Popcorn against Germany beim "Wunder von Bern"
Bei einer Schulvorstellung von "Das Wunder on Bern" wurde Polit-Popcorn verteilt gegen die Förderung des nationalen Selbstbewusstseins von Schülerinnen und Schülern
Lieber im Park Fußball spielen als für Deutschland Fußball gucken!
Popcorn verteilt gegen die Förderung des nationalen Selbstbewusstseins von Schülerinnen und Schülern
Heute, Montag, d. 12.01.04, luden Kulturstaatsministerin Christina Weiss und der Berliner Schulsenator Klaus Böger rund 1000 Schülerinnen und Schüler ein, zunächst den Film ?Das Wunder von Bern? zu sehen und anschließend einer Podiumsdiskussion beizuwohnen. ?[W]eil er viel über das Nachkriegs-Deutschland und den Weg zu einem neuem Selbstbewusstsein erzählt?, so Frau Weiss, ist ausgerechnet dieser Film für die Schulvorführung ausgewählt worden.
Die Gruppe ?Popcorn against Germany? protestierte im Vorfeld der Veranstaltung vor dem Zoo-Palast. Hierzu wurde an die 400 anwesenden Schülerinnen und Schüler Popcorn verteilt. Auf den Tüten wird darauf hingewiesen, inwiefern nationales Selbstbewusstsein als problematisch zu betrachten ist
Nele Jahn, 28-jährige Bildhauerin, erklärt für die Gruppe: ?Wir sind erschüttert mit welcher Dreistigkeit heute wieder ideologische Früherziehung im Sinne nationalen Selbstbewusstseins betrieben wird. Weltweit toben sogenannte ethnische Konflikte und hier sollen schon Schülerinnen und Schüler auf ihre Nation eingeschworen werden.? Tom Schröder, 26-jähriger Diplom-Pädagoge ergänzt: ?Noch immer werden Millionprogramme wie Civitas, Entimon oder Xenos zu Recht von der Bundesrepublik unterstützt. Das Ziel dieser Programme ist ja gerade, Jugendlichen deutlich zu machen, dass sich Selbstbewusstsein auf jeden einzelnen bezieht und wie gefährlich es ist, sein Selbstbewusstsein mit einer nationalen Zugehörigkeit zu verknüpfen ? diese Veranstaltung will allerdings genau das Gegenteil.?
Die Protestierenden erklären, das gewählte Motto (?Lieber im Park Fussball spielen als für Deutschland Fussball gucken?) soll unterstreichen, dass hier eine beliebte Sportart zur nationalen Identitätsbildung missbraucht wird. Nele Jahn weist noch einmal mit Nachdruck darauf hin, ?dass es sich hierbei um kein neues Phänomen handelt. Im Gegenteil: Die Bezugnahme auf die nationale Gemeinschaft nimmt immer dann zu, wenn zur Krisenbewältigung Maßnahmen durchgesetzt werden sollen, die alles andere als im Interesse der Bevölkerung sind. Aktuell geschieht dies mit den Mitteln der Popkultur, wie die Band Mia oder eben der Film ?Das Wunder von Bern? beweisen. Die Leute sollen eben nicht einfach die 10? beim Arzt bezahlen, sondern sie sollen es fröhlich machen und das ganze in dem Glauben, es ginge nicht anders.?
Das Popcorn fand reißenden Absatz. Auch Frau Weiss konnte sich der Kritik der Protestierenden nicht entziehen.
Links zum Thema:
Diedrich Didrichsen zum Film in der Zeit:
http://zeus.zeit.de/text/2003/43/Wunder_von_Bern
Max Brym zum Film auf Indymedia:
http://de.indymedia.org/2003/10/63663.shtml
Der auf den Popcorntüten gedruckte Text:
Lieber im Park Fussball spielen
als für Deutschland Fussball gucken!
Eigentlich ganz geil: Ins Kino gehen während der Schulzeit. Aber hättest du dir dafür ausgerechnet ?Das Wunder von Bern? ausgesucht? Naja, schliesslich ist das hier ja auch Schulzeit und keine Freizeit... Du sitzt hier nicht, weil Du Spass am Fussball haben sollst, sondern um was zu lernen über Deutschland und dessen ?Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein?, sagt Frau Weiss.
Aber ein selbstbewusstes Deuschland, was soll das sein? Warum solltest Du selbstbewusst sein, wenn 11 Jungs in den 50er Jahren in Bern gut gekickt haben? Deutschland, deutsch sein und nationale Identität heisst immer, andere auszugrenzen. Vielleicht sogar Dich oder Leute aus Deiner Klasse. Vor allem wegen dieser Idee der Ausgrenzung begann Deutschland den 2. Weltkrieg und den Holocaust. Genau dieser Zusammenhang wird vergessen, wenn man sich ein ?neues deutsches Selbstbewusstsein? wünscht. Weil es genau das gleiche tut, ist ?Das Wunder von Bern? gerade so erfolgreich. Oder wie ist der ?Spätheimkehrer? in der UdSSR gelandet?
Selbstbewusstsein ist wichtig, aber hat erstmal mit einem selbst zu tun. Es ist traurig, sein Selbstbewusstsein nur daraus zu ziehen, zufällig in Deutschland geboren zu sein.
Denkt dran: im Kino ist es dunkel; keiner merkt ob du den Film guckt oder nicht doch lieber rumknutscht, mit dem Popcorn um dich wirfst oder einfach nur schläfst...
Auf einer Popcorntüte ist nicht viel Platz.
Eine ausführlichere Argumentation findest Du z.B. unter
http://de.indymedia.org/2003/10/63663.shtml
oder (ein wenig kompliziert geschrieben) unter
http://zeus.zeit.de/text/2003/43/Wunder_von_Bern
Popcorn verteilt gegen die Förderung des nationalen Selbstbewusstseins von Schülerinnen und Schülern
Heute, Montag, d. 12.01.04, luden Kulturstaatsministerin Christina Weiss und der Berliner Schulsenator Klaus Böger rund 1000 Schülerinnen und Schüler ein, zunächst den Film ?Das Wunder von Bern? zu sehen und anschließend einer Podiumsdiskussion beizuwohnen. ?[W]eil er viel über das Nachkriegs-Deutschland und den Weg zu einem neuem Selbstbewusstsein erzählt?, so Frau Weiss, ist ausgerechnet dieser Film für die Schulvorführung ausgewählt worden.
Die Gruppe ?Popcorn against Germany? protestierte im Vorfeld der Veranstaltung vor dem Zoo-Palast. Hierzu wurde an die 400 anwesenden Schülerinnen und Schüler Popcorn verteilt. Auf den Tüten wird darauf hingewiesen, inwiefern nationales Selbstbewusstsein als problematisch zu betrachten ist
Nele Jahn, 28-jährige Bildhauerin, erklärt für die Gruppe: ?Wir sind erschüttert mit welcher Dreistigkeit heute wieder ideologische Früherziehung im Sinne nationalen Selbstbewusstseins betrieben wird. Weltweit toben sogenannte ethnische Konflikte und hier sollen schon Schülerinnen und Schüler auf ihre Nation eingeschworen werden.? Tom Schröder, 26-jähriger Diplom-Pädagoge ergänzt: ?Noch immer werden Millionprogramme wie Civitas, Entimon oder Xenos zu Recht von der Bundesrepublik unterstützt. Das Ziel dieser Programme ist ja gerade, Jugendlichen deutlich zu machen, dass sich Selbstbewusstsein auf jeden einzelnen bezieht und wie gefährlich es ist, sein Selbstbewusstsein mit einer nationalen Zugehörigkeit zu verknüpfen ? diese Veranstaltung will allerdings genau das Gegenteil.?
Die Protestierenden erklären, das gewählte Motto (?Lieber im Park Fussball spielen als für Deutschland Fussball gucken?) soll unterstreichen, dass hier eine beliebte Sportart zur nationalen Identitätsbildung missbraucht wird. Nele Jahn weist noch einmal mit Nachdruck darauf hin, ?dass es sich hierbei um kein neues Phänomen handelt. Im Gegenteil: Die Bezugnahme auf die nationale Gemeinschaft nimmt immer dann zu, wenn zur Krisenbewältigung Maßnahmen durchgesetzt werden sollen, die alles andere als im Interesse der Bevölkerung sind. Aktuell geschieht dies mit den Mitteln der Popkultur, wie die Band Mia oder eben der Film ?Das Wunder von Bern? beweisen. Die Leute sollen eben nicht einfach die 10? beim Arzt bezahlen, sondern sie sollen es fröhlich machen und das ganze in dem Glauben, es ginge nicht anders.?
Das Popcorn fand reißenden Absatz. Auch Frau Weiss konnte sich der Kritik der Protestierenden nicht entziehen.
Links zum Thema:
Diedrich Didrichsen zum Film in der Zeit:
http://zeus.zeit.de/text/2003/43/Wunder_von_Bern Max Brym zum Film auf Indymedia:
http://de.indymedia.org/2003/10/63663.shtml Der auf den Popcorntüten gedruckte Text:
Lieber im Park Fussball spielen
als für Deutschland Fussball gucken!
Eigentlich ganz geil: Ins Kino gehen während der Schulzeit. Aber hättest du dir dafür ausgerechnet ?Das Wunder von Bern? ausgesucht? Naja, schliesslich ist das hier ja auch Schulzeit und keine Freizeit... Du sitzt hier nicht, weil Du Spass am Fussball haben sollst, sondern um was zu lernen über Deutschland und dessen ?Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein?, sagt Frau Weiss.
Aber ein selbstbewusstes Deuschland, was soll das sein? Warum solltest Du selbstbewusst sein, wenn 11 Jungs in den 50er Jahren in Bern gut gekickt haben? Deutschland, deutsch sein und nationale Identität heisst immer, andere auszugrenzen. Vielleicht sogar Dich oder Leute aus Deiner Klasse. Vor allem wegen dieser Idee der Ausgrenzung begann Deutschland den 2. Weltkrieg und den Holocaust. Genau dieser Zusammenhang wird vergessen, wenn man sich ein ?neues deutsches Selbstbewusstsein? wünscht. Weil es genau das gleiche tut, ist ?Das Wunder von Bern? gerade so erfolgreich. Oder wie ist der ?Spätheimkehrer? in der UdSSR gelandet?
Selbstbewusstsein ist wichtig, aber hat erstmal mit einem selbst zu tun. Es ist traurig, sein Selbstbewusstsein nur daraus zu ziehen, zufällig in Deutschland geboren zu sein.
Denkt dran: im Kino ist es dunkel; keiner merkt ob du den Film guckt oder nicht doch lieber rumknutscht, mit dem Popcorn um dich wirfst oder einfach nur schläfst...
Auf einer Popcorntüte ist nicht viel Platz.
Eine ausführlichere Argumentation findest Du z.B. unter
http://de.indymedia.org/2003/10/63663.shtml oder (ein wenig kompliziert geschrieben) unter
http://zeus.zeit.de/text/2003/43/Wunder_von_Bern
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Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
18-Jähriger vermutlich an Popcorn erstickt — Pop
"Deutschland, wir wissen wo Dein Auto steht" — rad
Jeder normale Mensch schüttelt da den Kopf — Städter
tolle aktion — no-nation
Hut ab! — Geo Graf
Nicht gegen Nationen- gegen Nationalismus! — Socialist.
nationalismus gibt es nicht ohne nationen! — lieber allein als mit dir
nun ja — Antisocialist
Nation — egal
an den herrn sozialisten — Vom herrn anarchisten