NATO-Sicherheitskonferenz in München
"NATO-Sicherheitskonferenz": Polizeiführung gesteht rechtswidriges Handeln gegen legitimen Protest ein
Presserklärung der Roten Hilfe München zu den Äußerungen des Münchner Polizeipräsidentenin der SZ vom 29.12.03
Presserklärung der Roten Hilfe München zu den Äußerungen des Münchner Polizeipräsidentenin der SZ vom 29.12.03
Der Münchner Polizeipräsident Schmidbauer räumt mit seinem in der
Süddeutschen Zeitung vom 29.12.2003 ausgedrückten Bedauern über die
„Freisprüche“ für Sicherheitskonferenz GegnerInnen endlich das
rechtswidrige Verhalten seiner Polizei ein und muss nun Konsequenzen
ziehen. Die Andeutungen Schmidbauers lassen bereits erahnen wie diese
aussehen werden: Die Polizei wird Kontrollstellen an den Einfallstraßen
errichten und „einschlägig bekannte Berufsdemonstranten - die Personalien
liefern die Verfassungsschutzämter – sollen hier herausgefiltert und
umgehend zurückgeschickt werden.“ (SZ S. 41, 29. Dezember 2003) Eigentlich
keine Neuigkeit, denn auch in den vergangenen 2 Jahren wurde München de
facto hermetisch abgeriegelt und bei tausenden Personen- und PKW-Kontrollen
hunderten Menschen die Anreise verweigert.
Der Verfassungsschutz: Zugleich Polizei- und Ermittlungsbehörde?
Nachdem die Lüge von den 3000 anreisenden „Chaoten“ (angebliche Erkenntnis
des Verfassungsschutzes), die 2002 zum totalen Demonstrationsverbot führte,
nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, kreiert Schmidbauer nun das Feindbild
der „Berufsdemonstranten“. Jenen möchte er bereits im Vorfeld das Recht auf
Teilnahme an den legitimen Protesten gegen die sog. Sicherheitskonferenz
absprechen. Wer „Berufsdemonstrant“ sei, soll der Verfassungsschutz
bestimmen. Um jedoch in dessen Visier zu gelangen ist es nicht nötig
„rechtswidriges“ Verhalten an den Tag zu legen. Der Verfassungsschutz klärt
nicht „Straftaten“ auf, sondern dient der Bespitzelung politischer Gruppen
und Menschen. Damit reicht ein politisches Engagement (wie z.B. in der PDS)
aus um in dessen Dateien zu landen. Welche Daten dabei erhoben werden ist
für die Betroffenen nicht zu erkennen und eine Löschung de facto unmöglich
zu erreichen.
Es sei daran erinnert, das die soeben für rechtswidrig erklärten Festnahmen
und Ingewahrsamnahmen bei den Sicherheitskonferenzen 2002/2003 eben auf
diesen dubiosen Datensammlungen von Polizei und Verfassungsschutzämtern
basierten, jedoch nicht wie der Richter betonte, auf konkreten
Erkenntnissen über geplante Straftaten.
Die Kompetenz Schmidbauers zeigt sich auch an seiner Wahl des Begriffs
„Berufsdemonstrant“. Den einzigen Beweis seine Existenz findet er
vermutlich an den Stammtischen. Als gäbe es den Beruf eines „Demonstranten“
(von wem bezahlt?) und wenn es ihn gäbe wäre es auch kein „rechtswidriges“
Verhalten. Offensichtlich meint er damit Menschen, die häufiger von ihrem
Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gebrauch machen, als ihnen das die
Polizei zugestehen würde. Die Einschränkung des Grundrechts auf
Versammlungsfreiheit soll also damit begründet werden, dass man „zu“ häufig
an Versammlungen teilnimmt.
Illegale Überwachung der GipfelgegnerInnen?
Schmidbauer zur SZ: „Es läuft in der Szene noch eine Diskussion darüber, ob
die Sicherheitskonferenz als Friedens- oder Kriegskonferenz angesehen
werden soll.“ Woher ist Herr Schmidbauer so genau über interne
„Diskussionen der Szene“ informiert? Offensichtlich lässt Schmidbauer
oppositionelle Gruppierungen polizeilich bespitzeln und ausforschen.
Dazu Paula Schreiber, Pressesprecherin der Roten Hilfe e.V. – Ortsgruppe
München: „Mit der Diffamierung von GegnerInnen der Nato Kriegspolitik als
‚Berufsdemonstranten’, der Bespitzelung des Bündnisses gegen die NATO
Sicherheitskonferenz und die geplante massenhafte Verfolgung anreisender
DemonstrantInnen auf der Grundlage fadenscheiniger und nicht überprüfbarer
Verfassungsschutzbehauptungen zeigt Polizeipräsident Schmidbauer ein
weiteres mal, das es um die Verhinderung und Einschüchterung politisch
unliebsamen Protestes geht.
Paula Schreiber
Pressesprecherin der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe München
- ----
Rote Hilfe e.V. - Ortsgruppe München
Schwanthalerstr. 139, 80339 München
Süddeutschen Zeitung vom 29.12.2003 ausgedrückten Bedauern über die
„Freisprüche“ für Sicherheitskonferenz GegnerInnen endlich das
rechtswidrige Verhalten seiner Polizei ein und muss nun Konsequenzen
ziehen. Die Andeutungen Schmidbauers lassen bereits erahnen wie diese
aussehen werden: Die Polizei wird Kontrollstellen an den Einfallstraßen
errichten und „einschlägig bekannte Berufsdemonstranten - die Personalien
liefern die Verfassungsschutzämter – sollen hier herausgefiltert und
umgehend zurückgeschickt werden.“ (SZ S. 41, 29. Dezember 2003) Eigentlich
keine Neuigkeit, denn auch in den vergangenen 2 Jahren wurde München de
facto hermetisch abgeriegelt und bei tausenden Personen- und PKW-Kontrollen
hunderten Menschen die Anreise verweigert.
Der Verfassungsschutz: Zugleich Polizei- und Ermittlungsbehörde?
Nachdem die Lüge von den 3000 anreisenden „Chaoten“ (angebliche Erkenntnis
des Verfassungsschutzes), die 2002 zum totalen Demonstrationsverbot führte,
nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, kreiert Schmidbauer nun das Feindbild
der „Berufsdemonstranten“. Jenen möchte er bereits im Vorfeld das Recht auf
Teilnahme an den legitimen Protesten gegen die sog. Sicherheitskonferenz
absprechen. Wer „Berufsdemonstrant“ sei, soll der Verfassungsschutz
bestimmen. Um jedoch in dessen Visier zu gelangen ist es nicht nötig
„rechtswidriges“ Verhalten an den Tag zu legen. Der Verfassungsschutz klärt
nicht „Straftaten“ auf, sondern dient der Bespitzelung politischer Gruppen
und Menschen. Damit reicht ein politisches Engagement (wie z.B. in der PDS)
aus um in dessen Dateien zu landen. Welche Daten dabei erhoben werden ist
für die Betroffenen nicht zu erkennen und eine Löschung de facto unmöglich
zu erreichen.
Es sei daran erinnert, das die soeben für rechtswidrig erklärten Festnahmen
und Ingewahrsamnahmen bei den Sicherheitskonferenzen 2002/2003 eben auf
diesen dubiosen Datensammlungen von Polizei und Verfassungsschutzämtern
basierten, jedoch nicht wie der Richter betonte, auf konkreten
Erkenntnissen über geplante Straftaten.
Die Kompetenz Schmidbauers zeigt sich auch an seiner Wahl des Begriffs
„Berufsdemonstrant“. Den einzigen Beweis seine Existenz findet er
vermutlich an den Stammtischen. Als gäbe es den Beruf eines „Demonstranten“
(von wem bezahlt?) und wenn es ihn gäbe wäre es auch kein „rechtswidriges“
Verhalten. Offensichtlich meint er damit Menschen, die häufiger von ihrem
Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gebrauch machen, als ihnen das die
Polizei zugestehen würde. Die Einschränkung des Grundrechts auf
Versammlungsfreiheit soll also damit begründet werden, dass man „zu“ häufig
an Versammlungen teilnimmt.
Illegale Überwachung der GipfelgegnerInnen?
Schmidbauer zur SZ: „Es läuft in der Szene noch eine Diskussion darüber, ob
die Sicherheitskonferenz als Friedens- oder Kriegskonferenz angesehen
werden soll.“ Woher ist Herr Schmidbauer so genau über interne
„Diskussionen der Szene“ informiert? Offensichtlich lässt Schmidbauer
oppositionelle Gruppierungen polizeilich bespitzeln und ausforschen.
Dazu Paula Schreiber, Pressesprecherin der Roten Hilfe e.V. – Ortsgruppe
München: „Mit der Diffamierung von GegnerInnen der Nato Kriegspolitik als
‚Berufsdemonstranten’, der Bespitzelung des Bündnisses gegen die NATO
Sicherheitskonferenz und die geplante massenhafte Verfolgung anreisender
DemonstrantInnen auf der Grundlage fadenscheiniger und nicht überprüfbarer
Verfassungsschutzbehauptungen zeigt Polizeipräsident Schmidbauer ein
weiteres mal, das es um die Verhinderung und Einschüchterung politisch
unliebsamen Protestes geht.
Paula Schreiber
Pressesprecherin der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe München
- ----
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Schwanthalerstr. 139, 80339 München
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Ergänzungen
Mehr zur Siko:
Aktionen zur Pressekonferenz von Horst Teltschik:
Erste Pressekonferenz zur "Sicherheitskonferenz":
NEWSLETTER 02 gegen die NATO-Sicherheitskonferenz in Muenchen:
Teltschik & Co vertreiben!
Aufruf zu Demo und Aktionen gegen die Nato-Sicherheitskonferenz:
Nachtrag zur "Sicherheitskonferenz" 2003 - Stürmung rechtswiedrig:
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Falsche Ausrichtung
Demokratie ist eine Religion und als solche muß sie demaskiert und attackiert werden. Verbunden mit sinnvollen Forderungen finden sich in "linken" Argumentationsketten ständig die Anbetung der Religion "Demokratie" und "Recht".
Wenn der Staat den Protest angreift, so ist das System und nicht ein Fehler im System. Durch den Angriff auf den Protest demaskiert sich der Staat - das sollte genutzt werden für die Kritik an diesem Angriff auf den Protest. Nicht jammern, sondern offensiv thematisieren!
@projektwerkstatt
hoffentlich nicht ernst gemeint
Ich finde man sollte das Recht und die Demokratie nicht "attackieren", sondern darauf achten, dass es so ausgelegt wird, wie es ursprünglich gedacht war.
An die Menschen die gleich fordern, dass mein posting gelöscht wird. Ich bin kein Neonazi, Polizist, etc. Ich habe lediglich meine Meinung vertreten.
Zum Beitrag der Projektwerkstatt
Wer die Exekutive des bürgerlichen Rechtsstaates dazu auffordert, nicht in reaktionärer Weise geltende Grundrechte zu brechen, verdient die gleiche Unterstützung wie diejenigen, die die Exekutive dazu auffordern, in progressiver Weise geltendes Recht zu brechen, und z.B. NEIN! zu Militäreinsätzen gemäß der neuen NATO-Doktrin zu sagen. Beides sind sinnvolle linke Forderungen, die mit einer “Anbetung der Religion Recht” nichts zu tun haben, was hiermit zu zeigen versucht worden ist.
Keine Sinnvolle Ergaenzung
Was bringt es darüber zu jammern das wieder einmal geltendes Unrecht auch noch gebrochen wird. Das wird daran nichts ändern.
Die Gesetze müssen als ganzes angegriffen werden und nicht auch noch verteidigt werden wie ihr das im Endeffekt macht.
Was würde es bringen wenn die Bulen sich von jetzt an bedingungslos an I-H-R-E Gesetze halten würden.
Mal ne kleine Vision...
Im Vorfeld der Nato-Sicherheitskonferenz würden wieder etliche Menschen in Unterbindungsgewahrsam genommen (vollkommen legal)
Bei der Grossdemo gibts auf der Mitte der Fahrbahn genau zwischen den DemonstrantInnen n fettes Bullenspalier (auch legal)
Die Demo wird durch Pfefferspray gestoppt. (absolut legal)
DAS ALLES IST GENAU DIE DEMOKRATIE DIE IHR ANDAUERND VERTEIDIGT!
(ach ja hab mal den Link zur Antirepressionsseite auch mal bei mir reingenommen. Das reicht wohl aus das ich nun auch zur ProWe gehör ;-))
@Kölna
- Nur damit klar ist, dass wir hier über die gleiche Sache diskutieren: Bei dem von dir als "geltendes Unrecht" Bezeichneten, handelt es sich konkret um das Recht von Menschen, gegen die Sicherheitskonferenzen 2002/2003 zu demonstrieren, ohne daran von der Polizei aufgrund dubioser (d.h. Gesinnungs-) Datensammlungen durch Ingewahrsamnahmen oder Festnahmen gehindert werden zu dürfen.
Wenn dieses Recht doch eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte (da wirst du mir wohl zustimmen), warum ist es dann noch in gesetzlicher Form verfasst worden? Dies war v.a. eine Lehre aus den Erfahrungen Nazi-Deutschlands, wo sowohl Juristen als auch Polizei bereits vor der Machtübergabe in immer stärkerem Ausmaße mit den Nazis kooperiert hatten und schließlich fast vollständig in ihnen aufgingen. Dies sollte sich nicht wiederholen können. Es ist schon bemerkenswert, dass ausgerechnet dieser konkrete Schutz der Bevölkerung vor staatlicher Willkür hier als "geltendes Unrecht" bezeichnet wird.
Dass die Polizei in München diesen Schutz vor staatlicher Willkür als lästig empfunden und daher bei den Sicherheitskonferenzen 2002/2003 gebrochen hat, scheinst du für einen irrelevanten Aspekt zu halten, selbst vor dem bekannten historischen Hintergund. Denn du fragst, was es bringen würde, wenn sie sich an "an I-H-R-E Gesetze halten würden"? - Die Antwort auf diese konkrete Frage ist einfach: Es hätte die jetzt als rechtswidrig eingestuften zahlreichen Ingewahrsamen und Festnahmen nicht gegeben. Dies hätte den Protesten und Aktionen seinerzeit noch mehr Kraft verliehen.
Abschließend behauptest du, dass Menschen wie ich, durch diese Art der Verteidigung dieses noch vorhandenen Grundrechts "im Endeffekt" den Unterbindungsgewahrsam, das fette Bullenspalier usw. verteidigen. Es scheint, als hättest du in der konkreten Frage keine schlüssigen Argumente und weichst auf eine andere Ebene aus. Dies bringt aber weder die Diskussion weiter noch trägt es zu einem solidarischen Miteinander unterschiedlicher GegnerInnen der sog. Nato-Sicherheitskonferenz bei. Letzteres sollten wir aber m. E. lieber nicht aus den Augen verlieren. Also: An dieser Stelle solidarische Grüße und viel Kraft und Liebe insbesondere den AktivistInnen, die jetzt in München mit den Vorarbeiten für die vielfältigen Gegenaktivitäten befasst sind.
Zeit?
blindfisch hat recht ...