Berlin: Naziaufmarsch gekippt

Ernst Kadletz 02.05.2004 16:45 Themen: Antifa
Am 1. Mai 2004 wurde den Nazis erstmals seit Jahren wieder ein schlechter Tag bereitet. Möglich war dies durch einen breiten Protest und jeweils der Situation angepassten Aktionsformen.
An der antifaschistischen Demonstration "Naziaufmarsch kippen!" beteiligten sich ca 2.500 Menschen. Bei bestem Wetter setzte sich die Demonstration gegen 11:20 Uhr in Richtung Osten in Bewegung. Anwesend waren auch einige prominente (Ex-)PDS-Genossinen und -Genossen wie Petra Pau, Angela Marquardt und selbst der Berliner Kultursenator Thomas Flierl wurde gesichtet. Sowohl die Bullen als auch die Veranstalter waren von der unerwartet hohen Teilnehmerzahl überrascht. Die Demo war auch erstaunlich bunt.

In Höhe Niederbarnimstraße gab es einen Durchbruchversuch der Demo-Spitze in Richtung Frankfurter Allee. Es gab etwas Gerangel mit Team Green (aus Bamberg), keine Verletzten, keine Festnahmen. Am Boxhabener Platz wurde dann von 10 runtergezählt und losgerannt, worauf die Franken recht nervös reagierten, die kennen sowas offensichtlich noch nicht. Die Entscheidung der Demo-Leitung, die Demo hier zu beenden wurde lange vorher im Bündnis als mögliche Option diskutiert, da davon auszugehen war, dass wir es nicht schaffen, mit der ganzen Demo auf die Nazi-Route zu gelangen. Im Ergebnis bestand Einigkeit darüber, den Leuten die Möglichkeit zu geben, zu den anderen Kundgebungen bzw. direkt auf die Nazi-Route zu kommen. Und es hat funktioniert! Entgegen einigen Presseberichten wurde die Demo von den Veranstaltern beendet und nicht durch die Bullen aufgelöst.

Von da ab ging alles sehr schnell, die Bullenabsperrungen wurden weiträumig umgangen, zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ließen sich einfach mitreissen. Team Green hatte keine Möglichkeit, so kurzfristig alle Zugänge zur Frankfurter Allee dicht zu machen und mehrere Tausend Menschen konnten so an mehreren Punkten auf die Frankfurter Allee gelangen. Insgesamt ergaben sich zeitweilig bis zu vier Blockaden zwischen Magdalenenstraße und Bahnhof Lichtenberg, die dann jeweils durch eine Kette Bullen begrenzt wurden.

Bis ca. 15:30 Uhr wurde so ein Losgehen der Nazis verhindert. Ein zwischenzeitlicher Durchbruchversuch der Nazis wurde durch die Bullen verhindert, angefeuerte von den mehreren Hundert Antifas auf der Lichtenberger Brücke (Sprechchöre "Auf die Fresse!" und "Haut´se, haut´se, immer auf die Schnauze!"). Viele dem Autor persönlich bekannte Antifas hatten zu diesem Zeitpunkt ein breites Grinsen auf dem Gesicht - eine Mimik, die einigen in den letzten Jahren schon verlorengegangen schien.

Nach und nach wurde von team Green versucht, die Blockaden aufzulösen, was am Anfang auch noch ganz korrekt von sich ging. Drei Ansagen und dann Räumung in Richtung Westen sorgten immer wieder für massive Verzögerungen des Nazi-Aufmarsches. Nach und nach allersings agierten die Beamten heftiger und auf Höhe Magdalenenstraße wurden Wasserwerfer und Schlagstöcke eingesetzt. Erst daraufhin wurden auf der Frankfurter Allee Barrikaden errichtet.

Auf der Friedrichshainer Seite brannten mehrer Müllkontainer völlig aud, ein Firmen-PKW wurde umgekippt und die die vorrückenden Bullerei mit Pflastersteinen begrüßt. Unterdessen entschied sich die Einsatzleitung, die Nazis nicht mehr nach Friedrichshain laufen zu lassen, sondern auf der gleichen Strecke wieder zurück zum Bahnhof Lichtenberg zu führen. Daraufhin wurden die Auseinandersetzungen in Friedrichshain eingestellt, ca. 1.000 Menschen feierten hier ein RTS, Team Green beschränkte sich auf das Sperren der Straßen für den Fahrzeugverkehr.

Die Nazis hielten noch vor der Möllendorffstraße eine über einstündige Kundgebung ab und hatten für eine ganze Weile die im Friedrichshain aufsteigenden Rauchsäulen aus dem Friedrichshain vor sich. Zuviel für die Kameraden an diesem Tag, die meisten schwächelten hier bereits und lauschten der blechernen Lautsprecherstimme im Sitzen. Gegen 19:00 Uhr hatte der Nazi-Aufmarsch sein Ende, ein Bullen-Kessel mit Antifas auf der Westseite der Lichtenberger Brücke wurde jetzt auch aufgelöst.

Fazit: Den Nazis wurde am 1. Mai 2004 in Berlin ein schlechter Tag bereitet. Wir würden es wieder tun. Es gab eine breite Mobilisierung und die Aktionen waren dem jeweiligen Vorgehen der Bullen angemessen, so dass sich die Kollateralschäden auf ein notwendiges Minimum begrenzen ließen.
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Ergänzungen

Mehr Bilder auf adf-berlin.de

gibts 02.05.2004 - 17:05
unter Galerie

zusatz zum "nazi-aufmarsch"

k5 02.05.2004 - 17:36
-für den den es interessiert-war gestern am lichtenberger banhof und hat `nazis` aus aachen beziehungsweise stolberg/eschweiler und region dueren gesehen-die auch auf der Demo -todesstrafe für kinderschaender- waren

ball flach halten

ballermann 02.05.2004 - 19:17
waren ja echt ein paar nette aktionen am start; aber gleich davon zu sprechen seit jahren den nazis mal wieder einen schlechten tag bereitet zu haben, finde ich im anbetracht der massiven gegenaktivitäten zu den letzten aufmärschen in braunschweig und hannover für ein wenig anmaßend.
rock on !

Ein schlechter Tag für die Nazis?

Vuk Pirkerowitz 03.05.2004 - 13:40
Für wen war das ein schlechter Tag? Ein riesiges Bullenaufgebot mit Räumpanzern und Wasserwerfern hat 3000 Faschisten den Weg frei geprügelt. Es gab einige Verletzte. Vor der Sparkasse an der Kreuzung vor der S-Bahnbrücke verprügelten drei oder zwei Bullen irgendeiner Sondereinheit (sie trugen Zivil und rot-grüne ((Hah!!)) Brustbinden), als sie sich versteckt hinter Büschen unbeobachtet fühlten, eine Einzelperson, die sich ca 10 Minuten nach dem Einsatz der Wasserwerfer noch dort aufhielt. Sie haben ihn brutalst zusammengekloppt. Ebenso lag eine Person bewußtlos geprügelt auf der Straße, bevor sie von den Bullen gegen Fotografen abgeschirmt wurde. Das war die grüne Polizei des rot-roten Senats! Prügel und Sozialabbau! Ich finde es komisch dass so so viele Leute auf indy diesen Tag als erfolgreich für die Linke bezeichnen, statt nach Rache zu schreien. Der NPD Aufzug wurde zwar erheblich verzögert, er wurde im Endeffekt auch irgendwann gestoppt. Aber der eigentliche Skandal ist doch, dass Körtings Polizei dreitausend Faschisten den Weg freigeprügelt hat - und das unter einem "rot-roten" Senat. Nachdem was ich da alles gesehen habe, steht nach langem Zögern und trotz Vorbehalten für mich fest, dass ich das Volksbegehren (so ist nun mal die offizielle Bezeichnung) des Berliner Bündnis gegen Sozial und Bildungsklau auf Abwahl des Senats unterstützen werde. Eine PDS, die sich in der Koalition gegen den Neo-Noske Körting NICHT durchsetzen kann, ist überflüssig. Weg mit diesem Senat!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Kollateralschäden? — antimilitaristischer Antifa

nur so: — BedaSJ

Unglaublich — Ibbenbürener

Wirklich unglaublich! — Kein Beobachter

keine inhaltliche ergänzung — www.smash-them.com

@ballermann — Ernst Kadletz

Samstag, 01.05.2004 "Nazi-Aufmarsch kippen" — Demonstrationsteilnehmer