VW - Flexibilisierung mit Kündigungen
Einem Arbeitskampf sieht sich VW bei der spanischen Tochter Seat ausgesetzt. VW droht mit Kündigungen, wenn die Arbeitszeit nicht weiter flexibilisiert wird. Am Freitag hat die Belegschaft gestreikt. CGT hat vier weitere Streiktage angekündigt.
Die Verhandlungen um den Tarifvertrag bei der spanischen VW-Tochter Seat sind festgefahren und treten heute (Freitag) in eine neue Phase. Die großen Gewerkschaften haben zu einem 24stündigen Streik aufgerufen, um Druck auf VW auszuüben. Wie überall im spanischen Staat versucht der Autokonzern auch hier eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit durchzusetzen. Sollte sich die Belegschaft einer Flexibilisierung ohne Kostenexplosion widersetzen, wären 600 Arbeitsplätze überflüssig, sagte das Mitglied der Firmenleitung Ramon Paredes. Seat hat die Entlassung von etwa vier Prozent der spanischen Belegschaft beantragt. Noch etwa 19.000 Menschen beschäftigt die VW-Tochter im spanischen Staat.
Bei den Verhandlungen am Mittwoch wurde erneut keine Annäherung erzielt. Wie aus Teilnehmerkreisen zu vernehmen war, macht man sich gegenseitig Vorwürfe. Die Firma habe sich „keinen Millimeter bewegt“ sagte Matías Carnero, Verantwortlicher der Arbeiterunion (UGT) bei Seat. VW wolle die Arbeitszeiten weiter auf dem Rücken der Beschäftigten flexibilisieren. Das bedeutet den Wegfall von Zuschlägen, Pausen und die Möglichkeit seinen Urlaub in einem bestimmten Zeitkorridor zu nehmen, sagte Carnero.
Tatsächlich soll, eine flexible Produktion ganz nach Bedürfnissen des Marktes eingeführt werden. Die Arbeiter sollen zwischen vier und sechs Tagen die Woche arbeiten. Mit Arbeitszeitkonten entfielen Überstundenzuschläge, die würden durch Freizeit entgolten, wenn die Nachfrage sinkt. Eine bezahlte 40minütige Pause und andere Errungenschaften entfielen. Damit will VW konkurrenzfähiger werden. Weltweit sollen 5000 Stellen gestrichen und vier Milliarden Euro eingespart werden.
Seat folgt damit dem Beispiel anderer Autofirmen. Auf die großen spanischen Gewerkschaften fällt nun zurück, dass sie bei Mercedes und VW der Flexibilisierung zugestimmt haben. Bei Mercedes im baskischen Gasteiz (spanisch Vitoria) wurde sie gegen den massiven Widerstand der baskischen Gewerkschaften zugedrückt. Mercedes hatte gedroht, die Produktion ausgerechnet ins ostdeutsche Werk Ludwigsfelde zu verlegen, wo doch die Lohn- und Lohnnebenkosten angeblich so hoch sind.
Drastisch ging auch VW im Tarifkonflikt im Werk Pamplona vor. Dort hatte die Firma bei der Regionalregierung von Navarra die Schließung des Werks während 21 Tagen vor den Verhandlungen beantragt. Betroffen vom Lohnausfall wären etwa 5000 Beschäftigte gewesen. Nachdem die spanischen Gewerkschaften, erneut gegen den Widerstand der Basken, der Flexibilisierung zustimmten, wurde der Antrag zurückgenommen. Die Spirale nach unten war in Gang gesetzt und so pocht nun auch die spanische Regierung im heftigen Konflikt mit den Werftarbeitern auf eine Flexibilisierung. Für die Verhandlungen bei Seat wurde im Vorfeld eine Drohkulisse aufgebaut. So hat VW im letzten Jahr zehn Prozent der Produktion des Ibiza aus dem katalanischen Werk Martorell ins neue Werk im slowakischen Bratislava verlegt.
Spanische Gewerkschaftsvertreter waren gestern in Wolfsburg, um mit der IG-Metall und dem Gesamtbetriebsrat zu reden. Der UGT-Verantwortliche Carnero erklärte, die Kollegen in Deutschland sollten davon überzeugt werden, die Rückverlagerung der Produktion nach Martorell und die Forderungen in den Tarifverhandlungen zu unterstützen: „Es hat mit den Abkommen von vor drei Jahren schon eine Flexibilisierung und Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit gegeben”, argumentierte Carnero in Wolfsburg.
Die kleinere anarchosyndikalistische Gewerkschaft CGT, die aus Tarifverhandlungen und der Deutschlandreise ausgeschlossen wurde, hat gestern zum Streik an den nächsten vier Samstagen aufgerufen. Die CGT beteiligt sich auch heute am Streik, kritisiert aber die Haltung der Arbeiterkommissionen (CCOO) und der UGT. Es sei wichtig die Verhandlungen und Mobilisierungen gemeinsam zu führen, argumentiert sie. Offenbar hat sie eine große Unterstützung in der Seat-Belegschaft. In einer Abstimmung im größten Seat-Werk in Martorell hat die CGT eine Mehrheit von etwa 90 Prozent für die vier Streiktage erhalten.
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 16.04.2004
Bei den Verhandlungen am Mittwoch wurde erneut keine Annäherung erzielt. Wie aus Teilnehmerkreisen zu vernehmen war, macht man sich gegenseitig Vorwürfe. Die Firma habe sich „keinen Millimeter bewegt“ sagte Matías Carnero, Verantwortlicher der Arbeiterunion (UGT) bei Seat. VW wolle die Arbeitszeiten weiter auf dem Rücken der Beschäftigten flexibilisieren. Das bedeutet den Wegfall von Zuschlägen, Pausen und die Möglichkeit seinen Urlaub in einem bestimmten Zeitkorridor zu nehmen, sagte Carnero.
Tatsächlich soll, eine flexible Produktion ganz nach Bedürfnissen des Marktes eingeführt werden. Die Arbeiter sollen zwischen vier und sechs Tagen die Woche arbeiten. Mit Arbeitszeitkonten entfielen Überstundenzuschläge, die würden durch Freizeit entgolten, wenn die Nachfrage sinkt. Eine bezahlte 40minütige Pause und andere Errungenschaften entfielen. Damit will VW konkurrenzfähiger werden. Weltweit sollen 5000 Stellen gestrichen und vier Milliarden Euro eingespart werden.
Seat folgt damit dem Beispiel anderer Autofirmen. Auf die großen spanischen Gewerkschaften fällt nun zurück, dass sie bei Mercedes und VW der Flexibilisierung zugestimmt haben. Bei Mercedes im baskischen Gasteiz (spanisch Vitoria) wurde sie gegen den massiven Widerstand der baskischen Gewerkschaften zugedrückt. Mercedes hatte gedroht, die Produktion ausgerechnet ins ostdeutsche Werk Ludwigsfelde zu verlegen, wo doch die Lohn- und Lohnnebenkosten angeblich so hoch sind.
Drastisch ging auch VW im Tarifkonflikt im Werk Pamplona vor. Dort hatte die Firma bei der Regionalregierung von Navarra die Schließung des Werks während 21 Tagen vor den Verhandlungen beantragt. Betroffen vom Lohnausfall wären etwa 5000 Beschäftigte gewesen. Nachdem die spanischen Gewerkschaften, erneut gegen den Widerstand der Basken, der Flexibilisierung zustimmten, wurde der Antrag zurückgenommen. Die Spirale nach unten war in Gang gesetzt und so pocht nun auch die spanische Regierung im heftigen Konflikt mit den Werftarbeitern auf eine Flexibilisierung. Für die Verhandlungen bei Seat wurde im Vorfeld eine Drohkulisse aufgebaut. So hat VW im letzten Jahr zehn Prozent der Produktion des Ibiza aus dem katalanischen Werk Martorell ins neue Werk im slowakischen Bratislava verlegt.
Spanische Gewerkschaftsvertreter waren gestern in Wolfsburg, um mit der IG-Metall und dem Gesamtbetriebsrat zu reden. Der UGT-Verantwortliche Carnero erklärte, die Kollegen in Deutschland sollten davon überzeugt werden, die Rückverlagerung der Produktion nach Martorell und die Forderungen in den Tarifverhandlungen zu unterstützen: „Es hat mit den Abkommen von vor drei Jahren schon eine Flexibilisierung und Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit gegeben”, argumentierte Carnero in Wolfsburg.
Die kleinere anarchosyndikalistische Gewerkschaft CGT, die aus Tarifverhandlungen und der Deutschlandreise ausgeschlossen wurde, hat gestern zum Streik an den nächsten vier Samstagen aufgerufen. Die CGT beteiligt sich auch heute am Streik, kritisiert aber die Haltung der Arbeiterkommissionen (CCOO) und der UGT. Es sei wichtig die Verhandlungen und Mobilisierungen gemeinsam zu führen, argumentiert sie. Offenbar hat sie eine große Unterstützung in der Seat-Belegschaft. In einer Abstimmung im größten Seat-Werk in Martorell hat die CGT eine Mehrheit von etwa 90 Prozent für die vier Streiktage erhalten.
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 16.04.2004
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Bratislava
Carnero erklärte, „es hat mit den Abkommen von vor drei Jahren schon eine Flexibilisierung und Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit gegeben”. Erbärmlich genug. Und wahrscheinlich haben die Gewerkschaften noch nicht genug für die "Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit" ihres Standorts getan.
Abgesehen davon, sind doch die Arbeiter in Bratislava auch darauf angewiesen, sich für das Kapital zu verdingen, um überleben zu können. Es ist also wurscht, wo VW produzieren lässt - oder wollen die spanischen Gewerkschaftler (inkl. der Anarcho-Syndikalisten), die so geil auf ihre Arbeitsplätze in Spanien sind, diese "auf Kosten" der slowakischen ArbeiterInnen erhalten, denen es - da wahrscheinlich arbeitslos/einkommenslos - noch schlechter geht.
Und das soll "solidarisch" oder radikal "anarcho-syndikalistisch" sein?
Es ist doch nur die alte und erbärmliche Standortlogik und die Unfähigkeit, den Klassenkampf als eine globale Einheit zu begreifen. Als ob es zwischen den ArbeiterInnen in Spanien und der Slovakei einen Unterschied gäbe.
Norbert
Recht hast du Norbert
Recht hast du. So wie die großen spanischen Gewerkschaften die Konflikte angehen, wird das nur immer weiter zur Spaltung führen. Sie haben ja schon ihre kämpferichen baskischen Kollegen abgewürgt.
Ab heute Abend gibts ne Aktualisierung des Artikels bei der jungen Welt oder bei Indy Schweiz und Österreich. Ich poste ihn hier nicht, damit sich einige Fundamentalisten sich nicht über das angebliche "crosspointing" aufzuregen brauchen. Nur soviel, 415 Leute hat VW gekündigt.
Billige Schnacks
Radikale baskische Gewerkschaften?
Es gibt einen Unterschied
Eine Egalhaltung an dieser Stelle ist fatal, sie befördert die sich stetig verschlechternden Arbeitsbedingungen, geringeren Löhne der Arbeiter und steigenden Gewinnen der Unternehmen. Das kann nicht unser Ziel sein oder glaubt jemand daran, dass dann die Revolution ein paar Tage früher losgeht?
@ Brian
Das ist eine Radikalität, die die Verewigung der Lohnarbeit, der Klassengesellschaft und des Staates kostet.
Es ist klar, dass es keine einfachen Antworten gibt und es für die ArbeiterInnen sehr schwierig ist, mit der Sitaution der Standortkonkurenz "umzugehen". Es wird uns aber nnichts anderes übrig bleiben, als eine internationalistische, besser antinationalistische Perspektive zu entwickeln.
Norbert
@Norbert