Berlin Umsonst: Konzertbesuch in Volksbühne

jens 10.04.2004 04:00 Themen: Kultur Soziale Kämpfe
Freitag Abend spielte die Elektro-Punkband "Le Tigre" in der Berliner Volksbühne. Eine Karte: 18 Euro. Etwas teuer dachten wir ? und gingen umsonst zum Konzert.
Es war schon 21.30 Uhr als wir in einer linken Berliner Kneipe auf einen Flyer aufmerksam wurden: "Le Tigre umsonst ? Berlin Umsonst! Treffpunkt 21.30 Uhr vor der Volksbühne!" hieß es da. Naja, so früh geht es ja meistens eh nicht los, dachten wir uns, und machten uns auf den Weg um gegen 22 Uhr vor der Volksbühne in Berlin-Mitte anzukommen. Viele Gleichgesinnte schienen dort nicht auf uns zu warten. Allerdings sind wohl laut einigen anderen Leuten wohl schon zuvor ein paar Menschen umsonst in den Saal gestürmt.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber auch schon ca. 10 Leute. Also, allen Mut zusammengenommen, von 3 auf 0 heruntergezählt und mit lautem "Alles für Alle ? und zwar umsonst!" hineingerannt. Die Security schien schon etwas vorbereitet, was dafür spricht, dass schon vor uns ein paar Leute hineingerannt sein müssen - wie gesagt, wir kamen ja etwas verspätet. Nach ein paar leichten Rangeleien waren wir dann aber im Saal und konnten das Konzert genießen. 3, 4 Leute wurden, so wie ich es gehört habe, allerdings auch von der Security aufgehalten.

Interessant fand ich, dass die Volksbühne gerade einmal zur Hälfte gefüllt war. Ich habe nie Marx noch sonst einen anti-kapitalistischen Klassiker gelesen ? aber da zeigt sich für mich die Unlogik dieses Marktsystems: Es gibt viele Menschen die "Le Tigre" gern gesehen hätten, und es wäre auch problemlos möglich gewesen. Platz gab es noch mehr als genug, aber es war nicht gewollt. Wer das Geld nicht hat, muss draußen bleiben. Erwähnenswert ist auch noch, dass in der "pseudo-alternativen" Volksbühne auch schon Veranstaltungen mit dem Titel "Recht auf Faulheit" liefen. Wie hoch der Eintritt bei solchen Veranstaltungen ist, weiss ich allerdings nicht.

Insgesamt eine sehr schöne Aktion, mit der ich bzw. wir direkt zum Ausdruck bringen konnten, was uns stört: In diesem Falle war es nicht die Agenda 2010, und auch nicht die Abschaffung des Sozialtickets der Berliner Verkehrbetriebe, sondern der zu hohe Eintrittspreis. Und diese Kritik konnten wir, glaube ich, ganz gut zum Ausdruck bringen.

Das Konzert war im Übrigen auch ganz gut ? obwohl der wirkliche Punk vorher stattfand ;-)


P.S. ich habe zwar offiziell nichts mit den Leuten zu tun, aber hier kommt die tolle Idee her, die wir heute in die Tat umgesetzt haben:  http://www.berlin-umsonst.tk/
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Ergänzungen

Eintrittspreise

Anna 10.04.2004 - 12:57
Der Eintrittspreis wurde nicht alleine von der Volksbühne festgesetzt... Das Managment von Le Tigre / die Band selbst sind daran nicht ganz unschuldig. Die Räumlichkeiten wurden an diesem Abend nur von der VoBü angemietet; das Konzert hätte auch wesentlich billiger ausfallen können. Die VoBü ist eine der wenigen Veranstaltungsorte, die mensch noch für größere Veranstaltungen zu fairen Preisen anmieten kann. Der Kasten kostet nunmal leider fast 2000 Euro am Tag (Betriebskosten......)
Ich hab` an der Volksbühne auch einiges auszusetzen, aber die horrenden Preise sind diesmal nicht auf deren Mist gewachsen. "Le Tigre" ist nunmal Kommerzscheiß, wenn auch extrem gut anzuhören & tanzbar....

Aber: TOLLE AKTION!!

MoMA umsonst!! 17. April 04, 16 Uhr

f 10.04.2004 - 13:53
MoMA umsonst!

Samstag, 17. April 2004, 16 Uhr
Neue Nationalgalerie, Potsdamer Straße


Wir wollen alles......
Kultur, Mobilität, Gesundheit, Bildung......umsonst!

In Zeiten des Sozialabbaus, der Privatisierung von Gesundheit und Bildung,
steigender BVG-Preise und zahlreichen weiteren Verschärfungen wird auch so
manches Kulturangebot für viele unerschwinglich.
Wir wollen jedoch nicht um niedrigere Eintrittspreise bitten, für
sozialverträglichere Kürzungen demonstrieren oder einen gerechteren
Sozialstaat einfordern. Wir wollen nicht, dass unsere Lebensbedingungen nur dann verbessert werden, wenn es das ökonomische System gerade mal zulässt.

Wir wollen die Bedingungen selbst gestalten! Darum beginnen wir, uns zu
nehmen, was wir für ein schönes Leben brauchen, überall und gemeinsam!
Die Aktion MoMA umsonst! richtet sich nicht gegen die Neue
Nationalgalerie, sondern gegen ein System, in dem Kunst wie so vieles
andere auch, nicht für alle zugänglich ist, die Interesse daran haben.

Deshalb: MoMA umsonst!!

Samstag, 17. April 2004 ab 16 Uhr
Neue Nationalgalerie, Potsdamer Straße
_______________________________________________

web:  http://www.berlin-umsonst.tk/
mail:  berlin-umsonst@gmx.net
_______________________________________________
Berlin-umsonst mailing list
 Berlin-umsonst@lists.nadir.org
 https://lists.nadir.org/cgi-bin/mailman/listinfo/berlin-umsonst

...fuer umsonst fahren mit bvg

anti-bvg 10.04.2004 - 15:07
...und für die, die kein Studi-Ticket hatten, um zur Volksbühne zu gelangen, und auch nicht zu Fuß latschen wollten, gibt es die Proteste gegen Agenda 2010, gegen die BVG-Preistreiberei und Abschaffung der Arbeitslosenhilfe:
 http://www.mai-steine.de
 http://www.myfest.tk

alles für alle und zwar umsonst!

muss ausgefüllt werden! 10.04.2004 - 22:55

noch was zur aktion

wardabei 12.04.2004 - 17:05
noch ein paar fakten:

unserer schätzung nach waren 16-20 leute für umme drin.
können wir natürlich nicht genau wisen. und es gab ein paar, die mal drin waren und wieder rausgeflogen sind, weil nen transpi und ist halt schlechte tarnung...

gut war auch dass sich viele leute über die aktion gefreut hatten, die nicht mitgemacht haben. das war vielleicht zum teil eher spott, oder freude über die leichte unterhaltung, a la: "wie süss, die linken demonstrieren wieder".
aber es gab definitiv "normale" konzertbesucher, die gezahlt hatten und die z.B. die türsteher angegeangen sind wenn sie versucht haben uns rauszuwerfen. das ist mal spontane solidarität, über die sich mensch freut!

auf einem anderem blatt steht, dass die vorgruppe ein unerträglicher, doofer eitler fatzke war, und le tigre bis auf ein paar hits auch nicht so dolle sind.

hier nochmal dank an alle die irgendwie mitgeholfen haben - wurscht ob zahlende gäste oder nicht oder vielleicht selber in der volksbühne garnicht dabei!
ob flyer machen, transpi malen, türsteher anmaulen,..., die aktion lief weil viele irgendwie bock auf so was hatten!

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naja

ibn 10.04.2004 - 10:07
man merkt, daß du nie Marx gelesen hast. Sonst hättest du das, was du als U n l o g i k dieses Marktsystems kritisiert hast, als seine L o g i k erkannt: Wer kein Geld hat, muß draussen bleiben.

Ohne Marx zu lesen, kannst du dir ja auch mal überlegen, wie das Geld überhaupt zustande kommt. Der Ausschluß der meisten Menschen vom gesellschaftlichen Reichtum ist dafür eine notwendige Voraussetzung (nicht die einzige).

Gute Aktion!

Alles für Alle 10.04.2004 - 12:18
Gute Aktion!
So muss das laufen!

(@"ibn": hallo du nörgeldepp und super-marxist: es ist total wurst ob man
"die logik des systems" oder seine eigene auffassung,-" die einem
erscheinende unlogik" meint. mir gehen so hirnclowns wie du
so dermassen auffn senkel.)

grüsse aus bayern!

@ Alles für Alle

feuerbach11 10.04.2004 - 12:46
Eure Kritik ist also das die Preise zu teuer sind? Wenn Le Trigre im Aldi spielen würden wäre natürlich alles bestens. Den Kapitalismus stellt ihr so allerdings nicht grundlegend in Frage und sollte das nicht der Anspruch von Kritik sein bzw. nicht nur von Theorie auch von Praxis?

@Alles für Alle: Mit Deiner Theoriefeindlichkeit landest Du wahrscheinlich eh früher oder später auf dem Weg in die Affirmation oder schließt dich irgendeiner AD-Sekte an, hat ja mit Teilen der Theorieschwachen AntiFA-Gruppen bisher bestens geklappt.

Aneignung

Strauchdieb 10.04.2004 - 13:25
Zur Diskussion um Aneignung und Enteignung »Aneignung« scheint das neue bündnisfähige Projekt der antikapitalistischen Linken zu sein. Die eigenen Bedürfnisse sollen gegen den Markt zur Geltung gebracht, die Privatisierung öffentlicher Güter thematisiert werden, Erfahrungen von Regelverletzungen sollen Politisierung ermöglichen. In Zeiten, in denen niemand mehr an die geschichtliche Mission der Arbeiterklasse zur Abschaffung des Kapitalismus glaubt, scheinen Aneignungskämpfe ein Politikfeld zu eröffnen, das potenziell »alle« als politisches Subjekt anspricht.

ohhmann...

xsidekickx 10.04.2004 - 13:58
jaja herr feuerbach, zum teil ist aber auch die praxisfeindlichkeit die so linke wie du an den tag legen, die alles zerreden müssen und alles besser wissen, erschreckend und lähmend!!! hier geht es nur um einen kleinen ausbruch aus dem üblichen konsumenten muster, also einfach mal klappe halten und husch husch ins nächste proseminar oder einfach mal mitmachen!!!

Herr Feuerbach

Ho Chi 10.04.2004 - 15:38
Von wegen Theoriefeindlichkeit. Einfach mal den Arsch hochkriegen, liebe Adorno-Ganztagstheoretiker.
BERLIN UMSONST - Respect!!!
UNITY!
Ein Hoch auf Florida Rolf, Pool Peter und Viagra Kalle!


@alles für alle

ibn 10.04.2004 - 19:10
lieber Herr Bayer,

Schade. Das ist gerade der entscheidende Unterschied: ob du das als Logik oder Unlogik des Systems erkennst.

Aber schade: da du garnicht nachdenken willst, weil es ja sowieso egal ist, Hauptsache man macht w a s (kleiner Hinweis: ein bayrischer Kaninchenzücherverein macht auch w a s, nämlich Kaninchen züchten), und da in deinem Ton garnicht mehr viel Verstand mitschwingt, erklär ich dir jetzt nicht, warum das der entscheidende Unterschied ist.

Alles für alle

@bayer

ibn 10.04.2004 - 19:27
ick versteh übrigens nicht ganz, warum man, wenn man auf einen Fehler aufmerksam macht, mit Wutausbrüchen von ganz anderen Leuten rechnen muß. ein einfaches: "stimmt" oder "stimmt nicht, weil...." hätte doch genügt.

alles für alle,
sag ja zum nein,
gegen Sozialkahlschlag und imperialistisches Morden,
Aktion auf die Straße,
gegen Dummheit

Jung ,weißt du

anonym 10.04.2004 - 20:00


wieviel Lebensmittel nachts ungenutzt in Supermärkten liegen,das die EU,
damlas Eg Überschuss vernichten lässt,wegen dem Profit ?