VV Freiburg beschließt Streiktag

alda_rion 12.12.2003 17:37 Themen: Bildung Soziale Kämpfe
Studierende der Freiburger Universität und der Pädagogischen Hochschule solidarisieren sich auf ihren Vollversammlungen mit den protestierenden Studierenden in Deutschland und Europa und beschließen Streiktag für Mitte Januar. Eine zweite Vollversammlung soll die weitere Vorgehensweise beraten. Danach kam es zur Spontandemo.
Die Studierenden der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule haben am auf ihren Vollversammlungen vom 11.12. 2003 Resolutionen verabschiedet, in denen sie sich mit den protestierenden StudentInnen in Deutschland und Europa sowie sämtlichen, vom Sozialabbau betroffenen Gruppen, solidarisierten (s. Resolution unten).
An der Pädagogischen Hochschule kamen etwa 300, an der Uni Freiburg über 800 StudentInnen zusammen. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Studierenden für die Annahme der Resolution. Mit der Resolution entschieden die Freiburger StudentInnen im Januar einen Streiktag durchzuführen.
Die Forderung, die StudentInnen der Universität mögen sofort in einen unbefristeten Streik treten, wurde abgelehnt. Es wurde aber eine weitere Vollversammlung am 18. 12. 2003 beschlossen, auf der noch einmal
über die Frage eines Streiks diskutiert werden soll, da dieses Thema kontrovers debattiert wurde. Im Anschluss an die Vollversammlung der Universität zogen StudentInnen der Uni, der PH, der Katholischen Fachhochschule und Freiburger SchülerInnen gemeinsam auf einer Spontandemo durch die Freiburger Innenstadt. Die Demo mit etwa 300 Teilnehmern führte auch an der CDU-Zentrale und am Haupftbahnhof vorbei. Zwischendurch wurden immer wieder Sitzblockaden und Reclaim The Street Aktionen durchgeführt.


Text der Resolution der StudentInnen der Universität
Freiburg:

Die Studierenden der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
beschließen in der Vollversammlung vom 11.12. 2003 folgende
Resolution:

Viele unserer KommilitonInnen protestieren seit Anfang November in ganz Europa gegen den derzeitigen Bildungsabbau. Die derzeitige Streikwelle an den deutschen Universitäten und Hochschulen stellt, neben immer zahlreicheren kreativen und spontanen Aktionen, die Spitze der neuen Protestbewegung dar.
Die Einführung von Verwaltungsgebühren und Langzeitstudiengebühren in vielen Bundesländern stellt einen neuen Versuch dar, trotz des Verbots von
Studiengebühren im bundesweit geltenden Hochschulrahmengesetz, diese durch die Hintertür auf Landesebene einzuführen.
Die massiven Kürzungen im Bildungsbereich auf Bundes- und Länderebene machen eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Zukunft der "Wissensgesellschaft" notwendig. Die Hochschulen und das Studium jedes Einzelnen dürfen nicht wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Zielen untergeordnet werden. Wissenschaftliche Qualifikation muss seitens der Politiker
als Instrument gesellschaftlicher Veränderung begriffen und auch von allen Studierenden als solches wiederentdeckt werden.
Deswegen erklären wir uns solidarisch mit den protestierenden Studierenden!

Wir möchten weiterhin eine Aufforderung an die Studierenden in ganz Deutschland und Europa richten:
Die momentane Studierendenbewegung darf nicht als einzelner, abgetrennter Versuch verstanden werden allein unsere, die studentischen, Interessen zu proklamieren und durchzusetzen. Uns allen muss klar sein, dass der derzeitige Bildungsabbau keine isoliert zu betrachtende Erscheinung ist, sondern sich im Kontext eines groß angelegten Sozialabbaus bewegt.
Wir solidarisieren uns deswegen ausdrücklich mir allen gesellschaftlichen Gruppen, die genau wie wir unter dem gegenwärtigen Sozial- und Bildungsabbau zu leiden haben!
Außerdem rufen wir alle sozialen Gruppen, seien es RentnerInnen, Arbeitslose, MigrantInnen, Behinderte, SchülerInnen, SozialhilfeempfängerInnen, ArbeitnehmerInnen und all deren InteressenvertreterInnen auf, sich mit uns zu solidarisieren und endlich gemeinsam gegen den aktuellen Sozial- und Bildungsabbau zu protestieren.

Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen! Gemeinsam sind wir stark!

Zusatz 1:
Die Vollversammlung unterstützt die bundesweite Demonstration gegen Bildungs- und Sozialabbau am 13.Dezember in Berlin, Frankfurt a.M. und Leipzig. Wir fordern alle Studierenden und betroffenen Gesellschaftsgruppen zur Teilnahme auf!

Zusatz 2:
Die Vollversammlung beschließt die Planung eines Streiktages an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Januar 2004 und ruft alle Studierenden der Universität Freiburg zur Planung und inhaltlichen Ausgestaltung auf.
Alle weiteren Hochschulen in Freiburg und Baden-Württemberg als auch die Schulen werden zur Teilnahme aufgefordert.

Zusatz 3:
Die Vollversammlung betont, dass die aktuellen studentischen Proteste nur Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung gegen Sozial- und Bildungsabbau sind.



Seite des u-astas Freiburg:  http://www.u-asta.de
Streikseite der fzs:  http://streik.fzs-online.org
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Weitere Treffen und Vollversammlung

derda 14.12.2003 - 21:05
Der Ak Aktion (gehört zum Ak Studiengebühren) trifft sich immer Montags
um 18h. Dort wird über neue Aktionsformen der Protests nachgedacht, aber
auch mal ganz praktisch gearbeitet, Flyer basteln, Plakate malen usw.

Der Ak Studiengebühren trifft sich immer Dienstags um 19h. Er war
Hauptorganisator (mit uasta-Vorstand und n paar Seattle-Leutchen) der
VV. Ansonsten inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sozial- und
Bildungsabbau: hauptaugenmerk galt bisher den Studiengebühren.

Diesen Dienstag 18h: Treffen zur Koordinierung der VV: Brainstorming zum
Thema Streik, Orga der zweiten VV. Es sind alle aufgefordert
mitzuhelfen. Viele Fragen müssen vor der zweiten VV noch
(vor-)diskutiert werden.

auch Mittwoch wird es voraussichtlich n weiteres Koordinierungstreffen
geben.

Außerdem: Mobilisierung der zweiten VV. Auf dem Asta gibt es ab morgen
(Montag) Plakate und Flyer zur zweiten VV. Alle die Lust haben, bitte
beim Verteilen helfen. Wir haben nur drei Tage zur Mobilisierung der
zweiten VV - das darf nich in die Hose gehen!!!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 3 Kommentare

bilder?

alda_rion 12.12.2003 - 18:12
vielleicht können die mods die bilder, die ich mitgesendet hatte, noch mit reinstellen? besten dank!

Spontan?

... 12.12.2003 - 20:32
Also ich frag mich ja immer, woher immer die ganzen Transparente auf den "Spontandemos" kommen. Wurden die noch spontan gepinselt??

naja will ja nicht meckern
weiter so

Keine Wirkung ohne Bereitschaft zum Risiko!

Maxi 13.12.2003 - 14:17
Das wir uns mit den KommolitonInnen anderer Universitäten anderer Bundesländer solidarisch erklären versteht sich von selbst. Allerdings stellt dies zunächst allenfalls eine formale Stärkung dar, die jene, die sich aktiv (siehe z.B. Berlin) engagieren kaum zu dem erforderlichen Mut und Ausdauer verhelfen.

Erfahrungen zeigen, dass nur der Mut unbequeme Wege zu gehen, im Rahmen der studentischen Möglichkeiten spürbar zu stören (effektive Störung des universitären Betriebes, des Land- u./o. Bundestages via Streik u./o. Besetzung und die in der Öffentlichkeit gerne wie Happenings konsumierten kreativen Aktionen usw.), den individuellen Erwerb des einen o. anderen Scheins hinten an zu stellen, eine echte Wirkung zeigen und einen erfahrbaren Antrieb für studentische Proteste o.g. Art bundesweit haben kann. Auf VV?s formulierte Protest- und Solidaritätsnoten sind nett, auf reine, niemand störende Kreativität beruhende Aktionen bewirken zweifellos - und in der Vergangenheit mehrfach erfahren - nette Sympathiepunkte und kaum eine echte Wirkung oder hilfreiche Multiplikatoreneffekte. Will man wirken muß man gespürt und damit bemerkt werden. Gespürt werden Gruppen, denen, wie der unseren, keine Lobby anhängt, allerdings eben nur dann, wenn wir Sand in die Getriebe streuen, stören, kurzfristig sichtbare Verlustgeschäfte provozieren bzw. das diese befürchtet werden müssen (s.d. das sich das politische Anliegen eines Sozialabbaus irgendwann nicht mehr rechnet), die die Entscheidungsträger nicht ignorieren können. Kurz: Es muß ein Leidensdruck erzeugt werden!

Der Aufruf zur Solidarität und des gemeinsamen Protestes an RenterInnen, Arbeitslose, MigrantInnen usw. hat bedauerlicherweise die DozentInnen, ProfessorInnen und sonstige Angestellte der Universitäten nicht eingeschlossen. Gerade deren Solidarität und artikulierte Betroffenheit wäre äußerst hilfreich und würde sicherlich den einen oder die andere möglicherweise noch zögerliche StudentIn zu o.g. Engagement ermutigen.