Ein verlorenes Semester für die Elite-Uni?

Pressespiegel 06.01.2004 13:11 Themen: Bildung Medien
Pressespiegel: In regionalen und überregionalen Medien scheint das Thema Studentenproteste längst ausgereizt zu sein. Top-Thema des Tages: Ein Harvard für Deutschland.
Die Berliner Morgenpost aus dem Axel-Springer-Verlag vom 6. Januar 04 berichtet gleich auf der Titelseite über die abgeblasenen Studentenstreiks. Die Streikfront bröckele, weil viele Studierende um das verlorene Semester fürchten wärden, was sich auf deren Bafög-Bezug auswirke. "Eine wesentliche Rolle spielt auch die Tatsache, dass die Präsidenten von HU und FU, Jürgen Mlynek und Dieter Lenzen, noch kurz vor Weihnachten die Hochschulergänzungsverträge unterzeichnet haben. Damit stimmten sie den Plänen des Senats zu, bis 2009 im Hochschulbereich 75 Millionen Euro einzusparen." Ausserdem berichtet das Springerblatt über die SPD-Forderung nach internationaler Wettberbsfähigkeit der Hochschulen."Kanzler will Elite-Universitäten"

In der Berliner Zeitungund der Märkischen Oderzeitungwird heute in erster Linie die Umgestaltung der Humboldt-Universität zur Harvard-ähnlichen Elite-Universität thematisiert.

"Der Streik ist tot, der Protest muss leben"

Auch in den Potsdamer Neuesten Nachrichten und im Tagesspiegelliegt der Themenschwerpunkt auf der Schaffung von Elite-Hochschulen.
Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrates und Leiter der Neurologischen Klinik der Charite in Berlin, Karl Max Einhäupl trägt den Titel "Wir brauchen vier bis sechs Elite-Unis".
Von Studentenprotesten berichtet der Artikel Die Streikfront bröckelt".Der Grundtonus unterscheidet sich wenig von dem Artikel in der Berliner Morgenpost.

Etwas oberflächlich, aber ebenfalls von einer bröckelnden Streikfront berichtet der Rundfunk Berlin Brandenburgüber die gestrige br>
Leuchtturmprojekte helfen nicht weiter

In der
TAZ Nr 7250 bleibt wenigstens nicht unerwähnt, das der Studenten-Dachverband fzs der Regierung vorwirft, ihre konzeptionslose Deformpolitik fortzusetzen. "Unsere Hochschulen sind seit Jahren chronisch unterfinanziert. Leuchtturmprojekte wie Elite-Universitäten helfen nicht weiter", sagte dort fzs-Sprecher Colin Tück.

Elite-Uni: Schlüssel zu Bildung, Innovation, Wachstum und Wohlstand

In der Springer-Zeitung Die Welt (anmeldepflichtig)wird die Schaffung von Eliteunis als Schlüssel zu Bildung, Innovation, Wachstum und Wohlstand beschrieben. "Diesen Bogen wollen Kanzler Schröder und die SPD durchs neue Jahr ziehen. Mit einer deutschen Elite-Universität à la Harvard soll es gleich konkret werden. Doch das rührt an Tabus - nicht nur bei den Sozialdemokraten", heisst es in einem Artikel.

Elite wird man nur durch Leistung

Im
ZDF-Morgenmagazin (Video hier)forderte Bildungsministerin Edelgard Bulmahn "zirka zehn Spitzen-Universitäten, die dann auch in der ersten Liga weltweit mitspielen". Es ginge ihr jedoch nicht darum, anderen Universitäten etwas wegzunehmen, um eine Elite-Einrichtung zu finanzieren. Die Studienbedingungen insgesamt müssten sich in Deutschland verbessern. Nach Ansicht von Bulmahn sollten die neuen Elitehochschulen vom Bund finanziert werden. Die Länder sollten dagegen für die übrigen Universitäten zuständig sein.

Elite-Uni kein sozialdemokratischer Ansatz

Nach Generalsekretär Scholz seien Studiengebühren für die SPD tabu. Bei der Klausurtagung in Weimar werde dies nicht diskutiert. Dies sagte Scholz im Deutschlandfunk. Der Generalsekretär verteidigte sein Thesenpapier, welches der SPD-Vorstand heute absegnen soll. Deutschland brauche Universitäten, die mit der Spitze der Welt mithalten könnten, sagte Scholz.
Kritik kam dagegen von Juso-Chef und SPD-Vorstandsmitglied Annen. Die Gründung einer einzigen Spitzenuniversität sei kein sozialdemokratischer Ansatz, sagte er in der Berliner Zeitung (s.o).

Die flammenden Protestaktionen der letzten Monaten, im neuen Jahr scheinen verpufft und weggekehrt wie Böller und Sylvester-Raketen. Esm liegt in den Händen der Studierenden, sich erneut Gehür zu verschaffen. Nun muss man sich entscheiden zwischen Individuallösung oder einem vielleicht utopisch wirkenden Schritt, der der Allgemeinheit und damit auch den folgenden Generationen mehr Nutzen bringt.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Education for the obedient only!

Terrence Rothman 06.01.2004 - 20:45
We are experiencing similar problems with education here in south Florida.The state is continually stripping the budgets for education to the advantage of police, security, city development projects. Reason for this is clear , a good education is desirable from the point of view of reaction only if used to support the rascist structures kept in power.
To prevent that the masses receive a good education, in which they can work independently to organize, agitate, and fight the rascist system they are forced to live under is a danger to present leaders.
Good luck in your struggle.
FTAA Activist Miami, Florida

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige den folgenden Kommentar an

Umlaute — jens