Die NPD am 3. April in Frankfurt am Main

Norbert 13.03.2004 11:45
Am 3. April will die NPD eine Demo unter dem Motto "Volksgemeinschaft statt Klassenkampf!" durchführen, gegen die das provinziell-autonome Rhein/Main Info "Swing" mit der Parole "Soziale Revolution statt Klassenkampf" mobilisiert.
Dass sich beide immerhin in der Ablehnung des Klassenkampfes einig sind, ist ein beunruhigender Hinweis darauf, dass die NPD vielleicht gar nicht sooo Unrecht hat, wenn sie verkündet: "Wir marschieren getrennt und schlagen die Ausbeuter der Völker gemeinsam, ob in Stuttgart, Köln, Berlin oder Frankfurt".

Dass die NPD einen positiven Bezug zur "Antiglobalisierungsbewegung" und zur refomistischen Anti-Agenda-Bewegung hat, verwundert mich zwar nicht, dass sich aber auch die "Autonomen" in die Bewegung gegen den bösen "Klassenkampf" einreihen, ist schon etwas komisch.

Ich dokumentiere hier den NPD-Aufruf (die KOMMENTARE sind von mir), der sich leider über weite Strecken so liesst, wie ein x-beliebiger Text zur Sicherung des Standorts Deutschlands, den wir auch von anderen reformistischen Gruppen und Bewegungen kennen.

Norbert

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Und nun die NPD (www.npd.de):

Volksgemeinschaft statt Klassenkampf! SOZIALE REVOLUTION STATT KLASSENKAMPF?

Demonstration des nationalen Widerstandes am 3. April in Frankfurt/Main

Treffpunkt: 11:00 Uhr - Hauptbahnhof

Redner:Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender
Thorsten Heise, freier Nationalist

Gemeinsamkeit statt Konfrontation! DAS ALTE MOTTO DES DGB: SOZIALPARTNERSCHAFT!

Die politische Diskussion in der BRD wird zunehmend von Verteilungskonflikten geprägt, bei denen Kapitalbesitzer eine besondere Rolle spielen. Während diese daran interessiert sind, Löhne und Sozialleistungen wie Rente, Krankenversicherungsleistungen, Arbeitslosengeld usw. zu senken, liegt dies nicht im Interesse der großen Mehrheit der Deutschen. BRAVO, DAS KANN VON "GEMEINSCHAFT" BIS ZUR "MEHRHEIT DER DEUTSCHEN" SO GUT, WIE JEDER REFORMIST BEDENKENLOS UNTERSCHREIBEN

Globalisierung stoppen...

Eine der Ursachen der Verschärfung dieses Konfliktes ist die Globalisierungspolitik der herrschenden Parteien. Seit Jahrzehnten fördern diese eine Politik, in deren Folge Waren, die in Ländern produziert werden, in denen es quasi keine Sozialversicherungen gibt und brutale Ausbeutung durch Hungerlöhne betrieben wird, problemlos in der BRD verkauft werden. UND DAS AUCH

Arbeitslosigkeit bekämpfen...

Als Folge dieser Politik müssen heimische Unternehmen mit Billigstproduzenten um Marktanteile kämpfen. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen in vielen Branchen Löhne gekürzt oder eingefroren werden. Trotz dieser Maßnahmen fand ein massiver Export von Arbeitsplätzen ins Ausland, z.B. in der Textil- oder Schuhindustrie statt. SUPER, GEWERKSCHAFTSDEUTSCH PUR, ES LEBE DER STANDORT!

...Gemeinschaft schaffen!

Diese Politik muß gestoppt werden! Weder deutsche Arbeiter, noch die deutsche Industrie dürfen länger unter den rücksichtslosen Produktionsmethoden in anderen Teilen der Erde leiden. Das wirtschaftspolitische Modell der raumorientierten Volkswirtschaft löst den, von der Globalisierungspolitik der herrschenden Parteien geschaffenen, Interessenskonflikt auf und setzt die Volksgemeinschaft an seine Stelle. WIE GUT WAR DOCH DIE DEUTSCHE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT - ZWAR WERDEN HIER NUR DIE DEUTSCHEN ARBEITER ERWÄHNT, TROTZDEM WÜRDE FAST JEDER GEWERKSCHAFTLER/REFORMIST - DAS IST ZU BEFÜRCHTEN - AUCH DAS UNTERSCHREIBEN.

Am gleichen Tag, an dem Attac in zahlreichen Städten gegen die Auswirkungen der Globalisierung demonstriert, werden auch wir auf die Straße gehen. Das deutsche Zentrum der Hochfinanz ist unser Ziel. FRANKFURT = BANKFURT, DIE BANKER UND FINANZSPEKULANTEN (AUF ALLE FÄLLE LEUTE DIESER ART) SIND AN ALLEM SCHULD - 100 PROZENT REFORMISTEN- KOMPATIBEL.

So wird dieser Tag ein organisationsübergreifender Kampftag um soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Wir marschieren getrennt und schlagen die Ausbeuter der Völker gemeinsam, ob in Stuttgart, Köln, Berlin oder Frankfurt. WELCHER REFORMIST KÖNNTE DEM ERNSTHAFT WIDERSPRECHEN ?

DIE FRAGE IST ALSO, WIESO ÜBERHAUPT GEGEN DIESE DEMO MOBILISIERT WERDEN SOLL, WENN DER AUFRUF ZU IHR EINEM DOCH VERDAMMT BEKANNT VOR KOMMT - UND ZWAR VON "NORMALEN UND GUTMEINENDEN GLOBALISIERUNGSKRITISCHEN MENSCHEN", VON DEN GEWERKSCHAFTEN UND LINKEN SOZIALDEMOKRATEN, VON DER PDS UND SO WEITER. UND WENN DOCH ALLE SOWIESO GEGEN DEN "KLASSENKAMPF" SIND.


Norbert
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Ergänzungen

soziale revolution ist klassenkampf

weist 13.03.2004 - 12:33
Die Konzepte bedeuten ungefähr dasselbe. 'Klassenkampf' basiert jedoch auf einer Gesellschaftsstruktur, die spätestens seit Ende des 2. Weltkriegs hierzulande obsolet ist (für einen Klassenkampf benötigst du klar als solche erkennbare 'Klassen' die ein entsprechendes Bewußtsein haben bzw entwicklen können - mit der Diversifizierung der Arbeitsinhalte und der Dominanz der Dienstleistungsjobs, die jeder für sich ziemlich isoliert im Raum stehen, ist es aber vorbei mit den sozioökonomisch eher homogenen proletarischen Massen, die sich als Malocher in einem Großbetrieb der verarbeitenden Branche leicht in einen Topf werfen lassen).
'Soziale Revolution' ist also die Fortführung des Klassenkampfs in einer Gesellschaft, in der das klassisch-marxistische Konzept von 'Klasse' nicht mehr anwendbar ist, und, so mensch auf so was steht, dem Begriff 'Klassenkampf' definitiv vorzuziehen, weil es genauso inhaltsleer, aber nicht so bedeutungsvoll, also in den Köpfen der Leute, die es zu erreichen gälte, nicht so (negativ) vorbefrachtet ist.

Deine Logik ist etwas krude; demnach müßtest du ja auch al-Qaeda und die Arbeiterkommunistische Partei des Irak in einen Topf werfen, weil sie sich in der Ablehnung des Besatzungsregimes einig sind, oder Islamfundis und radikale Feministinnen, die beide das Frauenbild in unserer Gesellschaft kritisieren etc.

@ weist

Norbert 13.03.2004 - 13:29
Die Aussage "soziale Revoultion ist Klassenkampf" ist eine andere als die Aussage "soziale Revolution statt Klassenkampf". Wenigstens nach meiner Logik.

Interessant an dem NPD-Text ist, dass er ziemlich genauso reformistisch und sozialpartnerschaftlich argumentiert, wie dies von anderen Gruppen bekannt ist. Das bedeutet nicht, dass die NPD in jeder Hinsicht mit anderen Reformisten gleichzusetzen ist.

Die Arbeiterkommunisten des Iraks oder Irans würde ich selbstverständlich nie und nimmer mit den Islamisten in Verbindung bringen. Die Sozialpartnerschafts-, Mitbestimmungs- und Standortsicherungsideologie der deutschen Gewerkschaften steht der "Volksgemeinschaft" aber recht nahe (teilweise sogar inklusive des deutschtümelnden Aspekts).

Dass es "heutzutage" keine Klassen mehr gibt, sondern nur noch Individuen, soziale und kulturelle (und vielleicht auch noch ethnische) Gruppen/Schichten/Milieus gibt, darin bist du dir mit vielen anderen einig (sorry, auch mit der NPD).

Klar, nur weil die NPD, oder die autonome "Swing" keine Klassen (vor lauter Deutschen oder Individuen/Gruppen) mehr sieht, bedeutet natürlich nicht, dass es wirklich Klassen gibt.

Verschiedene Leute verstehen unter dem Begriff "Klasse" Unterschiedliches.

Ich bevorzuge die von Marx entwickelte Definition. Und nach der gibt es heute genauso (mindestens) zwei Klassen, wie vor 100 Jahren. Im Marx-Forum von Wal Buchenberg gibt es eine Zusammenstellung der Marxschen Definition, auf deren Grundlage ich mir die Welt und die sozialen, ökonomischen und politischen Differenzierungen relativ gut, wenn auch nicht vollkommen und vollständig, erklären kann.

 http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_k/klassenkampf.html

gegenaktion

- 13.03.2004 - 13:32
Für den 3. April hat die NPD in Frankfurt eine Demonstration für 11:00 Uhr am Hauptbahnhof angemeldet. Das Motto soll "Volksgemeinschaft statt Klassenkampf!" sein. Als Redner sind der NPD-Vorsitzende Voigt und der zu den "Freien Kameradschaften" gehörende Heise vorgesehen.
Wie in den letzten Jahren wird dies auf den entschiedenen Widerstand von Anti-Nazi-Koordination und autonomen AntifaschistInnen stoßen.
Da sich der Auftaktort und -termin der Nazidemo noch ändern können, solltet Ihr Euch regelmäßig informieren. Dazu wird es neben dieser Webseite die Infotelefonnummer 069/79202751 geben
Provisorischer Treffpunkt für AntifaschistInnen ist am 3. April um 9:00 Uhr (pünktlich!)am Willi-Brandt-Platz

kopiert + eingefügt von :  http://antifa.frankfurt.org/

Unsinn

redfalcon 15.03.2004 - 10:33
Es ist ja wohl schwachsinnig, erstens zu sagen dass die NPD nicht sooo Unrecht hat weil die 99 prozent der Zeit sowieso lügen, Das erstmal vorweg. Man muß diese bekanntmachung sehr ernst nehmen weil hiermit ein allgemeiner Spaltungs versuch der klar getrennten politischen Lager in Angriff genommen wird. Wir müssen massiv gegen diese Provokation vorgehen.

KEIN FUßBREIT FÜR FASCHISTEN!!
NAZIS ANGREIFEN!!

redfalcon

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Marx stinkt!

br 14.03.2004 - 15:49
die "analyse" und die kommentare unseres marxisten zeigen schon ganz deutlich, warum man z.b. als automer antifaschist oder als anarch-syndikalist am 02./03. 04. nach Frankfurt fährt....
ML, MaoL, Stalinisten, Trotzkisten warten nämlich in Köln und Berlin auf die DIKTATUR des Proletariats.
Viel Verständnis können solche Fanatiker nicht aufbringen für Ideen ohne Doktrin und Zwang....

Soziale Revolution , statt Klassenkampf und Diktatur des Proletariats !