Kommunist und Monopolist

Gerd Lange 24.03.2004 20:12 Themen: Medien Netactivism
Mit dem PDS Wirtschaftssenator Harald Wolf macht mit dem erst kürzlich wegen Missbrauch seiner Marktstellung von der EU saktionierten Konzern Microsoft Geschäfte -- gegen den Willen des Berliner Parlamentes und ohne Rücksicht auf die desolate Haushaltslage. Während die IT-Profis sich Gedanken machen wie man die Informationsgesellschaft aus dem Joch der einen Firma befreien kann, auf Freie Systeme migrieren, im EGovernment Offene Schnittstellen durchsetzen, paktiert der Kommunist mit dem Monopolist.
In vielen Bundesländern wird durch Rahmenverträge des Landes mit Microsoft die Migration von Windows zu Freien Systemen behindert, obwohl in vielen Fällen Freie Systeme die Nase vorn haben, wenn es um Sicherheit und Zukunftsfähigkeit geht. Gerade die Kleinsten unter den Bürgern werden nun in Berlin ins Joch gespannt:

"Neben Forschungskooperationen mit Berliner Hochschulen engagiert sich Microsoft im Rahmen der Bildungsinitiative Cids! - Computer in die Schulen für den Ausbau der Bildungsinfrastruktur und die Förderung von Medienkompetenz bei Berliner Kindern und Jugendlichen. Dazu zählt auch das Kindertagesstätten-Projekt Schlaumäuse -- Kinder entdecken Sprache. Die Berliner Universitäten und Hochschulen nehmen an den Bildungsprogrammen von Microsoft teil."

Da kann man polemisch an das Diktum denken: "Und sie werden nicht frei, ein ganzes Leben."

Über derartige Programme wird das Bildungsystem zu den Produktschulern einer Firma pervertiert, während Freie Systeme nur zögerlich sich durchsetzen lasse, weil entsprechende Gewöhnungen an Plattformen eingetreten sind. Dabei steht proprietäre Software der Idee einer inklusiven Informationsgesellschaft im Wege, denn die Kinder werden zu Konsumenten, nicht Akteure im Rahmen der neuen Informationsgesellschaft. Das ist an vielen Stellen erkannt worden.

Auch auf das E-Government legt Microsoft gegen den Willen des Parlamentes seine Finger:
"Geplant sind unter anderem ein B2G Competence Center (B2G = business to government), das internetgestützte Dienste an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung entwickelt, sowie ein Landeskonzept zur Modernisierung der Software für die Berliner Verwaltungsarbeitsplätze. "
und das obwohl die Möglichkeit der Wirtschaftsspionage durch ausländische Mächte und die Zusammenarbeit mit Scientologyfirmen nach wie vor hohe Sicherheitsrisiken für den Einsatz von Software aus dem Hause MS für die öffentliche Verwaltung bedeuten. Von der Anfälligkeit der Plattform gegenüber Viren ganz zu schweigen.

Rahmenverträge dieser Art würgen den freien Wettbewerb von oben ab, weil MS Dienstleistungen nur von zertifizierten Partnern dieser Firma erbracht werden können und Konkurrenten auch bei besseren Produkten ausgeschaltet werden. Wer dann Freie Systeme installiert, kann nichts in Rechnung stellen und muss womöglich noch bei Problemen nachzahlen.

Und Freien Wettbewerb mochten die Kommunisten ja schon früher nicht, das will alles schön verwaltet sein. Nach bewährtem Verfahren wird von oben ein System aufgedrückt, diesmal muss die Zukunftsfähigkeit der Berliner Bürger dran glauben. Genug Geld hat Berlin wohl auch, dass es verteilen kann. Harald Wolf glaubt vermutlich bei der CeBIt seinem Lande einen Dienst zu erweisen. Kommunismus und Monopolismus reichen sich die Hand. Winkelemente bereit halten.

 http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2004/03/19/19291/index.html
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

ach

hinrichs 24.03.2004 - 20:48
Schon mal recherchiert, was sein Vorgänger Wolfgang Branoner(CDU) jetzt beruflich macht?

Und Köfferchen weiterreichen

nachschauer 24.03.2004 - 21:42
Seit August 2003 ist Wolfgang Branoner als Direktor Public Sector der Microsoft Deutschland GmbH tätig. In dieser Funktion berichtet er direkt an Jürgen F. Gallmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH.

Wolfgang Branoner war von 1998 bis 2001 Senator für Wirtschaft und Technologie in Berlin. Der studierte Verwaltungswissenschaftler und Diplom-Kameralist trat 1980 in die Berliner Stadtverwaltung ein. Von 1985 bis 1991 war er Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen im Bezirksamt Neukölln. 1991 übernahm er im ersten Gesamt-Berliner Senat nach der Wiedervereinigung das Amt des Staatssekretärs für Stadtentwicklung und Umwelt. 1996 wurde Wolfgang Branoner Staatssekretär für Wirtschaft und Betriebe und im November 1998 Berliner Wirtschaftssenator. Im September 2001 wechselte Wolfgang Branoner zur Deutschen Telekom AG. Als Segment Director Federal Government leitete er zuletzt die Industry Line Public & Healthcare bei der Konzerntochter T-Systems.

Wolfgang Branoner (47) hat eine Tochter und einen Sohn. Als geborener Berliner engagiert er sich gesellschaftspolitisch in Berlin-Brandenburg. Sportlich treibt es ihn zum Golfen, Joggen und Skifahren.

Harald Wolf...

Warhead 24.03.2004 - 22:41
...war früher in der Al und war Anfang der 80er in der Hausbesetzerbewegung aktiv.Wer hat uns verraten-die Sozialdemokraten...wer verrät uns schneller-die ALer

Komunisten

Toni 25.03.2004 - 15:04
versuchen die bestehenden Verhältnisse aufzuheben, statt sie zu verhärten.

Dazu gehört den Staat aufzuheben.

Wolf ist Sozialdemokrat, oder sozialliberaler. Ein progressiver Alien wie er im Buche steht.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 2 Kommentare an

kommunismus? — der nestscheißer