Leipzig: Studis übernehmen Uni-Leitung

BesetzerInnen des Rektorats 07.01.2004 13:05 Themen: Bildung
Soeben wurde das Rektorat der Universität Leipzig, Ritterstraße 26, von Studierenden besetzt.
Dies soll nicht als rein symbolischer Akt verstanden werden. Indem wir den Arbeitsplatz des Rektors Prof. Dr. jur. Franz Häuser übernehmen, wollen wir den studentischen Protesten hier in Leipzig eine bessere Verhandlungsbasis ermöglichen. Dies gilt nicht nur für die Infrastruktur des Büros und den Kontakt mit den Presseorganen, sondern vor allem für die Rolle des Rektors im Allgemeinen und die Rolle von Herrn Häuser im Besonderen. Schon sein Vorgänger, Prof. Dr. Bigl, übte sich als Rektor im Abpuffern von hochschulinteren Konflikten und in der schleichenden Anpassung an die Positionen der Landesregierung. Ein Doppelspiel, das ihn 2003 zerrieb. Rücktritt. Treibender Pol waren diesmal nicht die StudentInnen („Trau Dich Volker“), sondern die Landesregierung (Pauliner-Kirchen-Streit).

Und wer fühlte sich berufen, sofort in die Bresche zu springen, der Landesregierung mit sanften Tönen aus der Hand zu fressen? Franz Häuser. Der wohl nicht mal Rektor (vorläufig bis zur Wahl) geworden wäre, wäre man nicht davon ausgegangen, dass er zur Wahl nicht antritt. Er tat es dann doch.

Mit dem Ergebnis, dass sich der neue Rektor Häuser vom alten (Bigl) nur negativ abhebt. Anstatt die Interessen der Studierenden zu wahren und offensiv zu vertreten, zielen seine Vorstellungen von der Zukunft der Universität Leipzig in dieselbe Richtung, wie die düsteren Vorstellungen der Landes-, die schwarzen der Bundesregierung.

Deshalb wurde das Rektorat mit der Forderung besetzt, dass Prof. Dr. jur. Häuser schriftlich seinen Rücktritt bei der Neuen Universitätsleitung einreicht. Über die weitere Konstitution der Universitätsleitung wird zur Zeit im Gebäude diskutiert. Wir laden die Presse zur Berichterstattung ein und bitten die Polizei um solidarische Zurückhaltung. Wir rufen alle StudentInnen, Lehrende, das Personal des Mittelbaus, alle anderen Angestellten der Universität, sowie alle EinwohnerInnen Leipzig auf, an der Diskussion teilzunehmen und sich in den Prozess der Neugestaltung einzubringen.
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Ergänzungen

FU-Berlin weiter im Streik

abc 07.01.2004 - 15:27
Die VV der FU-Berlin hat mit großer Mehrheit die Fortführung des Streiks beschlossen. Wie schon zuvor liegt die Entscheidungsgewalt für Institutsbesetzungen bei den Fachbereichen und deren VV's.
Weiterhin wurde der Rücktritt von FU-Präsident Lenzen gefordert.
Dies mal nur in aller Kürze.

Nun also doch. Der Osten bringts - weiter so!

allegemeinsam 07.01.2004 - 15:33
Super Leute! Nachdem die HUB in der Hauptstadt doch ein bisschen eingeknickt scheint und die SPD mit Ihrer Elitenunischeiße die Studierenden ein weiteres mal zu spalten versucht, ist das ein Lichtblick. Die Themen: solidarische Gerechtigkeit, lebenswerte Gesellschaft gegen Arbeitszwang, Zweiklassengesellschaft etc. werden eher wichtiger, als geringer. Die Studis sollten sich weiter politisch bilden und kritische Gegenvorstellungen entwickeln. Schafft Zusammenhänge und lasst Euch nicht verarschen. Jede und jeder sollte genau schauen, wo es letztlich nur um die bessere Ausbeutung von Humankapital für den Profit weniger geht und nicht um ein gesamtgesellschaftliches solidarisches Zukunftsmodell einer Gesellschaft. Macht weiter, die ärmsten in diesem Land brauchen kritische Studis - auch manche es nicht verstehen wollen...

Leipzig beschließt Streik

Björn 07.01.2004 - 15:56
VollVersammlung der Uni Leipzig beschließt mit dicker Mehrheit Streik bis 16. Januar

Die Vollversammlung der Studierenden der Universität Leipzig hat heute einen kreativen Streik beschlossen. Über 5.000 Studierende hatten sich auf dem Innenhof der Uni versammelt, um sich an der Diskussion und Abstimmung zu beteiligen. Das Votum für einen sofortigen Beginn des Streiks fand ein deutliche Mehrheit. Der Streik wurde zunächst bis zum 16. Januar beschlossen. Am 14. Januar soll auf einer weiteren Vollversammlung über eine Verlängerung entschieden werden.

Quelle: www.stura.uni-leipzig.de

So ging's weiter ...

einEr der BesetzerInnen 07.01.2004 - 18:34
Nach der VV gab es eine kleine Spontandemo, die vor dem Rektorat endete. Viele (ca. 50-100) DemonstrantInnen kamen anschliessend ins Gebäude, wo es im Vorraum des Rektor-Büros zu einer hitzigen Diskussion mit den ProrektorInnen (der Rektor ist bis Montag? im Urlaub), dem Kanzler sowie dem StuRa-Sprecher kam. Es wurde über Forderungen der BesetzerInnen sowie die studentische "Selbstverwaltung" im Allgemeinen und die Funktion des Rektorats/der Unileitung im Besonderen diskutiert. Die anwesenden Studis konnten sich auf die Minimalforderung einigen, die Räume des Rektorats bis zum Streikende (vorläufig der 16.1.) als Infrastrukturpunkt nutzen zu können, sowie mehr Engagement der Unileitung gegen die Kürzungen und den Hochschulumbau einzufordern. Die Forderung, uns mit einem "Arbeits"platz (d.h. Computer, Telefon, etc.) auszustatten, soll laut Zusage des Kanzlers morgen erfüllt werden. Nach dieser grossen Diskussion (und nachdem etwa die Hälfte der Anwesenden wieder verschwunden war), hielten die verbliebenen Studis ein Plenum ab, in dem das weitere Vorgehen und die inhaltliche Ausrichtung diskutiert wurde. Währenddessen machte uns einer der Prorektoren verständlich, dass wir nicht über Nacht bleiben könnten (wg. Hausrecht und so) und spätestens kurz nach 16 Uhr das Haus verlassen sollten. Uns wurde zugesichert, dass wir unsere Transpis "als Absicherung" dort lassen könnten, und morgen 8 Uhr wieder Zutritt zu den Räumlichkeiten bekommen. Nach einigen Diskussionen entschieden wir uns für den Abzug, um morgen früh die zugesicherte Technik in Empfang zu nehmen und einen Infrastrukturpunkt für den Studi-Streik einrichten. D.h. seit ca. 16:30 Uhr ist das Rektorat nicht mehr wirklich besetzt (nur die Transpis hängen noch am Balkon).

WICHTIG: Morgen um 10 Uhr soll im Rektorat ein weiteres Plenum stattfinden, wo das weitere Vorgehen und die inhaltliche Ausrichtung geklärt werden sollen. Alle (und das heisst nicht nur Studierende!) sind dazu eingeladen, sich daran zu beteiligen und ihre Vorstellungen einzubringen.

Noch kurz etwas zur inhaltlichen Positionierung der Plenums-TeilnehmerInnen, welche vorhin beschlossen wurde:
Wir wenden uns gegen jede Form der weiteren Verschlechterung der Studienbedingungen, wie derzeit in Leipzig, d.h. gegen Mittelkürzungen, Stellenabbau etc. Wir sprechen uns klar gegen die Einführung von Studiengebühren aus.
Wir sehen uns als Teil der weltweiten Protestbewegung gegen die Angriffe auf unser aller Lebensbedingungen, wie z.B. Sozialabbau. Wir erklären uns solidarisch mit allen Menschen, die dagegen kämpfen.
Wir sehen die derzeitige "Besetzung" als Symbol für dezentrale Proteste von unten an. Selbst organisiert ist es uns möglich, gemeinsame Stärke zu entwickeln und bestehende Institutionen in Frage zu stellen.


btw: Der obige Artikel (die vorbereitete Pressemitteilung der Besetzungs-InitiatorInnnen) wurde am Computer in der Pressestelle des Rektorats gepostet.

Mehr zum Streik...

felix 07.01.2004 - 19:44

eine kleine richtigstellung...

einE besetzerIn 08.01.2004 - 01:07
weil die offiziellen medien die geschehnisse sehr verzerrt darstellen (s. z.b.  http://www.lvz-online.de/lvz-heute/89542.html und  http://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/1139284.html ):

ca. 11:30 uhr (also während der vv) besetzten zunächst etwas mehr als ein dutzend studis das rektorat. erst nachdem die spontandemo nach der vv unter dem balkon halt machte (ca. 13 uhr) waren ca. 100 studis im gebäude.

die pressemitteilung oben wurde kurz nach der "erstbesetzung" über das faxgerät der pressestelle des rektorats an presseverteiler geschickt (mein dank geht an die netten und kooperativen angestellten! :). das mit dem indymedia-artikel hätten wir fast vergessen - deswegen steht da oben 13:05.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

Hurra! — egal

Mehr als eine symbolische Handlung? — Der Verständnislose

... — wen interessierts

Gerhard kommt.... — Kanzlör

yippie! — rote plastiktrillerpfeife