Frauentag, Info für Berlin/Brandenburg

achtermaerzvorbereitung 05.03.2004 13:10
Anläßlich des 8. März, dem Internationalen Frauentag, wird am 6. März eine Demonstration mit anschließender Kundgebung vor dem Abschiebeknast in Grünau geben. Dies ist eine Veranstaltung von und für FrauenLesbenTransgender ONLY!
Die Demo, die um 16.30 Uhr am S-Bahnhof Köpenick beginnt und vor dem Knast enden wird, ist auschließlich für FrauenLesbenTransgender-Teilnehmerinnen konzipiert. In der Printausgabe des Streßfaktor, als lokalem Terminmedium, ist sie leider nicht als solche gekennnzeichnet, wir wollen hiermit noch einmal darauf hinweisen um uns unnötige Diskussionen und Männern unnötige Wege zu ersparen.
Außerdem findet die Party am 8.März nicht im XB-Liebig, sondern im Fischladen statt.
Eine Stellungnahme zur Diskussion ist in Arbeit, war zeitlich leider nicht mehr zu schaffen, ist aber Thema und gehört zur Nachbereitung, wir bitten um Geduld.

Zum Tag:
Die ständige Thematisierung des staatlichen und alltäglichem Rassismus, der in Abschiebeknästen für die Betroffenen oft das Ende einer langen Kette von Diskriminierungen und Beschränkungen bedeutet, ist dringend notwendig und unser gemeinsamer Widerstand zentral. Anläßlich des Internationalen Frauentages haben wir als Vorbereitungskreis uns mit den Besonderheiten von "Arbeit" und dem Begriff an sich für Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund beschäftigt. Die Verknüpfung von Rassismus und Sexismus, die Spezifik frauenspezifischer Fluchtgründe und ihrer Möglichkeiten, auch auf dem "Arbeitsmarkt" in der BRD sind ein zentrales Thema unserer Vorbereitung und dieser Demonstration und Kundgebung.
Deshalb wollen wir auf der Demo+Kundegbung über die Situation von migrantischen/"nicht-deutschen"Frauen berichten (lassen), die Situation weißer, deutscher Frauen und Arbeit in ihrem Verhältnis mit anderen/untereinander/in Zukunft thematisieren und problematisieren. Es wird eine Vokü geben, der KanalB-Film zu Fürth wird gezeigt und wir werden versuchen, soviel Kontakt wie möglich zu den InsassInnen herzustellen.

Die Anwesenheit von Männern ist nicht gewünscht und nicht gewollt! Für "gemischtgeschlechtliches" Engagement gegen die rassistische (Abschiebe- aber nicht nur)Praxis der BRD sei auf die Demo "Gegen den rassistischen Alltag in Köpenick" am 13.3.2004 um 14 Uhr verwiesen, für emanzipatorisches gegen die herrschenden Geschlechterverhältnisse auf die Köpfe, den privaten Alltag und solidarische Aktionen, die anderswo stattfinden können.

Weitere Termine rund um den 8.März:

7.3. 13 - 23 Uhr FrauenLesbenTransgender-Filmtag im KATO, U-Bahnhof Schlesisches Tor (U1)
zu: "Krieg-Zweigeschlechtlichkeit-internationale Vernetzung-Globalisierung-Kolonialismus-Verwertung-Neoliberalismus"

8.3. 14 Uhr: Kundgebung zum 8.März am S-Bahnhof Hackescher Markt
Musik, Infostände, offenes Mikro, Performance

8.3 ab 21 Uhr: FrauenLesbenTransgender-Soliparty "Gegen Arbeit und Patriarchat" im Fischladen (Rigaerstr. 83)
mit: Cocktails, Tombola und Selbst-mitbring-Musik-Möglichkeit (females ONLY)

Der offizielle Aufruf:
Alles für alle statt Arbeit umsonst

Der 8. März ist ein traditionelles Datum feministischer Kämpfe um
Arbeitsverhältnisse. Wichtige Errungenschaften dieser Kämpfe werden
derzeit in einem atemberaubenden Tempo beseitigt... deshalb nutzen wir den 8. März 2004 für eine Positionierung zu aktuellen und künftigen Arbeitsverhältnissen. Letztere sind in den vergangenen Jahren weiter ins Zentrum neoliberaler Verwertungslogik gerückt. Seitdem wirtschaftliches Wachstum nur noch bedingt durch
technologische Innovation garantiert werden kann, wächst der Druck auf gewinnbringende Ausbeutung von Arbeitskraft.

Anstatt sich kollektiv zurückzulehnen und den gesunkenen gesellschaftlichen Arbeitsaufwand zu geniessen, wird mit Instrumenten wie Hartz-Paket, Agenda 2010 und Gesundheitsreform eine systematische Arbeitsrepression ausgeübt. Der Bezug von Sozialleistungen wird
gekoppelt an Zwang zu Arbeit-fast-umsonst. Zumutbarkeitsgrenzen hinsichtlich Art der Arbeit und Arbeitsweg werden so gut wie abgeschafft. Gleichzeitig erfolgt eine Totalisierung von Lohnarbeit als Lebensinhalt und Quelle gesellschaftlicher Anerkennung, der es alles unterzuordnen gilt - soziale Zusammenhänge, persönliche
Wünsche und Sehnsüchte oder Lebensvorstellungen, die von einer
Musterbiographie abweichen.

Wer nicht arbeitet, soll ? wie wir alle wissen ? auch nicht essen und erst recht nicht ins Kino gehen. Lohnarbeit ist mehr als ein ökonomisches Mittel. Sie diszipliniert, normiert, kontrolliert und regelt den Zugang zu Ressourcen und Chancen. Sie bedient sich gesellschaftlicher Hierarchien und stellt diese Hierarchien immer wieder her.

Es ist nach wie vor kein Zufall, dass Personen mit weiblicher Sozialisation, nichtdeutscher Herkunft, nicht-heteronormer Identität in schlechter bezahlten und ungesicherten Jobs beschäftigt sind. Es liegt in der Logik neoliberaler Ökonomie, dass die Re-Privatisierung von Erziehungsarbeit ? sprich Beseitigung von Kita-Plätzen ? wieder mehr Frauen zu Umsonst-Arbeit zwingt ... oder dass die Sexindustrie zunehmend von Migrantinnen profitiert, die im Gegensatz zu Sexarbeiterinnen mit deutschem Pass auf keinerlei rechtliche Absicherung zurückgreifen können.

In diesen Prozessen gibt es keine eindeutigen Gewinnerinnen oder Verliererinnen. So hat der gesellschaftliche Aufstieg von Frauen seit den 50er Jahren den Markt für Billigjobs in Privathaushalten vergrössert. Die bis dahin ?umsonst? geleistete Hausarbeit erledigen jetzt nicht etwa Männer sondern Migrantinnen ? nicht mehr komplett ?umsonst?, aber unter beschissenen Bedingungen. Gutes Leben also für einige mehr aber längst nicht für alle. Ein Herrschaftsverhältnis aufzulösen und gleichzeitig ein anderes strukturell zu stärken ändert bekanntlich nix am System.

Wenn ausgebildete Reinigungskräfte, Migrantinnen und jobsuchende
StudentInnen um unterbezahlte ungesicherte Jobs konkurrieren, gibt?s nicht zu wenig ?Arbeit? für die, die leider Pech haben, sondern der Zugang zu einem guten selbstgewählten Leben wird kontrolliert oder komplett verhindert.... und genau das wollen wir so nicht mehr haben. Deshalb stehen Interventionen gegen das Zusammenspiel von Hierarchien in Lohnarbeitsverhältnissen im Mittelpunkt unserer Aktionen. Es wird unter anderem um prekarisierte Arbeitsbedingungen in Zusammenhang mit Geschlecht, Herkunft, Aufenthaltsstatus gehen, um deutschen Kolonialismus als eine Bedingung für den materiellen Aufstieg
Deutschlands und die Zurichtung bislang ?nicht-verwertbarer? Personen für den kapitalistischen Markt, um verwertungslogische Auslese von Migrantinnen und ? mit einer Kundgebung von dem Abschiebeknast Grünau ? gegen die gewaltsame Zugangsverweigerung zu selbstgewählten Lebensorten und Lebensbedingungen. Was wir statt dessen wollen ist BLEIBERECHT FÜR ALLE und EIN GUTES SELBSTGEWÄHLTES LEBEN FÜR ALLE statt Greencard, Agenda, Hartz und Arbeitszwang.

Wir nehmen uns die Freiräume die wir brauchen - und bestimmen unsere "Nebenwidersprüche" selbst! Indymedia ist kein Diskussionsforum und dies keine reine Terminankündigung!




Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Gesprächsverhalten

.. 05.03.2004 - 16:38

ENDLICH WEG DAMIT!Abschiebeknäste abschaffen!

Antifa Köpenick 05.03.2004 - 17:28
KOMMT:
am 6.März zur Frauendemo!
am 9.März zur zur Infoveranstaltung zum Thema “Der Abschiebeknast Grünau“!
und zur Demonstration am 13.März “Gegen den rassistischen Alltag in Köpenick“!



Infoveranstaltung: “Der Abschiebeknast Grünau“,
Referenten werden etwas über die Situation im Abschiebegefängnis und über die Abschiebehaft im Allgemeinen erzählen. Danach werden noch verschiedene Filmausschnitte aus dem Knast, sowie von Formen des Widerstand gezeigt.

Dienstag, 9.März 2004 – 18:00Uhr – “Das Cafe“ (Seelenbinderstr. 54 - nähe S-Bhf. Köpenick [S3])

+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

Demonstration gegen den rassistischen Alltag in Köpenick,
im Rahmen der Kampagne “ENDLICH WEG DAMIT! NPD-Zentrale abreißen. Abschiebeknäste abschaffen.“
Die Demo geht vorbei an der Geschäftstelle des bei Nazis beliebten Fußballvereins “1.FC Union Berlin“; am Einkaufszentrum “Forum Köpenick“, wo in einigen Läden Naziklamotten verkauft werden; an der Zentrale der NPD, wo es eine Zwischenkundgebung geben wird und auf das neue Schulungszentrum der NPD eingegangen werden soll; am Platz des 23.April (Gedenkstätte für die Opfer der Köpenicker Blutwoche); an der ehemaligen köpenicker Synagoge; am Rathaus Köpenick, wo wir was über das schon zweimal verbotene Kontrollverluste-Festival erzählen werden; und dann geht es zum Abschiebeknast (Grünauer Straße) wo die Abschlusskundgebung stattfinden wird.

Samstag, 13.März 2004 – 14:00Uhr – S-Bahnhof Köpenick [S3]




Antifaschistischer Aufstand Köpenick [AAK] Berlin
 http://aak.antifa.de  aa-koepenick@gmx.de
C/O INFOLADEN DANEBEN, LIEBIGSTR. 34, 10247 BERLIN

antikapitalistisch – antisexistisch – antirassistisch




Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 13 Kommentare an

ähm — ra0105

@ ra0105 — Bla

falsch — Bärbel

Termine bei Indymedia — Hinweiserin

hi ihr — frank

@ra0105 — fragenbeantwortende

again: so nicht! — Karl Weiss

Frauen/ Männer — indubiopromaskulinum

Jupp — Jawohl

- - - — Donna Wetter