Eine Ausstellung in Schweden

Max Brym 22.01.2004 18:58 Themen: Medien
Eine Ausstellung in Schweden,der israelische Botschafter und die "Junge Welt"

Erstveröffentlichung
Eine Ausstellung in Schweden und die „Junge Welt“


Die Junge Welt ist eine Tageszeitung mit linkem Anspruch, die in Berlin erstellt wird. Neben interessanten Artikeln zum sozialen Kahlschlag in Deutschland ist die Berichterstattung zum Neonazismus und Rassismus relativ beachtenswert, dennoch haben die letzten beiden Felder nur einen quantitativ geringen Stellenwert. Der aktuelle Antisemitismus und antisemitische Tendenzen werden in dem Blatt fast vollständig ignoriert. Schlimmer noch: Die Junge Welt erkannte weder bei Möllemann oder Walser Antisemitismus, noch kann sie sich auf ein Existenzrecht Israels festlegen. Alle Chefkommentatoren des Blattes bilden sich eine Menge auf ihren „Antizionismus ein, dass ist für eine „linke“ Zeitung in diesem Land absolut bedenklich. Denn es gibt einen rassistischen Konsens und einen weitverbreiteten Antisemitismus in Deutschland, der verschiedene soziale Gruppen (bzw. Klassen) miteinander verbindet. Der rassistisch ideologische Kitt ist stärker in den Köpfen der Menschen vorhanden, als die Erkenntnis über den objektiv gegebenen sozialen Gegensatz. Diesem Problem stellt sich die Junge Welt in ihrer Berichterstattung nicht. Die Kommentare und Debatten in der „Jungen Welt“ haben oft die Tendenz deutsche Sonderwege und reale nationalistische Massenbefindlichkeiten zu bedienen. Einer der Hauptkommentatoren der Jungen Welt, Werner Pirker, veröffentlichte kürzlich zusammen mit einem Herrn Langthaler aus Wien das Buch „ Ami Go Home “. In dem Buch des JW Kommentators Pirker und des AIK (Antiimperialistische Koordination) Gurus Langthaler, wird dem deutschen Bierbauch nahegelegt, in den USA den Hauptgegner zu sehen. Eine an sich überflüssige Aufforderung, denn nicht umsonst hat US- kritische Literatur Hochkonjunktur. Vergleichbare Literatur über soziale Mißstände in Deutschland ist hingegen nicht gefragt. Natürlich wird in dem Buch gegen den Zionismus Front gemacht. Die AIK aus Wien behandelt demzufolge den HAMAS- Terror gegen israelische Zivilisten als antiimperialistische Aktionen. Das Buch paßt hervorragend zur mentalen Haltung vieler Zeitgenossen. Verschwörungstheorien und Rechtfertigungsszenarien für faschistoide Selbstmordattentäter liegen im Trend. Neben kleinen Gruppen, die einen verständlichen Antikapitalismus propagieren, ist nationalistischer und antisemitischer „Antikapitalismus“ ziemlich weit verbreitet. Meist wird letztere Haltung in der Jungen Welt bewußt oder unbewußt gefüttert. Im Staate Israel vermutet die Junge Welt, wie die meisten Deutschen den „Weltbösewicht“. Gegen diesen Gegner sind, wenn es nach der Jungen Welt geht, alle Mittel erlaubt. Ein Artikel unter der Überschrift „ Irrsinn“ vom 19.1.04 in der JW belegt dies.

Der israelische Botschafter in Schweden

Bekanntlich kam es in Stockholm am 16.1.04 zu einem Eklat, nachdem der israelische Botschafter Zvi Mazel anläßlich einer Austellungseröffnung zu einer internationalen Konferenz zur „Vermeidung von Völkermord“ im Historischen Museum eine „Kunstinstallation“ demolierte. Die Installation hat den Titel- „Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit“ Das „Werk“ stammt von dem gebürtigen Israeli Dror Feiler und zeigt ein Foto der lächelnden Palästinenserin Hanadi Dschadarat , die vor einigen Monaten bei einem barbarischen Anschlag in Haifa 21 Menschen umbrachte. Ihr Bild schwimmt auf rot gefärbten Wasser in einem Boot. Die Erregung des israelischen Botschafters und sein Handeln muß man nicht richtig finden, dennoch ist der Ausraster verständlich. In der Tat war die Aktion keine diplomatische Spitzenleistung wie es die Likud Regierung in Israel darstellt. Die Aktion des Botschafters war nicht berechnet und kalkuliert, er fühlte sich schlicht provoziert. Für diese menschliche Regung des Botschafters (ist ja aus Israel), hat die Junge Welt nur Verachtung und Spott übrig.
Böse kommentiert sie den „Vandalismus“ des Botschafters und dessen „Irrsinn“. Die dargestellte Attentäterin Hanadi Dschaderat wird in dem Junge Welt Artikel moderat entschuldigt und verklärt. Die Junge Welt schreibt bezüglich der Tat der Dschaderat: „Sie hatte mit ansehen müssen, wie ihr Bruder von israelischen Soldaten erschossen wurde“. Ergo der Botschafter ist ein „Irrer“ und die faschistoide palästinensische Terroristin führte eine verständliche Aktion durch. Die getöteten Israelis und Palästinenser in dem Lokal in Haifa (vor einigen Monaten), fallen in der JW Betrachtung durch den Rost. Für sie gibt es kein Mitgefühl, sie werden abgehakt. Der faschistoide Akt in Haifa der 21 Zivilisten das wertvollste, nämlich das Leben nahm, wird an bundesdeutschen Schreibtischen unter der Rubrik „antiimperialistischer Widerstand“ abgelegt. Die Junge Welt liebt es sich als progressiv und „antiimperialistisch“ darzustellen, in Wahrheit haben solche Artikel in der JW mit dem Menschenbild von Marx soviel gemein, wie die Zehn Gebote mit dem Tanz um das Goldene Kalb.

Max Brym


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Ergänzungen

doppelposting

krause 22.01.2004 - 20:13

ein paar weitere Aspekte zu dem Themenkomplex

ein Überblick 23.01.2004 - 02:27
DIE HAMAS CHARTA
Auszüge aus der Charta
 http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2002/49/31a.htm
 http://www.taz.de/pt/2003/04/12/a0228.nf/text
 http://www.welt-am-sonntag.de/data/2003/06/15/118661.html
Datenbank zur Hamas mit Link zur Charta in voller Länge (engl.)
 http://www.stura.uni-leipzig.de/~farao/gruppen/hamas.htm

DIE PLO CHARTA
 http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/plo_charta.html
 http://www.adf-berlin.de/html_docs/berichte_nah_ost/plo_charta.html

Kein Vergleich
Die These, der Antisemitismus sei durch einen neuen Antiislamismus abgelöst worden,ist nicht belegbar und verantwortungslos.
Sie verschleiert die wahren Gefährdungslagen
 http://www.taz.de/pt/2004/01/20/a0192.nf/text

Hakennasen statt Hakenkreuze
Dient der Antisemitismusvorwurf der Aufklärung?
Oder regiert die Logik des Skandals?
Rätselhaft ist bloß, dass es Judenhass gibt, aber offenbar keinen, der Juden hasst Esther Schapira
 http://www.taz.de/pt/2003/09/26/a0109.nf/text
Satire oder Antisemitismus ???
 http://de.indymedia.org/2003/09/61042.shtml

Antikapitalismus in "junge welt"

leser 23.01.2004 - 12:22
"Neben kleinen Gruppen, die einen verständlichen Antikapitalismus propagieren, ist nationalistischer und antisemitischer ?Antikapitalismus? ziemlich weit verbreitet. Meist wird letztere Haltung in der Jungen Welt bewußt oder unbewußt gefüttert."
Hmmm, wenn ich mir den Wirtschaftsteil der jungen welt anschaue, oder die Berichte im Nachrichtenteil die sich mit Arbeitskämpfen befassen, kann ich dem Zitat nicht zustimmen. Wenn es um Ausbeutung und Aneignung von Mehrwert geht wird dort nicht unterschieden, ob es sich um die BRD, die USA, China oder sonst ein Land handelt.

Reale Person und Argumente

Genc Mustafa 24.01.2004 - 17:35
1. Max Brym ist eine real existierende Person und in München bekannt wie ein bunter Hund.
2. Die Argumente von Brym sind überlegenswert. Es ist in der Tat so, dass die Junge Welt speziell Werner Pirker in der USA und in Israel ihren Hauptgegner sehen. Der These von Liebknecht "der Hauptfeind steht im eigenen Land" ist bei ihnen nicht präsent.
3. Das heißt noch nicht, dass die "Junge Welt" keine linke Zeitung ist, aber hier ist der Bogen zu nationalistischen Positionen.
4. Brym als Rechten zu bezeichnen ist eine Frechheit, ein Blick auf seine Hompage genügt um das Gegenteil festzustellen. Auch Bryms These, dass viele deutsche Proleten rassistisch denken ist zutreffend. Das ist kein Abschied vom Klassenkampf sondern zeigt nur wie schwierig es ist revolutionäres Klassenbewußtsein zu schaffen.
5. Wer wie die Junge Welt keinen besonderen Antisemitismus in Deutschland erkennt ist bestenfalls blind. Wenn dazu ein tumber "Antizionismus" kommt ist die Sache mehr als bedenklich.
6. Es ist richtig wenn Herr Brym in dem Bericht auch die Frage linker Moral thematisiert. Israelische Opfer sind für viele "Linke" nur Kollateralschäden in Sachen "Antiimperialismus"
7. Ein Schreiber hier sollte nicht sinnlos verleumden sondern argumentieren.

PS: Ich existiere real genauso wie Herr Brym

Genc Mustafa
Robert Koch Str. 14
84489 Burghausen

die Darstellung in deutschsprachigen Medien

ein Überblick 02.02.2004 - 03:57
Forum: War die Zerstörung der Installation von Dror Feiler gerechtfertigt?
Pro: Reine Notwehr von Zvi Mazel

Contra: Zuviel der Ehre von Norma Drimmer
 http://www.juedische-allgemeine.de/tools/lese.php?ssl_fehler=index.html&ssl_index=/politik/politik.html&weit=/politik/politik-10395.html

DIPLOMATISCHER EKLAT
Kunst, Blut und ein wütender Botschafter
 http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,282577,00.html

Schweden und Israel streiten über Kunst
 http://www.netzeitung.de/ausland/269394.html
Israelischer Botschafter in Stockholm einbestellt
 http://www.netzeitung.de/ausland/269529.html

Israelischer Botschafter beschädigt umstrittenes Kunstexponat in Schweden
 http://derstandard.at/?id=1540133

Israelischer Botschafter in Rage
 http://www.n24.de/politik/ausland/index.php?a2004011817095153729

Blut und Drähte - Der Stockholmer Kunstskandal
Von Fania Oz-Salzberger
 http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EEBF818E43BE74D188ABB0F87EEEDEFA0~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Israelischer Botschafter entschuldigt sich nicht
 http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E75F5220382724DEAADEE72C6172ACBD4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zum Teufel mit dem Protokoll!
 http://www.juedische.at/TCgi/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=28&Param_RB=38&Param_Red=1518
Der Schwedenschlüssel
 http://www.juedische.at/TCgi/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=32&Param_RB=39&Param_Red=1524
Israelischer Botschafter in Schweden wird ins Aussenamt zitiert
 http://www.juedische.at/TCgi/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=32&Param_RB=39&Param_Red=1512

"Schrei aus der Tiefe des Herzens" - Botschafter beschädigt Kunstwerk
 http://www.israelnetz.de/show.sxp/5735.html?sxpident=8072-----egz-R7655424-8570208K5041568--Jme

Schalom fordert Distanzierung von umstrittenem Kunstwerk
Israelischer Botschafter ins Außenministerium einberufen
 http://www.netecho.info/schlagzeilen/rubrik.asp?a=%7B1DA81896-D6BA-466F-8418-A2AD698A991F%7D

Israelischer Botschafter demoliert Installation
 http://anzeigen.kunstmarkt.com:81/lycos/index_archiv.html?id=59387&details=archiv

Eklat um Installation mit Selbstmordattentäterin
 http://de.news.yahoo.com/040117/286/3udco.html
Israelischer Botschafter demoliert Kunstwerk zu Nahost-Konflikt
 http://de.news.yahoo.com/040117/12/3ude3.html

Scharon springt "Kunst-Attentäter" bei (WELCH EINE ÜBERSCHRIFT !!!)
 http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/ausland/34053

Eklat um Installation mit Selbstmordattentäterin
 http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt/ausland&id=040117125025.lbq7xr5l

Wut: Israels Botschafter zerstört Museums-Kunstwerk
 http://www.bbv-net.de/public/article/nachrichten/politik/ausland/33972

Israelischer Botschafter zerstört Kunstwerk
 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/309309.html

Israelischer Botschafter zerstört Kunstwerk
 http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040118/politik/story653954.html

Scharon lobt seinen Botschafter
Oltner Tagblatt - 19. Jan. 2004
... Der israelische Botschafter in Schweden fegte ... In keinem anderen Staat würde einem
Botschafter für ... Andererseits postierte ein israelischer Künstler vor der ...
TOTER LINK
 http://www.oltnertagblatt.ch/pages/index.cfm?id=135654&re=Ausland&srv=ops&pg=detail

Israel: Militär rückt mit Bulldozern nach Rafah ein
Nachrichten.ch - 21. Jan. 2004
... zu Libanon ist nach Medienberichten ein israelischer ... Schweden protestiert gegen Kunstattacke
Stockholm - Das ... Aussenministerium hat dem israelischen Botschafter ...
 http://www.nachrichten.ch/detail/165013.htm
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