zeiten erinnerte. Von wegen Befriedung. Wären die so genanten linken Strukturen tiefer im Kiez verankert, wäre ihnen das klar. Aber nein: viele greifen zur Vorverurteilung und stempeln alles als befriedet ab, was nicht im schwarzen Block mitläuft. Das ist voll daneben und sehr arrogant. Wie auch immer: die Verankerung der linken Strukturen im Kiez ist, wie ich schon andeutete, schon lange nicht mehr die, die es früher mal gab und ich glaube, der Kiez ist froh gewesen, einfach mal wieder seine Straßen ganz für sich zurück zu haben. Als Raum für soziale Kommunikation, wie sie selten möglich ist. DAS ist der Raum, wo über ein paar Jahre wieder mehr wachsen könnte und sollte, denn die Welt der alternativen Nischen allein macht keine soziale Revolution.

Wenn der Raum weiter vom Kiez im Kiez für den Kiez gestaltet werden würde (weil auch dieser Zustand, der sich erstmals wieder einstellte, noch ein Weilchen bräuchte um auf Dauer wieder zu Stärkerem zu gedeihen) und die autonomen Gruppen wirklich in ihm verankert wären, sähe das bald ganz anders aus als jetzt; dessen bin ich mir am Sonntag irgendwann echt sicher gewesen. Wenn wieder mehr auch soziale Kommunikation und nicht nur für die meisten nach wie vor unverständliche Parolen und oft nicht nachvollziehbaren Projekte aus festgefahren Zusammenhängen Thema wären. Wenn die Lage der Menschen Ausgangspunkt wäre, und nicht rituelles Kräftemessen mit der Repression. Von den Bühnen kam gehäuft inhaltlich richtig guter Stoff, der auch ankam; die hier vielfach verschrienen Kids standen in Massen an der Hip-Hop Bühne. Das keinen job haben und einiges mehr zur eigenen sozialen Situation war in den Songs nicht von Ungefähr, sondern aus der Realität heraus ausgesprochen ein Thema. Dort und auch an den anderen Bühnen war von der so oft vorausgesagten Befriedung überhaupt nichts zu spüren.

Natürlich war es wichtig, gegen das Demoverbot zu protestieren. Das ist aber ein anderer Schuh. Ich bin nicht froh darüber, dass die Fraktionen, die gegen das Verbot vorgehen wollten, sich überhaupt nicht bemüht haben, ihre Motive im Kiez zu vermitteln. Die Berichte aus der Ecke, die hier erschienen sind, fand ich deshalb richtig entsetzlich, weil sie wirklich extrem selbstbezogen und -verliebt waren und nicht den kleinsten Gedanken am eigenen Kiez verloren haben, außer um auf extrem tendenziöse Weise von einer angeblichen Solidarisierung zu sprechen. Ich will niemand die Freude nehmen, das eine oder andere erreicht zu haben. Für mich bleibt das, was Leute meinen, erreicht zu haben aus den eingangs erwähnten Gründen aber weiterhin nichts, das weltbewegend gewesen wäre. Ich habe Berichte gelesen und mir die eine oder andere Erzählung angehört und mich teilweise nur noch gefragt: Habt ihr eine Ahnung, wie viele Leute und vor allem Kids, die kein Geld für Kultur und Sozialisation besitzen das genossen haben, kostenlosen Zugang zu Musik und engem Miteinander zu haben? Ist euch klar, dass sich all diese Leute dann eurem Diktat unterwerfen mussten, dass es nicht mehr möglich gewesen ist, das, was sich am Tag entwickelt hatte in seiner eigenen Dynamik, vielleicht auf ein nächstes Mal, abzuschließen? Die Berichte, die ich gelesen habe, waren angesichts dessen, was der Kiez für sich zu laufen hatte, im Endeffekt so was von selbstgefällig und vor lauter sich die Dinge zurecht legen wollen unterm Strich auch politisch für mich dann doch nicht mehr allzu glaubwürdig, weil am Kiez und seinen Sorgen vorbei.

Kreuzberg hat seine Erfahrung mit dem 1. Mai und besteht von sich aus nicht aus befriedeter Mittelklasse. Klar haben sich die Leute nicht auf die falsche Seite reißen lassen, als die Polizei anfing, mit den Demonstrationswilligen Katz und Maus zu spielen. Nachdem den ganzen Tag von Seiten der Polizei peinlich darauf geachtet wurde, unsichtbar zu bleiben, zogen die Ordnungshüter ab 17,00 Uhr den Kreis immer enger. Das taten sie auf hochgradig organisierte Weise und so präzise wie immer. Dabei achteten sie bis zum Abend ganz besonders auf volle Unsichtbarkeit für die Festgänger. Die wahrlich gigantische Belagerung vom Kottbusser Tor, dem Endpunkt der so genannten 16,00 Uhr Demonstration, ließ sich ohne Probleme für Festgänger nahezu unsichtbar gestalten, obwohl der Ort ein Katzensprung vom Festareal entfernt war. Die ganze Skalitzer Straße ostwärts, die ganze Kottbusser Straße, die Ritterstraße, der Leuschnerdamm, die Prinzessinnenstraße, die Heinrich Heine Straße, die Schillingbrücke waren vollgestopft mit dem vollen Einsatzsortiment. Die Festgänger bekamen davon nichts mit.

Dann begann das Abenteuer mit der angekündigten Spontandemo. Tierisch viele Festgänger wussten offensichtlich gar nichts von der Initiative. Das von einigen eingebrachte Argument, die BZ habe schließlich die Protestdemo gegen die Demoverbote angekündigt, zieht nicht wirklich, um das zu widerlegen. Erstens, weil große Teile der Bevölkerung wenn überhaupt anderssprachige Zeitungen lesen und zweitens weil die BZ ja nicht groß was über die politische Grundlage des Protestes und schon gar nicht Details gebracht hat. Diese politische Grundlage dem Kiez zu vermitteln wäre Aufgabe derjenigen gewesen, die den Protest dann auch inszeniert haben. Das ist nicht gewesen. Was gelaufen ist, kam nicht viel anders rüber als das nunmehr altbekannte Räuber und Gendarmen spielen. Mit den ersten Vorstößen, diese Demo hinzukriegen, war die Polizei jedenfalls in Nullkommanix überall, und die Gaffer und die Presse gleich mit. Auch dieser Aspekt ist nach den Berichten, die den angeblichen Sieg feierten, bezeichnender Weise gar kein Aspekt gewesen. Auf die über Tag peinlich genau gepflegte Unsichtbarkeit der (im so genannten Rückraum sehr wohl anwesenden) Polizei folgte ein Auftritt, der sich gewaschen hatte, weil er klar für weitere tiefe Einschnitte in die Freiheit steht.

Noch vor eintreffen der Demonstration am Kottbusser Tor hat die Polizei den Kreis um das Fest ein erstes mal enger gezogen. In hundert bis dreihundert Metern Entfernung standen hinter Ecken und Büschen ganze Kolonnen, die vorzugsweise parallel in je eine Richtung aufgestellt waren, um bei Bedarf fix um irgendwelche Ecken fahren zu können. Extra gesichert war das Kottbusser Tor, der Endpunkt der 16,00 Demonstration. Innerhalb des autofreien Festareals hatten sich derweil Horden von bestens getarnten Zivis breit gemacht. Nix mit auffällig unauffällig: das Gegenteil gilt. Unter den gut getarnten war verkleidungstechnisch von Hip-Hop bis Streetfighterstyle in allen Varianten alles bestens vertreten. Das Ganze lief wohl tatsächlich im Rahmen der als neu angekündigten Mannsdeckungstaktik. Das Gros des Polizeieinsatzes wurde zu Fuß inmitten der Menge abgewickelt. Die Demowilligen wurden nach Ende der 16,00 Uhr Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor auf Schritt und tritt verfolgt und beobachtet. Inzwischen waren ganze Kampfhundertschaften in Höfen (!) strategisch in Stellung gegangen. Unsichtbarkeit für so genannte Unbeteiligte, hier die in Massen anwesenden Festgänger, wurde weiterhin so penibel wie möglich bewahrt, während die Bewegungen der Protestdemowilligen keinen Augenblick aus den Augen gelassen wurden.

Als es am Heinrichplatz zu ersten Ansätzen von Action kam, wussten die auf der anderen Seite des Blocks postierten Abräumkommandos in Echtzeit bescheid. Sie zogen sofort über die Adalbertstraße und Oranienstraße zum Heinrichplatz los. Mitten durch das Festareal. Das Festvolk erlebte von jetzt auf gleich, wie eine ganze Kohorte mir nichts dir nichts richtig AUFMARSCHIERTE. Das Bild ist krass. Die Kohorte zieht echt schwadronartig auf. Die Festbesucher gehen ein paar Meter zur Seite, bis die Kohorte vorbeigelaufen ist. Danach ist wieder Straßenfest. Niemand ist weiter beeindruckt, viele haben gar nicht gewusst, wo die genau hin wollen, geschweige denn, was los ist. Daraufhin fängt dieses Schwimmen um den Block der Demonstrationswilligen an. Jetzt wird die Polizei auch für die Festgänger völlig unvermittelt mehr als sichtbar. Die Leute weichen keinen Zentimeter von der Straße. Wenn es Gerenne gibt, bleiben sie stehen. Feiern weiter. Das Bild wird noch krasser. Das Straßenfest ist bei Anbruch der Dunkelheit immer noch Straßenfest, nur stehen inzwischen überall ganze Hundertschaften in Kleingruppen bzw. Zügen mitten auf den Kreuzungen. Die Protestdemonstration ist auf weiten Strecken nichts als eine undefinierte Masse, die in der Menge der Festbesucher schwimmt. Man erkennt sie nur an kleinen Details (Parolen und Ketten kommen in nennenswertem Umfang erst viel später). Unter Anderem erkennt man sie daran, dass die Polizei in Wallung kommt, wenn diese undefinierte Masse an einer bestimmten Stelle rund um den immer gleichen Block auftaucht.

Es ist schon spektakulär, wie präzise die Ordnungshüter zugange waren. Die Zivis am Mann, peilten die Uniformierten trotz äußerer nicht Unterscheidbarkeit der Masse immer wieder ganz bestimmte Personen in einer sonst völlig undefinierten Menge an, wobei gerade die Menge es ihnen oft schwer machte, zuzuschlagen, weil die Objekte ihrer Begierde immer wieder eben in diese abtauchten. Ich habe viel mit herumstehenden Menschen geredet. Gerade weil der Tag so schön war, lief die Kommunikation mit Menschen ganz gut. Ich konnte fest stellen, dass die meisten echt nix davon mitbekamen, dass hier welche gerade versuchten, aus Protestgründen einmal durch die Straßen zu laufen. Um so mehr in Ermangelung dieser eigentlich wichtigen Information empfanden viele das Polizeispektakel als eine glatte Provokation, die vielmehr manchen späteren Beifall aus den Fenstern erklärt, als eine unwahrscheinliche Solidarisierung mit den Demonstrationswilligen an sich, wie sie manche vermutet und auch propagiert haben.

Seit zehn Stunden ein friedliches Fest und plötzlich überall diese grüngekleideten Schränke. Das ist an sich, d.h. ganz unabhängig von der wie gesagt nicht ohne weiteres nachvollziehbaren Protestinitiative nicht gut angekommen. Von einer Solidarisierung mit dieser konnte in Ermangelung der nötigen Informationen einfach nicht die Rede sein. Solidarisierung womit? Viel mehr hörte ich wie Menschen die Polizeiaufstellung angesichts des friedlichen Tages einfach als eine unnötige, krasse Belastung des Festes empfanden. Eine junge Frau aus der unterprivilegierten Ecke erzählte mir, sie würde das total gut finden, dass niemand geht und dass die Leute nicht auf Gerenne und Gerangel reagieren. Dass so ein Fest was total schönes ist, viel schöner als immer nur in der Wohnung sitzen und trinken und dass sie nicht versteht, was diese Belagerung der Straße nach 10 Stunden Frieden soll. Ähnliche Worte hörte ich später noch mehrere Male, bevor der Kiez dann doch ging und die traditionellen Kontrahenten der späten Stunden weitgehend unter sich blieben. Auch damit hatte die Polizei gerechnet. Als der Kiez gegangen ist, kam die ganz harte Gangart und die serienmäßige Durchführung von Festnahmen. Der Kreis wurde dann endgültig und hauteng auf die so genannte Demo ausgerichtet. Ein beachtliches Repressionsergebnis wurde durchgesetzt. Die kurzfristig von Flammen Orange gefärbten Häuserwände in der Oranienstraße haben tierisch aufgegeilt aber nichts konkretes vermittelt, weil sie ja nur etwas, das man ja gerade vom Ritual her nur zu gut kennt darstellen. In diesem Sinne weiß ich echt nicht, was da noch groß durchgesetzt worden sein soll. Die Polizeitaktik in Kreuzberg war jedenfalls sehr genau geplant und vollständig auf die angekündigte 19,00 Heinrichplatz Initiative ausgerichtet.

Wer denkt, die Polizei sei planlos, gewesen, (sowas ist mir auch zu Ohren bzw. unter die Augen gekommen) der versteht einfach nix davon. Kann sein, dass es an bestimmten Orten, in X-Berg etwa an der Kottbusser Brücke, zwischendurch mal den Anschein einer gewissen Planlosigkeit gegeben hat. In Sachen Kottbusser Brücke wurde ein nicht immer reibungsloses Öffnen und Schließen der Brücke für den Verkehr beobachtet, wie jemand in einem anderen Beitrag zum 1. Mai geschildert hat und sogar ich selbst bemerkt habe. Das öffnen und Sperren ging mit taktischem Bedarf einher. Die Kolonne auf der westlichen Seite war nach Süden positioniert. Die Brücke wurde allem Anschein nach immer dann geschlossen, wenn die Mariannenstraße für ein etwaiges schnelles Auffahren dieser Kolonne Richtung Heinrichplatz freigehalten werden sollte.

Die Polizei war wirklich exzellent organisiert und nicht nur die Bilanz der Festnahmen (die bislang niemand ernsthaft ausgewertet hat) beweist es, sondern auch der operative Standard. Spektakulär sollen übrigens die Wendemanöver mitten auf dem Heinrichplatz gegen halb eins, gewesen sein, sozusagen nach Beendigung der Abräumphase im Räuber und Gendarmen Spiel ab etwa 23 Uhr. Auf einer echt nicht riesig breiten Fahrbahn soll innerhalb von einer Minute mit der Leichtigkeit einer Ballerina viel dicht hintereinander fahrendes Schwergerät (2 Wasserwerfer, zwei Räumfahrzeuge, Ein Bagger..., reife Leistung und nette Übung wohl auch) in einem Zug (!) gewendet haben, um dann wieder Richtung Oranienplatz zu fahren. Wenn Parkverbot, dann ganz klar auch aus taktischen Gründen. Dass der Kiez von diesen wunderbar autofreien Straßen echt was gehabt hat war keinesfalls ein gewünschter Effekt. Vielmehr hat der weiträumige Parkverbot über einen Tag und zwei Nächte der Beseitigung von Material für etwaigen Barrikadenbau und gewissen logistischen und operativen Zwecken gedient. Schon lange wird zum 1. Mai alles abgeräumt, was nicht niet- und nagelfest ist. Jetzt kamen erstmals auch die Autos weg.

Zum vielfach thematisierten Gejubel der Kreuzberger möchte ich noch sagen, dass sich die Leute wohl eher selbst zugejubelt haben. Der Kiez war nicht unbedingt feindselig, aber er war auch ganz klar nicht scharf darauf, diese so genannte Demo zu vergrößern. Das ist echt nicht gewesen. Und die Kids von der Straße sind bestimmt nicht aus Solidarität, geschweige denn aus politischem Bewusstsein und schon gar nicht um gegen die Demoverbote zu protestieren dazu gestoßen. Übrigens geht es den ausländischen und unterprivilegierten Kids noch einen Zacken härter an den Kragen, wenn sie erwischt werde. Das sollte sich Mensch gründlicher überlegen, der auf sie setzt, um an temporärer Stärke zu gewinnen. In diesem Sinne habe ich mir inzwischen in meiner Einschätzung derjenigen, die sich in Sachen Durchsetzung der Demonstration so erfolgreich vorkommen, einen besonders fetten Minuspunkt notiert. Denn das ist Instrumentalisierung pur. Beweise mir einEr das Gegenteil. Die einzigen, die wirklich relativ (ich betone: relativ) zahlreich dazugestoßen sind, waren Kids von der Straße und einige actiongeile Gymnasiasten. Leute, die vom ganzen Hick-Hack mit den Demoverboten keinen blassen Schimmer hatten und die auch nicht von den Mai-Steine Vorfeldaktivitäten erreicht wurden, egal wie aufwendig vorher Aktionen ausgetüftelt wurden.

Vermutlich wären die AktionistInnen einer Begegnung mit diesen Kids auch gar nicht gewachsen gewesen (Moma is was für Kultivierte, bei allem Respekt. Kids, die nichts als die Straße haben, wünschen sich freien Zugang zu ganz anderen Dingen). Mit dieser speziellen sozialen Wirklichkeit hat man sich jedenfalls mal wieder nicht im geringsten auseinander gesetzt, wo doch gerade die Kids schon seit Jahren die ersten Protagonisten von Actions auf der Straße waren und ihr Mitmachen schlichtweg vorhersehbar war. Das ist um so krasser, weil die gleichen Kids sowohl in diesem Jahr als auch in den vorherigen Jahren u. a. auch hier von allerlei Leuten haushoch beschimpft und gedisst wurden, weil sie angeblich blind und unpolitisch eben ?zum Spaß? randalieren. In einem Bericht über die so genannte Durchsetzung der Demo müssen sie dann aber, weil es gerade passt, mir nichts dir nichts für eine unterm Strich voll gelogene Massensolidarisierung mit der Demo gegen die Verbote her halten. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die das auch so sehen: außer ihnen (den Kids von der Straße) ist praktisch kaum jemand dazu gestoßen und achthundert Leute ist und bleibt eine eher großzügige Schätzung.

Die Sichtbarkeit dieser so genannten Demo war nicht von Ungefähr bis um halb elf echt gleich null. Man sah bis dahin immer nur Menschen, die bis auf kurzfristige Momente absolut versteckt im Festgängergedränge irgendwie umherschwammen und diese rote Fahne, die eben auch vor sich hin schwamm (und meistens auch noch eingerollt war - von wegen Demonstration...). Den Anschein einer Demonstration gab es erst ab zehn - frühestens - und erstmal immer nur Abschnittweise. Bis der Kiez fast vollständig gegangen war. So war es nämlich. DER KIEZ IST IRGENDWANN EINFACH GEGANGEN. Die, die gegangen sind, waren weit mehr, als die, die sich angeschlossen haben und den paar Dutzend, die aus Fenstern oder vom Straßenrand geklatscht haben mögen und das Weggehen wurde danach auch immer schwerer, was zum Teil die Anwesenheit von Leuten erklärt, die auch dann noch weder Gaffer noch Demonstrationsunterstützer waren. Leute, die wie immer einfach nicht mehr gehen konnten, weil die Polizei den Kreis echt sehr eng zugezogen hatte und klar darauf aus war, möglichst viele Aktionsbeteiligte zu kriegen, was zur Folge hatte, dass nur noch kontrollierter Abzug in vorgegebene Richtungen erlaubt wurde. Ich bin wie alle Jahre mehrmals auf Menschen gestoßen, die quasi da bleiben mussten, wo sie waren, weil sie etwa irgendwo jenseits der zwei Hausblöcke (zwei!!! Damit das Nichtberliner auch klar haben, welchen Aktionsradius diese Demo hatte) wohnten, um die diese Demo turnte.

Ich weiß von einer ganzen Reihe von Leuten, die nur deshalb auf der Straße waren. Weil es für sie nichts Gutes bedeutete, in die entgegengesetzte Richtung abzuziehen um dann vielleicht gar nicht mehr in die eigenen Wohnstrassen oder nach Mitte oder Prenzlauer Berg zu kommen, außer über riesige Umwege, weil es auch mit Ausweis, d.h. unter Beweis der Anwohnerschaft oder unter Beweis der Notwendigkeit, eine bestimmte Strecke zu gehen, absolut nicht ratsam war, den direkten Weg zu versuchen, wo doch die Polizei auf 180 und nur noch bedacht war, mit ihren Sperrsystemen die Gegner in die Zange zu nehmen. Diese Maßnahmen sorgen zwangsläufig dafür, dass andere Leute einfach stecken bleiben, weil sie nirgendwo mehr hinkommen. Als es vorbei war, war es dann auch richtig und sehr schnell vorbei. Die Container, die in der Oranienstraße lichterloh brennend so viel Entzücken hervorgerufen hatten, waren übrigens nichts als ein reines Strohfeuer. Das Beseitigen der so genanten Barrikaden und das endgültige Abräumen der so genannten Störer fand innerhalb von kürzester Zeit und absolut problemlos statt. Dann ging das nach Hause gehen ganz leicht und die Sanitäter, die längere Zeit wie am Fließband arbeiteten, konnten auch endlich mal durchatmen.

Mein Fazit: Der Versuch, gegen die Demoverbote zu protestieren, ist meiner Ansicht nach gar nicht so glanzvoll geglückt, wie manche meinen, weil es am Ende doch noch viel mehr um Selbstinszenierung als um irgendwas sonst gegangen ist. Schade, weil es wichtig war wegen den Demoverboten zu handeln. Ich würde es begrüßen, wenn das Ganze das nächste Mal nicht so am Kiez vorbei statt finden würde. Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, um die Demoverbote innerhalb des Festareals zum Thema zu machen. Weder daran ist gedacht worden, noch an eine Minimalvermittlung des Anlasses. Vielmehr ist das Festareal für eine nicht vermittelte Aktion benutzt worden, offenbar weil klar war, dass jeder Versuch, außerhalb eine Demo in den Straßen Kreuzbergs zu machen durch zügiges Plattmachen gescheitert wäre. Das hat aber auch ein schönes und vielversprechendes Ende eines Tages, der im Sinne einer dringend nötigen horizontalen und transversalen sozialen Kommunikation viel Raum und Potenzial bot bedeutet. Weil es ein Samstag war, hätte es noch eine schöne Nacht werden können. Für eine Thematisierung der Demovorbote und von politischen Inhalten hätte es viel Platz gegeben. Wenn Mensch nur darauf gekommen wäre. Daher sollten die Leute, welche die ach so illegal durchgesetzte illegale Demo nur so feiern mal ein ganzes Stück weniger weit das Maul aufreißen und überlegen, ob das wirklich alles so gelungen und politisch so solide war, wie sie vorgeben.
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Ergänzungen

Fußnote

(1) 06.05.2004 - 15:18
Dieser Text ist von 1987. Im Kern steckt schon vieles von dem, was dann bis zum heutigen Stand ausgeabaut wurde drin.

 http://www.nadir.org/nadir/initiativ/sanis/archiv/konter/kap_11.htm

Offenes Medium????

Berta 06.05.2004 - 18:07
Wollte den Text gerade an einen Freund mailen und sehe, er ist weg von der Startseite.

a) der Text ist informativ

b) der Text nimmt wie Texte zu Berlin das sonst kaum tun Rücksicht auf Auswärtige

c) die Skizze ist super interessant

Kann mir jemand erklären, warum er von der Startseite runter geholt wurde?

ergänzung

o-strassen-bewohner 06.05.2004 - 20:06
erstmal danke, sehr gute analyse.

ich war zwar bei den nazi-blockaden, aber kam dann irgendwann 19:00 durch das fest und hatte einen ähnlichen eindruck wie du.

nur ne kleine anmerkung noch:
"Das Beseitigen der so genanten Barrikaden ... fand innerhalb von kürzester Zeit ... statt."
die mülleimer in der o-strasse wurden 3 mal relativ zügig gelöscht, brannten aber auch noch 2 mal danach.
ich wohn 100m weg, hab's vom fenster aus beobachtet.

der plan, demos in X-berg zu verbieten

kreuzköllnerin 06.05.2004 - 20:22
die demoverbote wird es im näxten jahr sehr wahrscheinlich auch geben. die idee, intensiver auf den kiez einzugehen scheint mir ziemlich gut. sollten wir mitnehmen. aber was heißt transversal?

Lesenswertet Text

igorowitsch 06.05.2004 - 20:41
Ich finde deinen Text recht sorgfältig zusammengetragen (soweit ich das zur Zeit beurteilen kann) Er ist lesenswert und bietet viel Stoff zur -sicher auch kontroversen- Diskussion
Problem: die indymedia-Kommentarspalte ist für solche Diskussionen im Prinzip ungeeignet.
Problemlösungsvorschlag: die guten alten Printmedien. Nicht nur ich würde mich wie ein Schneekönig freuen, wenn du diesen Text einer etwas in die Jahre gekommenen Institution namens interim zukommen lassen würdest. Als alter Kreuzberger weisst du ja sicher, wie das geht und wo der Briefkasten ist..
Dein Text kann die etwas eigefahrene (Szene-)Diskussion eigentlich nur bereichern.

re:

Mensch aus Kreuzberg 07.05.2004 - 14:10
@ o-straßen-bewohner

Danke für die Anmerkung. Sie ist wichtig und berechtigt. Wenn ich sage, dass ich keinem die Freude nehmen will, etwas erreicht zu haben, dann meine ich mitunter auch das. Es gab Entschlossenheit wie lange nicht mehr und einen gewissen Organisationsgrad. Ich selber bin aber den Eindruck nicht los geworden, dass die Polizei das auch ein Stück weit so zugelassen hat. Eins der Probleme, mit denen sich die Ordnungshüter bekanntlich rumschlagen, ist die Sache mit der Beweisführung. Schon letztes Jahr wurden Situationen beobachtet, bei denen die Polizei die Leute allem Anschein nach quasi gezielt zur Action kommen ließ, einfach nur um die Kameras der Be-Dos (Beobachtungs- und Dokumentationstrupps) zu füttern und weitere im Rahmen ihrer Repressionslogik sagen wir mal verwertbare Festnahmen zu machen. Die dauerhafte Beseitigung von Widerstand funktioniert nicht zuletzt über das brechen von Menschen, die zuerst geschnappt und dann den Stempel des Störers abkriegen, was ja immer heftigere und quasi lebenslange Folgen hat, denn: neben der Strafverfolgung an sich wiegt wie man weiß dieser Stempel immer schwerer und zwar auf Dauer. Ein Mensch kann noch so seine eigentliche Strafe verbüßt haben: durch den Stempel Störer bzw. bekannter Gewalttäter bleibt der Betroffene dauerhaft unter Druck. Wenn ein Mensch irgendwann ein paar Verfahren hinter sich hat und die eine oder andere Freiheitseinschränkung und das Ganze auch noch existentiell zum Problem wird, gibt am Ende so mancher auf. Die Logik des möglichst breiten Abgreifens von Personen ist eine ganz eigene und sie beeinflusst meiner Wahrnehmung nach durchaus die Einsatztaktik. So wie ich das beobachten konnte, waren genug Kräfte in unmittelbarer Nähe, um lösch- und plattmachtechnisch noch viel zügiger Vorzugehen, als es der Fall gewesen ist. Die Polizei konzentrierte sich aber viel mehr darauf, zu gucken, dass keiner weg kommt oder aber, wenn es so weit ist, das nur in eine bestimmte Richtung tun kann. Das ist durchaus etwas, das in die Logik der Festsetzung von möglichst vielen Beteiligten passt.


@ kreuzköllnerin

: )

Nicht einfach zu erklären. Ich versuche es: Horizontal bedeutet auf einer Ebene. Transversal bedeutet quer. Es gibt, beispielsweise im Kontext der sozialen Konflikte, im weitesten Sinne ein Unten, das in Konflikt mit einem Oben steht. Aus der Kommunikation von allem, was unten ist, kann sich einiges ergeben, um sich stärker gegen das Oben zu behaupten. Es gibt aber Vieles, das unten ist, das quer zu anderem liegt das nicht unbedingt immer genau auf der gleichen Ebene liegt und trotzdem in Konflikt mit Oben steht. In diesem Sinne, transversal. Der Begriff erweitert den denkbar möglichen Verständigungsradius. Nicht nur das, was auf der gleichen Ebene liegt, sondern alles, was im Konflikt mit oben steht, hat unter Umständen die Möglichkeit, sich zu verständigen. So viel in Kürze, das ist nämlich immer noch nur im Ansatz eine Erläuterung. Ich hoffe, es hilft dir weiter. Wenn nicht, melde dich, dann versuche ich ´s noch mal.


@ igorowitsch

Kein Zweifel, dass das Stoff für sicher auch heftige Kontroverse ist. Diskussion fruchtet ja eigentlich auch nur, wenn sie eben kontrovers ist. Ich habe ja hier versucht, etwas, das mir unterbelichtet vorkam einzubringen. Dass da auch noch ganz andere Standpunkte und Herangehensweisen sind, davon gehe ich aus. Ich sehe das Ganze ja selbst noch mal viel differenzierter, je nach dem, wo die Schwerpunkte liegen. Wenn ´s jedenfalls einer fruchtbaren Diskussion dienlich sein kann, um so besser. In diesem Sinne sehe ich keinen Grund, das auch dem guten, alten, so geduldigen und damit Reflexionsfreundlichen Papier (i-net bleibt schnelllebig) vorzuenthalten. Bis denne.


An alle, die ein gutes Wort für mich hatten: Danke, weil es mir nicht leicht gefallen ist, so zu sprechen.

Applaus

J0k3r 10.05.2004 - 13:59
Erstmal ein Kompliment an den Author. Endlich mal eine reflektierte und sachliche Analyse der Zustände.

Meiner persönlichen Meinung nach ist nichts im Sinne der linken Protestbewegungen kontraproduktiver als Krawalle und Randale unter dem Deckmantel politischen Aktivismus (genauso wie viele Punks und "Alternative" ihr "links/alternativ sein" schlicht und ergreifend als Entschuldigung/Ausrede (?) für übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum sehen (dem bin ich ja selber nicht abgeneigt, aber politisch oder gesellschaftskritisch ist das dann nur begrenzt :D)). Diese Aktionen bringen die gesamte Linke mitsamt ihren Ideen in Verruf.

Ist es denn notwendig, derart agressiv aufzutreten? Dies fördert ausschließlich die Bedenken in der "restlichen" Bevölkerung, die man ja auch erreichen möchte (oder nicht?!?). Ich finde es auch nicht produktiv die Bullen nur zu verteufeln. Ich kann die Nasen auch nicht leiden, aber nichtsdestotrotz sind das auch "nur" Menschen. Wer Steine schmeißt, Mülleimer anzündet etc. bringt sich nicht in eine gute Position gegen Gewalt zu argumentieren und die Bullen haben teilweise schon üble Erfahrungen machen müssen (das alles hat Geschichte, es sind Menschen mit den typischen menschlichen Fehlern und Schwächen die hier agieren).

@ JOk3r

hansi 11.05.2004 - 12:10
der text ist gut, keine frage. das bullen "nur" menschen sind das hast du aber woanders her. der text macht ziemlich klar dass die bullen viel mehr reine maschinen in einer wie man sieht immer subtileren maschinerie sind. der, der mit leuten katz und maus spielt, der hat nicht viel menschliches. allerdings habe ich am 1. mai [in kreuzberg] tatsächlich zwei polizistinnen weinend wegrennen gesehen. echt wahr. einzelne sind wohl wirklich nur menschen, aber besonders bei den kasernierten sind typen, an denen sich nichts menschliches mehr finden lässt. menschen waren übrigens auch die passanten, die steine abgekriegt haben. wenn schon, dan solten wir über unsere menschlichkeit reden und die menschlichkeit vom kiez mal wieder mehr ernst nehmen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 4 Kommentare

ey was solln die sprüche?

auch friedrichshainer 06.05.2004 - 16:38
ich finde den artikel ganz ok. hab früher lange in kreuzberg gewohnt. die thesen des autors sind gar nicht so daneben. was wollt ihr überhaupt und habt ihr noch was anderes auf lager als beleidigungen?

Hervorragend

Hirntod 06.05.2004 - 16:47
Im Gegensatz zum Quatsch der Hilf-Revolutionäre" auf diesem Forum mal eine Präzise mal eine präzise Schilderung der Lage und der Sachzusammenhänge. Besonders beeindruckend - und gerne totgeschwiegen - die Isolation der Steinewerfer, Brandstifter und Sektierer innerhalb des Kiezes. Ergänzend sei bemerkt, dass die "bösen" Bullen augenscheinlich hilfreicher sind ein Fest zu Feiern, als irgendwelche Spinner....

Würde sich die sogenannte Linke genauso konstruktiv und arbeitsintensiv mit Zuständen in dieser Stand auseinandersetzen wie der Autor, wäre einiges in dieser Stadt besser....

Lesen, Lesen, Lesen

monsi 06.05.2004 - 18:41
Dieser Text ist wirklich lang, doch es lohnt sich ihn bis zu Ende zu lesen. Nicht nur das der Autor eine sehr gute Übersicht über das Mayfest sammt Demo liefert, nein er betreibt auch Sachanlayse und konstruktive Kritik.

Somit muss ich ihm ein großes Lob aussprechen, das er sich mit dieser Thematik so intensiv auseinander gesetzt hat.

Besonders hilfreich ist der Text für die Personen, die nicht tagtäglich das Leben im Berliner Kiez kennen.

Es lohnt sich also den Text zu lesen und sich selber über diese Thematik gedanken zu machen. Auch wenn man dafür ein 3/4 Stunde braucht so wie ich.

Zwischenruf

AdrianPlass 07.05.2004 - 00:06
Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber ich kann mir nicht vorstellen das man Geld bezahlen muss um sich auf der Straße zu treffen oder meinetwegen auch im Tiergarten.

Zum gemütlichen Zusammenkommen und Treffen muss doch nicht erst der 1.Mai kommen.

Wenn es im Kiez keine Jugendclubs oder ähnliche sozialen,kostenlosen Einrichtungen gibt, dann ist halt Eigeninitiative angesagt.
Wenn es den Jugendlichen dort so schlecht geht werden sie ja wohl mit anpacken.

Hier war das leider nicht der Fall und wir haben uns umsonst abgerackert.
Hier geht es allen anscheinend zu gut auch ohne Eintrichtungen.

Ausserdem kann man solche Feste, wenn Bedarf besteht auch regelmäßig einführen. Dort macht jeder mit und alles ist kostenlos.

Sonst ein wirklich guter Bericht.