IMC München Radiostream bedankt sich

sunny red streamer 13.02.2004 21:09 Themen: Indymedia Medien SiKo München
Dankeschön an alle Beteiligten und Zuhörer beim IMC München Radio Stream zur "Sicherheitskonferenz" 2004.
Vom Abend des 5. Februar bis zum frühen Montag morgen fand im Independent Media Center des Sunny Red in München ein Radiostream zu den Protesten gegen die diesjährige "Sicherheitskonferenz" statt. Es gab Live-Schaltungen auf die Demos, Interviews per Telefon und im "Studio" (also die Ecke hinter der Tür), Einspielungen von Gegenveranstaltungen und viel Musik dazwischen.

Ausserdem wurde die verbliebene Zeit dazu genutzt, eine live Jamming Session aus dem Sunny Red zu übertragen (für alle diejenigen die dann noch zugehört haben), sowie mit interaktivem Radio zu experimentieren (was für nette Überraschungen und einige Lacher gesorgt hat).

Mit durchschnittlich über 40 Zuhörern während der zwei Demonstrationstage (was für eine unangekündigte, kurzzeitige Sendung vollkommen in Ordnung ist) und einer fast reibungslosen Technik können wir den Stream als vollen Erfolg werten. Nicht zuletzt wegen der interessanten Zusammenarbeit zwischen den Leuten im IMC und denen auf der Strasse.

Es wäre angebracht einigen dafür besonderen Dank auszusprechen:

Louise, die "rasende Reporterin", die auch im Vorfeld geholfen hat mit zu organisieren
Chris und Andreas für die weiteren Live-Schaltungen
Stefan und Mira vom Sunny Red für alles
Markus, Admin im Feierwerk, fürs Betreuen des Netzwerks
Eckhard, für das kurzzeitige Aufrüsten des Mixers, sowie für den umgebauten Telefonhörer
Stefan von Radio Z Nürnberg für seine Audiobeiträge
Tobi, fürs Auflegen am Freitag (auch wenns mit der Tonqualität nicht ganz hingehauen hat)
die Jungs und Mädels von "Between Jazz"
Briks, Yossarian und Occam fürs Mitschneiden
alle Anwesenden im Chat, die für die Qualitätskontrolle unverzichtbar waren
und alle Interviewpartner, die sich geduldig den Fragen stellten.

Ausserdem indynews.net für organisatorischen Beistand und Mobilisierung im Vorfeld.

Und natürlich an alle die zugehört haben!

Das war sicher nicht der letzte Livestream. Und damit es noch viele weitere gibt, hier ein paar Tips für alle, die Interesse haben so etwas selber zu machen:


Was braucht man so für einen Radio-Livestream?

- einen Streaming-Rechner für den Feed, also das Ursprungssignal, (vorzugsweise unter Unix) mit entsprechender Streaming Software darauf (z.b. DarkIce, IceS oder LiveIce)
- einen Streaming-Server (Icecast), der den Feed empfängt und an die Clients (wie Winamp, XMMS) weitergibt, am besten woanders steht und die entsprechende Bandbreite von dort liefert
- einen Mixer (handelsüblich, 3 Kanäle dürften reichen)
- ausreichend Kabel und Adapter (weil man immer genau eins zuwenig hat)
- Mikrofon

In unserem Fall sah das folgendermaßen aus (siehe Bild):

Verwendet wurden zwei PCs, einer davon ein Windows-Rechner mit 1Ghz-CPU, der allerdings nur für das Abspielen von Playlists und das Downloaden von Audiobeiträgen u.ä. verwendet wurde. Es war ursprünglich geplant Audiostreams von anderswo aufzugreifen und weiterzustreamen, was mit einem Zweitrechner und einer extra Leitung ins Netz sicherer und einfacher ist (da man auf der Streaming-Kiste z.b. alles über "Line" schicken kann und den CPU nicht unnötig belastet). Dazu kam es allerdings nicht, weil wir auch so genug Inhalt hatten.

Der zweite Rechner war ein Debian Linux System (PII-266, 64MB RAM), ohne X Window System, auf dem lediglich Darkice lief und lief und lief.. die beiden PCs haben sich per Datenswitcher einen Monitor geteilt.

Das Mischpult war ein Gemini DJ-Mixer mit 3 Kanälen, der vor etwa 2 Jahren für 30 Mark gebraucht erworben wurde. Die Verkabelung sah einfach so aus, dass das Mikrofon in den ersten, der Windows-PC mit seinem Sound-Ausgang in den zweiten und der A/V-Switcher in den dritten Kanal kamen. Die wurden dann einfach entsprechend hoch und runter gefahren. Durch den Audio/Video-Switcher war es möglich noch weitere drei Geräte anzuschliessen (von denen dann jeweils natürlich nur eines geschaltet sein konnte): in unserem Fall nur zwei, nämlich das Telefon und der Minidisc-Player.

So ein A/V-Switcher kostet im Elektrohandel etwa 10 Euro.

Beim Telefon ist das interessante der Hörer. Um das, was aus der Hörkapsel kommt aufnehmen oder in einen Mixer leiten zu können, muss man den Hörer etwas umbauen und mit einer zweiten Leitung für den Ton versehen. D.h. man lötet einen zweiten Draht parallel an den, der das Audiosignal aus dem Telefon in den Hörerlautsprecher liefert (wirklich ganz banal), und leitet das zb. per eingebohrter Klinkenbuchse nach Aussen (wenn man dieses extra Kabel auch abstecken können möchte). Dann braucht man noch einen kleinen Mikrofon-Übertrager der dieses Kabel galvanisch trennt und vom Telefonnetz erdfrei macht (etwa im Verhältnis 1:10, z.b. 200 Ohm auf 20kOhm). Was das betrifft kann man sich aber im Fachhandel oder bei einem schlauen Bekannten weiterhelfen lassen. Für so etwas viel Geld hinzulegen lohnt sich einfach nicht. Diesen Telefonhörer kann man dann vom Telefon abstecken und überall dort einstecken, wo man ein Gespräch aufnehmen oder live übertragen möchte.

Zuletzt noch zwei Kopfhörer, davon einer als sog. "Monitor" im Mixer. Als pre-fader-listening (PFL) oder "Cue" geschaltet hört man mit dem ausgewählte Kanäle, ohne dass diese im Gesamtmix sind. Auf die Art kann man einfach Audioquellen (wie eine Minidisc) schonmal im Vorab Probehören und zb. die Lautstärke anpassen bevor man den Beitrag dann der Musik zumischt. Sinnvoll ist das vor allem auch für live Telefoninterviews: man hört den Gesprächspartner schon im Kopfhörer und kann mit ihm sprechen bevor das Lied zuende ist. (Wobei wir das nicht gemacht haben, weil alles sowieso so spontan war).

Der zweite Kopfhörer wurde zunächst in den Ausgang der Linux-Soundkarte gesteckt um sicher zu gehen, dass das Signal dort auch anständig rüberkam. Später dann in den Windows-Rechner, der den Livestream gleichzeitig aus dem Netz empfing (mit ein paar Sekunden Verzögerung) um die Streaming-Qualität selbst zu überwachen. Man sollte nicht vergessen da immer wieder mal reinzuhören.

Um die Livemusik aus dem Saal zu übertragen wurde einfach eine Leitung von der Anlage zum Streaming-Mixer gelegt und dann entsprechend umgesteckt. Dabei gab es allerdings Probleme mit Brummschleifen die erst am letzten Abend mit anderer Verkabelung und einem anderen Mixer gelöst wurden.

Software und Dateiformate:

Icecast ist ein freier und der meistverwendete Streaming Server für Unix-Betriebssysteme und Windows ( http://www.icecast.org/). Icecast wird benötigt, um entsprechender Client-Software wie Winamp, XMMS und ähnlichen das Beziehen eines MPEG oder Ogg Vorbis Audio-Streams zu ermöglichen.

Damit er das kann muss er zunächst ein Signal empfangen - einen Stream. Dieser kommt von einem Streamer, der ein digitales Audiosignal aus der Soundkarte in ein bestimmtes Format wandelt und mit Hilfe des Vorbis Codecs entsprechend komprimiert (z.b. als 40kbit/s Ogg Stream). Wenn das richtig konfiguriert ist, und der interne Mixer auf "Line" hört, wird einfach alles was durch den Soundkarten-Eingang kommt direkt codiert und an den Server geschickt.

Der entsprechende Eintrag in der Icecast-Konfigurationsdatei sah ungefähr so aus:

[mount]
[mount-name]/munich.ogg[/mount-name]

[username]source[/username]
[password>xyz[/password]

[max-listeners>500[/max-listeners]
[/mount]


(Statt []-Klammern waren es natürlich eckige Klammern, die aber von der Indy-Software interpretiert werden und deswegen hier nicht geschrieben wurden)



Weiter oben war noch der Port für den Event-Server (eine eigene Konfigurationsdatei, die für vorübergehende Events gedacht ist), z.b. 8003, sowie einige weitere Angaben, die hier jetzt nicht so wichtig sind.

In der lokalen Konfigurationsdatei des Streaming-Programms "darkice" sah es folgendermaßen aus:

# sample DarkIce configuration file, edit for your needs before using
# see the darkice.cfg man page for details

# this section describes general aspects of the live streaming session
[general]
duration = 0 # duration of encoding, in seconds. 0 means forever
bufferSecs = 5 # size of internal slip buffer, in seconds

# this section describes the audio input that will be streamed
[input]
device = /dev/dsp0 # OSS DSP soundcard device for the audio input
sampleRate = 44100 # sample rate in Hz. try 11025, 22050 or 44100
bitsPerSample = 16 # bits per sample. try 16
channel = 1 # channels. 1 = mono, 2 = stereo

# this section describes a streaming connection to an IceCast server
# there may be up to 8 of these sections, named [icecast-0] ... [icecast-7]
# these can be mixed with [icecast2-x] and [shoutcast-x] sections
[icecast2-0]
format = vorbis
bitrateMode = abr
bitrate = 32
quality = 0.1
server = liveradio.indymedia.org
port = 8003
password = xyz
mountPoint = munich.ogg
maxBitrate = 40
# minBitrate =
# sampleRate =
name = IMC-Stream zur "Sicherheitskonferenz" 2004
url =  http://de.indymedia.org/
genre = news
public = yes
# description =
# localDumpFile =
# fileAddDate =


Das meiste dürfte selbsterklärend sein. "format" ist entweder "mp3" oder "vorbis". Ogg Vorbis bietet bei niedrigeren Datenraten wesentlich bessere Qualität als MP3 und ist im Gegensatz zu so etwas wie "MP3pro" ein freies Format, das von jedem modernen Client-Programm untersützt wird (bzw. unterstützt werden sollte!).

"abr" steht für "Average Bitrate" und der Vorbis Codec komprimiert das Signal mit einer schwankenden Bitrate (digitale Klangauflösung), die im Durchschnitt etwa 32kbit/s betragen hat. "maxBitrate=40" verhindert, dass die Bitrate auf über 40kbit/s steigt.

Der mount point ist quasi eine Datei auf dem Server, deren Inhalt sich ständig ändert. In ihr wird der Stream zwischengelagert und per Anfrage von einer Client-Software ausgelesen.

"name", "url", "genre" sind Metadaten die beim Spielen des Streams im Client oder in einem Web-Directory angezeigt werden. "public" bedeutet, dass der Stream öffentlich ist, und somit in Directories aufgelistet wird, die vom Icecast-Server mit Stream-Infos gefüttert werden, z.b. yp.icecast.org.


Abschliessend:

Viel ist da wirklich nicht dabei. Natürlich könnte man auch einfach Shoutcast benutzen und MP3's abspielen, aber wir wollen ja Medienaktivismus machen und nicht Wohnzimmer-Radio. Das System, das wir hatten war schon sehr flexibel und es konnte leicht damit improvisiert werden. Während des Tages lief das Radio-Programm des Streams auch im Saal über die Lautsprecher, abends andersherum die Mukke vom DJ in den Stream. Theoretisch hätte man noch viel mehr machen können, aber die Begeisterung der Leute drumherum auch im Nachhinein lässt sowieso vermuten, dass es bald regelmässiger zur Sache geht.

Wenn Ihr auch Bock auf Radiomachen habt, politisch-kritisch-sozial-radikal, dann schliesst Euch doch mit anderen Interessierten kurz:

 imc-germany-audio@indymedia.org
( http://lists.indymedia.org/mailman/listinfo/imc-germany-audio)

 imc-munich@indymedia.org
( http://lists.indymedia.org/cgi-bin/mailman/listinfo/imc-munich)


Software-Links:
 http://www.icecast.org/ - Icecast und Ices
 http://www.vorbis.com/ - Ogg Vorbis
 http://darkice.sourceforge.net/ - Source und Infos für das Streaming-Programm Darkice
 http://star.arm.ac.uk/~spm/software/liveice.html - LiveIce Streaming Software
 http://zinf.org/ - Open Source Audio-Player mit MP3 und Ogg Vorbis support für Linux/Win32


Links zum Thema:
 http://de.indymedia.org/2004/02/74323.shtml - Einige der Mitschnitte des München Streams
 http://de.indymedia.org/2004/02/74509.shtml - Indy auf reboot.fm
 http://de.indymedia.org/2004/02/74647.shtml - Mitschnitte von reboot.fm
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Ergänzungen

ssr 13.02.2004 - 21:24
tja, die XML-tags aus der gepasteten config hat er mal wieder geschluckt, sorry.

kann man das fixen?

srs 13.02.2004 - 21:45
?

traffic/client-zahl???

frager 14.02.2004 - 02:38
kurze frage zur ergänzung...

wieviel traffic hat der stream übers wochenende gemacht?
bei wievielen clients?

durchschnittswerte würden mir reichen, aber genaue zahlen wärn auch ok.

danke im voraus
f

Nur eine kleine Anregung

Danke 14.02.2004 - 09:37
Kleine Anregung für das nächste Mal: Wenn man auf dem Schaubild Linux-Rechner und Windows-Rechner vertauscht, dann wird der Signalfluss (von links nach rechts) viel klarer.

Krz Ergänzung

. 14.02.2004 - 12:51
Den MD Spieler kann man auch einfach durch ein portables Gerät ersetzen.

Der Traffic, der bei einem Stream ensteht ist nicht zu unterschätzen. Die Erfahrungen aus München wären interessant diesbezüglich. Bei fehlender Bandbreitenbeschränkung oder Hörerlimit, kann das ganze für Hörer und Sender zur Tortur werden.

Traffic

Tech 14.02.2004 - 15:04
Extra für Web-Radio Streams hat Indymedia seit einer weile einen Extra Server bei dem die Traffic-Kosten gesponsert werden. Über die  imc-audio@lists.indymedia.org kann da jederzeit für eine Indy-Sendung ein Mount-Point eingerichtet werden.