31.1. Europäischer Aktionstag: Bremen

Bündis gegen sexualisierte Polizeigewalt 31.01.2004 20:34 Themen: Antirassismus
Bremen ist beim Europäischen Aktionstag mit drei Aktionen am Start gewesen.
Beim europaweiten Aktionstag „Legalisierung aller Papierlosen -Abschaffung von Lagern“ stand in Bremen das Thema ‚Abschiebungen & Abschiebeknäste‘ im Mittelpunkt. Das hat vor allem (neben weiteren Gründen) mit den im November 2003 bekannt gewordenen sexualisierten Übergriffen durch einige Bullen auf mindestens 4 Frauen im Bremer Abschiebknast zu tun (endgültig aufgeflogen ist die Sache im Zuge einer Hausdurchsuchung im Juli 2003 bei einem Bullen in anderer Sache; bei dieser Durchsuchung wurden zahlreiche Fotos gefunden, auf denen der Bulle (und seine Mittäter?) die sexuellen Übergriffe aus den Jahren 98/99 festgehalten hatten). In dieser Angelegenheit gibt es seit mehreren Monaten ein „Bündnis gegen sexualisierte Polizeigewalt“, welches derzeit fordert bzw. darauhin hinarbeitet, dass der vom Innensenator im Dezember 2003 eingesetzte externe Sonderermittler (ein pensionierter Verwaltungsrichter) einen öffentlichen Zwischenbericht seiner laufenden Untersuchungen vorlegt. Mehr zu diesen Ereignissen im Bremer Abschiebeknast sollte einem Extra-Artikel vorbehalten bleiben - wer mehr wissen möchte, kann unter folgender Adresse Kontakt aufnehmen:  B.g.s.Pol.Gewalt@gmx.de

Soviel zum politischen Hintergrund unserer heutigen Aktionen. Konkret rausgekommen sind drei kleinere events; die Teilnahme war absehbarerweise nicht all zu groß, was u.a. mit der ja erfreulich großen Antifa-Demo in Hamburg zu tun gehabt haben dürfte:

Los ging es mit einer FrauenLesben-Aktion in einem in der Nähe des Abschiebeknasts gelegenen Supermarkt mit etwa 20 Teilnehmerinnen: Teils im blue-silver-dresscode, teils ‚zivil‘ wurden Spuckis verklebt, kleine Botschaften in Regalen deponiert, demonstriert, Parolen gerufen, etc. Aus dem kurzen (Verbal-)Gerangel mit dem Wachschutz sind alle heil rausgekommen.
Danach ging‘s direkt weiter beim Abschiebeknast, wo sich ca 70 Leute trotz Dauerregens eingefunden hatten (auch die Aktivistinnen der ersten Aktion): Es wurde eine Rede in mehreren Sprachen verlesen und etwas Musik gespielt. Der recht intensive Winke-Kontakt zwischen den Eingesperrten und den Leuten draußen ist vielen ziemlich unter die Haut gegangen, zumindest war das der Tenor im Nachhinein (Stichwort: ‚die herrschende Welt als Scheißhaufen...‘).
Schließlich sind wir gemeinsam in die Innenstadt gefahren und haben zu etwa dreißigt eine nicht-angemeldete Demo durch die HauptfußgängerInnen-Zone gemacht. Im Verlauf hiervon wurden 200 größer-formatige Spuckies auf Schaufenster-Scheiben, Tram-Stationen, etc verklebt. Am Ende sind wir ‚irgendwie‘ noch auf einen Lautsprecher-Wagen gestoßen, der auf dem Marktplatz (ebenfalls -unangemeldet) die anwesende Öffentlichkeit von unseren Anliegen unterrichtete.

Alles zusammen ist es wohl nicht übertrieben, das Aktions-Trio als recht gelungen zu bezeichnen. Einziger Wehmutstropfen: Dass es sich um einen Europäischen Aktionstag gehandelt hat, ist im Zuge der Aktionen etwas untergegangen. Auf dem Flugblatt und in den Redebeiträgen ist zwar darauf hingewiesen worden, doch insgesamt ist diese Info für alle Beteiligten (AktivistInnen und Öffentlichkeit) eher eine abstrakte Information geblieben. Hier wäre es für zukünftige events wohl sinnvoll, im Vorfeld sich genauer Gedanken über Verknüpfungen zu machen, so dass die ja eigentlich erhofften Extra-(Synergie-)-Aufmerksamkeits-Effekte auch tatsächlich eintreten (kurzfristig war dies durch einige Netz-AktivistInnen auch angeleiert worden - für uns ist das allerdings etwas zu spät gekommen).
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Ergänzungen