6stündige Vollversammlung an der HU Berlin

jemand der jetzt erschöpft ist 05.01.2004 20:11 Themen: Bildung
Die Studierenden der Humboldt Universität (HU) zu Berlin haben heute den Streik beendet. Stattdessen soll der Protest an 4 wöchentlich rotierenden Protesttagen stattfinden. Aufgrund von 4 "Hammelsprüngen" dauerte die Vollversammlung von 12 bis knapp 18 Uhr - dann wurde sie auf Mittwoch vertagt, da nur noch 1750 Studierende von anfänglich ca. 3000 anwesend waren.
Am ersten Studien- bzw. Streiktag des neuen Jahres trafen sich heute die Studierenden der Humboldt Universität um über den Fortgang der Proteste gegen den Sozial- und Bildungsabbau zu beschließen. In den 3 größten Sälen der HU fand die Vollversammlung der Studierenden statt: im Erwin-Schrödinger-Zentrum (550 Leute) in Berlin-Adlershof, im Kinosaal (700 Leute) und im Audimax in Berlin-Mitte (1200 Leute). Hinzu kamen noch einmal ca. 700 Leute im Foyer des Ostflügels, die in keinen Raum mehr passten. Die Kommunikation zwischen Berlin-Mitte und Adlershof (ca. 30km auseinander liegend) erfolgte per Videokonferenz. Nach Grußworten und Diskussion kam es zur Abstimmung darüber, ob der Streik in seiner bisherigen Form aufrechterhalten werden sollte. Die Abstimmung per Handzeichen war leider nicht eindeutig, so dass die Auszählung per Hammelsprung erfolgen musste (Was ist ein Hammelsprung? ->  http://wikipedia.t-st.de/data/Hammelsprung und  http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/304000). Diese Abstimmung entschied sich bei einigen Enthaltungen mit ca. 1300 zu 1200 Stimmen gegen den Streik.

Wie üblich wurden die weitreichendesten Anträge zuerst abgestimt, so dass im folgenden über 7 Protesttage pro Woche abgestimmt wurde. Das wäre faktisch zwar das gleiche wie ein Vollstreik, vom Status her ist es aber wohl anderes. Dieser absurde Antrag wurde natürlich abgelehnt, wie mensch sich auch hätte denken können, nachdem ja der Vollstreik auch nicht verlängert wurde.

6 und 5 Protesttage pro Woche wurden ebenfalls abgelehnt, ehe mensch sich auf 4 rotierende Tage pro Woche einigen konnte. Allerdings gerieten die Abstimmungen zunehmend zur Farce. Aufgrund des Antrages einiger weniger (ca. 3 Leute) mussten 2 weitere Abstimmungen ebenfalls im Hammelsprung ausgezählt werden. Soch eine Auszählung dauert gut eine halbe Stunde. Obwohl eine überwältigende Mehrheit die Entscheidung, ob es nun 4 oder 5 Protesttage sind, für nicht soooo wichtig hielt, um einen Hammelsprung durchzuführen, mussten sie sich dem Wunsch der paar Leute fügen. Laut Geschäftsordnung ist es wohl so, dass einem Antrag auf Auszählen per Hammelsprung stattgegeben werden muss (eine Abstimmung über Hammelsprung - Ja oder Nein -ist hierfür nicht von Nöten).

Es sollte aber nicht der letzte Hammelsprung bleiben. Als nach ca. 5 Stunden über die Besetzung der Gebäude (an Protesttagen) abgestimmt werden sollte, kam es auf Beharren einer einzigen Person wiederum zum, ja genau ihr ahnt es schon, Hammelsprung. Eine klare Mehrheit war für die Besetzung des Seminargebäudes am Hegelplatz (wo zur Zeit die "Offene Uni" residiert), des Hauptgebäudes und des Erwin-Schrödinger-Zentrums der Naturwissenschaften in Berlin-Adlershof. Leider waren nur noch ca. 1750 Studierende anwesend, 50 zu wenig. Für die Beschlussfähigkeit der Vollversammlung müssen jedoch wenigstens 1800 teilnehmen, da dies 5 % der Studierendenschaft entspricht. Deshalb werden die noch ausstehenden Anträge am kommenden Mittwoch um 12Uhr behandelt.

Fazit: Die heutige Vollversammlung verkam zu einer Farce, weil einige wenige auf ihr Recht bestanden, dass per Hammelsprung abgestimmt werde. Größtes Kompliment gilt dennoch den ModeratorInnen und der "Arbeitsgruppe VollVersammlung", die dennoch den Überblick behielten. Die viel wichtigere Frage, ob die Studierendenbewegung eine soziale Bewegung werden kann, ob der Protest auch ohne den Streikstatus aufrechterhalten werden kann, werden die nächsten Wochen und Tage zeigen. Immerhin sollen die 4 Protesttage bis zum 29. Januar gelten - dann wird der rot-rote Senat über den Haushalt bestimmen. Die nächste Vollversammlung am Mittwoch wird sicherlich auch einige Antworten geben können.
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Ergänzungen

Geplante Aktionen der Unis

der Autor 05.01.2004 - 20:28

Berichtigung (Auszählung der Hammerspruenge):

icke 05.01.2004 - 22:26
Es waren wohl doch knapp 4000 Leute anwesend. Zu den genauen Ergebnissen der Abstimmung siehe:
 http://www.refrat.hu-berlin.de/sowi/alle/allenews/streik-1.html