An die 300.000 von Genua
Zwei Vereine (und eine freie Gruppe, die Dokumentation und Gegenermittlungen von unten anstellt), haben während der 31 Monate, die seit Genua 2001 vergangen sind, unablässig gekämpft, damit die Wahrheit über Genua ans Licht kommen kann. Es ist so weit, dass wieder alle 300.000, die da waren, und die Millionen, die davon gehört haben, gefragt sind, um Wichtiges zu verteidigen. Haidi Giuliani, die Mutter von Carlo, der in Genua starb, und Lorenzo Guadagnucci, ein Journalist, der in der Diaz-Schule durch Polizeischläge mehrere Knochenbrüche erlitten hat und in einem der beiden Vereine aktiv ist, richten anlässlich der bevorstehenden Prozesse gegen Protestteilnehmer und damit die restlose Aufklärung der politischen Verantwortlichkeiten lautstark eingefordert werden kann, stellvertretend für ihre Vereine, einen Appell an die 300.000 von Genua.
Haidi Giuliani an die Sozialen Foren
Haidi Giuliani an den Bürgermeister von Genua
Genova libera - eine Bilanz / Teil 1
Genova libera - eine Bilanz / Teil 2
Aktuelle Entwicklung in Italien: Italien: bedenkliche Brückenschläge | Genua, die Mutter aller Ermittlungen | Italien: Politische Polizei auf Hochtouren | Appell zur Freilassung von Cesare Battisti | Genua, Stahlarbeiter besetzen Brignole | Prodi/P2 - erste Verhaftung | [GenuaG8] News der Prozessableufe
Haidi Giuliani an die Sozialen Foren
Haidi Giuliani an den Bürgermeister von Genua
Genova libera - eine Bilanz / Teil 1
Genova libera - eine Bilanz / Teil 2
Aktuelle Entwicklung in Italien: Italien: bedenkliche Brückenschläge | Genua, die Mutter aller Ermittlungen | Italien: Politische Polizei auf Hochtouren | Appell zur Freilassung von Cesare Battisti | Genua, Stahlarbeiter besetzen Brignole | Prodi/P2 - erste Verhaftung | [GenuaG8] News der Prozessableufe
12.02.04
Appell
An die 300.000 von Genua,
an die Sprecher der Sozialen Foren,
an alle demokratischen Menschen
Am 2. März beginnt der Prozess wegen den Vorfällen während des g8. Die Beschuldigten sind 26 Demonstranten und riskieren höchste Strafen. Wir sind sehr besorgt.
Seit den Tagen von Genua sind zweieinhalbe Jahre vergangen, aber wir haben nichts vergessen. Nicht einmal die Details. Wir haben den Tränengas-Horror nicht vergessen, und auch nicht den Lärm der Hubschrauber, das Grauen im Angesicht jener Polizisten die grundlos Menschen jagten und verhafteten. Wir haben den Horror der Diaz-Schule nicht vergessen, und die Schlagstockschläge, die Tritte, das Blut, die Rettungstragen, die zu Dutzenden aus der schule kamen, und vor den Leitern der Staatspolizei Revue passierten. Wir haben die Folterungen von Bolzaneto nicht vergessen und auch nicht die von Forte San Giuliano. Und wir werden die sinnlose Tötung Carlos nie akzeptieren.
Zweieinhalbe Jahre sind vergangen, und wir fordern immer noch Gerechtigkeit. Wir werden in den Gerichtssälen nach ihr suchen, aber wir wollen sie auch in der Gesellschaft, und dass sie den Tod Carlos ad acta gelegt haben ist egal, weil es nichts gibt, das ad eingestellt werden könnte. Die Suche nach der Wahrheit hört nicht an der Schwelle der Gerichtssäle auf, deshalb werden wir nicht müde werden, aufzuzeigen und nachzuweisen, wie Carlo wirklich umgebracht wurde. Es ist unsere Pflicht, das zu tun.
Tag für Tag, seit diesem Juli 2001 haben wir das Wachsen der Empörung in unserem Inneren gespürt: Tausende Menschen waren freudig nach Genua gekommen, getrieben vom Bedürfnis, etwas für eine bessere Welt zu tun; Sie sind terrorisiert, verletzt, gedemütigt nach Hause gekehrt. Die Empörung ist gewachsen, weil der organisierte Terror dieser Tage immer noch keine Schuldigen hat, und keine Erklärung. Es gibt zwei richterliche Untersuchungen, und der eine oder der andere wird sich vielleicht für das verantworten müssen, was in der Diaz-Schule und in Bolzaneto geschehen ist, während dessen sind vier der Beschuldigten mit den höchsten Rangpositionen aber befördert worden. Wir wissen noch nichts über die politischen Verantwortlichkeiten und es gibt solche, die die Geschichte dieser Tage am liebsten neu schreiben möchten. Wie oft haben wir uns von Politikern, von den Medien, von den viel zu vielen Leuten, die immer noch nicht die Fakten kennen anhören müssen, dass Genua durch Tausende Gewalttäter verwüstet worden ist? Wie oft haben sie uns gesagt, dass die Ordnungskräfte nur auf einen Angriff reagiert haben? Sie haben es bis zur Erschöpfung wiederholt, so sehr, dass viele am Ende daran geglaubt haben.
Wir wenden uns an die Dreihunderttausend von Genua, an die Sprecher des Genoa Social Forum, das die Demonstrationen organisiert hatte, an alle Demokraten, damit sie uns helfen, die Lügen abzuweisen. Im Juli 2001 wurden in Genua Ungerechtigkeiten aller Art verübt. Alles ist dokumentiert: es gibt Bücher, Filme, Fotografien, viele Dutzend Zeugnisse. Wir sind in diesen zweieinhalben Jahren durch Italien gezogen, um zu erzählen, was Genua gewesen ist. Ab es reicht immer noch nicht.
Am 2. März beginnt der Prozess gegen 26 Demonstrationsteilnehmer. Sie werden wegen unterschiedlichen Vorfällen beschuldigt, aber allen wird eine extrem schwerwiegende Straftat vorgeworfen, die "Verwüstung und Plünderung" lautet. Hierfür ist eine Mindeststrafe von acht Jahren vorgesehen. Acht Jahre. Mehr als das Strafmaß, das meistens ein Vergewaltiger bekommt. Wir glauben nicht, dass es unsere Aufgabe sei, die einzelnen Aktionen der einen und der anderen zu beurteilen. Aber es ist unsere Aufgabe, zu verhindern, dass es zum Fällen eines exemplarischen Urteils kommt, mit extrem hohen Strafen, die in keinem Verhältnis mit den Episoden stehen, welche die Verhandlung nachweisen müssen wird, und dass eine Gruppe von Menschen eingelocht wird, um die politischen und operativen Verantwortlichkeiten derer zu decken, die während der G8-Tage die öffentliche Ordnung leiteten.
Aus diesen Gründen bitten wir euch, am 28. und 29. Februar und am 2. März nach Genua zu kommen, um an den Initiativen Teil zu nehmen, die unsere Komitees organisiert haben. Es ist etwas, das euch alle angeht. Wir bitten euch, die Erinnerung an diese Tage nach Genua zu tragen, und die Kunde dessen mitzubringen, was ihr gemacht, gesehen und erlitten habt und die Konsequenzen, die ihr gezogen habt. Wir bitten euch, nach Genua zu kommen, und eure Empörung wegen der in jenen Tagen vollzogenen Ungerechtigkeiten mitzubringen und eure Lust, zu kämpfen, damit die Wahrheit in den Gerichtssälen und in der Gesellschaft respektiert wird.
Am Wochenende werden wir die ganze Geschichte des G8 auf die Straße bringen: die Diaz-Schule, Bolzaneto, Forte San Giuliano, Piazza Alimonda, den Angriff auf die Demonstration in der Via Tolemaide, die Übergriffe auf der Piaza Manin und auf dem Corso Italia. Wir werden über Grundrechte reden und von einer Petition, um die Gesetze des Staates zu verbessern. Am 2. März würden wir froh sein, mit der ?Karawane für den Frieden?* durch Genua zu ziehen, die am 20. März Rom erreichen wird. Wir wären froh, wenn die Karawane vor der Ankunft auf der Piazza De Ferrari vorher an der Kaserne Bolzaneto, an der Diaz-Schule und durch die Piazza Alimonda ziehen würde. Es sind einige der Orte des G8: dort sind Dinge geschehen, die in der ganzen Welt Empörung ausgelöst haben und die in einer Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen, nicht sein dürfen.
Wir möchten diese drei Tage mit der Kraft unserer Beweggründe leben, ohne uns der geringsten Provokation auszusetzen, ohne Kontakte mit jene zu riskieren, die wahrscheinlich dafür sorgen werden, dass die Stadt dicht gemacht wird. Wir scheren uns nicht um sie, weil sie uns nicht überzeugen: wir haben den Vorteil, dass wir nichts zu verbergen und viel, sehr viel zu sagen haben.
Wir warten auf euch.
Appell
An die 300.000 von Genua,
an die Sprecher der Sozialen Foren,
an alle demokratischen Menschen
Am 2. März beginnt der Prozess wegen den Vorfällen während des g8. Die Beschuldigten sind 26 Demonstranten und riskieren höchste Strafen. Wir sind sehr besorgt.
Seit den Tagen von Genua sind zweieinhalbe Jahre vergangen, aber wir haben nichts vergessen. Nicht einmal die Details. Wir haben den Tränengas-Horror nicht vergessen, und auch nicht den Lärm der Hubschrauber, das Grauen im Angesicht jener Polizisten die grundlos Menschen jagten und verhafteten. Wir haben den Horror der Diaz-Schule nicht vergessen, und die Schlagstockschläge, die Tritte, das Blut, die Rettungstragen, die zu Dutzenden aus der schule kamen, und vor den Leitern der Staatspolizei Revue passierten. Wir haben die Folterungen von Bolzaneto nicht vergessen und auch nicht die von Forte San Giuliano. Und wir werden die sinnlose Tötung Carlos nie akzeptieren.
Zweieinhalbe Jahre sind vergangen, und wir fordern immer noch Gerechtigkeit. Wir werden in den Gerichtssälen nach ihr suchen, aber wir wollen sie auch in der Gesellschaft, und dass sie den Tod Carlos ad acta gelegt haben ist egal, weil es nichts gibt, das ad eingestellt werden könnte. Die Suche nach der Wahrheit hört nicht an der Schwelle der Gerichtssäle auf, deshalb werden wir nicht müde werden, aufzuzeigen und nachzuweisen, wie Carlo wirklich umgebracht wurde. Es ist unsere Pflicht, das zu tun.
Tag für Tag, seit diesem Juli 2001 haben wir das Wachsen der Empörung in unserem Inneren gespürt: Tausende Menschen waren freudig nach Genua gekommen, getrieben vom Bedürfnis, etwas für eine bessere Welt zu tun; Sie sind terrorisiert, verletzt, gedemütigt nach Hause gekehrt. Die Empörung ist gewachsen, weil der organisierte Terror dieser Tage immer noch keine Schuldigen hat, und keine Erklärung. Es gibt zwei richterliche Untersuchungen, und der eine oder der andere wird sich vielleicht für das verantworten müssen, was in der Diaz-Schule und in Bolzaneto geschehen ist, während dessen sind vier der Beschuldigten mit den höchsten Rangpositionen aber befördert worden. Wir wissen noch nichts über die politischen Verantwortlichkeiten und es gibt solche, die die Geschichte dieser Tage am liebsten neu schreiben möchten. Wie oft haben wir uns von Politikern, von den Medien, von den viel zu vielen Leuten, die immer noch nicht die Fakten kennen anhören müssen, dass Genua durch Tausende Gewalttäter verwüstet worden ist? Wie oft haben sie uns gesagt, dass die Ordnungskräfte nur auf einen Angriff reagiert haben? Sie haben es bis zur Erschöpfung wiederholt, so sehr, dass viele am Ende daran geglaubt haben.
Wir wenden uns an die Dreihunderttausend von Genua, an die Sprecher des Genoa Social Forum, das die Demonstrationen organisiert hatte, an alle Demokraten, damit sie uns helfen, die Lügen abzuweisen. Im Juli 2001 wurden in Genua Ungerechtigkeiten aller Art verübt. Alles ist dokumentiert: es gibt Bücher, Filme, Fotografien, viele Dutzend Zeugnisse. Wir sind in diesen zweieinhalben Jahren durch Italien gezogen, um zu erzählen, was Genua gewesen ist. Ab es reicht immer noch nicht.
Am 2. März beginnt der Prozess gegen 26 Demonstrationsteilnehmer. Sie werden wegen unterschiedlichen Vorfällen beschuldigt, aber allen wird eine extrem schwerwiegende Straftat vorgeworfen, die "Verwüstung und Plünderung" lautet. Hierfür ist eine Mindeststrafe von acht Jahren vorgesehen. Acht Jahre. Mehr als das Strafmaß, das meistens ein Vergewaltiger bekommt. Wir glauben nicht, dass es unsere Aufgabe sei, die einzelnen Aktionen der einen und der anderen zu beurteilen. Aber es ist unsere Aufgabe, zu verhindern, dass es zum Fällen eines exemplarischen Urteils kommt, mit extrem hohen Strafen, die in keinem Verhältnis mit den Episoden stehen, welche die Verhandlung nachweisen müssen wird, und dass eine Gruppe von Menschen eingelocht wird, um die politischen und operativen Verantwortlichkeiten derer zu decken, die während der G8-Tage die öffentliche Ordnung leiteten.
Aus diesen Gründen bitten wir euch, am 28. und 29. Februar und am 2. März nach Genua zu kommen, um an den Initiativen Teil zu nehmen, die unsere Komitees organisiert haben. Es ist etwas, das euch alle angeht. Wir bitten euch, die Erinnerung an diese Tage nach Genua zu tragen, und die Kunde dessen mitzubringen, was ihr gemacht, gesehen und erlitten habt und die Konsequenzen, die ihr gezogen habt. Wir bitten euch, nach Genua zu kommen, und eure Empörung wegen der in jenen Tagen vollzogenen Ungerechtigkeiten mitzubringen und eure Lust, zu kämpfen, damit die Wahrheit in den Gerichtssälen und in der Gesellschaft respektiert wird.
Am Wochenende werden wir die ganze Geschichte des G8 auf die Straße bringen: die Diaz-Schule, Bolzaneto, Forte San Giuliano, Piazza Alimonda, den Angriff auf die Demonstration in der Via Tolemaide, die Übergriffe auf der Piaza Manin und auf dem Corso Italia. Wir werden über Grundrechte reden und von einer Petition, um die Gesetze des Staates zu verbessern. Am 2. März würden wir froh sein, mit der ?Karawane für den Frieden?* durch Genua zu ziehen, die am 20. März Rom erreichen wird. Wir wären froh, wenn die Karawane vor der Ankunft auf der Piazza De Ferrari vorher an der Kaserne Bolzaneto, an der Diaz-Schule und durch die Piazza Alimonda ziehen würde. Es sind einige der Orte des G8: dort sind Dinge geschehen, die in der ganzen Welt Empörung ausgelöst haben und die in einer Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen, nicht sein dürfen.
Wir möchten diese drei Tage mit der Kraft unserer Beweggründe leben, ohne uns der geringsten Provokation auszusetzen, ohne Kontakte mit jene zu riskieren, die wahrscheinlich dafür sorgen werden, dass die Stadt dicht gemacht wird. Wir scheren uns nicht um sie, weil sie uns nicht überzeugen: wir haben den Vorteil, dass wir nichts zu verbergen und viel, sehr viel zu sagen haben.
Wir warten auf euch.
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Ergänzungen
Copy-and-paste-Fehler
Unterschreieber des Appells:
Haidi Giuliani, Comitato Piazza Carlo Giuliani
Lorenzo Guadagnucci, Comitato Verità e Giustizia per Genova
Fußnote:
* Eine der Aktionen/Mobilisierungen der Sozialen Foren und der Bewegung der Bewegungen in Italien, die am 7.-8. Februar beschlossen wurden. Am 20. März findet der internationale Aktionstag gegen den Krieg und gegen die Besatzung in Irak, der von den US-amerikanischen Friedens- und Antikriegsbewegungen vorgeschlagen und von ESF und WSF mitgetragen wird, es wird hierzu zwei Karavanen geben, eine nach Irak und eine im Inneren des Landes, die in zweit Teilen von Süden und von Norden den Weg nach Rom aufnehmen wird, um am Tag der internationalen Mobilisierung dort einzutreffen.
kann mir jemand helfen
Gute Doku
Eine sehr gute und kritische Reportage
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Berichte aus Genua
(meist englisch)
Genua 2003 (mit vielen links):
(es gibt ein feature Archiv)
Video-Berichte zu Genua 2001
31 videos zum g8 in genua 2001
edonkey-link
zum tod carlo giulianis
Theaterstück Genua01 in Mainz
Das Theaterstück wurde bereits in Berlin und London aufgeführt und steht in der guten Tradition des aufklärerischen Theaters.
Ein Besuch ist bestimmt sehr interessant!
Mehr Infos:
links zu pics video and text