Gen-Weizenfeld platt gemacht

Michael Richter 04.05.2004 23:43 Themen: Biopolitik
Hamburg - Der Agro-Konzern Syngenta hat am Dienstagabend bekannt gegeben, dass sein Gen-Weizen-Versuch in Sachsen-Anhalt vor dem Aus stehe. Hintergrund: In der Nacht zum Dienstag haben Unbekannte einen Teil der Weizenpflanzen aus dem Boden gerissen und das Erdreich aufgewühlt. Das Landesagrarministerium sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau, auf deren Gelände das Feld liegt, haben Strafanzeige erstattet.
"Syngenta hat den Konflikt vom Zaun gebrochen und damit Verbraucher, Landwirte und Umweltschützern verärgert", kommentiert Henning Strodthoff, Gentechnikexperte bei Greenpeace, den Vorfall. "Syngenta sollte sich nicht wundern, dass es zu solchen Reaktionen kommt." Strodthoff stellt jedoch klar: "Unsere Protestaktionen sind öffentlich und transparent. Das unterscheidet unsere Proteste von der angeblichen Zerstörung des Feldes."

Der nun wohl gescheiterte Versuch hatte vor einem Monat unter Polizeischutz begonnen. Kurz davor hatten Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten noch auf den Ackerflächen, die für den Versuch vorgesehen waren, Öko-Weizen ausgesät. Syngenta hatte die Versuchsfläche darauhin drastisch reduziert.
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Ergänzungen

Gen-Weizen ????

Biologe 09.05.2004 - 13:27
Bitte gewöhnt Euch in den Debatten um gentechnisch veränderten Pflanzen bitte ab, über Genmais, Genweizen oder Gentomaten zu sprechen.
JEDES Lebewesen auf dieser Welt hat Gene und das ist auch gut so!
Diese Art der Diskussion ist peinlich und entblösst die Abwesenheit jeglicher wissenschaftlicher Grundkenntnisse.

Ich weiß, dass die Medien etc diese Formulierungen auch nutzen, das darf jedoch kein Grund sein, sich ebenfalls mit grundlegend falschen Äußerungen selbst ins Abseits zu stellen.

Bessere Begriffe: "gentechnisch verändert", "genmanipuliert", "GVOs", ...

Abgesehen davon: Greenpeace nutzt die Debatte, um sich zu profilieren. Auch bei solchen Aktionen geht es um Geld (Greenpeace kümmert sich primär um lukrative Aktionen, die das Spendenkonto füllt.)
Trotzdem muss weiter informiert werden und auch direkte Aktionen sind sicherlich hilfreich. Aber bitte verliert nichta us den Augen, dass es noch 1000 andere Probleme gibt, die zum teil nicht einmal von Greenpeace und Co thematisiert werden.


Setzt Euch kritisch mit der Gentechnik außeinander, aber kopiert nicht einfach die Meinung einiger Umweltorganisationen. Denkt selbst, handelt gemeinsam.

Und: "Gegen Gentomaten!" ist der Witz Nummer eins unter Biologen. Vielen Dank dafür.

Ernte-Aktion der Aktionsgruppe José Bové

Feldrocker 18.05.2004 - 14:18
Stellungnahme zur Ernte-Aktion der Aktionsgruppe José Bové

Die Regionalgruppen Halle, Könnern und Wittenberg des globalisierungskritischen Netzwerk attac begrüßen die von der Aktionsgruppe José Bové durchgeführte Aktion am Gen-Weizen-Feld bei Bernburg. Damit wird ein Freisetzungsversuch beendet, der Mensch und Natur einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt hatte, denn die komplexen Wechselwirkungen von GVO-Pflanzen mit ihrer Umwelt sind bisher nicht hinlänglich erforscht.

70%-80% der hier lebenden Menschen lehnen Gentechnik in ihrer Nahrung ab. Somit ist klar, dass hinter der Aktion ein mehrheitlicher politischer Wille steht. Bisher scheint die Politik diese Tatsache zu ignorieren.
Um dennoch – entgegen dem Verbraucherwillen - IHRE Technologie in Europa zu vermarkten, wählten die Agro-Multis (in diesem Falle Syngenta) den feigen Weg durch die Hintertür: Durch Auskreuzungen auf konventionelle Pflanzen oder falsche Kennzeichnungen ist die Wahlfreiheit des Verbrauchers nicht mehr gewährleistet.

Dieses Verhalten nur im Sinne des Profites macht bürgerschaftliches Engagement notwendig. Die Ernte-Aktion ist weder feige, noch unverantwortlich. Die Äußerungen der Politik, die diese Form des Zivilen Ungehorsams kriminalisieren, sind ein Versuch diese Aktion zu entpolitisieren, um die dahinter stehenden Gründe und Inhalte zu verdecken.

Ein Blick in die USA, wo sich 70% der weltweiten Anbaufläche für GVO befinden, zeigt schon heute eine verhängnisvolle Entwicklung auf: 2/3 des konventionellen Saatgutes ist dort mit GVO-Bestandteilen verunreinigt und somit nicht mehr gentechnikfrei: Einmal in die Natur ausgekreuzt, sind gentechnische (wie alle genetischen) Veränderungen nicht mehr rückgängig zu machen. Hier gibt eine vor Kurzem in Frankreich veröffentlichte Studie zu Denken: Die französiche Gentechnikkommission CGB fand heraus, dass Ratten durch Gen-Mais geschädigt wurden. Dabei traten erhebliche Anomalien bei den Ratten auf: Nierenleiden, Zunahme der Lymphozyten und ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Die Kommission empfahl unbedingt auf die Nutzung des Gen-Mais zu verzichten.

Diese und weitere negativen Beispiele und Erfahrungen rechtfertigen die von der Aktionsgruppe José Bové gewählte Aktionsform. Letztlich zeigt die Geschichte der heutigen demokratischen Rechtsstaaten, dass vieles, was wir heute als selbstverständliche soziale Errungenschaften betrachten - von der Sozialversicherung über die zumindest formale Gleichstellung der Frauen bis hin zur Abschaffung von rassendiskriminierenden Gesetzen - dass all dies in erster Linie der Verdienst Sozialer Bewegungen ist, die sich mit großem Engagement und großer Entschlossenheit und nicht zuletzt mit dem Mittel des Zivilen Ungehorsams für diese Entwicklungen eingesetzt haben.

"Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint. [...] Das Gesetz hat die Menschen nicht um ein Jota gerechter gemacht; gerade
durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts.“
Henry David Thoreau, Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, 1849


attac-Halle
attac-Könnern
attac-Wittenberg

p.s.: eine liste der felder in sachsen-Anhalt (soweit bekannt) gibt es auf www.keine-agro-gentechnik-lsa.de
Alle beantragte und genehmigte Freisetzungen können beim Robert-Koch-Institut (www.rki.de) abgerufen werden

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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