blutiger wahlkampf in madrid

basque country 12.03.2004 20:52
Blutiger Wahlkampf in Spanien
von Ralf Streck 11.03.2004

Bei einer Anschlagswelle in Madrid sind drei Tage vor den Parlamentswahlen gestern fast 200 Menschen getötet und über 1400 verletzt worden.
Blutiger Wahlkampf in Spanien
von Ralf Streck 11.03.2004

Bei einer Anschlagswelle in Madrid sind drei Tage vor den Parlamentswahlen gestern fast 200 Menschen getötet und über 1400 verletzt worden. In vier Pendlerzügen gingen am frühen Morgen im Pendlerverkehr fast gleichzeitig 13 Bomben hoch und richten vor allem in der zentralen Bahnhof Atocha, aber auch in die Stationen Santa Eugenia und El Pozo, großen Schaden. an. Offenbar waren die Bomben in Reisetaschen deponiert.
 http://www.elpais.es/articulo.html?xref=20040311elpepunac_1&type=Tes&anchor=elpporesp

"Es war wie im Krieg", sagten Augenzeugen vor Ort. Der Zugverkehr wurde eingestellt und selbst das Telefonnetz in der spanischen Hauptstadt ist zusammen gebrochen. Der scheidende Ministerpräsident José María Aznar berief ein Krisenkabinett ein und seine Volkspartei setzte den Wahlkampf, dem sich inzwischen
die anderen Parteien angeschlossen haben und eine dreitägige Staatstrauer wurde angeordnet.

Obwohl die Regierung sofort die baskische Untergrundorganisation ETA für den Anschlag verantwortlich machte, erklärt das Innenministerium nun, man ermittele in alle Richtungen. Dementiert hat der Innenminister inzwischen, es habe einen Droh- oder Bekenneranruf einer islamistischen Gruppe gegeben. Doch
stets warnt die ETA mit mehreren Anrufen, wenn sie Anschläge auf
Infrastruktureinrichtungen durAuch der Korrespondent der spanischen Zeitung El Pais in Berlin, die für ihre absolute Militanz gegen die Basken bekannt ist, sagte im Deutschlandfunk, dass ein derartiger Anschlag nicht dem Stil der ETA entspreche,
sagte José Comas.

Inzwischen wurde ein gestohlenes Auto mit Zündern gefunden und ein Tonband mit arabischen Koranversen, dass auf arabische Täter hinweist. Bei der Zeitung EL Kuds in London ist ein Bekennerschreiben eingegangen, dass von einer Al Kaida nahen Gruppe kommen soll.

So verwundert es nicht wenn der Auslandsprecher der baskischen Partei Batasuna (Einheit), Joseba Alvarez, hat es mir gegenüber als "unmöglich" bezeichnet, dass der Anschlag von der ETA kommt. "Das ist eine Attacke ohne Hand und Fuß der in keiner Form in die politische oder militärische Logik der Organisation passt." Die Führung der Partei trat vor die Presse und der Sprecher der seit einem Jahr in Spanien verbotenen Partei, Arnaldo Otegi, verurteilte den "wahllosen Anschlag auf die Zivilbevölkerung in der absolutesten Form" und sprach von einem "Massaker". Die Partei, die verboten wurde, weil sie Anschläge der ETA nur bedauert aber nicht verurteilt, sprach den "Opfern und der Bevölkerung von Madrid die volle Solidarität" der Partei aus, die der ETA politisch nahe steht. Otegi vermutete, hinter den Anschlägen stünden vermutlich islamistische Terroristen und sprach von einer "Operation des arabischen Widerstands".  http://www.gara.net/azkenak/orriak/art74376.php

Zwar hatte die ETA versucht an Weihnachten einen Anschlag auf den Madrider Bahnhof Chamartin auszuführen, aber die beiden bei der Aktion verhafteten ETA-Mitglieder haben ausgesagt, mit Anrufen vor der Bombe zu waren. Die war zusätzlich noch mit einem System ausgestattet, womit mögliche Fahrgäste im Zug
durch eine Lautsprecherdurchsage auf die Bombe aufmerksam gemacht werden sollten, damit es keine Opfer in der Zivilbevölkerung gibt.

Das die ETA ausgerechnet vor den Wahlen einen Anschläge ausführeren, bei dem viele Menschen verletzt oder getötet werden könnten ist zudem schwer vorstellbar und würde der konservativen Regierung in die Hände spielen. Erst letzten Sommer hatte der ETA-Führer Santiago Arróspide Sarasola, alias Santi Potros,
den Anschlag auf einen Supermarkt 1987 in Barcelona als einen der
"schwersten Fehler in der der Geschichte der ETA" bezeichnet. Den Drohanrufen der Organisation hatten die Sicherheitskräfte keine Beachtung geschenkt, 21 Menschen verloren bei dem blutigen Attentat das Leben.

Auch der britische Aussenminister Jack Straw geht von einem Anschlag aus, der von islamistischen Tätern kommt und nannte konkret Al Kaida. DAs ist auch viel wahrscheinlicher, weil Spanien sich am Krieg gegen Afghanistan und an der
Besetzung des Iraks beteiligt ist, wo insgesamt acht Spanier ermordet wurden, sieben Geheimdienstmitarbeiter des CNI und ein Kommandant der Guardia Civil. Zudem waren spanische Einrichtung bei schon Ziele islamistischer Täter bei einer Anschlagsserie in Marokko vor knapp einem Jahr.

So könnten sich die Anschläge in Madrid jetzt doch noch zum Stolperstein für die konservative Volkspartei (PP) von Aznar werden und die für heute angesetzten landesweiten Demonstrationen sich zu Protesten gegen sie verwandeln.
Denn sie war es, die Spanien gegen den Willen von 90 % der Bevölkerung in den Irak-Krieg geführt hat. Viele könnten nun denken, dass dies das Ergebnis der fatalen Politik von Aznar ist und am Sonntag den Oppositionsparteien ihre Stimmen geben, denen bisher nach Meinungsumfragen keine Chancen auf einen Sieg
eingeräumt worden ist. Viel hängt davon ab, ob der sozialistische
Oppositionsführer sich diesmal nicht vom Diskurs der PP einfangen läßt und sie klar mitverantwortlich macht.
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Ergänzungen

tp-crosspostint

leser 13.03.2004 - 11:22
könntet ihr bitte, bitte, bitte nicht von Telepolis hierher crossposten? Ich finde sowas ist SPAM.

Original:  http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/16941/1.html

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antinationalist = PP — antinationalist = PP