TU Berlin: Der Streik geht weiter!

streikendeR 07.01.2004 18:04 Themen: Bildung
Über 1600 Studis auf VV verlängern Streik an der TU Berlin.
Im AudiMax der TU Berlin platzte mit über 1600 Studierenden fast aus allen Nähten. Nach weniger als einer Stunde votierten weit über 80% der Studierenden für die Bestätigung des Streikes. Damit geht der Streik an der TU Berlin jetzt in die achte Woche und hat die Weihnachtszeit nicht nur überstanden sondern meldet sich sogar größer und entschlossener zurück.
Gleichzeitig besetzten Studis das Willy Brandt Haus (SPD Zentrale - siehe extra Artikel). Die Besetzung hält zur Stunde noch an! Kommt vorbei.
Außerdem gibt es jetzt im Hauptgebäude der TU Berlin einen selbstverwalteten Raum - das "Suboptimal" (ehemals der Hörsaal H106), dor steigt heute abend ab 20 Uhr die Eröffnungs- und Streikbe(s)tätigungsparty. Es gibt lecka Mampf, Getränke und Musik.
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Ergänzungen

Weiterdenken

weitermachen 07.01.2004 - 21:56
Die StudentInnen von TU und FU streiken also weiter – super!!! Die HUB macht auf Viertageprotestwoche – gut, wenn auch mehr besser wäre! Um deutlich zu zeigen, dass es weiter geht besetzten heute ca. 30 Menschen die SPD-Bundeszentrale für mehrere Stunden. Klasse!!! In Leipzig läuft der Protest wieder und hoffentlich auch in vielen weiteren Unistädten.
Es ist wohl einmalig, dass die Proteste von StudentInnen über das Neujahr hinweg weitergehen. Nun heißt es dringend wieder öffentlich in´s Gedächtniss zurückzukehren und klar zu stellen, dass sich absolut nichts geändert hat. Die Gründe für die Protestwelle der Unis in der gesamten BRD haben überall weiterhin Bestand und die Gründe für sozialen Protest gegen die derzeitige parteiübergreifende neoliberale Politik werden eher mehr, als weniger. Wie soll die Gesellschaft und das Leben in ihr aussehen, wenn das weiter so geht?
Es wird also wichtig sein, in den kommenden Wochen und Monaten tiefgründigere Analysen jetziger Verhältnisse und weitgehende Alternativvorstellung zu entwickeln und in die Breite zu radikalisieren. Es bedarf einer außerparlamentarischen Opposition, die den Druck auf die Herrschenden massiv verstärkt und diese zum Umlenken zwingt. Längerfristig ist es notwendig sich selbst von Unten als politische Alternative zu repräsentieren und ohne Machtatetüde und den unsinnigen Weg der 68er zu wiederholen, von der Straße aus Politik zu betreiben. Dazu müssen sich die begonnen Bündnisse noch stärker vernetzen und Unabhängig von herrschenden Strukturen, sowie deren Diskurs eigene Werte- und Handlungsgrundlagen erarbeiten.
Eine emanzipative, solidarische Gegenbewegung kann nur dann langfristig Kraft und Wirkung gewinnen, wenn Sie ein eigenes Selbstverständnis ihrer Entscheidungsfindung, ihrer politischen Arbeitsformen und der Offenheit gegenüber Fremden entwickelt und sich nicht von heutigen Entscheidungsträgern vereinnahmen, spalten oder kriminalisieren lässt. Dies geschieht dort am besten, wo alte Grabenkämpfe der westdeutschen linken Szene beendet werden , wo es eine Öffnung zum Sozialen und Kulturellen Bereich gibt, wo linke Vorstellungen nicht mit der Keule gegen andere durchgesetzt wird und alle lernbereit miteinander neue Wege suchen.
Der kleine Hoffnungsfunke der letzten Wochen muss sich zu einem langanhaltenden Flächenbrand entwickeln. Wenn wir es schaffen, dass sich in der gesamten BRD 3000 bis 4000 StudentInnen weiter aktiv, außerhalb den Mainstreams radikal gegen die jetzige Politik als Kerngruppen engagieren, dann ist es möglich über 1 bis 2 Jahren eine neue und größere Bewegung aufzubauen. Dieser engste Kern, der gerne größer sein darf, würde es innerhalb kürzester Zeit schaffen an jedem beliebigen Ort mehrere 10000 Leute zu Aktionen und Demos mit wesentlich radikaleren Elementen zu mobilisieren. Das Ziel sollte sein, dass kein Parlament mehr ohne kritische Begleitung ihre sozialrassistische und Profitorientierte Politik mehr möglich ist. Der Sozialdarwinismus heutiger Art muss zum Thema gemacht und jeder Versuch dieser Menschenverachtenden Denkweise in Politik umzusetzen öffentlich entlarvt werden. Sozialdarwinismus war die historische Voraussetzung für die Durchführung von Faschismus und Nationalsozialismus. Wer sich gegen letzteres Ausspricht, der darf sich nicht auf ein Menschenbild berufen, dass deren Grundlage war. Der Stärkere gewinnt, der Rest hat Pech – das ist heutig Politik und man marginalisiert weite Bevölkerungsteile durch Ausgrenzung, Nichtteilnahme und Zuweisung von Vorurteilen: wer nichts ist, hat selber schuld etc.
Wer dies aufbrechen und ernsthaft ändern will, der braucht andere Menschnbilder. Fangen wir an – alle gemeinsam für alle. Alles für alle!!!

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Veranstalt. Zur Universitätskritik vormerken!

Sozi 07.01.2004 - 19:00
Do, 22.01. | 18.00 Uhr

Hörsaal D im Henry Ford Bau (HFB) Garystr. 35

Aus Anlass von Haushaltskürzungen an den Unis, Studiengebühren und der Verschärfung der Ausbildungskonkurrenz

Vortrag mit Diskussion

Referent: Prof. Dr. Egbert Dozekal (Fachhochschule Frankfurt am Main)

Die deutsche Universität - Ein kritischer Durchgang durch Wissenschaft, Ausbildung und Hochschulreform heute

An den deutschen Hochschulen halten Bundeskanzler und Bildungspolitiker aller Parteien, Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Universitätspräsidenten eine Modernisierung für dringend geboten. Viel zu provinziell und ineffizient soll es da zugehen. Wenn wir die "unverzichtbare Ressource Wissen in unserem rohstoffarmen Land" auch in Zukunft am Sprudeln halten wollen, brauchen wir dringend mehr und bessere Bildung. Schließlich war Wissen noch nie so wertvoll wie heute - in der "globalen Wissensgesellschaft", in der wir leben. Und dieser Diagnose schließt sich auch die überwiegende Zahl der Studierenden an, die gegen die Kürzungen an den bundesdeutschen Hochschulen und die Einführung von Studiengebühren protestieren.

Bezeichnend allerdings die Reform, die aus dieser Diagnose folgt. Da ist dann nicht von mehr Wissen, sondern von mehr Wettbewerb die Rede. Effiziente Hochschulen sind nicht etwa solche, die den akademischen Nachwuchs solide und umfassend mit dem in der Wissensgesellschaft akkumulierten Wissen vertraut machen, sondern solche, die nach den Maßstäben betriebswirtschaftlicher Vernunft und internationaler Hochschulpraxis durchrationalisiert sind. "Mehr Wettbewerb" lautet das Reformrezept: weniger staatliche Geldzuweisungen, dafür aber mehr Freiheiten der Hochschulen bei der Einwerbung von Sponsorengeldern und Drittmitteln, mehr Kurzstudiengänge mit Bachelor-Abschluss, aber auch mehr Elitekurse mit entsprechenden Studiengebühren, mehr Konkurrenz der Hochschulen um Studierende, inklusive der Schließung ganzer Fachbereiche, wenn sie keine "Leistung" bringen.

Worin eigentlich die Leistung von Wissenschaft und Ausbildung genau besteht, darüber erfährt man weniger von all den Bildungspolitikern, welche die Hochschulen in "moderne Dienstleistungszentren" für ihre "Kunden" verwandeln möchten. Genau darum soll es in dem Vortrag zur deutschen Universität gehen, der klärt

1. wie die "Freiheit von Forschung und Lehre" den Dienst an kapitalistischer Marktwirtschaft und demokratischem Staat organisiert;

2. wie das "Recht auf Bildung für alle" den Ausschluss der Mehrheit des Nachwuchses von höherer Bildung und die Sortierung der akademischen Minderheit auf die höheren Posten in der Berufshierarchie garantiert;

3. was die regierenden Modernisierer bewegt, und wie ihre "leistungsorientierten Reformen" die Ausbildungskonkurrenz an den Hochschulen verschärfen.

 http://www.astafu.de/aktuelles/aktuelles/termine/entry_128/showDate

e-Mail:: sozialreferat at astafu.de Homepage::  http://www.astafu.de