junge Welt wirbt für Querfront in Serbien

rot ja, braun nein 29.12.2003 20:26
Nach dem Wahltriumph für die rechtsradikale „Serbische Radikale Partei (SRS)“ spricht sich Werner Pirker in einem Kommentar der Tageszeitung „junge Welt“ für die rot-braune Querfront in Serbien aus. Die „wirklich relevanten Rechtsradikalen unserer Zeit“ seien nicht Ultranationalisten wie Vojislav Seselj, sondern jene Linken, die sich in „Komplizenschaft mit der neoliberalen Reaktion“ begeben.
Pirker nennt Milosevic und Seselj achtungsvoll „Dissidenten der neoliberalen Globalisierung.“ Und weiter: „Bei allen weltanschaulichen Unterschieden haben sie gegenüber dieser Weltordnung die gleiche Anschauung. Sie treten für die Beseitigung der Ergebnisse der antiserbischen Aggression und für das Recht Serbiens auf eine selbstbestimmte Entwicklung ein.“ Sprich: Lieber gemeinsam mit Nazis gegen das Kapital und Imperialismus und für nationale Selbstbestimmung, als zum Komplizen des Neoliberalismus zu werden. Besser und eindeutiger kann man das Phänomen Querfront kaum veranschaulichen…
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Ergänzungen

Seselj, Milosevic und die Junge Welt

Nako Spiru 30.12.2003 - 08:00
Herr Pirker nennt den Wahlerfolg der serbischen Faschisten " eine Protestwahl". Bei Pirker handelt es sich, was die SRS betrifft nicht um Faschisten sondern um "Antiimperialisten". Natürlich sieht das Le Pen in Frankreich ebenso. Le Pen und Seselj nahmen 1997 brüderliche Parteibeziehungen auf. Auch die Nationalzeitung ist gut auf Seselj und dessen Partner in der Vergangenheit Herrn Milosevic zu sprechen. Offen agiert die Junge Welt für ein rot-braunes Querfrontprojekt. Unterschlagen wird dass er einen wirklichen Antiimperialismus und einen faschistoiden " Antiimperialismus" ala Milosevic, Saddam, oder der Hamas gibt. Diese Herangehensweise der Jungen Welt hat fatale Konsequenzen, mit diesem kruden " Antiimperialismus" macht man sich zum nützlichen Idioten des Imperialusmus. "Linke" Politik wird diskreditiert. Innerhalb der deutschen Rechten hat die Junge Welt zumindest was ihre "internationale Berichterstattung" angeht einen guten Ruf. In der Tat die Berichte zu Kosova, Serbien Israel und dem Irak sind kaum von den Analysen rechter Strömunngen in Deutschland zu unterscheiden.

seselj, saddam, le pen, schirinowski...pirker

ape 30.12.2003 - 12:26
einen spannenden artikel zur "antiimperialistischen" querfront zwischen milosevic, seselj, saddam, le pen, schirinowski etc. habe ich in der jungle (hyperlink unten) gefunden.

auszüge:
"Die Melange aus Antiamerikanismus und Nationalismus, auf die sich Seseljs Propaganda gründet, findet regen Zuspruch nicht nur unter seinen zahlreichen Unterstützern in Serbien, sondern auch in einer internationalen Koalition von Rechtsextremisten und national gesinnten Kommunisten, die Saddams Irak als Bastion der »nationalen Souveränität« verteidigen. "

"Vor einem Porträt Saddams stehend, bezeichnete der Rechtsextremist den irakischen Diktator als »Waffenbruder«. Zwar sei Jugoslawien seit dem Sturz Slobodan Milosevics im Oktober 2000 von den USA »besetzt«. Es gebe aber, wie der Irak zeige, »noch immer Nationen, die Amerika noch nicht okkupieren konnte«. Deshalb sei »der Kampf des irakischen Volkes auch unser Kampf«.
Dass er Saddam bewundert, ist alles andere als überraschend. Seselj pflegt eine langjährige Freundschaft mit den Herrschenden in Bagdad. Insbesondere seit dem Nato-Angriff auf Jugoslawien wurde diese Beziehung von beiden Seiten intensiviert. Nach einem Treffen von Abgesandten der irakischen Baath-Partei und der SRS verkündeten der irakische Botschafter in Belgrad, Sami Sadun Al Kinani, ebenso wie Seselj bereits im Oktober 1999, dass beide Parteien »enger zusammenarbeiten« wollten. Sie verpflichteten sich, eine »Kooperation aller patriotischen Parteien und politischen Kräfte« aufzubauen, die »die US-Hegemonie nicht akzeptieren«."

"So versicherte der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen seit dem Golfkrieg im Jahr 1991 den Irak nicht nur immer wieder seiner Unterstützung, er reiste im Januar 1997 auch zu einem viel beachteten Solidaritätsauftritt nach Belgrad, wo er von Seselj in Empfang genommen wurde.
Ähnlich verhält es sich mit dem russischen Rechtsextremisten Wladimir Schirinowski. Er sandte im Golfkrieg Freiwilligenverbände zum Kampf gegen die USA in den Irak und unterhält bis heute exzellente Beziehungen zu Saddam. Wie Le Pen reiste auch Schirinowski nach Belgrad und unterzeichnete im Oktober 1995 ein Kooperationsabkommen mit Seseljs SRS."

die junge welt unterstützt seit jahren milosevic, auch als er zur wahl seselj aufrief, jetzt also auch seselj direkt, und für saddams terrorgruppen im irak spendeten pirker und der stellvertrende chefredakteur der jungen welt, rüdiger göbel, sogar 10 euro. die junge welt wird mehr und mehr zu einem querfrontprojekt, das immer offener rechtsextremisten wie die ba'ath-partei oder jetzt seseljs srs unterstützt, bzw. sie in den reigen der guten antiimperialisten aufzunehmen versucht.

wehret den anfängen!

revolution nicht zu ende

micha 30.12.2003 - 14:29
zwei punkte:
erstens: die "querfront" von ideologen wie pirker ist nicht nur organisatorischer oder taktischer art. diese "querfront" hat tiefe weltanschauliche wurzeln, die aus der gemeinsamen vergangenheit aus dem osteuropäischen staatssozialismus stammen. und dieser tradition sind auch viele linke wie bei dkp und attak verbunden, ohne dass sie praktische konsequenzen ziehen wie pirker und co.
zweitens: doch bei der wahl der srs handelt es sich nicht nur um ein philosophisches problem der linken. solange die revolution in serbien nicht zu ende ist, werden völkische nationalisten immer erfolgreich populismus betreiben können. die fortführung der revolution bestände z.z. in einem friedensvertrag, der die protektorate bosnien und kosovo auflöste und den menschen dort selbst die entscheidung überlässt, zu welchem staat sie gehören wollen!
näheres dazu unter  http://communismus.de/balkan.html

Querfront und Antiimperialismus

Norbert 30.12.2003 - 16:29
Zwar ist es richtig, dass Teile der "jungen welt" einer Art "Querfront" das Wort reden, allerdings ist das nicht viel Anderes, als der klassische Antiimperialismus, so wie er von der Kommunistischen Internationale (Komintern) bei ihrem 2. Weltkongress (Juli 1920) formuliert wurde.

Die "große Mutter aller Querfronten" war das von der Komintern durchgesetzte Bündnis zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Nationalpartei (Guomintang) in den Jahren 1922 - 1927 (beendet durch Massaker an ArbeiterInnen von Shanghai und Kanton durch die Truppen der Guomintang) und von 1937 - 1945 im "nationalen und anti-imperialistischen Befreiungskrieg" gegen die Besetzung chinesischer Gebiete durch Japan. 1949 wurde die Guomintang samt Anhang nach Taiwan vertrieben, im chinesischen "Muttterland" wurde die Volksrepublk China ausgerufen.

Wenn man also die Querfrontträume von Teilen der "jungen welt" kritisieren möchte, dann sollte man konsequenterweise mit den historischen Vorbildern beginnen und dabei z.B. die anti-kolonialen Bewegungen und Kämpfe, inkl. des Vietnamkrieges, in die Analyse einbeziehen.

Dies müsste aber ergänzt werden mit Alternativen zum naturgemäss "querfrontartigen" Antiimperialismus. Denn die antideutsche Strömung mit denen sich die "Jungle World" teilweise identifiziert, die Unterstützung von Kriegen "des Westens" gegen wen auch immer - dass kann ja wohl keine Alternative sein, es ist lediglich eine andere Seite der gleichen kapitalistischen Medaille.





Zu Le Pen

Icke 30.12.2003 - 17:15
LePen ist ein interessantes Beispiel dafür, wie kommunistische Ideologien mit Faschismus kompatibel sind.
Einige Anttimps mögen LePen, wenn er vom starken Nationalstaat schwärmt und antisemitische Äusserungen von sich gibt. Einige Antideutsche mögen Le Pen wegen seiner antiarabischen und rassistischen Kampagnen. Die Bahams hat ihn in der vorletzten Ausgabe ausdrücklich dafür gelobt.
Und was sagt uns das? Auschliesslichkeitsdenken und identitäre Ideologien führen am Ende immer wieder auf den selben Mist. Selber denken, sich hinterfragen, Ideologien ablehnen und humanistische, emanzipatorische und freiheitliche (im libertären Sinne) Grundlagen des eigenen Denkens, sowie eine reflektierte Praxis sind die einzigen Mitteln zu verhindern dort zu landen, wo Le Pen und verschiedene Kommie-Strömungen heute sind.

Antiimperialismus

Sorgenfrei 30.12.2003 - 19:15
Norbert, interessant Dein historischer Hinweis! Hast wohl Recht! Aber "naturgemäß querfrontartig" ist Antiimperialismus nicht. Dazu ein paar Gedanken des Dokumentationsarchivs des Widerstands in Österreich:

"Mit dem Wegfall des realsozialistischen Bezugrahmens und der Etablierung einer "Neuen Weltordnung" unter der militärischen, ökonomischen und politischen Hegemonie der USA und ihrer Verbündeter nahm auch der Antiimperialismus neue Formen an. Aus einer Legitimationsideologie sowjetischer Außenpolitik und blockfreier Modernisierungsregime oder Befreiungsbewegungen am Trikont einerseits und einer systematischen Kritik an der Ausbeutung und Unterdrückung der Peripherien durch die Zentren andererseits wurde vielerorts ein quer zur politischen Spaltung in Linke und Rechte liegendes Ressentiment. In Form des Antiamerikanismus zielt es auf die USA, als "Antizionismus" tobt es sich gegen Israel aus.
Der Antiimperialismus ist zur Weltanschauung verkommen. Als solche frönt er einem grandiosen Manichäismus, welcher die Welt in gut und böse einteilt. Er ist gekennzeichnet durch ein binäres und personalisierendes Denken, das eine Clique von bösen Herrschenden ("Hintermänner", "Bonzen", "Globalisierer" usw.) annimmt, welche mit Trug und List oder Repression die guten Beherrschten ("unterdrückte Völker") niederhalten. Soziale und politische Herrschaft in den abhängigen Peripherien wird reduziert auf "Fremdherrschaft", gegen welche sich das essentialistisch gefasste "Volk" auflehnen müsse. Im Befreiungsnationalismus werden die sozialen und politischen Differenzen innerhalb des "Volkes" ideologisch verwischt. Gegen den ausländischen, "imperialistischen Feind" (und seine "Agenten" im Inland) müsse die Gemeinschaft des "Volkes" zusammenrücken. Im antiimperialistischen Weltbild ist alles gut und richtig, was dem Imperialismus (v.a. den USA und Israel) schadet. Das geht sogar bis zur Legitimation von Terror und Solidarisierung mit islamistischen Mörderbanden."

Der Text aus dem das hier entnommen ist, beschäftigt sich mit der AIK, der Antiimperialistischen Koordination in Wien, der Werner Pirker angehört (bzw. mit der er in völliger Überinstimmung sympathisiert und kooperiert). Ein lesenswerter Artikel...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@memory — rot ja. braun nein

Ich lach mich tot — Baath Simpson

@ sorgenfrei — Norbert

Wieso? — Norbert

@Norbert — Sorgenfrei

Weiter so! — Rahel

@ sorgenfrei — Norbert

Hallo Norbert — Sorgenfrei

@ sorgenfrei — Norbert