taz immer noch besetzt

allegemeinsam 15.12.2003 19:02 Themen: Bildung Medien
Gegen 17.45 Uhr war die taz-Redaktion immer noch besetzt. Es kam von genervten tazlern zu Handgreiflichkeiten. Zur Zeit sind ca. 50 bis 60 Leute im Haus - Unterstützung ist gern gesehen. Morgen soll es ein taz-teil der BesetzerInnen geben.
Leider ist dieser nicht in allen Punkten so gestaltet wurden, wie es verhandelt. Einige BesetzerInnen wehren sich gegen die Verarschung und Verieinnahmung als Gäste deutlich. "Wir sind keine Gäste" tönte es auf diese Bezeichnung hin immer wieder. Im Augenblick ist völlig unklar, wie die Besetzungsaktion endet. Ein Herr in schicken Anzug meinte, dass ab 18.00 Uhr vom Hausrecht Gebrauch gemacht würde.
Die Leute, die das Haus in der Kochstrasse besetzt halten sind durchweg politisch und inhaltlich radikaler, als es bei anderen Besetzungen rüber kam. Es wird viel über die neoliberale Ausrichtung der gesamten Politik geredet. Die heutigen taz-Artikel zu den Demos gegen Sozial- und Bildungsklau stießen bei den meisten auf Unmut und riefen beim Lesen spontanes Kopfschütteln hervor. Bei kleineren Wortgefechten mit der Chefredaktörn wurde mehrfach gesagt, dass die taz als Medium genutzt werden soll und dass die Art und Weise des Umgangs mit den Forderungen der BesetzerInnen unmöglich sei. Der Ton spielt die Musik, und die war von Seiten einiger tazlerinnen mitunter doch etwas autoritär und so, als würden Sie mit Ihren Kindern reden. Das Bild von der taz hat sich für mich heute erheblich verändert. Leider noch mehr zum Negativen. Aber lest morgen - wenn die taz die Artikel gedruckt hat - hoffentlich...
Ach ja, weiter so!!! Wir sollten mal Springer einen unangemeldeten Besuch abstatten oder der ach so christlichen katholischen Kirche oder lasst uns gleich das Kanzleramt besetzen...
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

was man noch....

abc 15.12.2003 - 19:25
In der aktuellen Ausgabe der Streikausgabe der Studi-Zeitung "UNAUFgefordert" gibt es ein paar Anregungen zum Thema Besetzungen
Der Artikel ist online und ihr findet ihn hier:
 http://www2.hu-berlin.de/unauf/ausgaben/unaufstreik2/streik2_08.html

Spiegel Online

Surfer 15.12.2003 - 19:48
Kreuzberger Kuscheleien, so stehts im Spiegel. Liest sich hier etwas anders. Da kann man froh sein das hier ne andere Darstellung möglich ist. Ganz so nett scheinen die Tazler nicht zu sein.

kleines update

alex 15.12.2003 - 22:06
ich bin ca. 18:45 gegangen, nachdem von der chefredakteurin zugesichert wurde, dass morgen eine entschuldigung für das unterbleiben des banners auf der bundesweiten titelseite erscheint.
obwohl es noch streit über die bezeichnung "selbsternannte erben rudi dutschkes" in einem taz-artikel gab, würde sich nicht mehr viel ändern, da alle genervt waren.
die chefredakteurin blieb stur, dass alle ca. 20:00 raus müssten, wenn sie dann die druckfrische ausgabe "ihrer" taz in der hand hielten.
da einige schon ankündigten, drin bleiben zu wollen, wüsste ich gerne, wie es ausgegangen ist.

online

Rudi Mentär 15.12.2003 - 22:57
jetzt auch online
unter:
www.taz.de/pt/.nf/home

Kreuzberger Kuscheleien

:::: 16.12.2003 - 00:38
Spiegel-Artikel klingt fast enttäuscht:

Berlins müde Aktivisten gegen Hochschulgebühren und "Bildungsklau" suchen sich leichtere Ziele. Auf der Suche nach der Macht der Medien besetzten sie ausgerechnet die Redaktion der "taz".

 http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,278421,00.html

alte Erfahrungen

"TAZ lügt" 16.12.2003 - 00:44
1988 /89 bei der Einweihungsparty ihres Neubaus in der Kochstr., die "wir" besucht haben, haben sie die Bullen aus der Friedrichstr. Wache gehohlt und anschließend in der TAZ behauptet, die Bullen wären, wegen vom am Haus befestigten Baugerüst geworfenen Flaschen gekommen.
Die Flaschen flogen erst als die Bullen kamen.

Außerdem wurden wir in der als die AlkPunks vom Heinrichplatz bezeichnet.

Der TAZ Hausanwalt, Medienexperte, Stöbele, Tacheles, RZ Prozeß und Vergewaltiger Verteidiger Johnny Eisenberg hat damals einen seiner berühmten Ausraster gekriegt und ist einen Genossen an die Wäsche gegangen.
Die wollten uns mit ner Kiste Bier eine Etage tiefer abschieben um ungestört am Buffet weiter zu tafeln.

Erst die Bullen rufen und dann Lügen schreiben.

Nur ein Beispiel von vielen.
Es sind zwar viele von denen von damals jetzt bei FAZ, Welt,SZ Tagesspiegel..., aber der Zustand ist eher schlechter als besser geworden

Kindergarten

Florian 16.12.2003 - 01:04
Ich war auch drin, heute nachmittag, als die Bannersache hochgekocht ist. Ja, ein paar von den Tazlern sind handgreiflich geworden. Ein paar von den Besetzern provozieren kräftig mit beleidigenden Zwischenrufen.

Die Bannergeschichte beruhte vor allem auf einem Tazinternen Mißverständnis, daß die Linksruckparanoia gleich zu einem Versuch kapitalistischer Ausbeutung des Protests gemacht hat. Bullshit. Der untergeschobene Bannertext "Die Forderungen der streikenden Studenten" hätte nicht auflagesteigernd gewirkt, wohl aber die alte Tazlinie vom inhaltslosen Protest korrigiert.

Die ganze Atmossphäre hätte sich nicht so aufheizen müssen, wenn die Besetzer eine klarere Linie gefahren wären. Die Meinungsführer konnten sich nicht entscheiden, ob sie lieber die Taz als Systemgehilfin verdammen und verdächtigen, oder als öffentlichwirksames Medium nutzen wollten. Deshalb stieß auch der Versuch der Tazler, aus dem Wirrwar noch eine professionelle Zeitung zu machen, auf Ablehnung und Kommerzverdacht.

Irgendwann war dann nur noch Schreien und Verdächtigen statt Denken und Verhandeln angesagt. Der peinlichste Moment war, als die Studis eine Presseerklärung über die Missetaten der Tazmitarbeiter verlesen haben, die die übrige Presse getickert wurde und Tazler UND Besetzer als Chaostruppe entlarvte, marke: Tazleute prüglen alle und Besetzer beschweren sich bei Springer, weil die Taz ihre Texte nur lesbar drucken will. Nicht gut.

Ich habe auch nicht verstanden, warum jetzt morgen eine fast leere Titelseite erscheint. Klar ist die Taz nicht 100 Prozent Protestplattform. Aber wenn man dann schon mal Raum für das Präsentieren von Forderungen hat, nur zu schmollen und diese zu verweigern, finde ich ziemlich arm.

Dazu kam, daß werder die Tazler noch ich verstanden haben, warum die Besetzer sich nicht mal einig genug waren, klar zu machen, für wen sie eigentlich sprechen. Den Versuch sie "in die Studentenecke zu drängen" haben sie vehement abgelehnt, aber wer sie sonst seien, oder für wen sie sprechen, konnten sie auch nicht erklären.

Das Ende vom Lied war ein totales gegenseitiges Annerven und gegeneinander Ankämpfen. Auf der einen Seite überforderte, paranoide Schreihälse, auf der anderen Seite überforderte, genervte Zeitungszyniker. Und dazwischen, auf beiden Seiten, immer wieder aggressionsbereite Idioten die aus der dritten Reihe Verdächtigungen hin und her gebrüllt haben und sich in Handgreiflichkeiten abreagieren mußten.

Schade, mit der Taz von morgen hätte man die Studi- und Sozialforderungen gut rüberbringen können. Auch auf der Titelseite. Auch die Kritik an einzelnen Taz-Artikeln hätte man noch miteinbringen können. Stattdessen haben sich die Besetzer, mit dem lauen Versuch eine Generalzensur anzuprangern, selbst zensiert.

Schade auch, daß ausgerechnet die inhaltlich und methodisch verwirrtesten Leute versucht haben, den größten PR-Stunt des Protest in die Hand zu nehmen. Es gibt Leute, die sind gut darin, die Produktionsmittel zu erobern. Aber sie müssen nicht gut darin sein, diese dann auch zu verwenden.




don't hate the media - be the media!

inDee 16.12.2003 - 03:25
es tut schon weh alles immer und immerwieder neu erzählen zu müssen, trotzdem nochmal: die TAZ verändern hieße die TAZ abschaffen müssen. wie alle anderen kommerziellen medien ist die TAZ strukturell nicht reformierbar und da hilft auch so eine sympathische aktion nicht, sie steigert höchstens die auflage was dann direkt dem geld- und warenkreislauf nützt aber höchstens indirekt dem protest.

was ist strukturell an der TAZ und allen anderen redaktionellen medien falsch? sie transportieren nur die meinungen und ansichten (aka wahrheiten) einer informationselite. das vormalige konzept der TAZ eine gegenöffentlichkeit zu schaffen ist auf der ganzen linie gescheitert. die TAZ hat eine weitere verkäufliche elite-stimme geschaffen in der "alternative" experten angegraute grüne, schlimmstenfalls olivgrüne ideologien an frau und mann bringen können. sie sind nach kapitalistischen maßstäben eine relativ linke zeitung wenn auch eine schlecht gemachte, da ist die frankfurter rundschau um längen besser, diese hat sogar eigene engagierte fachleute und braucht nicht bei nachrichten-großhändlern abzuschreiben (agenturen wie reuters, ap).

eine elite kann niemals für die menschen sprechen, die menschen müssen für sich selbst sprechen. sie müssen begreifen, daß das geht und es einfach tun. dafür gibt es indymedia und es gibt sogar eine indymedia-zeitung die nach den gleichen prinzipien funktioniert. jede/r kann mitmachen, die artikel sind von den leuten auf der straße selbst und es ist verdammt nochmal eine revolutionäre möglichkeit zu informieren ohne reaktionäre eliten dazwischenzuschalten. wann begreift ihr das endlich?

es nützt nichts andere dazu aufzurufen eine/n richtig zu repräsentieren! das ist schlicht unmöglich! niemand anders als DU selbst kannst wissen was für DICH am wichtigsten ist und was DU mitteilen willst!

TAZ abschaffen! selbstverwaltete zeitungen mit freiem zugang (open posting) organisieren! keine eliten anbetteln! selbst das eigene leben in die hand nehmen!

wenn jede/r student/in auch nur eine printausgabe ausdruckt wird indymedia zur zweitauflagenstärksten informationsquelle nach der BILD ;->

aber ich seh schon, ihr seid nicht so weit, ich komme mir schon selber vor wie eine experten-elite die anderen sagt was sie tun müssen.

also tut das was IHR für richtig haltet! und schreibt auch das! delete the elites!

Printausgabe zum SELBST ausdrucken, SELBST kopieren und SELBST verteilen, gibts hier:  http://germany.indymedia.org/2003/12/69429.shtml

und das beste, sie läßt sich auch SELBST innerhalb von wenigen stunden von 2 bis 3 leuten vorbereiten anhand von fertigen templates! hehe, ich sehe schon die millionen von anfragen an die print-mailingliste um sich das erklären zu lassen ;-p

also 68 waren innerhalb weniger tage betriebe besetzt und selbstverwaltet in paris und frankreich-weit, Nizza war wochenlang eine libertäre kommune, heutzutage ist nicht mal eine eigene offene infostruktur zu machen. an dem tag wo indymedia abgeschaltet wird, stirbt der protest sicher auch.

the revolution will not be TAZzed!

taz-Bericht

Klaus Weinemann 16.12.2003 - 07:50
 http://www.taz.de/pt/2003/12/16/a0097.nf/text.ges,1

Computermäuse als Geiseln genommen
Wie StudentInnen die Redaktionsräume besetzen, den Abdruck ihrer mitgebrachten Texte fordern und der "Zeitungslogik"
des frühen Redaktionsschlusses partout nicht folgen mögen: Chronik eines bewegten Tages in der Berliner taz-Zentrale
aus Berlin ANNA LEHMANN

Die Tür steht offen, die Redaktionsräume sind noch leer, als ein Trupp von 60 StudentInnen kurz nach acht Uhr früh in die Berliner taz-Zentrale vorstößt. Als erstes werden die schutzlosen Computer-Mäuse zu Geiseln genommen, dann üben die Besetzer Druck aus: Ihr gebt uns die Seite eins, und wir geben euch eure Mäuse wieder.

Hausbesetzungserfahrene tazler kennen die Spielregeln und reagieren prompt. Ätsch, wir haben eure Rucksäcke geklaut, gebt unsere Mäuse frei. Daraufhin machen die Studenten dicht und pappen orangefarbene Schilder an Vorder- und Hinterausgang: "Besetzt." Spannung baut sich auf, entlädt sich in Gerempel zwischen taz-Geschäftsführern und Studenten: "Ey du Schweinebulle, lass mich los".

In der Redaktionskonferenz wird der Ärger dann kanalisiert. "Wer ist denn die Kleine im orangenen Pullover?", erkundigt sich Alexis. Das ist die Chefredakteurin, gibt man ihm Auskunft. "Ooch, die ist ja gar nicht so ruppig, wie immer berichtet wird." Alexis ist FU-Student, wie die meisten Besetzer. Im dortigen Institut für Soziologie wurde die Idee der taz-Besetzung kreiert. Die selbst ernannten Erben Rudi Dutschkes besetzen das Rudi-Dutschke-Haus.

"Gut, sagt Chefredakteurin Bascha Mika, "ihr seid unsere Gäste. Wir geben euch drei Seiten, und die gestalten wir zusammen." Das finden die Studenten "Scheiße". Sie wollen ihre eigene Zeitung machen. Zwar soll taz draufstehen, aber drinnen soll es endlich "Inhalte" geben. Keine Fotos, keine überflüssigen Gestaltungsmittel - sondern Texte, Texte, Texte. Lasst uns anfangen, fordert die Produktionsabteilung. Mittlerweile ist es 11 Uhr, die Redakteure scharren nervös mit den Füßen. Bascha Mika droht: Ohne Mäuse keine Zeitung, ohne Zeitung keine Inhalte. Das zieht. Das Plenum vertagt sich, die Arbeit kann beginnen.

Vor dem Büro der Chefredakteurin stehen unschlüssig die Studenten Andreas und Jan-Berend. Sie sind zur Blattkritik eingeladen worden, nun mussten sie das Rederecht an ihre Kommilitonen abgeben. Die hätten sie hier gar nicht erwartet. "Wieso werden ausgerechnet die Studi-freundlichen Medien besetzt?", wundert sich Jan-Berend. "Wieso seid ihr hier und nicht bei Springer?", fragen einige taz-Mitarbeiter. Ein Besetzer im blauen Kapuzenpulli klärt freundlich auf: "Na, weil wir ein Forum wollen und die linksliberale taz auf unserer Seite ist." Nicht ganz. Denn längst mache die taz, so steht es in der Erklärung der Besetzer, beim "Gerede von der wehrhaften Volksgemeinschaft" mit.

Um 12 Uhr zeigt sich: Die Inhalte reichen nicht. Nur zwei statt drei Seiten können gefüllt werden. Kein Problem, wir stimmen ab, wies weitergeht. Plenum. Wir sollten radikaler werden, fordert ein Mädchen mit Mütze. Ein ebenfalls bemützter Junge verweist auf den Redaktionsschluss. "Wir werden doch nicht deren Zeitungslogik folgen", pariert ein Mädchen mit Schal. Wir bleiben hier, bis wir den Aufmacher haben, fordert jemand. Das Plenum tagt und tagt. Bei Redaktionsschluss tagt es immer noch.

taz Nr. 7235 vom 16.12.2003, Seite 10, 102 Zeilen (TAZ-Bericht), ANNA LEHMANN

Sicht eines tazlers

Bernd 16.12.2003 - 10:58
Ich hab die Besetzung gestern als tazler miterlebt - und ich fand das alles, ehrlich gesagt, relativ erschreckend und nervig. Muss man wirklich die ganze Energie von 50 Leuten (und etlichen tazlerInnen) den ganzen Tag binden, um so blöde Texte in die Zeitung zu bringen? Fazit der zwei sperrigen, pubertär geschriebenen Seiten: Der Kapitalismus ist an allem Schuld und das Patriarchat ist doof. Wow, welche Erkenntnis! Jetzt, wo das veröffentlicht ist, dürfte die Revolution nicht mehr weit sein!

Im Ernst: Warum müssen gerade Leute Medien okkupieren wollen, die von Medien einfach nix verstehen, die sich mit blödester Paranoia gegen jeden Versuch der taz wehren, die Texte irgendwie lesbarer und attraktiver zu machen und die nem Kameramann vom RBB fast Prügel androhen, weil er über die Aktion berichten wollte?

Als Journalist in einer Zeitung, die verdammt viel dafür tut, ihre journalistische Unabhängigkeit zu erhalten, deshalb ohne Verleger und mit halbem Gehalt in ziemlich selbstbestimmten Strukturen arbeitet, damit jedeR, der hier mitmacht auch das Recht hat zu schreiben oder nicht zu schreiben was er/sie will, geht es mir natürlich noch besonders auf die Nerven, wenn dann plötzlich Leute durch schiere physische Präsenz Inhalte in die Zeitung pressen - was sie nur in der taz können, weil sie zwar laut "bürgerliches Schweineblatt" brüllen, sich aber ganz sicher sind, dass sie bei uns reinkommen (im Unterschied zu Springer, wo sie nicht mal am Pförtner vorbeigekommen wären) und wir dann nicht sofort die Bullen holen, sondern sie den ganzen Tag unseren Kaffee trinken und über Seiten verhandeln dürfen. Das aber mit revolutionärem Pathos, schwarzen Mützen und viel hysterischem Geschrei.

Und wenn ich dann hier noch solchen Unsinn lese, wie dass die Frankfurter Rundschau ohne Nachrichtenagenturen arbeitet, dann frag ich mich wirklich, in was für einer Scheinwelt hier eigentlich mancher lebt und liest.

Gruß! Bernd

@ Bernd

war auch dort 16.12.2003 - 15:19
Nun tu doch nicht so, als wenn die TAZ-Leute eigentlich ganz lieb zu den besetzenden Leuten waren und letztere eben nur zu borniert, um diese Liebenswürdigkeiten zu verstehen! Es kam seitens der TAZ-Menschen desöfteren zu leichten körperlich Angriffen, teilweise wurde gedroht: "Pass auf, dass Du nicht die Treppe runterfällst". Zum Glück wurde einiges gefilmt!

Du meinst, dass der Kapitalismus (also auch demokratischer verwaltender Staat!) scheiße ist, also dass das eine banale Erkenntnis ist? Davon liest man aber in der TAZ nie etwas! So unabhängig seid ihr also, dass die letzten (rotgrünenschwarzengelben) Kriegstreiber bei Euch ihre Dienste an Deutschland wohltuend beschreiben können, sei es in einem Interview oder in Gastartikeln. Wann kommt denn bei Euch mal vor, dass der demokratische deutsche Staat den Leuten ein Riesenschaden ist? Bei Euch wird ständig ein wenig gemeckert/genörgelt, vielleicht wird ein Globalisierungsgegner (der dann auch meist nur Verbesserungsvorschläge für den deutschen Staat parat hat!) zu Wort kommen gelassen ... Kritik und Erklärung, warum alles so schlecht den Leuten bekommt, warum sie keine gute Versorgung bekommen, gibt es in der TAZ nicht, wie in keiner anderen bürgerlichen Zeitung! Dafür jede Menge konstruktive, d.h. den Gegenstand (demokratischer Staat oder Kapital) erhaltende Kritik, aber keine, die auf die Beseitigung dieser Übel hinausläuft.

Dass das geht, zeigt diese relativ ordentliche Zeitung, bei der es auch einiges zu kritisieren gibt, wo aber die Stoßrichtung klar ist:

 http://www.jungle-world.com

Was schön gestern war: Für viele Linke ist die TAZ endgültig als linksbürgerliche Tageszeitung entzaubert worden. Ihr könnt bald mal wieder um Abos betteln gehen, weil es bald ein paar Kündigungen gibt!

Stell Dir vor, es herrscht Krieg und die taz

flopserver 16.12.2003 - 16:52
herrscht mit.
Ein nachgetragene Kritik vom 16.10.2001:

Die Kriegskampagne der taz (siehe auch Kommentar von heute  http://www.taz.de/pt/2001/10/16/a0116.nf/text )
scheint dieses Jahr die um ihre Abonnenten zu ersetzen. Je länger der Krieg um so mehr kann sie das erhöhte Informationsbedürfnis befriedigen, da muß sie halt mal nachhelfen, denken sich ihre Schreiber. Je länger der Krieg um so kürzer die Röcke. Sie steht jetzt schon nackt dar, die taz. Schamlos bekennt sie sich zum Krieg und möchte von Bellizisten umworben werden ("wie das Kriege nun mal so mit sich bringen" s.Weiland). Andere werden "tragisch" aus dem Kriege hervorgehen (moralisch verwerflich sind wirklich die, die sich als Entscheidungsträger im vorneherein mit diesen Mantel bekleiden und feiern, wie z.B. Fischer und Grass im Jugoslawienkrieg es taten.), nur die taz wird ihren Siegesgewinn davontragen, soviel scheint ihr sicher in unsicherer Zeit. Durchhalteparolen und Stehvermögen sind ihr jetzt gefragt. Hat man das "Hauptproblem" erkannt wird ihr alles andere zum Nebenschauplatz, so Millionen von Flüchtenden und Hungernden. Viel zu spät hat man in Vietnam erkannt, das man die Demokratie auch bei verbreiteten Analphabetentum nicht herbeibomben kann. Der Leitartikler der taz vertritt die These in Jugoslawien hätte kürzlich diese Erziehungsmaßnahme bei allgemein bessern Bildungsstandard Erfolg gezeitigt. In seinem Newspeak spricht er lieber von „Militärschlägen“ als vom Krieg. Einzig die Autorität von "Militärspezialistinnen" , die sich neuerdings von Hollywoodregisseuren beraten lassen, ist ihm ausschlaggebend. HappyEnd-gläubig wird uns demnächst die taz mit den Waffenexperten das Arsenal ihres Lehrplanes durchbuchstabieren, damit auch die ihrer Meinung nach friedensbewegten Zwangslegastheniker, die das Wort „Kollateralschäden“ nicht schreiben mögen, diese Sitzenbleiber von Mutlangen sich nicht durchsetzen und die zumeist analphabetischen Afghanen ihre geschichtliche Lektion lernen und zwar von Anfang an: A B C NN ...


flopserver

Klaus Weinemann 16.12.2003 - 20:10
flopserver: kleine Anmerkung: der verlinkte Kommentar ist nicht von heute, sondern aus dem Oktober 2001...

Texte

besetzt 16.12.2003 - 20:27

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 7 Kommentare an

Hey — Warhead

@Warhead — x

Danke für die Darstellung — Klaus Weinemann

@x — Warhead

@Weinemann — flopserver