Katherine Gun - wegen Zivilcourage angeklagt

Peter Nowak 26.01.2004 14:20 Themen: 3. Golfkrieg Medien Militarismus Repression Weltweit
Viel wird in der letzten Zeit darüber diskutiert, wie Widerstand gegen imperialistische Kriege möglich ist. Das mensch dazu nicht Baathisten und Islamisten im Irak unterstützen muss, sondern dass mensch dazu durchaus Widerstand im eigenen Land leisten kann, zeigt das Beispiel der Britin Katherine Gun, die seit dem 19.Januar in London wegen ihrer Zivilcourage vor Gericht steht. Ein hierzulande noch kaum bekannter Fall.
Angeklagt: Zivilcourage

Der britische Premierminister Blair könnte in dieser Woche noch einmal einige unangenehme Fragen muss sich in den nächsten Tagen sicher noch einige unangenehme Fragen gefallen lassen. Am Mittwoch soll der Untersuchungsbericht zum Freitod des Waffenexperten David Kelly veröffentlicht werden. Er war zuvor als BBC-Informant enttarnt worden, der sich kritisch über die Kriegsbeteiligung der britischen Regierung geäußert hatte.
Für viele britische AntikriegsaktivistInnen ist der Fall Kelly nur die Spitze eines Eisbergs. Der Fall von Katharine Gun, den sie zur Zeit international bekannt machen wollen, hatte nicht so dramatische Folgen. Doch mit dem Verlust ihrer Arbeit und massiver Repression ist die Frau seit fast einem Jahr konfrontiert. Seit dem 19. Januar 2004 steht die 29jährige in London wegen Geheimnisverrat vor Gericht. Angeklagt wird sie nach dem Abschnitt 1 des Official Secrets aus dem Jahr 1989. Danach kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden, wer unbefugt dienstliche Geheimnisse jeder Art an nicht zum Empfang berechtigte Dritte weiterleitet.
Doch Katharine Gun ist keine Spionin, sondern handelte aus politischer Überzeugung. Die damalige Übersetzerin beim britischen Geheimdienst fand wenige Wochen vor Beginn des Angriffs auf dem Irak eine brisante Mail auf ihren Arbeitscomputer.
Es handelt sich um eine auf den 31.Januar 2003 datierte "Top Secret"-Mitteilung des hochrangigen US-Geheimdienstbeamten Frank Kozas. Aus ihr geht hervor, dass US-Geheimdienste die Delegationen der sechs Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrates Angola, Kamerun, Chile, Mexiko, Guinea und Pakistan bespitzelten, um diese zu einer Pro-Kriegs-Entscheidung zu veranlassen. Diese Staaten galten in ihrer Entscheidung als unentschlossen. Die angewandten Maßnahmen reichten vom Mitlesen des E-Mail-Verkehrs über die Überwachung der dienstlichen und privaten Telefone der Delegationsmitglieder. Es ging der USA in diese Zeit um die Verabschiedung einer UNO-Resolution, mit der ihr ein von den Vereinten Nationen gedeckter Kriegsbeginn ermöglicht werden sollte. Bei dem wochenlangen Tauziehen setzten die USA diese Staaten massiv unter Druck. So war es eher eine Bestätigung als eine Überraschung, als der britische Observer im März 2003 über die brisante Mail berichtete, die ihr von Katharine Gun zugespielt worden war. Den Krieg konnte Gun bekanntlich nicht verhindern. Trotzdem blieb ihr Handeln nicht ohne Wirkung. In den bespitzelten Ländern füllte die Affäre mehrere Tage die Zeitungen. In der Bevölkerung wuchs die Empörung über das Vorgehen der US-Regierung. An einer Zustimmung zur Kriegsresolution war unter diesen Umständen nicht mehr zu denken. Die USA gaben so auch bald alle Versuche auf, eine Mehrheit in der UN zu bekommen und handelten mit der „Koalition der Willigen“ ohne diese Rückendeckung.
Gun wurde nach ihrer Entdeckung sofort entlassen und verhaftet. Gegen Kaution wurde sie bis zum Prozess auf freien Fuß gesetzt. Auch vor Gericht stellt sie ihr Handeln in einen politischen Kontext und bezeichnet sie als eine Gewissensentscheidung, die notwendig gewesen sei, „um einen illegalen Krieg zu verhindern, der Tausenden von irakischen Zivilisten und britischen Soldaten das Leben kosten oder sie verstümmeln würde“.
AntimilitaristInnen wollen jetzt unter dem Motto "Auf der Anklagebank – Zivilcourage“ mit einer internationalen Solidaritäts-Kampagne die Freilassung von Katharine Gun erreichen.
Peter Nowak
Deutschsprachige Informationen im Internet gibt es dazu unter: www.FriedensTreiberAgentur.de






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Ergänzungen

die fragliche mail

weist 26.01.2004 - 20:13
kriegt ihr wie immer über edonkey: ed2k://|file|NSA.memo.to.spy.on.UN.Security.Council.(TOP.SECRET-COMINT-X1).rar|2463|ACC51B88800786850B745CB7B9F8D626|/

weist mehr?

unwissender 26.01.2004 - 23:22
Tjaja, so funktioniert staatliche Repression - kurz, ER sagt unpassende Dinge, sie wird als Agentin enttarnt.

frage an "weist": hab grad mal nach emule geschaut, da gibts ja ne ganze menge versionen. welche version benutzt du? ist die zu empfehlen?
danke im voraus.

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elmar getto 27.01.2004 - 13:59
Nur kurz noch der link zu dem, was ich dazu als "Offener Brief" geschrieben habe:
http:/de.indymedia.org/2004/01/72247.shtml