Gedanken zum Weltsozialforum
Auf einem Seminar innerhalb des Zyklus Alternative Stimmen, das von der IFAD, einer Organisation der UNO, zum Thema landwirtschaftliche Entwicklung abgehalten wurde, gab kurz vor Jahresende Vandana Shiva folgendes Interview, das von Enzo Mangini in Rom geführt wurde.
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Das Forum ist zu wichtig, um es auf eine Gewohnheit zu reduzieren
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Vandana Shiva
Was bedeutet dieses erste Sozialforum außerhalb der sicheren Atmosphäre von Porto Alegre?
Dass der Rest der Welt lernen muss, eine Veranstaltung von dieser Dimension zu organisieren und Indien nun die erste Probe darüber abgibt. Das bedeutet eine wichtige Gelegenheit für die indischen Bewegungen. Es hat immer Bewegungen mit einem unterschiedlichen Ansatz gegeben: lokal, national oder global, aber nicht alle ihrer Aktivisten hatten eine internationale Perspektive.
Ein Weltsozialforum zu organisieren, zwingt hingegen zur Auseinandersetzung mit den Notwendigkeiten und Themen verschiedener Teile der Welt, die vielleicht bisher nur mit geringer Aufmerksamkeit bedacht wurden.
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Was glaubst du, ist der offensichtlichste Unterschied zwischen dem Forum von Porto Alegre und dem von Mumbai?
Ich denke, dass es v.a. ein indisches, ein sehr indisches Ereignis werden wird. Sicherlich bezieht es den Rest von Mittelasien mit ein und hat auch eine hohe Teilnahme aus anderen Teilen des Kontinents zu verzeichnen. Die europäische und lateinamerikanische Präsenz wird im Vergleich mit den anderen Foren relativ gering ausfallen.
Schon anhand der Arbeitsthemen ist zu sehen, dass sie sehr indisch, vielleicht zu indisch sind. Persönlich bin ich nicht mit allen Entscheidungen zufrieden, die getroffen wurden, denn ich denke, dass wir einen Moment erleben, in dem die internationale Politik und die Antwort der Bürger auf die Probleme der internationalen Politik, das prinzipielle Thema darstellen. Mir scheint hingegen, dass Mumbai sich auf eine Präsentation von Themen und spezifischen Problemen der indischen Bewegungen vor einem internationalen Parkett festlegte. Das Risiko dabei ist, dass auf diesem Forum der Rest der Welt, mehr als alles andere, die indischen Bewegungen und ihre Kämpfe vorgeführt bekommt. Ich will ein Beispiel machen: vier von fünf Themen, um welche die Plenarsitzungen organisiert wurden, beschäftigen sich mit sozialer Ausgrenzung.
Das Weltsozialforum hingegen wurde als Möglichkeit der Konfrontation zwischen verschiedenen Analysen und verschiedenen Perspektiven zu den gesellschaftlichen Problemen geschaffen, v.a. wegen der großen ökonomischen Probleme. Jetzt wurden die ökonomischen Probleme etwas hinten an gestellt und ich befürchte, dass daraus der Weltbewegung ein Diskontinuität entstehen könnte. Dass im Kontrast zur neoliberalen Globalisierung ein wenig Schwung verloren gehen könnte. Ich hoffe jedoch, dass die internationalen Bewegungen, die am Weltsozialforum teilnehmen werden, die Fähigkeit aufbringen, das Herz der Debatte am Leben zu erhalten.
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Was meinst du, warum dies so geschehen ist?
Die erste Antwort ist, dass nicht alle indische Bewegungen auf dem Weg zur Globalisierung sind. Ihr größter Teil kümmert sich um lokale Belange und es genügt eine Anzahl, um die Verschiebung der Aufmerksamkeit zu erreichen. Es ist also ein Problem der Organisation...
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Wenn man das Programm anschaut, ist auch zu bemerken, dass Themen wie Nahrung und Landwirtschaft recht rar sind.
Ja, das ist wahr, obwohl Indien das Land war, von dem aus die Bewegung gegen die Globalisierung aufgebrochen ist. Seattle war eine Episode entlang eines Weges, der hier mit den Demonstrationen der indischen Bauern begonnen hat.
Aber da die Bauernorganisationen nicht als ONG's gelten, wurde ihnen kein zentraler Posten im Forum eingeräumt. Um auf die vorherige Frage zurückzukommen, gibt es noch einen feineren Grund, der mit der Vergabe internationaler Fonds für die Zivilgesellschaften in den südlichen Ländern der Welt zusammenhängt.
Ein großer Teil dieser Fonds wird verwendet, um die Analyse und das Räsonieren über ökonomische Probleme zu verhindern und den Diskurs auf Identitätsfragen zu konzentrieren. Es gibt von Seiten der globalen Finanzierungssysteme eine wahrhaft rege Arbeit der Förderung von Themen, die mit der Identität verbunden sind. Sprecht von eurer religiösen Identität, sprecht von eurer Dalit Identität, von eurer Identität als Frauen, aber verwandelt diesen Diskurs zur Identität nicht in einen, der die Basis des Überlebens tangiert: das Wasser, die Nahrung, die Landwirtschaft.
Dieser kulturelle Rahmen der Finanzierungen beeinflusst die Organisation der Gruppen in der Zivilgesellschaft, die also konditioniert werden. Demgegenüber hängen die Bauernorganisationen nicht von internationalen Fonds ab. Sie müssen sich mit ihren eigenen Ressourcen begnügen und tauchen daher in dieser globalen Karte der Finanzierung nicht auf. Deshalb ist trotz der Tatsache, dass Cancun an der Landwirtschaftsfrage gescheitert ist und trotz der Tatsache, das die Landwirtschaft ein sehr wichtiges Thema war, durch das die internationalen Bewegungen an Land gewannen, die Landwirtschaft nicht eines der zentralen Themen in Mumbai. Es ist traurig, aber das sind Dinge, welche die Dynamik einer so komplexen sozialen Bewegung mit sich bringen.
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Schon auf dem letzten Forum von Porto Alegre haben viele ihr Erstaunen über die Organisation einer Veranstaltung zum Ausdruck gebracht, die vielleicht ein wenig zu groß geworden ist. Denkst du, dass es in Mumbai die gleichen Probleme geben wird?
Ich denke, leider, ja. Schon in Porto Alegre konnte man die Tendenz zur "ongsierung" auch derjenigen sozialen Bewegungen feststellen, die schon von ihrer Natur her nicht in diese organisatorische Form zu pressen sind. Auch die Vorbereitung des Forums von Mumbai hat diesen Effekt auf einen Teil der indischen Bewegungen gehabt. Das hat die Spaltung innerhalb der Bewegung selbst erhöht. V.a. dann, wenn es wie in Indien geschehen, Bewegungen gibt, die an die Knappheit der finanziellen Ressourcen gewöhnt sind, sich nun in der Situation wieder finden, eine enorme Quantität an Geldern und politischen Kredit zu verwalten. Und so entstehen die Spaltungen, die evident werden in den parallelen Initiativen. Die wurden organisiert, um gegen diese Form der etwas bürokratischen Leitung des Forums zu protestieren.
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Wird es die Möglichkeit geben, dieses Konzept des Forums ganz zu überdenken?
Ich bin immer unter denen gewesen, welche die Aktion bevorzugten; der Aufbau der Bewegung hat da zu geschehen, wo sich die einfachen Menschen befinden, und nicht da, wo man mit dem Flugzeug ankommen kann.
Das bedeutet den Kampf des Lehrers, der streikt, weil sein Gehalt zu nieder ist oder weil die Schule über keine Ressourcen verfügt. Das bedeutet den Streik der Fahrer von Bus und Straßenbahn hier in Italien, oder die Selbstmorde der Bauern in Indien, Signale der Notwendigkeiten auf die geantwortet werden muss, um die Dinge zu ändern. Die Priorität müssen diese Themen haben.
Zur gleichen Zeit sind aber auch Gelegenheiten notwendig, sich zu sehen, bei denen wir uns als eine globale Gemeinschaft von Aktivisten wahrnehmen können. Und v.a. deshalb können wir es nicht zulassen, dass das Forum zu einer Gewohnheit wird. Vielleicht wäre an ein entsprechendes Ereignis zu denken, das alle fünf Jahre stattfindet. Ein Ereignis der Strategie, der großen Linien, entlang derer die Mobilisierung und Artikulierung unserer Vorschläge verläuft. So sollte das kommende Forum nicht wieder zu einem Ort werden, an dem darüber gestritten wird, festzulegen, wer über was redet. Es sollte viel eher Gelegenheit werden, sich zu fragen, was wir morgen tun, um zu verhindern, dass das Bauernlegen weiter stattfindet, dass die Arbeiter des öffentlichen Sektors gekündigt werden, dass der Reichtum der Gesellschaft dahin geleitet wird, die Sicherheit derer zu garantieren, die eh schon genug haben. Das sind die fundamentalen Frage, wegen derer wir uns von Zeit zu Zeit treffen sollten.
Ich denke, dass das Forum von Mumbai darüber hinaus derart konfus und desorganisiert ist, dass es alle zusammen zu einer grundlegenden und konzentrierten Reflektion zwingt. Porto Alegre war einfach. Es war das bequeme Bündnis der Bewegungen und der Lokalregierung der Stadt und des Staates Rio Grande do Sul. Zur Verfügung stand die Universität, die Verkehrsmittel und der übrige Rest. Sind die Dinge sehr bequem, besteht die Tendenz, sie zu wiederholen und dies aus dem puren Vergnügen heraus, sie zu tun. Die geringe Bequemlichkeit von Mumbai jedoch lässt grüßen. Hier wird man sich darüber Rechenschaft ablegen, dass das Forum ein zu großes, mühevoll zu organisierendes, ein zu wichtiges Ereignis ist, um es zu einem Routinetreffen werden zu lassen.
Wir verausgaben vielleicht zuviel politische Energie in dieses Ereignis, wo es doch nötig ist, 99% unserer Energie in die Transformation, die konkreten Probleme, die Aktivitäten zu stecken. Das ist ein Problem, das über Mumbai hinausweist, worüber wir auf jeden Fall nachzudenken haben. Aber das ist gut so, auch aus Fehlern wird gelernt.
Trotz dieser gemachten Einschränkungen ist das Forum sicherlich sowohl für den, der hier ankommt, wie auch für die indischen Aktivisten, eine gute Gelegenheit, Situationen und Geschichten zu begegnen. Für letztere sind Europa und Porto Alegre weiter weg als nur die entgegengesetzte Reise.
Das Forum ist zu wichtig, um es auf eine Gewohnheit zu reduzieren
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Vandana Shiva
Was bedeutet dieses erste Sozialforum außerhalb der sicheren Atmosphäre von Porto Alegre?
Dass der Rest der Welt lernen muss, eine Veranstaltung von dieser Dimension zu organisieren und Indien nun die erste Probe darüber abgibt. Das bedeutet eine wichtige Gelegenheit für die indischen Bewegungen. Es hat immer Bewegungen mit einem unterschiedlichen Ansatz gegeben: lokal, national oder global, aber nicht alle ihrer Aktivisten hatten eine internationale Perspektive.
Ein Weltsozialforum zu organisieren, zwingt hingegen zur Auseinandersetzung mit den Notwendigkeiten und Themen verschiedener Teile der Welt, die vielleicht bisher nur mit geringer Aufmerksamkeit bedacht wurden.
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Was glaubst du, ist der offensichtlichste Unterschied zwischen dem Forum von Porto Alegre und dem von Mumbai?
Ich denke, dass es v.a. ein indisches, ein sehr indisches Ereignis werden wird. Sicherlich bezieht es den Rest von Mittelasien mit ein und hat auch eine hohe Teilnahme aus anderen Teilen des Kontinents zu verzeichnen. Die europäische und lateinamerikanische Präsenz wird im Vergleich mit den anderen Foren relativ gering ausfallen.
Schon anhand der Arbeitsthemen ist zu sehen, dass sie sehr indisch, vielleicht zu indisch sind. Persönlich bin ich nicht mit allen Entscheidungen zufrieden, die getroffen wurden, denn ich denke, dass wir einen Moment erleben, in dem die internationale Politik und die Antwort der Bürger auf die Probleme der internationalen Politik, das prinzipielle Thema darstellen. Mir scheint hingegen, dass Mumbai sich auf eine Präsentation von Themen und spezifischen Problemen der indischen Bewegungen vor einem internationalen Parkett festlegte. Das Risiko dabei ist, dass auf diesem Forum der Rest der Welt, mehr als alles andere, die indischen Bewegungen und ihre Kämpfe vorgeführt bekommt. Ich will ein Beispiel machen: vier von fünf Themen, um welche die Plenarsitzungen organisiert wurden, beschäftigen sich mit sozialer Ausgrenzung.
Das Weltsozialforum hingegen wurde als Möglichkeit der Konfrontation zwischen verschiedenen Analysen und verschiedenen Perspektiven zu den gesellschaftlichen Problemen geschaffen, v.a. wegen der großen ökonomischen Probleme. Jetzt wurden die ökonomischen Probleme etwas hinten an gestellt und ich befürchte, dass daraus der Weltbewegung ein Diskontinuität entstehen könnte. Dass im Kontrast zur neoliberalen Globalisierung ein wenig Schwung verloren gehen könnte. Ich hoffe jedoch, dass die internationalen Bewegungen, die am Weltsozialforum teilnehmen werden, die Fähigkeit aufbringen, das Herz der Debatte am Leben zu erhalten.
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Was meinst du, warum dies so geschehen ist?
Die erste Antwort ist, dass nicht alle indische Bewegungen auf dem Weg zur Globalisierung sind. Ihr größter Teil kümmert sich um lokale Belange und es genügt eine Anzahl, um die Verschiebung der Aufmerksamkeit zu erreichen. Es ist also ein Problem der Organisation...
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Wenn man das Programm anschaut, ist auch zu bemerken, dass Themen wie Nahrung und Landwirtschaft recht rar sind.
Ja, das ist wahr, obwohl Indien das Land war, von dem aus die Bewegung gegen die Globalisierung aufgebrochen ist. Seattle war eine Episode entlang eines Weges, der hier mit den Demonstrationen der indischen Bauern begonnen hat.
Aber da die Bauernorganisationen nicht als ONG's gelten, wurde ihnen kein zentraler Posten im Forum eingeräumt. Um auf die vorherige Frage zurückzukommen, gibt es noch einen feineren Grund, der mit der Vergabe internationaler Fonds für die Zivilgesellschaften in den südlichen Ländern der Welt zusammenhängt.
Ein großer Teil dieser Fonds wird verwendet, um die Analyse und das Räsonieren über ökonomische Probleme zu verhindern und den Diskurs auf Identitätsfragen zu konzentrieren. Es gibt von Seiten der globalen Finanzierungssysteme eine wahrhaft rege Arbeit der Förderung von Themen, die mit der Identität verbunden sind. Sprecht von eurer religiösen Identität, sprecht von eurer Dalit Identität, von eurer Identität als Frauen, aber verwandelt diesen Diskurs zur Identität nicht in einen, der die Basis des Überlebens tangiert: das Wasser, die Nahrung, die Landwirtschaft.
Dieser kulturelle Rahmen der Finanzierungen beeinflusst die Organisation der Gruppen in der Zivilgesellschaft, die also konditioniert werden. Demgegenüber hängen die Bauernorganisationen nicht von internationalen Fonds ab. Sie müssen sich mit ihren eigenen Ressourcen begnügen und tauchen daher in dieser globalen Karte der Finanzierung nicht auf. Deshalb ist trotz der Tatsache, dass Cancun an der Landwirtschaftsfrage gescheitert ist und trotz der Tatsache, das die Landwirtschaft ein sehr wichtiges Thema war, durch das die internationalen Bewegungen an Land gewannen, die Landwirtschaft nicht eines der zentralen Themen in Mumbai. Es ist traurig, aber das sind Dinge, welche die Dynamik einer so komplexen sozialen Bewegung mit sich bringen.
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Schon auf dem letzten Forum von Porto Alegre haben viele ihr Erstaunen über die Organisation einer Veranstaltung zum Ausdruck gebracht, die vielleicht ein wenig zu groß geworden ist. Denkst du, dass es in Mumbai die gleichen Probleme geben wird?
Ich denke, leider, ja. Schon in Porto Alegre konnte man die Tendenz zur "ongsierung" auch derjenigen sozialen Bewegungen feststellen, die schon von ihrer Natur her nicht in diese organisatorische Form zu pressen sind. Auch die Vorbereitung des Forums von Mumbai hat diesen Effekt auf einen Teil der indischen Bewegungen gehabt. Das hat die Spaltung innerhalb der Bewegung selbst erhöht. V.a. dann, wenn es wie in Indien geschehen, Bewegungen gibt, die an die Knappheit der finanziellen Ressourcen gewöhnt sind, sich nun in der Situation wieder finden, eine enorme Quantität an Geldern und politischen Kredit zu verwalten. Und so entstehen die Spaltungen, die evident werden in den parallelen Initiativen. Die wurden organisiert, um gegen diese Form der etwas bürokratischen Leitung des Forums zu protestieren.
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Wird es die Möglichkeit geben, dieses Konzept des Forums ganz zu überdenken?
Ich bin immer unter denen gewesen, welche die Aktion bevorzugten; der Aufbau der Bewegung hat da zu geschehen, wo sich die einfachen Menschen befinden, und nicht da, wo man mit dem Flugzeug ankommen kann.
Das bedeutet den Kampf des Lehrers, der streikt, weil sein Gehalt zu nieder ist oder weil die Schule über keine Ressourcen verfügt. Das bedeutet den Streik der Fahrer von Bus und Straßenbahn hier in Italien, oder die Selbstmorde der Bauern in Indien, Signale der Notwendigkeiten auf die geantwortet werden muss, um die Dinge zu ändern. Die Priorität müssen diese Themen haben.
Zur gleichen Zeit sind aber auch Gelegenheiten notwendig, sich zu sehen, bei denen wir uns als eine globale Gemeinschaft von Aktivisten wahrnehmen können. Und v.a. deshalb können wir es nicht zulassen, dass das Forum zu einer Gewohnheit wird. Vielleicht wäre an ein entsprechendes Ereignis zu denken, das alle fünf Jahre stattfindet. Ein Ereignis der Strategie, der großen Linien, entlang derer die Mobilisierung und Artikulierung unserer Vorschläge verläuft. So sollte das kommende Forum nicht wieder zu einem Ort werden, an dem darüber gestritten wird, festzulegen, wer über was redet. Es sollte viel eher Gelegenheit werden, sich zu fragen, was wir morgen tun, um zu verhindern, dass das Bauernlegen weiter stattfindet, dass die Arbeiter des öffentlichen Sektors gekündigt werden, dass der Reichtum der Gesellschaft dahin geleitet wird, die Sicherheit derer zu garantieren, die eh schon genug haben. Das sind die fundamentalen Frage, wegen derer wir uns von Zeit zu Zeit treffen sollten.
Ich denke, dass das Forum von Mumbai darüber hinaus derart konfus und desorganisiert ist, dass es alle zusammen zu einer grundlegenden und konzentrierten Reflektion zwingt. Porto Alegre war einfach. Es war das bequeme Bündnis der Bewegungen und der Lokalregierung der Stadt und des Staates Rio Grande do Sul. Zur Verfügung stand die Universität, die Verkehrsmittel und der übrige Rest. Sind die Dinge sehr bequem, besteht die Tendenz, sie zu wiederholen und dies aus dem puren Vergnügen heraus, sie zu tun. Die geringe Bequemlichkeit von Mumbai jedoch lässt grüßen. Hier wird man sich darüber Rechenschaft ablegen, dass das Forum ein zu großes, mühevoll zu organisierendes, ein zu wichtiges Ereignis ist, um es zu einem Routinetreffen werden zu lassen.
Wir verausgaben vielleicht zuviel politische Energie in dieses Ereignis, wo es doch nötig ist, 99% unserer Energie in die Transformation, die konkreten Probleme, die Aktivitäten zu stecken. Das ist ein Problem, das über Mumbai hinausweist, worüber wir auf jeden Fall nachzudenken haben. Aber das ist gut so, auch aus Fehlern wird gelernt.
Trotz dieser gemachten Einschränkungen ist das Forum sicherlich sowohl für den, der hier ankommt, wie auch für die indischen Aktivisten, eine gute Gelegenheit, Situationen und Geschichten zu begegnen. Für letztere sind Europa und Porto Alegre weiter weg als nur die entgegengesetzte Reise.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Erste Bilder von den Vorbereitungen
Richtig
--> Das nenne ich eine Klasse Analyse der Entwicklungshilfeindustrie und der von oben organisierenden Macht der Helfer. Selbst den "Unterdrückten" schafft der Westen nach seinem bilde statt echte Probleme zu lösen.
z.B. statt das dysfunktionale Patentsystem zu fixen setzen sich Initiativen für die Interessen der indigenen Völker ein auch ihr Häppchen vom Patentkuchen zu bekommen, damit die bösen internationalen Konzern nicht Profit mit ihrem Geistigen Eigentum machen...