Studenten feiern in HaSpa

eav 22.01.2004 23:45 Themen: Bildung
In Hamburg streiken seit fast zwei Wochen die Studiernden der Uni. Der Protest richtet sich u.a. auch gegen den Hochschulrat, der den Großen Senat als höchstes Gremium der Uni ablösen soll.
Im Hochschulrat sitzt auch Harald Vogelsang aus dem HaSpa-Vorstand. Eine HaSpa-Filiale an der Uni wurde kurzzeitig zu einer Protest-Disco umfunktioniert und der Rücktritt Vogelsangs aus dem Hochschulrat, sowie dessen Auflösung gefordert.
Die Filiale der Hamburger Sparkasse (HaSpa) an der Grindelallee. Donnerstag nachmittag, draußen sind Minusgrade, der Arbeitstag verläuft bisher wie gewohnt. Studenten sind bisher nur erschienen um ihren Geldangelegenheit nachzugehen. Nicht so wie gestern, als ein Gender-Studies-Seminar in die Filiale verlegt werden sollte und die Studenten nur durch die Drohung mit der Polizei dazu bewegt werden konnten ihr Seminar in den Dammtor-Bahnhof zu verlegen.
Plötzlich stehen 50 Studierende in und vor der Schalterhalle. Sie werfen Konfetti und Luftschlangen, verteilen Flyer und lassen Musik vom Band erklingen. Er verließt etwas über ein Megaphon. Draußen fordern sie auf Transparenten "Hochschulrat verhindern" und "Haspa - Hände weg von der Uni".
Während die meisten Bänker lächelnd weiterarbeiten versucht einer von ihnen des Megaphons habhaft zu werden. Später fordert er von Studenten den Ausweis, die ihn mit Konfetti beworfen haben. Nach fünf Minuten ist klingt die Party aus. Die Musik ("Ba-BaBaBa-BaBaBanküberfall") verstummt. Ruhig verlassen die Partygäste den Veranstaltungssaal und sind schon verwschwunden als der erste Streifenwagen eintrifft.
Die Polizei scheint Hinweise gefunden zu haben, welche HaSpa-Filialen als nächstes umfunktioniert werden sollten und alarmierten ihre Kollegen, die vor den betreffenden Häusern Posten bezogen.

Siehe auch:  http://de.indymedia.org/2004/01/72616.shtml
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Ergänzungen

Ausgezeichnete Aktion!

Berliner 23.01.2004 - 19:53
Trifft diesmal die richige Stelle.
Leider ist die Dynamik in den verschiedenen Bundesländern wie so oft versetzt. In Berlin/Hessen flauen die Proteste langsam wieder ab und Hamburg beginnt gerade aktiv zu werden. Die Politiker sitzen die Proteste derweil aus.
Die Frage bleibt: wie die Proteste bundesweit synchronisieren? Wie den Studies klarmachen, daß die Proteste abbrechen und schnell strebermäßig für die Prüfungen lernen nichts bringt?

Hier noch mal Links zu den letzten Aktionen in Berlin:
 http://de.indymedia.org/2004/01/71356.shtml
 http://de.indymedia.org/2004/01/71229.shtml
 http://www.allefueralle.tk/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 8 Kommentare

Strukturell antisemitisch

B.W. 23.01.2004 - 14:37
Ein trauriges Bild, welches die ach so gebildeten Studierenden hier abliefern. Statt eine Kampagne zu verfolgen und vorher eine genaue Problemanalyse zu betreiben wird einmal mehr "der Jude" als Quell allen Übels ausgemacht. Dass im Hochschulrat noch ganz andere Kaliber sitzen wird da gern verdängt und sich auf die bösen Banken gestürzt. So ist nun auch offenster Antisemitismus im Studierendenprotest salonfähig geworden.

Häh???

wer 23.01.2004 - 15:18
wer des lesens mächtig ist, ist klar im vorteil. wo bitte schön, siehst du denn hier antisemitische tendenzen? vogelsang (vorstand der haspa) sitzt im hochschulrat und deshalb ist es wohl mehr als legitim, den protest an die orte zu bringen, wo sie hingehören. und wenn ein/e verantwortliche/r in einer bank abrbeitet bzw. dessen vorstand ist, dann muss ihm/ihr ein besuch abgestattet werden.

Hilflose Kritik

auch antifa 23.01.2004 - 15:37
Was für eine hilflose Kritik am Antisemitismus!
Es wird sich nichts am Antisemitismus ändern, wenn nicht mehr von Wert, Geld, Kapital und Banken gesprochen wird. Worauf es ankommt, ist doch die Erklärung des Zusammenhangs zwischen Kapital, das in stofflicher Form existiert und Kapital, das als Geld existiert, zwischen Kapital mit dem spekuliert wird und Kapital, das unmittelbar "produktiv" verwandt wird.
Aus der theoretischen Einsicht in den untrennbaren Zusammenhang von "raffenden" und "schaffenden" Kapital, deren Geschichte und Realität sich an Blutigkeit in überhaupt gar Nichts unterscheidet und die empirisch auch gar nicht zu trennen sind, müssen Strategien zur Bekämpfung des Antisemitismus entwickelt werden.
Es ist furchtbar naiv zu glauben, der Antisemitismus komme mit den Worten Geld, Kapital und Bank in die Welt. Dass ist in etwa genau so, wie wenn Kinder sich die Augen zu halten und glauben deshalb nicht mehr von anderen Menschen gesehen zu werden. Sprache und Bewußtsein entstehen vielmehr aus der gesellschaftlichen Praxis und ihren Bedingungen. Wer das Geld nicht abschaffen will, weil er glaubt, bloß davon zu reden sei antisemitisch, der wird den Antisemitismus nicht los, weil es weiterhin existiert. Das Geld lässt sich aber nicht loswerden, ohne die Warenproduktion überhaupt abzuschaffen und vielleicht zielt darauf ja Deine, naja, Kritik. Die Kritik an Banken ist genau so gerechtfertigt, wie die Kritik an den Strumpffabriken. Den Kapitalismus nur mit bestimmten Erscheinungsformen zu identifizieren (Geld, Bank, Kapital, Verwertung) ist doof und gefährlich. Doof ist aber auch diese Erscheinungsformen aus der Kapitalismuskritik auszunehmen, wo sie doch notwendig zu ihm dazu gehören. Sie müssen nur als notwendige Erscheinungsformen des Kapitals selbst erklärt werden.
Wenn Kritik am Antisemitismus benutzt wird, um jede antikapitalistische Praxis als antisemitisch zu diffamieren, wird sie reaktionär und betreibt (meist unbewusst) Affirmation der bestehenden Verhältnisse, die den Antisemitismus erst hervorbringen. Sprachen die Leute in der Bank davon, dass die Juden hinter den Studiengebühren stecken oder haben sie den Zweck, die Verwertung des Werts, die Maximierung des Profits kritisiert?
Letzteres trifft für so ziemlich alle Kapitalisten in allen Ländern und mit allen Religionszugehörigkeiten und Hautfarben zu, und weil sie als Kapitalisten, als ökonomische Charaktermasken begriffen sind, auch auf jeden Produktionszweig, auf jeden Zweig der Ökonomie überhaupt, eben auf Banken, Investmentfonds und Strumpffabriken. Zu sagen, die beschriebene Anonoymisierung werde von den Antisemiten im Juden personifiziert und dürfe deshalb nicht beschrieben werden, ist eine Wiederholung des oben genannten Motivs. Sie führt dazu, die Anonymität kapitalistischer Vergesellschaftung zu leugnen oder sie zu verklären, aber nicht dazu, sie zu erklären und damit die Vorraussetzung für ihre Abschaffung bereitszustellen.
Entscheidend bei der Beurteilung von Kritik ist nicht nur der Zusammenhang. Nicht selten gibt es Kritik, die Elend und Leid denunziert, es aber aus dummen Motiven und aus einer falschen Erklärung heraus tut. Wäre da, wo die Auswirkungen als schlecht erkannt wurden nicht nachzuhelfen, um die Kritik wirksam werden zu lassen und das Elend abzuschaffen?





Strukturell einfach

Refuse 23.01.2004 - 16:57
Nicht antisemitisch. Vorallem nicht offen antisemitisch. Naiv und indifferent vielleicht. Vereinfachte Kapitalismuskritik auch. Aber antisemitisch? Gute Nacht, Hamburger Antifa...

ach, ihr schnuckis.

hamburg inside 23.01.2004 - 17:27
wer die kleinen jungs von der bad-weather-antifa hamburg mal live erleben möchte: samstagnacht auf der reeperbahn kann man sie manchmal stockbesoffen vor dem haspa-geldautomaten erleben, wie sie 16jährigen punkrockerinnen mit pali-feudel schläge androhen, wirklich herzerweichend. macht´s gut ihr süßen. das wird schon wieder

inflationäre begriffe

marktler 23.01.2004 - 19:19
begriff alter wert neuer wert
Antisemitismus 1.000.000 500.000
Nazi 1.000.000 600.000
usw...


nicht immer gleich mit sowas rumwerfen


nur hier kleiner bad whatever
wenn du schon davon ausgehst das banken automatisch von juden geführt werden bist du der der mal sein schubladendenken überdenken sollte und selber vieleicht strukturell antisemitisch bist????


ansonsten gute aktion
finde es schon scheisse das bankautomaten in der uni stehen....

solidarische grüße aus berlin

berliner student 26.01.2004 - 07:05
wie wärs endlich mal mit ner brd weiten vernetzung unseres widerstands?

Bad Weatheraner stellen sich ins Abseits...

Antifa³ 26.01.2004 - 12:58
Schade, dass der innerlinke Diskurs nun auch die Hanburger Antifaschisten spaltet. Sicher ist eine dauernde Reflektion der eigenen Position wünschenswert und dringend nötig, doch sobald sie uns am Handeln hindert... Der Beitrag von Bad Weather ist polemisch, vereinfachend und dient der Aufrechterhaltung eben dieser Vorurteile, welche sie zu kritisieren suchen. Ergo: Die Kritik am Flyer ist strukturell antisemitisch, nicht das Stück Papier selbst.

Häufiger mal nachdenken. Solidarität. Alle für alle.