Herumkaspern für den Frieden
Herumkaspern für den Frieden
von Kirsten Anderberg
Etwas lustiges ereignete sich in Seattle nachdem Bush den Krieg auf den Irak erklärte. Kriegsrecht herrschte in den Straßen Seattles. Obwohl friedliche DemonstrantInnen die Erlaubnis erhielten vor dem Verwaltungsgebäude gegen den Krieg zu protestieren, und ihr Protest gegen den Krieg eine Erfolgsgeschichte darstellte, wurden sie von der Polizei mit Scharfschützen, Prügelcops, Maschinengewehren und Knüppeln in der Größe von Baseballschlägern flankiert. Die Prügelcops verfolgten die DemonstrantInnen auf jeden Schritt nach Downtown, in Reihen, die Knüppel unruhig in der Hand knetend, die Abzeichen und Namenschilder verdeckt. Diese Robocops weigerten sich zu sprechen oder mit den friedlichen DemonstrantInnen zu kommunizieren, und genossen es stattdessen, sie für ihre politischen Ansichten tagelang schonungslos einzuschüchtern. Ich persönlich hielt es fünf Tage in diesem Polizeistaat aus, bis ich durchdrehte. Ich habe Alpträume, dass ich in Downtown bin und vier Robocops hinter mir her laufen. Ich werde nervös. Dann kommen sie von den Seiten und von vorn. Sie werden nicht mit mir sprechen. Sie werden nicht sagen, was sie wollen. Ich bin gefangen, bin entsetzt und wache dann auf. Es ist die Erinnerung von den Polizeiausschreitungen am Samstag.
Meiner Meinung und Beobachtung nach fing ich ab dem Samstag, als die Polizei die Ausschreitungen provozierten an meine Friedensprotest-Taktiken zu überdenken. Aus Wut war meine erste Reaktion die Robocops zu IMITIEREN. Ich ging im Netz auf Ranger Joe's und Quarter Master Uniformen um taktische Kampfausrüstung für meinen eigenen Schutz zu kaufen, der mir von gewalttätigen, prokrieg Prügelpolizisten in Seattle drohte. Ich fand die gleichen Helme und Schienbein/Fuß-Schoner, die die Einsatztruppen in Seattle tragen. Kugelwesten, etc. Aber ich befürchtete, dass die Kampfausrüstung die Robocops zu noch mehr Gewalt auffordern würde. Als ich mit einem Freund sprach, der aus der Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg stammt, sagte dieser: ?Warum tragt ihr nicht alle Fußballuniform, mit Polstern und Helmen?? Das hat mich wirklich zum nachdenken gebracht.
Warum nicht als Weihnachtsmann zu Protesten kommen? Der Nikolaus ist gepolstert und es ist für die Polizei auch nicht sehr vorteilhaft, in den Medien gezeigt zu werden, wie sie den Weihnachtsmann schlagen und festnehmen. Bei Nonnen und Priestern haben sie auch Skrupel zuzuschlagen. Irgendetwas, das die extreme Polizeigewalt betont ist gut. Je unschuldiger jemand aussieht, umso brutaler erscheinen die Robocops. Ich verstehe den Wunsch total, schwarz und Kopftücher zu tragen. Aber es sieht in den Nachrichten viel belastender für die Polizei aus, wenn sie den Weihnachtsmann, Nonnen, Männer in Anzügen schlagen und verhaften. Darum trug Rev. Dr. Martin Luther King, Jr. bei friedlichen Märschen und Protesten Anzüge. Um der Polizei auch nicht für einen Moment die Oberhand zu lassen. Am 22. März beobachtete ich wie unsere klugen und wütenden Antikriegs-Nachwuchs-DemonstrantInnen am Westlake Park verletzt wurden. Sie wurden verfassungswidrig verfolgt. Was, wenn diese Kids solche Clown-Requisiten gekauft hätten, wie endlose Schals? So würde die Polizei sie suchen und endlose Schals hängen aus ihren Taschen. Oder vielleicht sollte man gigantische Unterhosen oder ein Gummihähnchen bon McPhee?s in der Tasche tragen. Oder wie ist es mit etwas klebrigen oder schleimigen? Wir müssen jetzt kreativ werden und für unsere eigene Vernunft aus dem gruseligen Polizei-Psychosrama ein Straßentheater machen.
Was wäre, wenn DemonstrantInnen als Keystone Cops verkleidet ankämen, mit Hüten, großen Schuhen, Pfeifen, etc.? Und wir stünden zwischen den DemonstrantInnen und den Polizisten und würden uns wie linkische Polizeiclowns aufführen? "Hier entlang!" "Nein, da entlang!" Oder was wäre, wenn wir uns die Polizei-Kommandos/Codes für bestimmte Situationen, wie "Legen Sie Ihre Waffen ab? aneigneten und diese Kommandos in Megaphone brüllten, während die Beamten Kommandos zu ihrer Einsatztruppe schreien, "bewaffnen?". Die Polizei wäre von den Kommandos verwirrt. Oder wir könnten uns eigene Codes überlegen. Jemand schreit "52" und wir alle wissen, dass wir "schnell, scharf links abbiegen" sollen. Jemand schreit "98" und wir "setzen uns alle sofort hin."
Nach tagelanger Polizeibedrohung, Einschüchterung und geradezu illegaler Raub meiner Grundrechte, beschloss ich, dass dies ein Kampf ist, der sich lohnt. Ich fordere die Friedensgemeinde auf kreatives, themenbezogenes Straßentheater zu erfinden, um die Aufmerksamkeit darauf zu richten, was die Polizei friedlichen DemonstrantInnen antut. Lasst uns wie Clowns um sie herumtanzen. Lasst uns sie dazu bringen den Weihnachtsmann zu verhaften. Lasst uns in den Straßen wie Fußballmannschaften formieren. Wenn die Polizei von Seattle totale Roboter sein wollen, wie sie es die Woche nach der Kriegserklärung waren, würde ich sagen gehen wir als Sieger hervor. Gebt nicht auf. Verzichtet nicht einfach auf euer Rederecht. Werdet stattdessen kreativ. Lasst uns eine gute Show und Spaß für alle daraus machen!
Published on Alternet.org, translated by www.translations.indymedia.org
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
den Bütteln mit den Knütteln kontra geben
Hi Kirsten,
kugelsichere Westen oder wattierte Jacken wurden bei uns auch schon diskutiert - aber Deine Vorschläge mit Weihnachtsmann, Priester, Nonnen und Footballspieler sind tatsächlich noch sehr viel ausgereifter. Könnte mir gut vorstellen, daß unseren kasernierten grünen Bütteln mit den Knütteln das Zuschlagen dann nicht mehr so leicht fällt, zumal, wenn's auch noch fotografiert und gefilmt wird! :-)))
Ich werde Deine Anregungen sofort auch in unserem Forum weiterverbreiten, denn auch in Deutschland nehmen brutale Polizeiübergriffe bei den Demos leider immer mehr zu! :-(((
Gruß in die USA
bjk
Forum:
miomiomi
es fehlt dabei etwas:
1. ich will mit leuten in lederjacken und schwarz gekleideten leuten zusammen demonstrieren. ich will nicht das jemand ausgeschlossen wird. ich will einfach nur ich selber sein und kein nikolaus oder nonne werden. ich will auch nicht als ich selber verprügelt werden!
2. habe ich ein politisches anliegen und will das auch "demonstrieren". das an die öffentlichkeit bringen. ich will ja etwas ausdrücken und zeigen also klar erkannt werden.
3. sind so auffällig gekleidete leute(wie nikolaus) die ersten, die ärger bekommen.
pink and silver ist noch ein netter ansatz
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Ganz deiner Meinung! — der Klemmtner
@ bjk alias Bernd Kudanek — Kritiker